Ernst Kislig – mein Vorbild

Ernst Kislig? Dieser Name sagt dir nichts? Das versteh ich.

Denn zu allgemeiner Bekanntheit hat er es in seinem Leben nicht gebracht. Aber wer ihn kannte, schaute amüsiert bis bewundernd zu ihm hinauf – obwohl er gar nicht so ein grosser Mann war. Dafür umso mehr ein Mann mit Format. Und wie!

Ernst Kislig – das war mein Grossvater. Letzten Monat ist er in seinem 98. Lebensjahr gestorben.

Ich mochte ihn. Ich liebte ihn. Und als ältestes Grosskind hatte ich irgendwie eine spezielle Beziehung zu ihm.

So war es mir eine grosse Ehre, vor einigen Jahren mit ihm zusammen seinen Lebenslauf zu schreiben.

Was für ein Leben! Dankbar staune ich und lass mich von dieser eindrücklichen Lebensgeschichte berühren:

Ernst Kislig wurde am 29. Januar 1922 in Seftigen als Sohn des Steinhauers Friedrich und Rosa Kislig geboren. Er wuchs mit vier Geschwistern auf und erlebte eine bewegte Kindheit: mit 6 Jahren stürzte er vom Tenn, auch ein Sturz ins Güllenfass gehörte zu seinem Erfahrungsschatz.

Man schmunzelt, wenn man diese Anekdoten liest. Zum Schmunzeln brachte er uns immer wieder. Pure Lebensfreude, selbst wenn die Lebensumstände eher einem Güllenfass ähnelten – das zeichnete Grossvati aus.

Egal ob Familie, Bekannte oder Fremde: Niemand war sicher vor den Witzen von Ernst Kislig. Es war nicht immer klar, ob er die humoristischen Geschichten gerade in dem Moment selbst erfand, in dem er sie erzählte oder ob er den Witz nacherzählte.

Eines jedoch ist sicher: Er war ein Original und als dieses hat er so manchen Menschen ein Lachen ins Gesicht gezaubert.

Seine Schulzeit war geprägt von seiner Rechenstärke, seinen Schwierigkeiten mit Aufsätzen und vor allem von den immer wiederkehrenden epileptischen Anfällen: So fiel er beispielsweise  seitwärts aus dem Schulpult heraus und musste erleben, wie er besonders von den Mädchen gemieden wurde. Dies hinterliess genauso wie die Erfahrung, im Sportunterricht immer als Letzter in eine Mannschaft gewählt zu werden, Spuren im Selbstwertgefühl des jungen Ernsts.

Soll man lachen oder weinen, wenn man dies liest? Die Kindheit hinterlässt bei uns allen Spuren, manchmal sind es Wunden, die uns ein ganzes Leben prägen.

Als Jugendlicher durfte Ernst das erleben, was heute wohl Selbstwirksamkeitserfahrung genannt würde. Er durfte in der Blaukreuzmusik mitwirken, wurde bald Vorstandsmitglied, engagierte sich freiwillig in der Jugendarbeit und machte sich beruflich selbständig.

Ich bin mir sicher, dass er da erlebte, wie er mit seinem Beitrag etwas zum Guten bewirken konnte – etwas bewegen und dabei auch sich selbst etwas Gutes tun und neue Erfahrungen den Verletzungen aus der Kindheit entgegensetzen.

Was blieb, waren die epileptischen Anfälle, bis zu 10 Anfälle pro Tag. Durch medizinische Unterstützung wurde es mit der Zeit besser …

Doch die vollständige Heilung war ein Geschenk Gottes: Während einer Evangelisationswoche durfte Ernst durch ein Heilungsgebet erfahren, dass Gott ihn auf der Stelle aus seiner Not befreite. Selbst ein Neurologe bestätigte später, dass keine Spur von Epilepsie mehr vorhanden sei!

Diese Erfahrung war für Grossvati von existenzieller Bedeutung. Sie hat seine Gottesbeziehung nachhaltig beeinflusst. „Egal was kommt, egal in welchem Güllenfass ich lande – mein Gott verlässt mich nicht!“, ich stelle mir vor, wie etwa so sein Gottvertrauen aussah.

Und dies brauchte er auch: Herausforderungen als Grossfamilie, Angestellte entlassen müssen und dann die Schliessung der eigenen Schneiderei, gesundheitliche Probleme, pflegebedürftige Frau.

Doch wie er all das meisterte und neben den persönlichen Herausforderungen sich trotzdem immer auch für die Gesellschaft engagierte, hat allen Respekt verdient!

Voller Bewunderung durfte die inzwischen auf 14 Gross- und 15 Urgrosskinder angewachsene Familie beobachten, wie man trotz Schwierigkeiten selbst nach 70 Jahren noch eine Liebesbeziehung leben kann. Die Fürsorge und Hingabe von Ernst bleibt uns in beispielloser Erinnerung.

Auch das darf nicht unerwähnt bleiben: In einer Zeit, in der Beziehungen leichtfertig weggeworfen werden, können wir nur dankbar sein für solche Vorbilder. Ernst hat sein Vreneli geliebt, immer wieder Wege gefunden, sie noch optimaler zu unterstützen – trotz Einschränkungen liessen sich die beiden nicht einschränken!

An der Abdankungsfeier durfte ich den Lebenslauf von meinem Grossvater vorlesen. Eine grosse Ehre und Freude für mich! Denn: Grossvati war schon immer ein Vorbild für mich.

Manch Schweres hatte Ernst Kislig in seinem Leben zu tragen. Doch weil er seinen Gott und all das Schöne im Leben nie aus dem Blick verlor, überwog bis zu Letzt die Dankbarkeit. Und so blicken wir heute dankbar auf ein reiches und vorbildliches Leben zurück!

Glücksaufgabe

Ein Mann mit Format, aber auch mit Ecken und Kanten, sei er gewesen, dieser Ernst Kislig. So hiess es an der Trauerfeier. Ohne Schönfärberei wurde so viel Gutes über dieses Leben erzählt, dass ich dachte – und sagte: All das möchte ich an meiner eigenen Abdankung auch mal hören.

Und da kam mir diese Coaching-Übung in den Sinn: Schreib mal deine eigene Grabrede? Was möchtest du, dass die Leute über dich sagen, wenn du einmal nicht mehr bist?

Es ist eine wirkungsvolle Glücksaufgabe, sich bewusst zu werden, für was man wirklich leben möchte. Es lohnt sich!

Ist christlicher Sport gefährlich? Oder: Was mich zum Blühen bringt

Überlege, was dich aufblühen lässt. Dem gehe nach.
Ulrich Schaffer

Eines vorweg: Ich glaube nicht, dass es „christlichen Sport“ gibt. Ich kann als Christ Sport machen. Und hoffentlich prägt mein Glaube auch die Art und Weise, wie ich Sport mache, wie ich mit Sieg und Niederlage umgehe, wie ich den Gegner ansehe … – Liebe und Respekt sollen auch mein Verhalten auf dem Sportplatz bestimmen. Doch christlich wird der Sport deswegen nicht. Muss er auch nicht. Sport ist Sport.

Zwei Dinge bewegen mich gerade und ich versuche sie hier zu verbinden: Zum Einen beschäftigt mich die Frage „Wo blühe ich auf?“, die unser Gast beim aktuellen Chäs, Brot, Wy – u mini Gschicht mit Gott aufwirft. Zum Anderen stimmt mich nachdenklich, dass Jugend+Sport (J+S) die langjährige, gute Partnerschaft mit christlichen Jugendverbänden gemäss BASPO-Entscheid kündigen soll.

Rückblende: Sommer 1995

Was für ein Flow-Jahr: Beruflich durfte ich einen sehr guten Lehrabschluss feiern. Daneben galt meine Leidenschaft voll der Jungschararbeit. Eine Jungschar im eigenen Dorf – das war meine Vision.

Noch vor meinem 20. Geburtstag war es soweit: Mein erstes Zeltlager als Hauptleiter fand bei uns auf dem Jäisberg statt. Mit allen Kindern und Leitenden verbrachten um die hundert Leute eine Woche in der freien Natur, genossen Spiel + Sport, Lagerromantik, Gruppenerlebnisse, Singen und Impulse fürs Leben.

Der Bauer, bei dem ich als Kind in meinen Ferien jeweils helfen durfte, stellte uns das Land zur Verfügung. Die örtliche Feuerwehr unterstützte uns beim Bau einer riesigen Wasserrutsche und beim grossen „Wetten, dass …?“ mit einigen Promis und vielen Gästen auf dem Dorfplatz sicherte die Feuerwehr das Harassenklettern ab.

Es war gigantisch! So gigantisch, dass ich gleich angefragt wurde, ob ich die 1. August-Rede im Dorf übernehmen würde. Na klar, ist doch Ehrensache! Und so gigantisch, dass mich das Erlebte von diesem Sommer bis heute prägt und beeinflusst. Was ich heute bin und tue, wäre ich nicht, wenn dieser Sommer nicht stattgefunden hätte.

In J+S-Lagerleiterkursen lernte ich, was es braucht, um solche Lager zu organisieren und ein Mitarbeiterteam zu leiten. In der Jungschar lernte ich auf ganz praktische Weise, was es heisst, ein guter Leiter zu sein. Ich hatte das Glück, in jungen Jahren gute Vorbilder zu haben, die mir nicht nur die Freude an Spiel & Sport vermittelten, sondern auch zeigten, wie man eine Sitzung leitet oder wie man kreativ und altersentsprechend eine biblische Lebensweisheit weitergeben kann.

Dieser Sommer 1995 brachte mich definitiv zum Blühen! Ich konnte meine Stärken in den Bereichen Organisation und Leitung ausleben und entwickeln.

Natürlich habe ich in der Berufslehre auch viel gelernt und möchte diese auf keinen Fall missen. Doch wo ich auf motivierende, ganzheitliche Art fürs Leben und für meine weitere Berufslaufbahn gelernt habe, war in der Jungschararbeit. Und ich weiss heute, was mich zum Blühen bringt und wo ich Sinnhaftigkeit in meinem Tun erleben kann.

Als ehemaliger J+S-Leiter habe ich der Jungschararbeit so viel zu verdanken, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann: Eine ganzheitlichere Förderung meiner Person und Talente kann ich mir kaum vorstellen!

 

 

Was ich erlebt habe, soll so nicht mehr möglich sein: Das BASPO will künftig aus Prinzip Jugendverbände mit einer positiven, lebensbejahenden, christlichen Grundeinstellung zum Dasein nicht mehr unterstützen. Obwohl vorbildliche J+S-Arbeit geleistet wird, soll die jahrelang bewährte Partnerschaft gekündigt werden? Eine solche Diskriminierung ist unseres Landes unwürdig!! Bitte jetzt Petition unterzeichnen!

 

Im GlücksBlog schreibe ich zu den fünf Bereichen, die zu einem Leben in Zufriedenheit gehören. Diese Woche geht es um den Bereich Gelebte Spiritualität.

Was treibt Sie an?

Selbsterrichtete Schranken sind die schwersten Hindernisse.
Else Pannek

Gestern Abend dufte ich einmal mehr einen Talk mit einem sehr spannenden Gast moderieren. Mir gegenüber sass ein erfolgreicher Unternehmer aus dem IT-Bereich, der den Besuchern des Anlasses seine interessante Lebensgeschichte erzählte. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen wurde er zu einem Pionier im Programmieren (Software), baute sein eigenes Unternehmen auf, stand bald einmal vor dem Nichts – resp. vor einem 300’000 Franken schweren Schuldenberg -, erlebte die Rettung und schliesslich den Aufstieg seines Unternehmens, wurde zur gefragten Führungspersönlichkeit – in der Businesswelt genauso wie in christlichen Werken.

Da stellt sich die Frage: Was treibt einen solchen Menschen an? Der berufliche und private Erfolg ist nämlich die eine Seite, auf der anderen Seite der Medaille stehen auch ein rund 160prozentiges Arbeitspensum und ein erster Herzinfarkt, der ihm beinahe das Leben kostete. Wie durch ein Wunder (so sagten es die Ärzte) wurde ihm ein neues Leben geschenkt.

Im Talk sprach er von Wertschätzung als Schlüssel zum Erfolg. Dass diese wertschätzende Haltung den Menschen gegenüber nicht bloss nette Theorie ist, bezeugt eine Vielzahl von Menschen, die schon mit ihm zusammenarbeiten durften. Auch gestern Abend nach dem Talk hatte ein Besucher spontan von einer solchen Begebenheit gesprochen.

Nach dem Abend waren wir uns alle einig, dass wir nicht nur Einblick in ein sehr interessantes Leben bekamen, sondern auch, dass es noch viel mehr solcher Menschen – ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer – braucht, die sich für eine „positive Klimaerwärmung“ einsetzen. „Es ist kälter geworden in der Arbeitswelt“, sagte mein Talkgast und lud uns alle gleichzeitig ein, hier Gegensteuer zu geben: „Jeder Mensch will schlussendlich wertgeschätzt und geliebt werden. Begegnen wir einander in dieser Haltung der Dankbarkeit – und sehen im Gegenüber nicht einen Feind!“

Welcher Motor treibt uns an?

Er war aber selbstkritisch genug, sich zu fragen, ob seine Wertschätzung den Menschen gegenüber nicht auch egoistische Züge hat: „Sag ich jetzt nur Merci, damit mich die anderen mögen?“

Und da sind wir bei dieser Frage, der wir von Zeit zu Zeit auf den Grund gehen sollten: Was treibt uns eigentlich an? Warum tun wir, was wir tun?

In meinem GlücksBuch gebe ich am Ende jedes Kapitels einen praktischen ShalomLeben-Tipp weiter. Einer davon nenne ich „Lebenslügen entlarven“. Es sind oft destruktive Lebenssätze (Glaubenssätze), die wir innerlich durch unsere Entwicklung und unsere Erfahrungen angesammelt haben und uns nun im Hier und Jetzt mächtig antreiben. Beispiele für eine solche Lebenslügen sind:

  • Damit ich geliebt werde, muss ich etwas Aussergewöhnliches leisten.
  • Alle Menschen sind gemein, darum werden sie mich immer enttäuschen.
  • Weil Fehler nie verziehen werden, muss ich immer perfekt sein.
  • „Die Letzten beissen die Hunde“, darum muss ich immer schneller als andere
    sein.
  • Falsche Entscheidungen werden teuer bezahlt, darum darf ich nie selbst
    entscheiden.

Wenn wir solche Lebenssätze nicht reflektieren und entlarven, bauen wir eine destruktive innere Logik auf und fallen dem einen oder anderen Antreiber zum Opfer:

  • Sei immer stark!
  • Sei immer perfekt!
  • Mach es allen recht!
  • Sei immer schnell!
  • Streng dich immer an!

Nein, mein Talkgast von gestern Abend lebt nicht als Getriebener. Rückschläge in Beruf und die „Zwangspause“ nach dem Herzinfarkt haben ihn gelehrt, das herausragende Leistungen nicht alles sind. Seine Wertschätzung ist authentisch – sicher auch, weil er sich von seinem Gott wertgeschätzt weiss.

Für mich ist er ein Vorbild und ein Ansporn, mich weiter für eine „positive Klimaerwärmung“ zu engagieren. Merci, Dani!

 

Im Bonusmaterial zum GlücksBuch finden Sie einen Test, der Ihnen hilft, Ihren eigenen Antreiber auf die Schliche zu kommen.

 Veranstaltungstipp: Nächster „Chäs, Brot, Wy„-Anlass:

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Selbst

Ein Feuer entfachen

Menschen bilden bedeutet nicht,
ein Gefäß zu füllen,
sondern ein Feuer zu entfachen.

Aristophanes (um 450 – 385 v.Chr.)

Im Zeitalter von Wikipedia ist das Wissen der Welt oft nur ein Mausklick von uns entfernt – und das erst noch praktisch kostenlos.

Dies war zur Zeit von Aristophanes noch anders. (Keine Ahnung, wer Aristophanes ist? Kein Problem, Wikipedia weiss es.) Und trotzdem hat er schon rund 400 Jahre vor Christus angedeutet, um was es bei Bildung nicht geht. Wenn er schreibt, es gehe nicht darum, ein Gefäss zu füllen, interpretiere ich das so, dass es bei der Bildung nicht in erster Linie um Wissensvermittlung geht.

Das mag in der Zeit von Aristophanes eine mutige Aussage gewesen sein. Wenn Wissen nicht einfach so frei verfügbar ist wie zu unserer Zeit, ist das Wissen sehr wohl schnell einmal das grösste Kapital, das jemand besitzt. Anders ausgedrückt: Vor Internet und Wikipedia spielte es schon eine Rolle, ob das „Gefäss gut gefüllt“ war oder nicht.

Trotzdem scheint Aristophanes geahnt (oder beobachtet) zu haben, dass Wissen alleine nicht glücklich macht. Was der Mensch vor allem Wissen braucht, ist Leidenschaft. Was ein Mensch aus Leidenschaft tut, tut er selbst dann, wenn es „Leiden schafft“.

Wer viel weiss, mag ein wandelndes Lexikon sein, kann mit seinem Wissen imponieren und gewinnt vielleicht bei „Wer wird Millionär?“ (übrigens, sogar darüber gibt es einen Eintrag auf Wikipedia). Doch fehlt die Leidenschaft, dann ist dieser Mensch wirklich ein lebloses Gefäss, das gut gefüllt ist – aber mehr nicht.

Wie sind Sie in der Berufswahl vorgegangen?

Nicht wenige Menschen sind das geworden, was sie sind, weil irgendjemand ein Feuer für eine bestimmte Sache bei ihnen entfacht hat. Mein erster Beruf, Bankkaufmann, habe ich erlernt, weil Zahlen und Banknoten auf eine gewisse Weise meine Faszination auf sich ziehen. Wie das gekommen ist, weiss ich nicht so genau. Ausser, dass ich schon als Kind liebend gerne mein Zimmer zu einem Shop umbaute, meine gesamte Verwandtschaft einlud und ihnen dann zu stolzen Preisen Werbegeschenke verkaufte. (Jetzt wo ich darüber reflektiere, frag ich mich, ob das wohl mit dem Abzocker-Gen zu tun hatte, dass schon manchem Banker zum Verhängnis wurde …)

Bei meinem zweiten Beruf kann ich mich besser daran erinnern, was oder wer das Feuer in mir entfachte. Da waren Jungscharleiter wie Markus oder Rolf, die für mich Vorbilder waren, denen ich nacheifern wollte und die ein Feuer in mir entfachten. So war eine Zeit lang mein Berufswunsch „Profi-Jungscharleiter“. Nun, das war nicht wirklich ein Beruf, trotzdem hat mich dieses Feuer zu dem geführt, was ich heute tue: Auf kreative Art und Weise Menschen in ihrer Lebensgestaltung unterstützen und zusammen mit ihnen nach dem Göttlichen zu fragen.

Bildung kann viel mehr als bloss Gefässe zu füllen, das wusste schon Aristophanes, der, wie alle wissen, die oben auf den Wiki-Link geklickt haben, ein griechischer Komödiendichter war.

Wer in der Bildung tätig ist – ob sein Gegenüber Kinder oder Erwachsene sind, spielt keine Rolle – versteht es hoffentlich, ein Feuer zu entfachen, Leidenschaft und Entdeckergeist zu wecken. Oder, um es in Anlehnung an Anselm Grün zu sagen: Sie finden den Schlüssel zur Schatztruhe der Menschen.

 

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

 Lassen Sie sich von meinem Glücksbuch inspirieren!

Wie werden wir stark?

In dir muß brennen, was du in anderen entzünden willst.
Augustinus

Kürzlich durften wir für zehn Familien ein Timeout-Weekend gestalten. Als ich dafür den Seminarblock „Starke Kinder, starke Eltern – starke Familie“ vorbereitete, stöberte ich in Büchern, Referaten und Blogartikeln. Da sagte meine Frau locker: „Ist doch ganz einfach: Jeder muss zufrieden mit sich selbst sein und man muss als Paar am gleichen Strick ziehen, das ergibt dann eine starke Familie.“

Formeln sind ja so schön, weil sie das komplexe und komplizierte Leben in eine klare Logik pressen. Und genau darum bin ich in der Regel ziemlich skeptisch, wenn jemand Sätze mit „Ist doch ganz einfach“ beginnt. Das „one-size-fits-all“-Prinzip wird dem realen Leben zu oft nicht gerecht. Darum verkaufen wir in unseren Seminaren und Coachings keine allgemeingültige Rezepte. So einfach ist das Leben – und vor allem der Familienalltag – leider nicht. Wir helfen zur Selbstreflexion, also zum Nachdenken über die eigene Situation. Wir begleiten im Entdecken von eigenen, kreativen Lösungsansätzen. Jeder ist ein Original – darum kann es nicht Lösungen geben, die für jeden passen.

Trotzdem nahm ich die Anregung meiner Frau als Arbeitsthese für besagtes Timeout-Weekend für Familien: Selbstzufriedenheit + Paar/Eltern als Team = starke Familie.

Selbstzufriedenheit der Eltern

Einmal mehr musste ich an das bekannte Zitat von Augustinus (siehe oben) denken: Was wir unseren Kindern weitergeben wollen, muss zuerst in uns selbst brennen.

Ich vermute (nein, ich hoffe!), dass alle Eltern ihren Kindern einen starken Selbstwert und ein grosses Selbstvertrauen mit auf den Weg geben wollen.

Gut so! Doch: Brennen diesen beiden Dinge auch in uns selbst? Wie steht es mit meinem Selbstwert und Selbstvertrauen?

Unter Selbstwert verstehen wir: Ich bin ein einzigartiges, wunderbares Geschöpf Gottes. Ich bin wertvoll, weil ich lebe. Meinen Wert habe ich durch Geburt, nicht durch Leistung.

Mit Selbstvertrauen meinen wir: Ich traue mir etwas zu. Ich weiss, dass ich etwas leisten kann.

Ja, genau diese beiden Dinge will ich meinen Kindern weitergeben. Doch was ich weitergeben will, muss zuerst in mir leben. Darum gab ich während dem grössten Teil des erwähnten Seminarblocks Anregungen zur Selbstzufriedenheit weiter. Dabei orientierte ich mich am „Säen – Schlafen – Ernten„-Zyklus.

Wurzeln und Flügel

Zu dem, was die Eltern zu einem starken Team macht, gäbe es viel zu sagen. Angefangen bei einer konstruktiven Paar-Kommunikation über gemeinsame Ziele bis zur konkreten Gestaltung des Beziehungsalltages.

Ich beschränke mich auf den Hinweis auf das „Wurzel & Flügel„-Konzept, welches ich an dieser Stelle schon öfters vorgestellt habe.

Die Wurzeln sind ein Bild für die Mutterenergie und stehen für Geborgenheit, verwurzelt sein. Wir können auch sagen: Die Wurzeln haben mit Selbstwert zu tun.

Die Flügel sind ein Bild für die Vaterenergie. Es geht darum, dass unseren Kinder etwas zugetraut wird, ja, dass wir sie beflügeln. Die Flügel haben also mit Selbstvertrauen zu tun.

Wenn es uns gelingt, dass wir mit uns selbst im Reinen sind, in guter Balance leben und uns unseres eigenen Wertes bewusst sind, haben wir den ersten Teil geschafft. Sind wir dann noch als Paar ein Team, dass den Kids Wurzeln und Flügel schenkt, sind wir auf dem besten Weg zu einer starken Familie.

Einige Charaktereigenschaften einer starken Familie gibt uns Mihaly Csikszentmihalyi in seinem Buch FLOW – Das Geheimnis des Glücks weiter und habe ich im Artikel Starke Kinder vorgestellt.

WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.