Du bist gewollt!

Einen Menschen lieben heißt ihn so sehen, wie Gott ihn gemeint hat.
Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Letzte Woche habe ich hier in meinem GlücksBlog behauptet, dass der gute Umgang mit sich selbst mit einem stabilen Selbstwert beginnt. Und ich schrieb: „Wir sind, was wir uns selbst sagen, was wir sind!“

„Stimmt das?“ habe ich meine Familie gefragt. Die Reaktion meiner Frau hat mir gefallen: „Aus unserer Sicht schon. Aber nicht aus Gottes Sicht.“

Ich stehe immer noch zu meiner These. Es ist von entscheidender Bedeutung, was wir selbst über uns denken, glauben, fühlen, sagen … Das macht uns aus, das bestimmt, wie wir uns verhalten, wie wir uns in Gruppen hineingeben, wie wir uns „verkaufen“ – beim Bewerbungsgespräch, im Verein oder in der Nachbarschaft – aber auch im Freundeskreis.

Die Frage dahinter ist: Wer bestimmt, was wir uns selbst sagen, was wir sind? Konkret: Wovon machen wir unser Selbstbild abhängig?

Aus unserer Sicht sind wir, was wir uns selbst sagen, was wir sind. Aus Gottes Sicht sind wir viel mehr. Die Herausforderung besteht darin, Gottes Sicht auf uns in unser eigenes Bild von uns zu integrieren.

Leider scheitern wir oft genau an diesem Punkt: Unser Denken über uns selbst wird bestimmt von dem, was wir denken, dass andere über uns denken. Wir fühlen uns geliebt, gewollt und wertvoll – so lange andere uns mit Anerkennung und Liebe überschütten.

Das Problem dabei: Die anderen können uns gar nie mit so viel Liebe und Anerkennung überschütten, wie wir es uns wünschen. Dabei ähneln wir einem Löcherbecken: Je mehr Lob, Anerkennung und Liebe uns andere schenken, desto schneller läuft dieses „wohlige Wasser“ ab und verliert seine Wirkung.

Meine Blogleser wissen hoffentlich, dass mir eine Kultur der Wertschätzung sehr wichtig ist und ich davon überzeugt bin, dass wir uns gegenseitig mit Anerkennung und Liebe beschenken sollen.

Doch: Wenn wir unseren Wert davon abhängig machen, bauen wir aufs falsche Fundament!

Bei Apostel Paulus lese ich, dass unser Leben am besten „in der Liebe verwurzelt und auf das Fundament der Liebe gegründet ist.“ Und zwar geht es hier um die göttliche Liebe, die uns unabhängig von der Anerkennung unserer Mitmenschen gilt: Du bist wertvoll und geliebt, weil Gott Ja zu dir sagt!

Meine Sicht über mich selbst verändert sich, wenn ich glauben kann, dass Gott mich gewollt hat, dass er gute Gedanken über mich hat. 

Der Wert des Menschen ist nicht abhängig von Äusserlichkeiten! Unseren Wert haben wir, weil uns unser Leben von Gott als Ursprung des Lebens anvertraut wurde!

Wir bleiben, was wir uns selbst sagen, was wir sind. Aber mit dem Glauben daran, dass Gott zu uns sagt: „Du bist gewollt!“ werden wir uns hoffentlich andere Dinge zu uns selbst sagen!

Und natürlich wünsche ich mir, dass wir gemäss dem Eingangszitat auch andere Menschen so sehen, wie Gott sie gemeint hat. Doch so schön dieses Zitat auch ist (es wurde auffällig mehr mit „Gefällt mir!“ markiert als andere Zitate, die ich postete), bleibt für mich an diesem Punkt auch eine gewisse Ernüchterung: Ich kann andere gar nie vollständig so sehen, wie Gott sie gemeint hat. Und ich kann andere auch nie so lieben, wie Gott sie liebt.

Es bleiben edle Ziele – und die will ich auch gar nicht aufgeben. Aber es reicht nicht: Jeder muss für sich selbst an dieser göttlichen Liebe angedockt sein, sonst bleibt das Leck in unserem Liebestank einfach zu gross.

 

Im GlücksBlog schreibe ich zu den fünf Bereichen, die zu einem Leben in Zufriedenheit gehören. Diese Woche geht es um den Bereich Gelebte Spiritualität.

Der Boom vom Selbst

Man darf sich von sich selbst nicht alles gefallen lassen.
Viktor Frankl

Selbst-Wörter haben Hochkonjunktur: Ein Blick in die Ratgeberliteratur widerspiegelt den Boom zur Beschäftigung mit dem Selbst. Von Selbstführung über Selbstoptimierung bis zu Selbstliebe sind tausende Titel zu finden. 

Auch Google wird nicht sprachlos und liefert mir unzählige Vorschläge zur Vervollständigung meiner Suche nach Selbst…: Von Selbstkompetenz über Selbsthilfegruppe bis Selbstbewusstsein.

Auf die Gefahr hin, dass die „Selbst-Wörter“ inflationär gebraucht werden, bin ich der festen Überzeugung, dass es sich hier um mehr als um eine Modeerscheinung des Individualismus handelt. In diesen vielen Selbst… liegt ein wesentlicher Schlüssel unseres Daseins.

Schliesslich schreibe ich ja in Glück finden – hier und jetzt auch: „Das persönliche Glück beginnt mit dem guten Umgang mit sich selbst.“ Tatsächlich gehe ich soweit, dass ich behaupte, im Zentrum der Lebenszufriedenheit steht das Selbst – genau wie beim Windrad die Nabe den Mittelpunkt bildet und alles zusammenhält:

Im Zentrum des Windrades befindet sich die Nabe; sie hält die Rotorblätter zusammen. Sie bedarf einer ganz besonderen Beachtung, da die Rotornabe der Teil des Windrades ist, welcher der höchsten Belastung ausgesetzt ist. Dasselbe gilt für das Selbst in Bezug auf das Menschsein. Leider tragen wir dieser Tatsache im Alltag oft zu wenig Rechnung. Obwohl bereits die Weisheitsliteratur im Alten Testament daran erinnert, ganz besonders auf das eigene Selbst zu achten, wird nicht selten ausgerechnet bei der Selbstfürsorge gespart.

Der innere Dialog

Worte haben Macht, Worte können aufbauen oder zerstören. Das kennen wir alle nur zu gut aus dem zwischenmenschlichen Bereich. Worte haben aber auch Macht, wenn wir sie uns selbst sagen. Wir sind, was wir uns selbst sagen, was wir sind!

Natürlich sind wir objektiv betrachtet meistens (ein bisschen) anders, als wir uns einreden: Die Einen sind dann doch nicht ganz so gut, wie sie sich selbst zureden. Bei den Meisten von uns kippt der Selbstbetrug jedoch in die andere Richtung: Wir machen uns in unseren Gedanken kleiner, als wir tatsächlich sind.

Und so kommen wir mit Viktor Frankl zur Frage, wo wir uns selbst im Wege stehen:

  • Wo sollte ich mir von mir nicht alles gefallen lassen?
  • Wo muss ich meinem Selbst beibringen, dass diese (negativen) Gedanken nicht zielführend sind?
  • Wo sollte ich hingegen selbsterrichtete Schranken niederreissen?
  • Wo muss ich Nein zu mir selbst sagen? (Nicht im Sinn von Selbstablehnung, sondern im Sinn von Selbsteinschränkung)
  • Wo braucht es endlich ein starkes Ja?

Wird der Dialog mit anderen Menschen zu verletzend, ziehen wir uns aus gutem Grund zurück (Selbstschutz). Doch beim inneren Dialog versagt nicht selten genau dieser Mechanismus: Statt die selbstverletzenden (Selbstsabotage) Worte, die wir an uns selbst richten, zu stoppen, geben wir unseren zerstörerischen Gedanken und Gefühlen freien Lauf und die negativ Spirale zieht uns immer tiefer und tiefer.

Basis von all diesen Selbst-Dingen ist der Selbstwert. Ist der Selbstwert intakt, können wir auch die nächsten Schritte zur Selbstannahme, zu einem stabilen Selbstvertrauen und grundsätzlich zu einem guten Umgang mit uns selbst – und schliesslich auch mit unserern Mitmenschen – gehen. Doch wenn der Selbstwert immer wieder einsackt, kämpfen wir mit Selbstablehnung und so gehört die Selbstsabotage zu unserem stetigen Begleiter.

Leider verfallen viele Menschen dem Irrtum, sie müssten sich den Selbstwert erst noch verdienen. Doch Selbstwert haben wir nicht, weil wir etwas besonders gut können, sondern weil wir leben. Das Leben ist ein Geschenk – darum hat jeder Mensch seinen Wert. Und darum liegt unser Selbstwert in unserem Sein, nicht in unserem Tun!

 

Im GlücksBlog schreibe ich zu den fünf Bereichen, die zu einem Leben in Zufriedenheit gehören. Diese Woche geht es um den Bereich Bewusste Selbstführung.

Mehr als Zahlen und Normen

Love is not in the numbers.
(Die Liebe ist nicht in Zahlen zu finden.)
Shauna Niequist (im Bestseller Present Over Perfect)

Während dem Frühstück entdeckte ich heute bei der Zeitungslektüre eine halbseitige Werbung für eine Schönheitsoperation. Die Botschaft: Steigern Sie Ihr Selbstwertgefühl durch einen chirurgischen Eingriff.

Ich will ja gar nicht abstreiten, dass es Ausnahmefälle gibt, in denen ein solcher Eingriff aus unterschiedlichen Gründen seine Berechtigung haben mag.

Doch diese Werbeanzeige passt bestens zu dem, was ich mit meinem Wochenzitat (siehe oben) ausdrücken will: Wir tappen immer wieder in die Falle, dass wir Liebe, Zuneigung und Anerkennung in Zahlen und Normen suchen.

Dabei vergessen wir, dass Zahlen und Normen in den wenigsten Fällen glücklich machen!

Darum will ich uns als Eltern, Arbeitnehmer oder Arbeitgeber heute daran erinnern: Verkaufs- und Besucherzahlen, Schulnoten und Zahltage sind wichtig, aber sie machen nicht unser Leben aus! In diesen Zahlen finden wir nicht die ersehnte Liebe – höchstens eine gekaufte Liebe.

Wenn sich also in diesen Wochen tausende Kinder erstmals und noch mehr Kinder zum wiederholten Mal auf den Weg in die Schule machen, lassen wir sie wissen: Gute Schulleistungen sind wichtig, aber sie sind nicht alles!

Wenn in diesen Wochen tausende junge Menschen in die Berufswelt einsteigen, lassen wir sie spüren: Eine steile Karriere kann etwas Schönes sein, aber sie ist nicht alles!

Wenn wir uns als Arbeitnehmer diese Tage frisch erholt und doch schon wieder erschlagen von Mailflut, Umstrukturierungen, neuen Chefs oder schlicht von der überwältigenden Arbeitslast aus den Ferien zurückmelden, denken wir daran: Ein guter Job ist viel wert, aber er ist nicht alles! Das Leben ist mehr als Arbeit!

Wenn wir als Arbeitgeber und Chefs nach den Sommermonaten unsere Mitarbeitenden motivieren wollen, nun mit zusätzlichem Engagement in der verbleibenden Zeit bis Silvester die Jahresziele noch zu erreichen, lassen wir uns erinnern: Zahlen sind wichtig, aber sie sind nicht alles!

Es ist etwas Gesundes und Schönes, dass wir gute Leistungen an den Tag legen wollen. Ja, wir sind dazu geboren worden, unseren Beitrag zu leisten. Und wer nicht bloss einem Job nachgeht, sondern in seinem Beruf auch seine Berufung leben kann, hat wahrlich grossen Grund zur Freude.

Ins Schleudern kommen wir dabei jedoch dann, wenn wir unser Selbstwertgefühl von unseren Leistungen, unseren Noten, unserem Aussehen oder unseren Verkaufszahlen abhängig machen. Die Liebe, die wir suchen, werden wir in diesen Dingen nicht dauerhaft finden!

Es gilt dabei zwischen Selbstwert und Selbstvertrauen zu unterscheiden:

Während der Selbstwert etwas mit dem geschenkten Lebenswert zu tun hat, meint das Selbstvertrauen: Ich weiß, dass ich etwas leisten kann – ich traue mir etwas zu.
(aus dem GlücksBuch)

Für unseren Selbstwert gilt es, das Leben als Geschenk anzunehmen. Wir haben unseren Wert, weil wir sind, nicht weil wir tun! Und darum liegt die Lösung für ein geknicktes Selbstwertgefühl auch nicht in der Schönheitsoperation, den besten Schulnoten oder der steilen Berufskarriere.

Liebe finden wir im menschlichen Miteinander, in dem wir uns gegenseitig mit Wertschätzung begegnen – unabhängig ob wir mit Äusserem brillieren können oder nicht.

 

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

 Lassen Sie sich von meinem Glücksbuch inspirieren!

Ich liebe mich!

„Mangelhaft“ und „typisch Torsten“. Eine Kombination, die sich wie ein Rotstift durch meine Kindheit und Jugend zieht.
Torsten Hebel (in: Freischwimmer

Was passiert, wenn wir als Kind nicht gelernt haben, uns selbst zu lieben und uns zu achten? Wir sind auf ein Übermass an Beachtung und Bestätigung von aussen angewiesen. Das heisst: Wir machen uns abhängig von Kritik und Anerkennung von anderen Menschen. Erhalten wir ein Lob, fühlen wir uns für einen Moment geliebt. Kommt eine Kritik, fühlen wir uns zurückgewiesen. Wir knicken ein und sind auf Liebesentzug.

Davon erzählt der Schauspieler Torsten Hebel in seinem spannenden, autobiographischen Buch Freischwimmer:

Ich kann mich noch heute an die Farbe erinnern. Es war ein fieses Rot. Der Korrekturstift, mit dem mich meine Lehrerin unsanft auf meine Fehler aufmerksam machte, verursachte neben der Signalfarbe ein unangenehmes Kratzen auf dem Papier meines Schulheftes und einige weitere, weitaus schlimmere Kratzer auf meiner Seele.

Unglaublich, was wir als Bezugspersonen – ob Eltern, Pädagogen oder als Mitarbeitende in einem ausserschulischen Angebot – für Spuren in einer Kinderseele hinterlassen können. Es kann einem schier unwohl werden, wenn man an die Verantwortung denkt. Doch das will ich nicht bezwecken – Angst kann kein guter Ratgeber sein!

Aber ich möchte, dass wir uns bewusst werden, wie viele Menschen mit einem angeknackten Selbstwert unterwegs sind. Drei Fragen will ich in den Fokus nehmen:

  • Wo verrät mein eigenes Verhalten, dass es mir an der einen oder anderen Stelle an einem gesunden Selbstwert fehlt?
  • Wie kann ich anderen Menschen helfen, Selbstwert und Selbstvertrauen aufzubauen?
  • Was gebe ich den mir anvertrauten Kindern weiter: Die Erinnerung an den Rotstift oder das Gefühl „Ich bin okay, wie ich bin“?

Meine Frau leitet unterschiedliche Kreativ-Angebote für Kinder, Teenies und Frauen – manchmal auch für ganze Familien. Eines lässt sich immer wieder beobachten: Die heilsame Wirkung davon, ein eigenes Kunstwerk erschaffen zu haben. Nicht wenige Frauen kommen mit einem „Handarbeits-Trauma“ ins Kreativ-Atelier. Sie sind unsicher, trauen sich nicht viel zu. Umso grösser die Wirkung, wenn dann am Ende des Abends ein kreatives Werk entstanden ist – Werkeln für die Seele, kreatives Aufbauen des eigenen Selbstvertrauens.

Ein gesunder Selbstwert, ein intaktes Selbstvertrauen und folglich auch ein guter Umgang mit sich selbst sind fundamentale Zutaten für ein erfülltes Leben. Darum vergleiche ich das Selbst in meinem Glücks-Buch mit der Nabe des Windrades. Hier im Zentrum des Windrades kommt alles zusammen. Und so ist es auch in unserem Leben: Alle Eindrücke aus den unterschiedlichen Lebensfelder (Arbeit, Familie, Gesellschaft) wirken letztendlich auf das Zentrum, auf das Selbst.

Torsten Hebel hat übrigens den Rotstift zur Seite gelegt und in Berlin eine tolle Arbeit, die blu:boks, aufgebaut für Kinder, die in ihrem (familiären) Umfeld nicht viel Liebe erfahren. Durch das Fördern von Kreativität und künstlerischen Fähigkeiten, will die blu:boks Kindern und Jugendlichen helfen, „ihr Selbstwertgefühl durch künstlerische Bildung zu entwickeln und zu stärken, damit sie auf dieser Grundlage aktive und hoffnungsvolle Mitgestalter der Gesellschaft werden.“

Und Sie, haben Sie den Rotstift auch schon zur Seite gelegt? Wann haben Sie sich zum letzten Mal morgens im Spiegel selbst mit einem Lächeln im Gesicht begrüsst: „Guten Tag. Ich liebe mich!“?

 

Konkret

  • Mehr erfahren über Torsten Hebels Lebens- und Glaubensreise? Lesen Sie in seinem Buch Freischwimmer weiter.
  • Bleiben Sie dran, am guten Umgang mit sich selbst und anderen Glücksaktivitäten! Bestellen Sie das Glücks-Buch.
  • Und wenn Sie jetzt gleich mit einem kleinen Trainigsprogramm starten wollen, machen Sie Ihren eigenen „Ich liebe mich“-Steckbrief. Was an sich selbst lieben Sie? Worauf sind Sie stolz? Wofür sind Sie dankbar?

Finden Sie sich schön?

Selbstannahme

Gott‬ findet mich schön. Für ihn bin ich wertvoll‬.
Lizzie Velasquez, die «hässlichste Frau der Welt». 

Hand aufs Herz: Finden Sie sich schön? Schauen Sie regelmässig in den Spiegel und sagen dem Gesicht vis-à-vis „Du gefällst mir!“? Oder ist es eher so, dass Sie lieber hier etwas weniger und dafür da etwas mehr, aber sicher kein graues Haar (obwohl das scheinbar gerade sehr in Mode kommt) möchten?

Ich finde mich schön! Nein, ich habe nie einen Schönheitspreis gewonnen und ich werde auch niemals jemand mit meinem Aussehen verzaubern können. Und mein Daddy findet immer mal wieder, ich sei etwas gar gut genährt…

Doch ich finde mich schön – wirklich! Oftmals finde ich diesen Typ, der mir aus dem Spiegel entgegen schaut, ganz sympathisch – und manchmal lächle ich ihn sogar an. Auch wenn er keinen perfekten Körper hat und den gesellschaftlichen Schönheitsidealen kaum entsprechen kann.

Selbstannahme

Wer definiert eigentlich Schönheit? Und noch etwas grundlegender: Wer hat das Recht zu sagen, welches Leben wertvoll und lebenswert ist – und welches nicht?

Die Geschichten von Menschen wie Lizzie Velasquez oder Nick Vujicic berühren mich. Eine Frau, die als hässlichste Frau der Welt bezeichnet wird und trotzdem ein Ja zu sich selbst gefunden hat. Ein Mann, der weder Arme noch Beine hat und trotzdem enorme Lebensfreude ausstrahlt.

Beschämend, dass es gerade diese Menschen sind, die uns darauf aufmerksam machen müssen, dass wir alle schön und wertvoll sind! Eindrücklich, wenn Nick Vujicic seinen jugendlichen ZuhörerInnen zuruft: „Es ist eine Lüge, wenn du denkst, du seist nicht gut genug!“

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=Jlry5QbAstI[/youtube]

Leben aussortieren

Am 14. Juni 2015 kommt in der Schweiz der „Bundesbeschluss über die Änderung der Verfassungsbestimmung zur Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie im Humanbereich“ zur Abstimmung. Im Vorfeld wird wie bei so emotionalen Themen üblich, heftig diskutiert: Die Verfassungsänderung würde ermöglichen, dass das Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) aufgehoben wird. Und genau da begeben wir uns einen Schritt weiter auf dem Weg zur „Aussortierung menschlichen Lebens“. Die genetisch begründete Selektion von Embryonen ist eine hoch sensible Sache.

Und da sind wir wieder bei der Frage: Wer hat das Recht zu entscheiden, was schön und lebenswert ist?

Wenn die Aussortierung des menschlichen Lebens tatsächlich gemäss dem aktuellen Trend weitergeführt wird, müssen sich Eltern von Kindern mit Behinderung in Zukunft irgendwann gesellschaftlich erklären, warum sie sich für das Kind entschieden haben. Und irgendwann, wird es keine Menschen wie Lizzie Velasquez und Nick Vujicic geben, die uns an den wahren Wert des Lebens und die echte Schönheit erinnern. Wollen wir das wirklich?

Oder wie es der EVP-Politiker Dieter Blatt ausdrückt:

„Bundesrat und Parlamentsmehrheit wollen in Zukunft Embryos „aussortieren“ lassen. Was folgt als nächstes? Mehrlinge aussortieren? Geburtsgeschädigte aussortieren? Behinderte aussortieren? Demente aussortieren? Kranke aussortieren? Unproduktive aussortieren? Hilfsbedürftige aussortieren? Unbequeme aussortieren? Anders Gesinnte aussortieren? Mich und dich aussortieren?
Es ist allerhöchste Zeit, das Aussortieren zu stoppen! Jetzt!“

 

WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Selbst“.

Welche Männer braucht das Land?

Die Vaterliebe gestattet uns,
mit all den wunderbaren Wurzeln etwas Gutes anzufangen.
Sie bringt uns das Fliegen bei.

Richard Rohr (in: Vom wilden Mann zum weisen Mann)

Es ist inzwischen ein Dauerbrenner und gerade diese Woche war es wieder zu lesen: Die Rollenbilder von Mann und Frau sind nicht mehr so klar festgeschrieben wie früher und dies führt dann auch hin und wieder zu Rollenverwirrung: Wann ist ein Mann ein Mann? Oder: Welche Männer braucht das Land?

Der Schlusskommentar von Nina Belz zum ausführlichen NZZ-Spezial Frauenwelten endet mit den Sätzen: „Emanzipation ist keine Frauenangelegenheit. Sie verändert auch das Leben der Männer.“ (NZZ, 13.11.13)

Da haben wirs: Auch die Männerwelt ist im Wandel. Eine solche Veränderung betrifft die Arbeitswelt. Immer mehr Männer wünschen sich Teilzeitarbeit. Und einige von ihnen setzen diesen Wunsch auch tatsächlich um und übernehmen im Familienmanagement mehr Verantwortung. Sind das „Plöischler“ oder gar nur halbe Männer? Natürlich gilt es noch mit einigen Stammtisch-Vorurteilen zu brechen, um als Familienmann unter Männer nicht mehr belächelt und im Einkaufszentrum beim Familieneinkauf mit schreienden Kindern nicht mehr von Frauen bemitleidet zu werden.

Glücklicherweise erlebt man(n) ab und zu auch schon das Gegenteil: Andere Männer beneiden einem für die Möglichkeit, intensiver an der Entwicklung der eigenen Kinder teilhaben zu können. Und ja, manchmal sind es wohl nicht nur bemitleidende Blicke der Frauen im Einkaufszentrum, es könnte sich auch eine stille Bewunderung darunter mischen.

Teilzeitarbeit als Allheilmittel? Jürg Wiler, Co-Leiter der Kampagne Der Teilzeitmann nimmt uns solche Illusionen, spricht aber auch die Stärken dieses Modelles an: „Wohlgemerkt: Teilzeitarbeit macht das Leben zwar nicht einfacher, aber runder und ganzheitlicher.“

Männer, die stolz sind auf ihre Kinder

Aber die Frage, welche Männer das Land nun braucht, ist immer noch nicht geklärt. Jedenfalls steht eines für mich fest: Unsere Kinder brauchen keine zweite Mutter! Was unsere Kinder unbedingt brauchen, ist die Ergänzung der weiblichen und männlichen Energie. Dabei hat mich das Buch Vom wilden Mann zum weisen Mann von Richard Rohr sehr inspiriert. Das Konzept von Wurzeln und Flügeln zeigt, was unsere Kinder brauchen: Geborgenheit einerseits, Beauftragung anderseits. Gemäss Rohr ist die Mutterliebe dafür verantwortlich, den Kindern festen Boden unter die Füsse zu geben. Demgegenüber ist es an uns Vätern, wie oben im Zitat beschrieben, unsere Kinder zum Fliegen zu bringen.

Rohr schreibt dazu: „Wenn der Vater seinem Kind sagt: ‚Du schaffst das!‘, dann schafft es das.“ Natürlich tönt das verführerisch nach illusorischem „Nichts-ist-mir-unmöglich“. Und doch: Wie viele gebrochene Menschen (vielleicht vor allem Buben und Männer) gibt es in unserer Gesellschaft, weil kein Vater da war, der ihnen etwas zutraute, der ihr Cheerleader war, der sie anfeuerte, ihnen Vorbild war, sie voller Stolz bejubelte…?

Wir Männer sind gefragt! Am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft – aber eben auch in der Familie! Dies bestätigt auch der Psychotherapeut Peter Ballnik, Autor von Papa-Zeit. 52 Tipps für berufstätige Väter, im Interview mit dem Männermagazin Ärmel hoch!: „Die Kinder brauchen Väter, die stolz auf sie sind.“ Und: „Väter spielen wilder, ausgelassener, fordernder. Mütter halten den Kindern den Rücken frei. Väter führen die Kinder nach aussen. Es ist wichtig, dass Väter die Dinge auf ihre Art machen. Väter brauchen wortwörtlich Spielraum mit den Kindern.“

Unser Land braucht also Männer, die sich selbst, ihren Kindern und auch den Mitmenschen etwas zutrauen und sie befähigen.

 

WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE ZUM THEMA

 

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.