"Es tut mir leid!"

Vergeben wärmt das Herz und kühlt die Wunde.
Adolphus W. Ward

Kürzlich hab ich mir an meinem „Papitag“ mal wieder Ärger mit einem unserer Kinder eingehandelt: Am Mittagstisch war noch alles im grünen Bereich – schliesslich hab ich ja auch ein Essen aufgetischt, bei dem nicht viel schief gehen konnte…

Bevor die Kids wieder Richtung Schule loszogen, schmiedeten wir noch die Pläne für die zweite Nachmittagshälfte: Der Sohn will, wie eigentlich jeden Nachmittag, nach der Schule noch auf dem Schulhausplatz Hockey spielen. Die Tochter wäre glücklich, wenn sie eine Runde auf den Inline-Skates drehen könnte. „Alles klar, dann treffen wir uns doch nach der Schule bei mir im Büro“, war mein Vorschlag, da sich mein Büro direkt neben dem Schulhaus befindet.

Leider war aber nicht alles klar: Getroffen haben wir uns schon bei mir im Büro. Aber das ich zur mehr oder weniger konkret ausgemachten Zeit mitten in einem Schreibprozess, der meine volle Aufmerksamkeit erfordert, sein würde, war nicht Teil der Abmachung. Mit mir hab ich das schon mehr oder weniger so abgemacht, aber meine allzu korrekte Tochter verstand unsere Vereinbarung anders.

Mein Vorschlag, sie könnte doch jetzt hier vom Büro aus die gewünschte Skatertour machen, kam nicht wirklich gut an. Also, gar nicht wirklich gut! Sie verstehen, was ich meine… Auf jeden Fall fühlte ich mich in meinem Schreibprozess arg gestört, der Stresspegel erhöhte sich und ich war nicht mehr der liebevolle, verständliche Vater. Sie verstehen immer noch, was ich meine, oder?

Den eigenen Stolz überwinden

Irgendwie brachte ich meinen Artikel zu Ende und verliess mit meiner ungeduldig wartenden Tochter das Büro.

Später, als unsere Tochter in ihrem Zimmer an den Hausaufgaben sass, tat mir der Vorfall leid. Einmal mehr war es mir nicht gelungen, klar zu kommunizieren. Und einmal mehr bin ich in die „Nur noch rasch dies und das erledigen!“-Falle getappt. Unvorhergesehenes kam dazwischen und so konnte mein Plan nicht aufgehen – und meine Tochter landete deshalb in der „Warteschlaufe“.

Beim darüber Nachdenken fragte ich mich: „Kann ich jetzt zu meiner Tochter gehen, sie in den Arm nehmen und sagen: ‚Es tut mir leid!‘?“ „Aber trage wirklich ich alleine die Schuld? Im Büro wurde mein Plan ja von anderen durcheinander gebracht. Und überhaupt: Ist es zu viel verlangt, dass die eigenen Kinder die Arbeit ihres Vaters respektieren und verständnisvoll warten?“

Und so rang ich ein, zwei Minuten mit mir und spürte, dass es irgendwo auch eine Frage des Stolzes ist: Über den eigenen Schatten springen, zugeben, dass ich einen Fehler gemacht hab und meine Tochter, die mich gerade noch so gereizt hat, umarmen?

Ich konnte und ich wollte und es tat gut!

 

UNSERE EMPFEHLUNGEN FÜR DIE ENTDECKUNGSREISE

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.

Männer brauchen Punkte

Das Spiel ist das einzige, was Männer wirklich ernst nehmen.
Deshalb sind Spielregeln älter als alle Gesetze der Welt.
Peter Bamm

Nach acht Jahren Erziehungserfahrung bei je einem Mädchen und einem Buben sei es mir erlaubt, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen: Gender Debatte hin oder her – einen Buben gross zu ziehen ist etwas völlig anderes, als ein Mädchen ins Erwachsenenleben zu begleiten. Natürlich ist meine „Versuchsgruppe“ nicht repräsentativ und neben Geschlecht spielen auch die unterschiedlichen Charakterzüge unserer Kids eine sehr grosse Rolle.

Und doch: Wettbewerb spielt für meine Tochter keine Rolle. Sie zieht ihr Ding durch – egal, ob sie jemand damit beeindruckt oder ob sie sich damit gerade unbeliebt macht. Da können Förderprogramme noch so ausgefeilt sein: Wenn sie nicht will, will sie nicht. Aber wehe, wenn sie will – da kann ganz schön die Post abgehen.

Bei Janosch ist das eindeutig anders: Alles ist ein Wettbewerb. Kürzlich zählte er sogar die Buchstaben zweier Wörter, um dann das kürzere zu gebrauchen. Oder beim Lesen: Das ist grundsätzlich noch nicht so sein Ding. Aber Dank dem online Programm Antolin – Mit Lesen punkten! ist auch er zu motivieren. Und so kann er innert kürzester Zeit sehr zielbewusst lesen, nur um die 100er Marke zu erreichen.

Alles wird zum Spiel

Der oben zitierte deutsche Schriftsteller Peter Bamm (1897 – 1975) mag es richtig erkannt haben: Für uns Männer hat das Spiel eine unheimlich hohe Faszination. Man könnte auch sagen: Punkte sind alles.

Vom Sport über die Börse bis zum Einkauf im Grossverteiler: Das (Männer)Leben dreht sich ums Spiel mit den Punkten. Seit es Cumulus gibt, gehe auch ich gerne einkaufen. Das Ziel ist klar: Mit möglichst wenig Geld, das Maximum an Punkten sammeln.

Es ist offensichtlich: Wir Männer leben von Punkten. Und darum ist es nichts als logisch, dass wir auch versuchen bei den Frauen zu punkten. Gibt es etwas Schöneres als die Erfahrung, einen Punkt der Anerkennung bei der eigenen Frau gewonnen zu haben? Natürlich schmeichelt es uns auch, wenn wir bei einer fremden Frau gut ankommen und offensichtlich punkten können. Ich finde es jedoch befriedigender (und nicht selten auch herausfordernder) immer wieder bei der eigenen Frau zu punkten: Sie kennt mich mit all meinen Sonn- und Schattenseiten, bei ihr kann ich nicht mit den immer gleichen Dingen punkten, das nützt sich ab. Da ist schon etwas mehr Fantasie und Kreativität gefragt.

Darum, liebe Männer: Es ist völlig okay, dass wir so scharf auf Punkte sind – so sind wir scheinbar geschaffen. Nur eines gilt es zu bedenken: Sammeln wir die Punkte dort, wo es sich wirklich lohnt und hüten wir uns davor, bei fremden Frauen einen höheren Punktestand zu haben als bei der eigenen! Strengen wir uns ruhig etwas an, um die eigene Frau immer wieder aufs Neue für uns zu gewinnen!

Und an unsere lieben Frauen: Wir Männer sind einfache Wesen, wir brauchen nur hin und wieder etwas Respekt und einige Punkte der Anerkennung. Bitte gebt uns doch immerhin das Gefühl, als wären wir die Besten!

 

WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE

 

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.

Welche Männer braucht das Land?

Die Vaterliebe gestattet uns,
mit all den wunderbaren Wurzeln etwas Gutes anzufangen.
Sie bringt uns das Fliegen bei.

Richard Rohr (in: Vom wilden Mann zum weisen Mann)

Es ist inzwischen ein Dauerbrenner und gerade diese Woche war es wieder zu lesen: Die Rollenbilder von Mann und Frau sind nicht mehr so klar festgeschrieben wie früher und dies führt dann auch hin und wieder zu Rollenverwirrung: Wann ist ein Mann ein Mann? Oder: Welche Männer braucht das Land?

Der Schlusskommentar von Nina Belz zum ausführlichen NZZ-Spezial Frauenwelten endet mit den Sätzen: „Emanzipation ist keine Frauenangelegenheit. Sie verändert auch das Leben der Männer.“ (NZZ, 13.11.13)

Da haben wirs: Auch die Männerwelt ist im Wandel. Eine solche Veränderung betrifft die Arbeitswelt. Immer mehr Männer wünschen sich Teilzeitarbeit. Und einige von ihnen setzen diesen Wunsch auch tatsächlich um und übernehmen im Familienmanagement mehr Verantwortung. Sind das „Plöischler“ oder gar nur halbe Männer? Natürlich gilt es noch mit einigen Stammtisch-Vorurteilen zu brechen, um als Familienmann unter Männer nicht mehr belächelt und im Einkaufszentrum beim Familieneinkauf mit schreienden Kindern nicht mehr von Frauen bemitleidet zu werden.

Glücklicherweise erlebt man(n) ab und zu auch schon das Gegenteil: Andere Männer beneiden einem für die Möglichkeit, intensiver an der Entwicklung der eigenen Kinder teilhaben zu können. Und ja, manchmal sind es wohl nicht nur bemitleidende Blicke der Frauen im Einkaufszentrum, es könnte sich auch eine stille Bewunderung darunter mischen.

Teilzeitarbeit als Allheilmittel? Jürg Wiler, Co-Leiter der Kampagne Der Teilzeitmann nimmt uns solche Illusionen, spricht aber auch die Stärken dieses Modelles an: „Wohlgemerkt: Teilzeitarbeit macht das Leben zwar nicht einfacher, aber runder und ganzheitlicher.“

Männer, die stolz sind auf ihre Kinder

Aber die Frage, welche Männer das Land nun braucht, ist immer noch nicht geklärt. Jedenfalls steht eines für mich fest: Unsere Kinder brauchen keine zweite Mutter! Was unsere Kinder unbedingt brauchen, ist die Ergänzung der weiblichen und männlichen Energie. Dabei hat mich das Buch Vom wilden Mann zum weisen Mann von Richard Rohr sehr inspiriert. Das Konzept von Wurzeln und Flügeln zeigt, was unsere Kinder brauchen: Geborgenheit einerseits, Beauftragung anderseits. Gemäss Rohr ist die Mutterliebe dafür verantwortlich, den Kindern festen Boden unter die Füsse zu geben. Demgegenüber ist es an uns Vätern, wie oben im Zitat beschrieben, unsere Kinder zum Fliegen zu bringen.

Rohr schreibt dazu: „Wenn der Vater seinem Kind sagt: ‚Du schaffst das!‘, dann schafft es das.“ Natürlich tönt das verführerisch nach illusorischem „Nichts-ist-mir-unmöglich“. Und doch: Wie viele gebrochene Menschen (vielleicht vor allem Buben und Männer) gibt es in unserer Gesellschaft, weil kein Vater da war, der ihnen etwas zutraute, der ihr Cheerleader war, der sie anfeuerte, ihnen Vorbild war, sie voller Stolz bejubelte…?

Wir Männer sind gefragt! Am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft – aber eben auch in der Familie! Dies bestätigt auch der Psychotherapeut Peter Ballnik, Autor von Papa-Zeit. 52 Tipps für berufstätige Väter, im Interview mit dem Männermagazin Ärmel hoch!: „Die Kinder brauchen Väter, die stolz auf sie sind.“ Und: „Väter spielen wilder, ausgelassener, fordernder. Mütter halten den Kindern den Rücken frei. Väter führen die Kinder nach aussen. Es ist wichtig, dass Väter die Dinge auf ihre Art machen. Väter brauchen wortwörtlich Spielraum mit den Kindern.“

Unser Land braucht also Männer, die sich selbst, ihren Kindern und auch den Mitmenschen etwas zutrauen und sie befähigen.

 

WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE ZUM THEMA

 

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.