„Ich kann nicht atmen“

Die Sonne kitzelt mich im Gesicht während ich diesen Artikel auf einer Hotelterrasse in Solothurn schreibe. Freier Blick auf die Aare mit der imposanten St. Ursen-Kathedrale im Hintergrund. Im Park nebenan vergnügen sich Kinder und spielen Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen Pétanque.

Paare flanieren am Aareufer, Senioren geniessen den Einkauf auf dem Wochenmarkt. Später gehe ich mit einem Freund zum Abendessen in ein gemütliches Restaurant in dieser schönen Stadt.

Das Leben ist zurück!
Wir sind wieder frei!
Ein schönes Lebensgefühl!

Ich wünsche mir, dass wir die neu gewonnene Freiheit bewusst geniessen und gestalten. Auch wenn es sich fast schwieriger anfühlt, mit der neuen Normalität zu recht zu kommen, als damals, als der Bundesrat uns von 100 auf 0 ins eigene Heim beordert hatte.

Damals war klar: „Bleiben Sie zu Hause!“
Kein Kontakt, keine Familienfeste, nichts.

Und jetzt? Darf ich euch alle wieder zu mir in den Garten einladen, ein Buffet aufstellen und das Leben feiern? Ja, es scheint wieder möglich zu sein – und trotzdem muss noch etwas Abstand gehalten werden.

Aber wir haben in den vergangenen Wochen ganz andere Probleme gemeinsam alleine gemeistert.

#staytogether

Vielleicht hilft uns der vergangene Lockdown etwas mehr zu schätzen, was uns in unserem Land geschenkt ist – mindestens wenn wir die richtige Hautfarbe und die richtige sexuelle Orientierung, das richtige Geschlecht und ganz grundsätzlich die „richtige Gesinnung“ haben.

Freunde, ich schäme mich dafür, dass Menschen so grausam mit Menschen umgehen können!

Mein Gast im Mini-Chäs (Kurztalk) diese Woche hat es in etwa so gesagt: „Es ist normal, dass wenn du auf irgendeine Art anders bist, du gehänselt wirst.“

Diskriminierung = normal???
Wollen wir das wirklich?
In unserem Land?
„Freie Menschen“, die „andere“ einfach quälen?
Realy?

Schaut selbst, was man in unserem Land erlebt, wenn man nicht die „richtige“ Hautfarbe hat:
(Der ganze Talk könnt ihr hier anschauen.)

Leider ist Dave mit dem, was er erlebt, keine Ausnahme. Gründe, warum jemand ausgegrenzt oder gequält wird, gibt es viele. Eindrücklich haben drei Mitglieder der Bieler Stadtregierung kürzlich im Kontext vom Bieler Tagblatt geschildert, was sie als homosexuell empfindende Menschen erleben.

Wegen Corona werden derzeit Menschen aus dem asiatischen Raum diskriminiert und in Amerika macht gerade wieder ein Fall von brutaler Polizeigewalt gegen einen Schwarzen Schlagzeile.

„Ich kann nicht atmen“, habe George Floyd mehrmals gesagt, als ein weisser Polizist minutenlang sein Knie in den Hals des Afroamerikaners drückte.

Vier Polizisten waren an diesem Einsatz beteiligt!
Der Schwarze stirbt im Spital.
Scheinbar war er ein Sicherheitsbeamter in einem Heilsarmee Obdachlosenheim.
Tod wegen falscher Hautfarbe?
Wirklich?

Ich möchte nicht in einer solchen Welt leben!
„Ich kann nicht atmen!“
Tatsächlich rauben mir solche Geschichten den Atem.

Diese elende Arroganz von Menschen, die meinen, sie sein etwas Besseres nur weil sie – weiss, hetero, einigermassen „gebildet“ und vielleicht sogar männlich sind.
Vor allem aber „ein-gebildet“.

Liebe Freunde, wir sind doch nichts Besseres, nur weil wir so unverschämt viel Glück hatten und am „richtigen“ Ort, mit dem „richtigen“ Geschlecht, der „richtigen“ Hautfarbe, der „richtigen“ sexuellen Orientierung geboren wurden!!

#stayhome war gestern.
Könnten wir uns nun vielleicht für #staytogether engagieren?

Diese schmerzhafte Diskriminierung muss ein Ende haben!
Der Mensch ist wertvoll, weil er Mensch ist!
Der Mensch hat seine Würde, weil die göttliche Liebe jeder und jedem gilt!

Weisst du was? Du bist wunderbar, wertvoll, geliebt!
Aber bitte hör auf, in irgendeinem Winkel deines Herzens zu meinen, du seist etwas Besseres!

Glücksaufgabe

Menschen möchten gesehen, geliebt und geschätzt werden – das macht nachhaltig glücklich. Wie kannst du dazu beitragen, dass genau dies in unserer Welt öfter geschieht?

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