Freu dich! – aber nicht zu sehr…

Das Ganz- und Heilsein, das uns Jesus anbietet,
betrifft all meine Lebensbereiche:
mein Selbst, die Gemeinschaft, mein Beruf,
die Liebe und Familie und meine Spiritualität.

Stefan Gerber

Dem aktuellen Medienmagazin antenne (ERF) durfte ich einen Artikel beisteuern. Ich hatte den Auftrag, der teils weit verbreiteten „Pass-auf-Mentalität“ etwas entgegenzusetzen. Schnell war ich von der Idee begeistert. Viel zu oft hab ich nämlich dieses von Angst geprägte „Tu dies, lass jenes, pass auf!“-Christsein schon selbst beobachtet. Da wird von einem Leben spendenden Gott gepredigt, aber einige seiner irdischen Botschafter machen doch eher einen Leben tötenden Eindruck.

Auf der anderen Seite begegene ich hier und da Menschen, die mit einem gut gemeinten und doch so aufgesetzten „Uriella-Lächeln“ durch die Welt gehen. – Die Motivation ist dabei wohl die Aufforderung: „Freut euch allezeit!“ Ist ja gut und recht, doch bitte lasst diese Freude echt sein! Es ist eine traurige (und Leben tötende) Heuchelei, ein Lachen im Gesicht und Bitterkeit im Herzen zu haben.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf ist dann der Titel für den erwähnten Artikel entstanden: Freu dich! – aber nicht zu sehr… So kommt es mir leider manchmal in gewissen Kreisen vor: Man soll sich zwar freuen, aber es wirkt irgendwie aufgesetzt, schier befohlen. Und wenn man dann mal wirklich Freude hat, weil es das Leben gerade gut mit einem meint, dann darf man doch nicht zu dick auftragen, sonst wirkt man irgendwie überheblich oder zu wenig „geistlich“. Am besten freuen wir uns einfach „durchschnittlich“, dann fallen wir nicht auf… Aber ist das das Leben in Fülle, das uns in der Bibel versprochen wird? Es muss mehr geben!

„Pass-auf-Mentalität“ oder „z’friede läbe“?

Der von Warntafeln geprägten Angstmentalität stelle ich das Konzept von „z’friede läbe“ gegenüber. Dabei habe ich die fünf Lebensbereiche, wie sie die Individualpsychologie kennt, vor Augen. Das Modell wird dem Leben in seiner Ganzheit gut gerecht und betont, dass für ein gesundes und zufriedenes Dasein die verschiedenen Aspekte des Lebens in einer guten Balance zueinander stehen müssen. Was die Psychologie und die Life-Balance-Berater heute betonen, finden wir schon im alten Schalom-Begriff (Schalom = hebräisch für Frieden; gemeint ist der Frieden, den Gott uns anbietet. Mehr dazu in Mehr als World-Peace) als wertvollen Schatz für ein erfülltes Leben: Ganzheitlichkeit und inneren Frieden erfahren wir dort, wo wir das Leben in all seinen Facetten wahrnehmen, geniessen und gestalten. Das Ganz- und Heilsein, das uns Jesus anbietet, betrifft mein ganzes Sein, all meine Lebensbereiche:

  • Mein Selbst: mein körperliches, geistiges und seelisches Wohlergehen
  • Gemeinschaft: soziale Beziehungen, mein Platz in der Gesellschaft, soziale Verantwortung
  • Arbeit: meine (beruflichen und ehrenamtlichen) Tätigkeiten, meine Stärken, meine Karriere und mein Besitz
  • Liebe/Familie: mein Elternhaus, meine Familie, meine Ehe, mein Vater- oder Muttersein
  • Spiritualität: meine versöhnte Gottesbeziehung und mein Umgang mit Gottes guter Schöpfung

Wer dieses Leben, das uns geschenkt ist, in allen fünf grossen Bereichen auskostet und gestaltet, hat wirklich Grund, sich zu freuen. Aber bitte nicht „durchschnittlich“…

 

Weiterführende Angebote zum Thema

 

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichSpiritualität“.

2 Antworten auf „Freu dich! – aber nicht zu sehr…“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.