Als Team stärker?

Wer andern eine Blume sät, blüht selber auf!
Verfasser unbekannt

Einmal mehr las ich neulich genüsslich in meiner Sonntagslektüre und blieb beim Artikel „Gemeinsam stark“ (NZZ am Sonntag, 16. Sept. 2012) über das Buch Zusammenarbeit von Richard Sennett hängen. Auch wenn im Artikel über den Soziologen Sennett und sein neustes Buch ein eher düsteres Bild über den Zustand unserer Gesellschaft gezeichnet wird, können wir nicht ganz abstreiten, was da steht: „Jeder kämpft gegen jeden und schaut nur für sich. Arm und Reich klaffen immer weiter auseinander. Selbstherrliche Manager lassen ihrer Gier freien Lauf. Das Gemeinswesen droht auseinanderzubrechen.“

Das düstere Bild hellt sich auf, wenn Richard Sennett die Vision einer Gemeinschaft schildert, die sich an einem Orchester orientiert: „Der Einsatz des Einzelnen dient dem Klang des Ganzen, das Zuhören ist so wichtig wie das Spielen.“ Wer kann sich noch leisten zuzuhören? In einer Zeit, in der Geschwindigkeit und Selbstmarketing (= sich selbst anpreisen und somit immer von sich reden, statt zuzuhören) über allem stehen. Und: Bin ich mir bewusst, dass mein Beitrag Teil des Klanges (oder auch: Teil des Missklanges) ist? Verstehe ich mich als Teil des Grossen Ganzen oder erledige ich Dienst nach Vorschrift und erkenne die Bedeutung meiner Arbeit gar nicht?

Teamwork – für die Einen ein Reizwort, für die Anderen ein Wunderheilmittel. Nachdem das Team vor Jahren schwer in Mode kam, Büros umgebaut wurden, Hierarchien flach gehalten wurden, plötzlich alle mit dem Generaldirektor per Du waren, folgte eine Phase der Ernüchterung: Teamarbeit ist nicht die Lösung auf alle Probleme. Und: Nicht jeder ist für Teamarbeit geschaffen. Je nach Persönlichkeitsstil blüht man bei der Arbeit in einem Team so richtig auf – oder man trocknet langsam aus, weil man sich und seine Ideen eben doch besser in der Ruhe der Einzelarbeit entwickeln kann.

Das deckt sich mit meinen Erfahrungen: Teams sind eine grossartige Sache, aber es gibt einige Tücken, die zu Fallgruben einer erfolgreichen Teamarbeit werden können. Da kann manch einer zum Schluss kommen: Wir lassen es. Zusammenarbeit in Teams braucht zu viel Zeit, schafft unnötig zwischenmenschliche Konflikte und überhaupt will ich arbeiten und nicht in Meetings festsitzen.

Was es zu beachten gibt

Bevor wir nun die Teams schon abschreiben, einige Hinweise, wie Teamarbeit gelingen kann und wir dabei Lust statt Frust erleben können:

  • Der Lead muss klar sein.
    Es gibt verschiedenste Modelle und Ideen, wie Teamarbeit funktionieren kann. Mir wurde schon gesagt: „Wir haben keine Leitung, wir haben Teams.“ Mag sein, dass irgendwo auf der Welt, mit den richtigen Leuten, der Ansatz von sich selbstorganisierenden Teams funktioniert. Meine Erfahrung ist eine andere: Ein starkes Team brauch eine starke Führung!
  • Nicht jeder kann ein Team leiten.
    Dies ist die Weiterführung des vorherigen Punktes. Wie oft sass ich schon in einer Sitzung und dachte: Wie schade nur, dass die leitende Person nicht mehr Leadership-Qualitäten hat. Auch hier gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Für mich ist klar: Nicht jeder hat die nötigen Führungskompetenzen um ein Team zu leiten. Zu oft wird die Person, die sich mit viel Fachwissen und herausragender Arbeit bewährt hat, automatisch zum Teamleiter. Aber die Fähigkeiten, die man als Führungsperson benötigt, unterscheiden sich womöglich fundamental von den herausragenden Fähigkeiten in einem bestimmten Fachbereich.
  • Das Ziel muss klar sein.
    Ich habe schon Teams erlebt, da war das gemeinsame Ziel nicht definiert. Als zielorientierter Visionär sind mir solche Situationen natürlich schnell unangenehm. Aber ist ein zielloses Meeting und die Teamarbeit ohne übergeordnete Vision nicht für alle ein Leerlauf? Darum: Das Ziel muss klar sein. Und es muss auch immer mal wieder über das Ziel gesprochen werden, damit es nicht plötzlich aus dem Blickwinkel verschwindet.
  • Als Team muss man sich mögen.
    Ob im Job oder noch eindrücklicher in der Politik (mindestens in unserem schweizerischen System), auf die Zusammensetzung der Teams hat man oft wenig Einfluss. Dabei haben Studien gezeigt: Der Unterschied zwischen einem normalen zu einem Hochleistungsteam liegt oft in der Gemeinschaft untereinander. Sprich: Richtig gut wird ein Team erst dann, wenn die Gruppe gerne zusammen ist und sich die Einzelnen füreinander engagieren.
  • Teamarbeit soll Spass machen.
    Die Zusammenarbeit im Team soll produktiv sein, ganz bestimmt. Doch dies erreicht man nicht mit endlosen, trockenen Sitzungen. Teamarbeit soll auch Spass machen. Und wenn der Spassfaktor nicht zu kurz kommt, stimmen auch die Resultate. Mindestens wenn es um kreative Prozesse geht, muss eine anregende Stimmung herrschen, die alle Beteiligten motiviert.
  • Den Anderen zum Glänzen bringen.
    Teamarbeit ist nicht zu Verwechseln mit dem Zusammenzug von mehreren Einzelkämpfern. Das zeigt uns jede Mannschaftssportart eindrücklich: Eine Mannschaft von hochkarätigen Individualisten ist noch kein starkes Team. Ganz nach dem eingangs erwähnten Zitat mit dem Säen: In der Teamarbeit versuche ich die Anderen zum Glänzen (zu Bestleistungen) zu bringen und werde so selbst mein Bestes geben.
  • Worten müssen Taten folgen.
    Es braucht einiges an Geschick, den unterschiedlichen Persönlichkeiten in einem Team gerecht zu werden. Wie kann man den stillen Denker an Board holen? Wie stoppt man die Dauerredner?
    “Grosse Worte, kleine Taten” – auch das ist in manchen Teams eine Herausforderung. Entweder hat man als Team gute Ideen, die aber nicht konkret angepackt werden und daher nie umgesetzt werden. Oder man hat im Team einen dabei, der sich gerne reden hört, viel Platz einnimmt und dann doch nicht “hält, was er verspricht”.
    Darum muss in jedem Team gelten: Worten müssen Taten folgen.

Meine grössten Erfolge habe ich in Teams erreicht. Ich liebe es, Teil eines starken Teams zu sein. Wenn man mit den richtigen Leuten zusammen ist, einige Regeln beachtet und ein motivierendes Ziel vor Augen hat, kann man gemeinsam tatsächlich viel mehr erreichen, als jeder für sich alleine.

 

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Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichArbeit“.

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