Ist Mitarbeitermotivation wirklich Chefsache?

Kennst du dieses bedrückende, viel zu lange Schweigen in einer Teamsitzung wenn gefragt wird: „Wer übernimmt diese Aufgabe?“?

Es ist so ähnlich, wie wenn an einem Comedy-Event Freiwillige gesucht werden – alle, bis auf diese eine Rampensau, die sich gerne auf jeder Showbühne sieht – blicken unauffällig zu Boden oder müssen gerade jetzt dringend aufs WC.

Heute ist Internationaler Tag der Freiwilligen. Ohne sie würde ganz viel still stehen in unserer Gesellschaft. Selbst wenn immer mehr Aufgaben, die früher durch freiwillig Mitarbeitende ausgeführt wurden, professionalisiert werden – es bleibt dabei: Unsere Gesellschaft mit einem vielfältigen Vereinswesen und einem weitreichenden Milizsystem lebt vom freiwilligen Engagement.

Wie aber motiviert man diese Freiwilligen? Oder auch unsere angestellten Mitarbeitenden?

Kürzlich war ich auf dem Health LeaderSHIP auf dem Bielersee, wo ich einen Teil des World Cafés moderieren durfte. Bei unserem Gespräch ging es genau um diese Frage der Motivation.

Ein Beitrag war sehr spannend: Ist es wirklich meine Aufgabe als Chef meine Mitarbeitenden zu motivieren? Darf ich nicht von ihnen erwarten, dass sie bereits motiviert zur Arbeit erscheinen?

Es ist überhaupt nicht so, dass dieser Chef sich vor seiner Verantwortung drücken wollte. Im Gegenteil: Er tut schon sehr viel, um ein motivierendes Umfeld für seine Mitarbeitenden zu schaffen.

Und genau da liegt sein Punkt: Ich kann meine Mitarbeitenden gar nicht wirklich motivieren – das wäre ja eine Art „Menschen antreiben“. Was aber meine Aufgabe ist, hat damit zu tun, Raum zu schaffen, damit meine Mitarbeitenden ihre Grundmotivation ausleben können.

Anders gesagt: Als Führungsverantwortliche sollten wir vor allem dafür sorgen, dass wir nicht etwa das Feuer, das in den Menschen brennt zum Erlöschen bringen, sondern sie darin unterstützen, dass sich dieses Feuer, diese Energie, weiterentwickeln kann.

Und da sprechen wir dann gerne vom Unterschied der intrinsischen und extrinsischen Motivation: Wirklich nachhaltig motiviert sind wir nur, wenn es von innen kommt, wenn wir Ziele verfolgen, die unsere persönliche Ziele sind.

Motivation von aussen hat eine sehr kurze Halbwertszeit. Aus der Glücksforschung wissen wir, dass materielle Anreize ihren Reiz ziemlich schnell verlieren.

Motivierte Leute im Bus

Jim Collins hat in seinem Bestseller Der Weg zu den Besten eine bemerkenswerte Feststellung gemacht. Er selbst war über dieses Resultat seiner Forschung überrascht: Oft spricht man davon, wie wichtig eine grossartige Vision ist.

Mit einer solchen leuchtenden Vision trommeln wir dann Leute zusammen, die von diesem Feuer, das bereits in uns brennt, angezündet werden sollen.

Collins Studien zeigten aber: Wichtiger ist, zuerst die richtigen Leute „im Bus“ zu haben und zusammen mit ihnen die Richtung festzulegen.

Diese „Reisegruppen“, in der man einfach gerne zusammen ist, gerne zusammen Projekte stemmt und die Zusammenarbeit für alle eine Inspiration ist, kann dann nötigenfalls sogar Kurskorrekturen vornehmen – man ist zusammen, weil man zusammen unterwegs sein will. Und nicht bloss weil einer eine Vision hatte, der man sich angeschlossen hat.

Eine grossartige Vision ohne grossartige Mitarbeiter ist belanglos.
Jim Collins

Und da ist er wieder, dieser Ansatz der Motivation: Wenn ich Leute für eine Vision motivieren muss, hat das etwas Aufgesetztes. Doch wenn Leute zusammen unterwegs sind, die sowieso schon motiviert sind, habe ich als Führungsperson eine ganz andere Aufgabe: Ich unterstütze meine freiwilligen oder angestellten Mitarbeitenden darin, das zum Leuchten zu bringen, was sowieso schon in ihnen brennt.

Gegenwärtig darf ich mit grosser Freude erleben, wie anders Teamsitzungen sind, bei denen sich Mitarbeitende sofort freudig freiwillig melden, um Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen. Kein beklemmendes Schweigen, sondern ein hoher Energielevel: Ja, das wollen wir. Lass es uns gemeinsam anpacken!

Glücksaufgabe

Kennst du deine persönliche intrinsische Motivation? Was ist deine Passion, das was dich beflügelt und du gerne tust – auch ohne Chef, der dich zu motivieren versucht?

Und wie könntest du das innere Feuer der Menschen in deinem Umfeld entdecken?

Veranstaltungs-Tipp: Der Leitungskongress mit Top-Speakern im Bereich Leadership, Ende Februar 2020 in Karlsruhe.

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