Glücksfaktor Nächstenliebe

Menschen, die freiwillig helfen, mehr spenden und verschenken,
und solche, denen andere vertrauen, diese Menschen sind glücklicher!
Prof. Dr. med. Tobias Esch (in: Die Neurobiologie des Glücks)

Ich zögere: Soll ich im Titel dieses Artikels wirklich Nächstenliebe schreiben? Ist das Wort nicht abgedroschen und allzu „frömmlich“ aufgeladen? Mitmenschlichkeit, Altruismus, Philanthropie oder Wohltätigkeit, ja – aber Nächstenliebe?

Die Neurobiologie und die Positive Psychologie haben Erstaunliches herausgefunden: Gutes tun hilft – und nicht nur dem, dem geholfen wird, sondern auch dem, der hilft! Nun gut, so erstaunlich ist das nun auch wieder nicht. Die Wissenschaft unterstreicht einfach das, was der Theologe durch sein Bibelstudium (und hoffentlich auch durch sein praktisches Handeln) längst weiss: Die Nächstenliebe ist nicht nur ein Gebot Gottes, sie ist auch ein Glücksfaktor, eine zentrale Tugend für ein gelingendes Leben.

Wenn die Bibel sagt: „Geben macht glücklicher als Nehmen“, ist das nicht einfach eine verstaubte, religiöse Lebenshaltung. Es ist nicht weniger als ein gesundheitsförderndes Lebensprinzip, das auch einem Praxistest im 21. Jahrhundert standhält.

Und genau dies bestätigt inzwischen die Wissenschaft. Die Psychologie Professorin Sonja Lyubomirsky sagt dazu in ihrem Buch Glücklich sein folgendes:

Hilfsbereitschaft macht uns also auf vielfältigste Weise glücklicher. Untersuchungen an Freiwilligen haben beispielsweise gezeigt, dass ehrenamtliche Arbeit zu einer Verringerung depressiver Symptome und einem Anstieg des Glücksempfindens, des Selbstwertgefühls und des Gefühls der Beherrschung und Selbstbestimmung führt und ein „Helferhoch“ auslöst.

Glück – für dich und mich

Das sind schlechte Aussichten für Egoisten. Und es kommt noch dicker: „Denn Egoismus wird nicht nachhaltig belohnt, wie wir heute wissen. Benötigt für den langfristigen Erfolg (und biologisch gefördert) wird dagegen Teamfähigkeit, gemeinsame Erfahrungen, wozu Menschen wiederum ermutigt, eingeladen und inspiriert werden müssen“, sagt der Mediziner Tobias Esch im Fachbuch Die Neurobiologie des Glücks.

An dieser Stelle die komplexen Vorgänge zu erläutern, welche durch unsere guten Taten in unserem Gehirn ausgelöst und welche Glückshormone dabei alles ausgeschüttet werden, würde meine Fähigkeiten und den Rahmen dieses Artikels sprengen. Die Tatsache, dass durch praktizierte Mitmenschlichkeit Glücksbote (wie Oxytozin) in unserem Gehirn aktiviert werden, ist mir Motivation genug.

Soviel zu den positiven Nebenwirkungen von gelebter Nächstenliebe. Auf was warten wir noch? Legen wir doch einfach los! Es ist im Grunde ganz einfach:

  • Schenken wir jemandem Zeit: Entlasten wir z.B. junge Eltern indem wir ihnen einen freien Tag ermöglichen und zum Nachwuchs schauen.
  • Schenken wir jemandem Aufmerksamkeit: Haben wir ein offenes Ohr für die Nachbarin, die gerade durch eine schwierige Lebensphase geht.
  • Schenken wir jemandem Beachtung: Ein Lächeln kann viel bewirken, hier eine kleine Liebestat, dort eine kleine (oder grosse) Hilfeleistung.

Da haben wir’s: Nächstenliebe als Glücksfaktor. Ob wir dafür ein weniger verstaubtes Wort wählen oder bei der schlichten Begrifflichkeit der Bibel bleiben, spielt ja eigentlich keine Rolle. Hauptsache man tut es!

PS: Zufälligerweise habe ich den Glücksfaktor Nächstenliebe gerade heute selbst erlebt: Eine kleine, spontane Aufmerksamkeit hat ein mir unbekanntes Paar im Auto und mich selbst mit einem Glücksgefühl beschenkt, als ich einen Brief für sie in den gelben Kasten einwarf… So einfach – und so beglückend!

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichGesellschaft“.

Anders streiten

Glückliche Paare streiten kaum weniger oft und laut,
doch sie streiten anders.

Sonja Lyubomirsky (in: Glücklich sein)

Wenn wir Paare mit einem Ehevorbereitung-Coaching auf ihren grossen Tag hin begleiten, kommt es immer wieder zu diesem einen spannenden Moment: Wenn es im Gespräch um ihre Konfliktstrategien geht. Vorbereitend auf dieses Treffen beschäftigen sich Mann und Frau separat mit Fragen wie diesen:

  • Neigt ihr dazu, Gefühle (besonders negative) für euch zu behalten?
  • Sagt ihr einander, wenn ihr euch nicht verstanden fühlt?
  • Wer neigt eher dazu, mehr zu sprechen – Dinge anzusprechen?
  • Wie geht ihr vor, wenn Konflikte zu bereinigen sind?
  • Bist du zufrieden, wie ihr Differenzen bereinigt?

Auch wenn wir im Coaching dann nicht jede einzelne Frage durchgehen, sind die Gespräche höchstspannend und wertvoll. Es geht darum, dass jedes Paar einen eigenen, positiven Umgang mit Konfliktsituationen finden kann.

Eigentlich könnte jedes Paar, ob kurz vor dem Start in die Ehe, frisch verheiratet oder bereits eine halbe Ewigkeit zusammen, solche und ähnliche Fragen für sich selbst regelmässig besprechen. Doch wer tut das schon? Darum sind solche Angebote wie ein Ehe-Coaching, Ehe-Seminar oder auch unser Timeout-Weekend für Paare eine grosse Chance. Die besondere Stärke: Zu einem festen Termin werden Dinge angesprochen, die in der Hektik des Alltags unterzugehen drohen. Und: Weg von diesem Alltag kann ganz anders, unbelasteter über wesentliche Dinge gesprochen werden.

Wer kann schon in einer akuten Konfliktsituation die eigene Streitkultur reflektieren? Darum: Besser in einer guten Phase in die eigene Ehe investieren, als erst in schwierigen Momenten aktiv werden!

Vergebungsbereitschaft als Schlüssel

Zusammen mit meiner Frau darf ich die Ehe-Konferenz vom Forum Ehe + Familie moderieren. Im Vorgespräch mit Paaren, die wir an dieser Konferenz interviewen werden, durften wir spannende Storys kennen lernen. Auch wenn diese Paare in den unterschiedlichsten Umständen leben, ist mir eine Gemeinsamkeit aufgefallen: Jedes Paar hat auf die eine oder andere Art gesagt, dass Vergebungsbereitschaft zu einem wichtigen Schlüssel in ihrer Beziehung wurde.

Die Wichtigkeit der Vergebung hat Jesus schon vor 2000 Jahren seinen Zuhörern gepredigt. Und heute lehrt die Positive Psychologie, dass ein glücklicher Mensch ein Mensch ist, der vergeben kann. Ob für eine gesunde Partnerschaft, eine gute Stimmung am Arbeitsplatz oder einfach für unser Lebensglück: Wir müssen lernen zu vergeben.

So lange wir immer Recht haben wollen und die Schuldfrage ins Zentrum rücken, werden wir nachtragend. Und das stört jede Beziehung, besonders die Ehebeziehung. Aus der Störung wird eine Distanz und schlussendlich wohl eine Zerstörung: „Distanz und vor allem Rache machen Sie unglücklich, zerstören Beziehungen und können sich sogar negativ auf die Gesellschaft auswirken“, schreibt Sonja Lyubomirsky im Buch Glücklich sein.

 

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  • Wenn Sie das Thema dieses Artikels angesprochen hat, wird Ihnen auch unser nächstes Ländli-Seminar gefallen (4.-6. Okt. 2013): Was ich dir eigentlich sagen wollte… …oder die Kunst einer gelungenen Paar-Kommunikation.
  • Eine wohltuende, ganzheitliche und alltagstaugliche Auszeit für Paare – das ist unser Timeout-Weekend für Paare. Immer am ersten Weekend im April.
  • Gerne unterstützen wir Sie auch mit unseren weiteren Blogartikel zum Thema Partnerschaft sowie mit einem Coaching.
  • In unserem Online-Shop finden Sie unsere Buchtipps im Bereich Partnerschaft sowie das empfehlenswerte Buch Glücklich sein von Sonja Lyubomirsky.

 

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.

Job oder Berufung?

Eine Berufung ist eine mit Leidenschaft erfüllte Selbstverpflichtung,
um der Sache willen zu arbeiten.
Martin Seligman (in: Der Glücks-Faktor, Warum Optimisten länger leben)

Hand aufs Herz: Warum rappeln Sie sich jeden Morgen auf und machen sich auf den Weg zu Ihrer Arbeit? Des Geldes wegen? Aufgrund Ihrer Karriereziele? Oder weil die Arbeit einfach Spass macht?

In seinem Buch Der Glücks-Faktor beschreibt Martin Seligman drei unterschiedliche Kategorien, wie wir unsere Arbeit betrachten können:

  • Arbeit als Job
  • Arbeit als Karriere
  • Arbeit als Beruf

Mir hat diese Unterteilung sofort gefallen. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, welche Einstellung wir eigentlich zu unserer täglichen Arbeit haben.

Mehr als ein Job

Wenn es uns bei unserer Arbeit ausschliesslich darum geht, genügend Geld für unser Leben zu verdienen, erledigen wir bloss einen Job. Wir stellen dem Arbeitgeber unsere Arbeitskraft zur Verfügung und erhalten als Gegenleistung eine Bezahlung. Mehr erwarten wir uns nicht von unserer Arbeitsstelle. Solange der Lohn stimmt, sind wir soweit zufrieden. Unser Motto wird dann vermutlich sein: Möglichst wenig Engagement zu möglichst hoher Entlohnung.

Arbeit als Berufung?

Die nächste Stufe in diesen Kategorien der Arbeitsorientierung ist die Karriere. Unsere Arbeit dient nun nicht ausschliesslich als Mittel zur Finanzierung unseres Lebensunterhaltes. Hier betrachten wir unsere Arbeitsstelle als Stufe in unserer Karriereleiter. Das persönliche Engagement ist um ein Vielfaches höher, da wir ja nicht nur eine angemessene Entlohnung für unsere Arbeit erwarten, sondern uns auch um eine kontinuierliche Beförderung bemühen.

Bei der Berufung schliesslich spielen Geld und Beförderungen eine sekundäre Rolle. Wir sind Überzeugungstäter. Was wir tun, tun wir aus Leidenschaft und weil wir einen Beitrag zu etwas, was grösser ist als wir, leisten können. Martin Seligman schreibt zu dieser Gruppe von Berufstätigen: „Wenn es kein Geld gibt und Beförderungen aufhören, wird trotzdem weitergearbeitet.“

Traditionell sprach man bei einigen wenigen, prestigeträchtigen Berufsgruppen von Berufung: Ärzte, Priester, Wissenschaftler, Oberste Richter. Doch im Grunde kann jede Arbeitsstelle Job, Karriere oder Berufung sein. Stellen wir uns den Arzt vor, der Dienst nach Vorschrift tut und lediglich an seinem Einkommen interessiert ist – er erledigt bloss einen Job. Hingegen kann selbst ein Wegmeister, der seine Arbeit als Beitrag zu einer sauberen und schöneren Umgebung in einem Dorf betrachtet, einer Berufung nachgehen.

Wann wird unsere Arbeit zu einer Berufung? Martin Seligman schreibt: „Wenn Sie einen Weg finden können, Ihre Signatur-Stärken [individuelle Fähigkeiten] oft bei Ihrer Arbeit einzusetzen, und zudem erkennen können, dass Ihre Arbeit ein Beitrag zu einem höheren Gut ist, haben Sie eine Berufung.“

Das wünsche ich Ihnen!

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Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichArbeit“.

Ohne Gott?

Das Bild wird gleichsam vollständig und der Kreis der Liebe schliesst sich, 
wenn wir zu Gott hochschauen und sagen können: „Danke.“ 
Dr. Henry Cloud (in Auf der Spur des Glücks)

Kürzlich wirbelte eine Berner Pfarrerin ziemlich Staub auf, als sie im Radio verkündete: „Gott existiert nicht.“ Ella de Groot, reformierte Pfarrerin aus Muri-Gümligen, hatte im Juli in einer Sendung von Radio SRF2 erklärt, dass sie nicht an einen realen Gott glaube. Wenn eine Pfarrerin mit dem Glauben an einen realen Gott nichts anfangen kann, provoziert das. Die Aussagen von Ella de Grott sorgten für ein grosses Medienecho im In- und Ausland. Die Berner Zeitung schreibt: „Gemäss den Medienberichten sagte de Groot unter anderem, sie glaube nicht an einen personalen, ausserweltlichen Gott. Für sie sei Gott etwas Innerweltliches, die Lebenskraft, die Lebensenergie.“

Als Reaktion auf die Äusserungen von de Grott haben elf junge Berner Pfarrerinnen und Pfarrer eine Stellungnahme veröffentlicht: „Doch wir sind überzeugt: Der kleinste gemeinsame Nenner unserer Vielfalt muss unser Glaube an Gott sein. Kirche ohne Gott ist nicht Kirche.“

Glücklich leben – mit oder ohne Gott?

Derzeit lese ich verschiedenste Bücher der Positiven Psychologie. Da begegnet mir – je nach Autor – ganz ähnliches: Es wird ein Leben beschrieben, das bestens zu den alten biblischen Lebensweisheiten passt. Es werden christliche Tugenden wie Dankbarkeit, Vergebung oder Grosszügigkeit als wichtige Eckpfeiler eines solchen Lebens aufgeführt. Selbst der transzendente Glaube wird durchaus als Beitrag zu einem glücklichen Leben aufgeführt. Doch all dies wird immer mal wieder gesagt, ohne selbst an die Existenz des Schöpfergottes zu glauben. Vielleicht gibt es Gott, aber wahrscheinlich ist er eine menschliche Erfindung, scheint bei einigen Exponenten der Positiven Psychologie der Grundtenor zu sein.

So sehr ich Autoren wie Martin Seligman oder Mihaly Csikszentmihalyi schätze (und sie in meinem Blog auch zitiere und ihre Bücher empfehle), für mich als Theologe und praktizierender Christ ist es unvorstellbar, den persönlichen Schöpfergott aus einem gelingenden Leben auszuklammern. Das sinnerfüllte Leben ist für mich untrennbar an die Überzeugung geknüpft, dass da ein Gott ist, der mir dieses Leben schenkte, mich kennt, liebt und will.

Ich profitiere sehr gerne von den Erkenntnissen der Positiven Psychologie und integriere viel davon in meine Arbeit. Dazu brauche ich jedoch eine lebendige Gottesbeziehung: Denn wie kann ich vergeben, ohne Gottes Vergebung in Anspruch zu nehmen? Wie kann ich dankbar sein, wenn ich nicht weiss, wem ich das Leben verdanke (oder reicht dazu der Glaube an den Zufall oder eine natürliche Auslese?)?

Sowohl Seligman als auch Csikszentmihalyi kommen mir am Ende etwas sprachlos vor, wenn sie in ihren Büchern über die Sinn- und Glaubensfrage schreiben. Trotz vieler Worte und ausgeklügelter Philosophie überzeugen mich ihre Antworten nicht. In Der Glücks-Faktor schreibt Seligman (2012:405): „Teilnehmen an einem
Prozess, der das Herbeiführen eines Gottes im Vollbesitz von Allwissenheit,
Allmacht und Allgüte zum höchsten Ziel hat, verbindet unser Leben mit einem
grenzenlos grossen ‚Etwas‘“.
Seine These: Gott existiert noch nicht, doch dank fortschreitender Evolution können wir ihn in ferner Zukunft erschaffen.

Sinnerflülltes Leben ohne Gott? Für mich unvorstellbar.

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Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Spiritualität“.

Doping für die Seele

Was den Menschen wirklich befriedigt, ist nicht, schlank oder reich zu sein, sondern sich in seinem eigenen Leben wohlzufühlen.
Mihaly Csikszentmihalyi (in: FLOW – Das Geheimnis des Glücks)

Ich kenne mehrere Menschen, die einen angeblich sicheren Job aufgegeben haben und die Reise in eine eher ungewisse berufliche Zukunft gewagt haben. Warum tauschten diese Leute die Sicherheit gegen die Ungewissheit? Sind es etwa besonders abenteuerlustige Zeitgenossen oder gar gesellschaftskritische Aussteiger? Einige davon vielleicht schon, doch die Mehrheit der mir bekannten „Umsteiger“ sind es nicht.

Was dann? Meine Vermutung ist diese: Sie waren auf der Suche nach Doping für die Seele und strebten nicht nach Doping für das Portemonnaie.

In meiner Forschungsarbeit zum Thema Glück wird beim Blick in die entsprechende Literatur immer deutlicher: Geld macht nicht glücklich! Viele Studien belegen das. Sicher, auch das zeigen die Studien, bis zu einem gewissen Punkt beeinflusst unsere Finanzkraft unser Glück. Doch sobald die Grundbedürfnisse gedeckt sind, lässt sich die Lebenszufriedenheit nicht merklich und nachhaltig durch mehr Geld anheben.

Im letzten Blogartikel vor der Sommerpause habe ich dazu folgendes geschrieben:

Doch selbst wenn das möglich wäre, glaube ich nicht, dass Mitarbeitende oder auch Kunden über finanzielle Reize langfristig zu motivieren sind. Wir müssen einen tieferen Kern in ihnen ansprechen!

Wie sprechen wir diesen inneren Kern an? Anders gefragt:

Was ist Doping für die Seele?

In Anlehnung an das obige Zitat von Mihaly Csikszentmihalyi würde ich als erstes sagen: Doping für die Seele ist, wenn man mit sich selbst im Reinen ist. Oder eben wenn man sich in seinem eigenen Leben wohlfühlt.

Und dazu gehören weniger Dinge wie Reichtum, Status und Aussehen. Sondern eher:

  • Selbstbewusstsein – ein Bewusstwerden von sich selbst: Wer bin ich (nicht)? Was kann ich (nicht)? Was will ich (nicht)?
  • Ein Umfeld, das zu mir passt: Mitmenschen, die mich zum Blühen bringen. (Ein solcher Mitmensch ist hoffentlich nicht nur „die beste Freundin“, sondern darf sehr gerne auch der Chef, der Ehepartner oder die Arbeitskollegin sein!)
  • Ziele, die zu meinen Überzeugungen passen: Wenn unser tägliches Wirken kaum unserer inneren Wertvorstellung entspricht, fühlen wir uns bei dem, was wir tun, im besten Fall neutral – aber kaum beflügelt.
  • Aufgaben, die zu unseren Talenten passen: Doping für die Seele ist, wenn ich (auch beruflich) das machen kann, was ich gerne tue und besonders gut kann.
  • Ein Sinn, der meinem Leben Halt gibt: Um mich in mir selbst wohlzufühlen, muss ich wissen, warum ich tue, was ich tue. Wo liegt der tiefere Sinn in meinem Sein und Wirken?

Doping für die Seele ist demnach, wenn ich mich selbst kenne und mein Alltagsleben optimal zu diesem Selbst passt. Und darum orientieren sich einige in ihrem (Berufs)Leben neu.

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichSelbst“.

Mitmenschen motivieren

Die beste ‎Motivation ist immer noch,
den Menschen ‎Eigenverantwortung zuzugestehen.

(Erich Sixt)

Nach der Frage, wie man sich selbst motivieren kann (Kann Arbeit glücklich machen?), interessiert mich heute die Frage, wie wir andere Menschen motivieren können. Darüber, wie dies bei den Kindern gelingen oder misslingen kann, habe ich mir letzte Woche Gedanken gemacht (So machen Sie Ihre Kinder (un)glücklich!). Doch wie ist es, wenn wir Menschen ausserhalb unserer Familie motivieren wollen? Zum Beispiel als Chef am Arbeitsplatz oder als Trainer am Spielfeldrand, vielleicht auch als Freundin, die ihr wichtige Menschen unterstützen möchte. Und natürlich interessiert mich diese Frage auch als Life-Balance-Coach, der Menschen in ihrer Persönlichkeitsentfaltung begleitet.

Reisebegleiter sein

Beginnen wir doch bei uns selbst: Wann fühlten wir uns von anderen in besonderem Masse motiviert – oder eben auch nicht? Ich erinnere mich an zwei Erlebnisse, die ich alles andere als motivierend empfand. Während meiner Banklehre hatte ich einmal einen Chef, der die Angewohnheit hatte, einfach kommentarlos weitere zu bearbeitende Dossiers auf meinen Schreibtisch zu knallen. Seine Geste und der wachsende Pendenzenberg machten mächtig Druck – schon fast angsteinflössend für einen 19jährigen.

Die zweite Situation war, als ich in jugendlichem Enthusiasmus ein neues Projekt startete und ich mir von einem Unbeteiligten gut gemeinte, aber unverhofft und ungebeten platzierte, mahnende Ratschläge anhören musste.

Zuoberst auf meiner Demotivationsrangliste stehen folglich: Bemutterung (Leute, die meine Situation nicht kennen und sich dennoch kompetent fühlen, mir zu sagen, was ich jetzt zu tun habe), Alibiaufträge (Teamleiter, die einen etwas ausarbeiten lassen und dann doch selber entscheiden) und Herumkommandierung (Chefs, die alles andere als einen partnerschaftlichen Führungsstil haben und darauf warten, dass ich scheitere). Was steht auf Ihrer Liste ganz oben?

Motiviert fühle ich mich, wenn ich als Person ernstgenommen werde. Wenn sich jemand die Mühe macht, mir wirklich zuzuhören und versucht, sich in meine Situation hineinzudenken, ohne vorschnell Lösungen zu präsentieren. Angespornt werde ich auch, wenn mir etwas zugetraut wird. Wenn mir das Gefühl vermittelt wird, dass genau mein Beitrag für das gelingen eines Projektes von entscheidender Bedeutung ist. Und: Mich motiviert, wenn ich in der Umsetzung einer Aufgabe Freiraum und Eigenverantwortung habe. Grundsätzlich tut mir gut, wenn ich Anerkennung für mich als Person und für meine Tätigkeit erhalte.

Obwohl ja jeder Mensch etwas anders tickt, wird das, was mich motiviert, bestimmt auch von vielen anderen als motivierend erlebt. Darum will ich es als Reisebegleiter und nicht als Befehlshaber versuchen. Das Leben ist eine Reise – und jeder reist auf seine Weise. Als Reisebegleiter will ich Menschen auf dieser Reise unterstützen: Was kann ich tun, damit sie an ihr Ziel kommen? Und dort, wo ich für eine Organisation Verantwortung trage, werde ich in gewissen Situationen nicht nur der Begleiter sondern auch der Reiseführer sein, der die gemeinsame Richtung vorgibt. Doch auch da will ich möglichst die Eigenverantwortung aller Beteiligten fördern: Wenn es mir gelingt, Menschen gemäss ihren persönlichen Interessen und Stärken ihren Beitrag leisten zu lassen, habe ich es mit motivierten Mitmenschen zu tun.

Da in meinem Umfeld (gemeinnützige sozial-diakonische Kinder- und Familienanimation) die finanziellen Mittel sehr beschränkt sind, komme ich gar nicht auf die Idee, Menschen rein monetär motivieren zu wollen. Doch selbst wenn das möglich wäre, glaube ich nicht, dass Mitarbeitende oder auch Kunden über finanzielle Reize langfristig zu motivieren sind. Wir müssen einen tieferen Kern in ihnen ansprechen!

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichGesellschaft“.

So machen Sie Ihre Kinder (un)glücklich!

Seine Freude in der Freude des anderen finden können,
das ist das Geheimnis des Glücks.

Georges Bernanos

Diese Woche ging für unseren Sohn ein langersehnter Wunsch in Erfüllung: Er durfte seinen Freund ins Fussballtraining begleiten. Er war richtig kribbelig und hätte am liebsten schon Stunden vor dem Training die Schoner montiert und die Fussballschuhe geschnürt. Und nach dem erstmaligen Mittun im FC-Training erzählte unser Sohn mit leuchtenden Augen: „Dank einem Tor von mir gings in die Verlängerung!“. Was für ein Einstand…

Freuen sich die Kinder, ist auch die Freude der Eltern gross. Und eigentlich wäre es ja oft ganz schön einfach, mindestens wenn wir dem Rat der Kinder folgen würden, unseren Nachwuchs glücklich zu machen: Solange wir die Wünsche unserer Kinder zeitnah erfüllen, sind sie zufrieden und stellen den Eltern ein gutes Zeugnis aus.

So sehr ich dem obigen Zitat zustimme, wenn wir auf diese Art unsere Freude von der Freude unserer Kinder abhängig machen, müssen wir uns auf massive Nebenwirkungen einstellen. Das kann nicht lange gut kommen! Das mag einerseits an unserem beschränkten Geld- und Zeitbudget liegen, das nicht alle Wünsche erfüllen kann. Anderseits, und vor allem, liegt es an unserer menschlichen Natur, genauer an unserem Lustzentrum. Eine wunderbare Erfindung des Schöpfers, dazu gedacht, die Freuden des Lebens intensiv wahrzunehmen und zu geniessen, wird in unserer Gesellschaft zunehmend missbraucht. Dieser Missbrauch führt uns in eine Sackgasse: „Wir haben in unserer Suche nach Freude und Lust den Bogen überspannt, mit dem Ergebnis, dass wir gegenüber eben dem Schönen, das wir so eifrig suchen, abgestumpft sind.“ So beschreibt es der Psychologe und Hirnforscher Archibald Hart in seinem Buch Wer zu viel hat, kommt zu kurz.

Konkret: Das Lustzentrum bewirkt, dass sich die Befriedigung unserer Wünsche zu einem Bumerang entwickeln und wir süchtig nach dem nächsten „Kick“ werden. Und wie es zu einer Sucht gehört, braucht es in immer kürzeren Abständen eine immer höhere Dosis. Mit dem Effekt, dass an einem gewissen Punkt die Reizschwelle zur Lustempfindung so hoch ist, dass wir kaum mehr Freude in unserem Leben erfahren. Das Resultat: Wir leiden an Anhedonie, also an Lustverlust.

Leider sind die heutigen stressigen Lebens- und Arbeitsgewohnheiten sowie ein Erziehungsstil, der den Kindern jeden Wunsch von den Augen liest, beste Fördermittel für die Anhedonie-Falle.

Zurück zu unserem fussballbegeisterten Sohn: Auch wenn es sich nicht gut anfühlt, wenn wir ihm seine Wünsche nicht sofort erfüllen, ist es ganz gut so. Es wäre einfacher für uns gewesen, wenn wir schon vor Monaten unsere Zustimmung fürs Fussballtraining gegeben hätten. Ein Nein kostet etwas, doch wer seine Kinder vor der Lustverlust-Falle bewahren will, befriedigt nicht einfach jede Lust seiner Kinder.

 

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.

Kann Arbeit glücklich machen?

Strebe mehr lohnendes Handeln an;
reduziere das Streben nach Vergnügen.

Martin Seligman
(in: Der Glücks-Faktor, Warum Optimisten länger leben)

Wie werde ich zufrieden? Was macht mich glücklich? Wie kann Selbstmotivation gelingen? Und wie kann mir meine Arbeit mehr Freude machen?

Haben Sie sich solches und ähnliches auch schon überlegt? Der Psychologe Prof. Martin Seligman hat mit seiner Glücksforschung die Psychologie revolutioniert. Während die Psychologie lange Zeit vom Krankheitsbild und den Störungen des Menschen bestimmt wurde, fragte er nach den Faktoren, die seelische Gesundheit und Wohlbefinden fördern. Die Positive Psychologie entstand. Dieser neue Ansatz ist nicht defizitorientiert angelegt, sondern ressourcenorientiert.

Flow bei der Arbeit – wann fühlen Sie sich im Element?

Wie kann ich mich selbst motivieren?

Zurück zu unserer Frage nach dem persönlichen Glück und der eigenen Zufriedenheit in Arbeit und Leben: Erstaunlich ist, dass uns nicht das Streben nach Glück nachhaltig glücklicher macht. Lebenszufriedenheit gewinnen wir nicht mit noch mehr Spassmomenten, gefragt ist eine kreative, ausbalancierte Lebensgestaltung. Seligman unterscheidet zwischen Vergnügen und Handlungen, die sich lohnen. Mit seinen Ausführungen zu diesem Thema ist er nicht einfach ein Spasskiller, im Gegenteil: Genuss, Sinnlichkeit und Vergnügen sind sehr wichtig. Aber wir werden nicht nachhaltig glücklich, wenn wir nur auf diese Dinge setzen, die wir „konsumieren“ können und uns kurzfristig gute Gefühle bringen (Schokolade, Nackenmassage, Wein und gutes Essen, Kino…).

Was würde geschehen, wenn mein gesamtes Leben aus derart leicht zugänglichen Genüssen bestünde, wenn meine Stärken nie gefragt wären, wenn ich niemals mit einer Herausforderung konfrontiert wäre? Solch ein Leben wäre geradezu auf Depression programmiert. In einem mit Bequemlichkeiten angefüllten Leben verkümmern die menschlichen Stärken und Tugenden, während sie in einem Leben, das in freier Wahl seine Erfüllung im sich seelisch lohnenden Handeln sucht, gedeihen.
(Martin Seligman, in: Der Glücks-Faktor, Warum Optimisten länger leben, Seite 198)

Konkret heisst das, dass uns im Grunde die Dinge, die wir tun, viel mehr und nachhaltiger befriedigen, als die Dinge, die wir konsumieren. Was uns zufrieden macht, ist die Erfahrung von Flow. Es sind diese Momente bei der Arbeit oder in der Freizeit, in denen wir unsere Leidenschaft sowie unsere Stärken einbringen können und die Zeit scheint still zu stehen. Wir gehen so sehr in einer Tätigkeit auf, dass alles andere ringsherum zu verschwinden scheint – wir sind hochkonzentriert bei dem, was wir tun und sind mit uns und der Welt in Einklang.

Ich sehe bei der Unterscheidung von Seligman auch einen Zusammenhang mit dem Konzept der intrinsischen (von innen) und extrinsischen (von aussen) Motivation: Während eine Lohnerhöhung etwas ist, das wir „konsumieren“ und uns kurzfristig glücklicher macht, sind wir nachhaltig zufrieden bei der Arbeit, wenn die Tätigkeit mit unseren Wertvorstellungen, unseren Stärken und unserer Persönlichkeit zusammenpasst.

Das Glück kommt nicht, wenn wir permanent auf der Suche nach Vergnügen sind. Doch wenn wir das tun können, was uns von innen heraus motiviert, werden wir nicht nur bessere Arbeit abliefern, sondern auch mehr Lebenszufriedenheit erfahren!

 

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