Vielfalt macht das Leben reich

Wow, was war das für eine Woche … Vier Tage auf dem Chrischona-Campus (Basel), wo ich als Moderator eine Konferenz mitgestalten durfte, dazwischen rasch zurück ins Seeland für eine weitere Talk-Moderation (Chäs, Brot, Wy – u mini Gschicht mit Gott) im mit 50 Besuchenden voll besetzten Begegnungszentrum H2. Ausgerechnet in dieser Woche war auch meine Frau an einer Geschichten-Woche als Puppenspielerin auswärts engagiert.

Richtig viel Adrenalin, schöne Begegnungen, spannende Inputs, Horizonterweiterung, Zuwachs meines Erfahrungsschatzes … Ich liebe es!

Und trotzdem bin ich froh, ist nicht jede Woche derart rasant. Das würde mir und unserem Familienleben nicht gut tun.

Denn die Bühne ist das Eine, die Alltagsverpflichtungen das Andere: Kursbesuch als Gemeinderat, Elternabend an der Schule unserer Tochter, Fussballtraining des Sohnes und überhaupt die ganze Betreuungsaufgabe, wo wir als Eltern auch mit Teenie-Kids immer noch gebraucht werden.

Und darum bin ich sehr dankbar für die wunderbare letzte Woche, aber auch dafür, dass ich diese Woche wieder viel näher an meinen Kids dran bin, sie spüre, mit ihnen den Alltag teilen kann und in ihrem Leben präsent bin.

Ich bin dankbar, dass ich beides habe. Vielfalt macht das Leben reich. Man könnte im Blick auf unsere Familie vielleicht auch sagen: Alles ausser gewöhnlich. Das ist nicht immer einfach, aber es ist das, wofür wir uns entschieden haben. Kreativ, vielfältig, intensiv, jeder Tag anders –  aussergewöhnlich eben.

Spielen mit der Vielfalt

An der besagten Konferenz letzte Woche gehörte unter anderem die beeindruckende Kirstine Fratz, Zeitgeist Forscherin, zu den Referenten. Es zeigt schon eine erfreuliche Offenheit, dass sich die 400 Konferenzteilnehmenden, mehrheitlich Pastoren und kirchlich Engagierte, mit der Frage auseinandersetzten, wie der Zeitgeist als Chance für die kirchliche Arbeit genutzt werden kann.

Zeitgeist ist, laut Kirstine Fratz,  ein temporäres Versprechen für ein gelungenes Leben. Im Grunde ist es also das, worauf wir unsere Hoffnung für Glück im Leben setzen.

Eindrücklich das von Fratz benutzte Beispiel des grünen Gemüse-Smoothie, der gerade stark en vouge ist und uns ein besseres Leben verspricht …

Kirstine Fratz lud uns ein, mit dem Zeitgeist zu spielen, ihn nicht etwa als Feind, sondern viel mehr als Chance zu entdecken. Ich meine, es ist nicht nur eine Einladung, es ist sogar unsere Pflicht – eigentlich unabhängig davon, in welchem Gebiet wir tätig sind: Wir müssen wissen, wovon sich die Leute ein gelungenes Leben versprechen, wenn wir ihnen eine Dienstleistung, ein Produkt oder auch eine Überzeugung näher bringen möchten.

Die Beschäftigung mit dem Zeitgeist, aber auch die weiteren Referate der Konferenz, wo wir über Introvertiertheit versus Extrovertiertheit und über Emotionalität in der Persönlichkeitsentwicklung nachdachten, unterstrich für mich nochmals: Vielfalt macht das Leben reich.

Oder wie es durch das Referat von Debora Sommer zum Ausdruck kam: „Gott muss Humor haben, dass er die Menschen als Intros und Extros geschaffen hat.“

Und beim  Global Leadership Summit diesen Sommer zeigte David Livermore auf, wie mit kultureller Intelligenz die Vielfalt der Menschen und Kulturen zum Gewinn für eine Organisation genutzt wird.

Wie so oft beginnt es damit, dass wir versuchen in den Schuhen des anderen zu gehen. Also uns, gerade als Führungsperson, in die Situation des Gegenübers versetzen, seine Sicht der Dinge verstehen lernen und dies als Bereicherung entdecken.

Wäre jeder Tag wie der vorherige und jeder Mensch wie der andere, wäre unser Leben zwar einfacher, aber bestimmt viel langweiliger.

Vielfalt macht das Leben reich!

Glücksaufgabe

Was macht dein Leben reich? Wo freust du dich an Vielfalt?

Einige sagen: Der Zeitgeist, das sind die anderen. Doch jeder hat „seinen Zeitgeist“, sein temporäres Versprechen für ein gelungenes Leben.  Wovon erhoffst du dir Glück und Erfüllung im Leben?

Vertrau nie deinem Erfolg!

If it can happen to Nokia, it can happen to you too.

Mit dieser Feststellung führte uns Ramsmus Ankersen beim Global Leadership Summit 2018 in sein Thema ein.

Die Nokia-Story und unzählige weitere Geschichten von Unternehmen, die sich auf ihrem Erfolg ausruhten, arrogant, selbstzufrieden und schliesslich träge wurden, sind eine deutliche Warnung für uns alle: Wenn es ihnen passieren konnte, sind vielleicht auch wir nicht davor gefeit.

Es passiert genau in den Momenten, in denen alles so glatt läuft, wir am besten sind, ein Flow auf den letzten folgt.

Genau da stehen wir in Gefahr, dass lauter „Fliessen“ plötzlich der Erfolg davon fliesst.

Nicht unbedingt, weil unser Produkt, unsere Dienstleistung oder unser Einsatz nicht mehr gut wären. Im Gegenteil: Sie können nahezu perfekt sein.

Das Nokia 3210 war perfekt für seine Zeit. Es war innovativ und unzerstörbar.

Wenn man die Konkurrenz abhängt, sind nicht mehr die Mitbewerber die grössten Hindernisse für den Unternehmenserfolg, sondern die Vorgänge in der Firma selbst. Wir werden zu unseren grössten Konkurrenten.

Wer beginnt Erfolg zu verwalten, hat seine Führungsposition eigentlich schon verloren. Vielleicht versuchen wir unser Produkt, unsere Dienstleistung in den kleinsten Details zu verbessern, Prozesse werden immer besser gemanagt, Produktivität steigt während Kosten sinken …

Gleichzeitig fehlt es an visionärem, vorausschauendem Leadership.

Der Erfolg von heute wird zur Fallgrube von morgen.

Warum? Wie gesagt: Das Nokia 3210 war perfekt für seine Zeit.

Während wir uns auf unsrem Erfolg ausruhen oder hart daran arbeiten, noch besser zu werden, versäumen wir möglicherweise die Zeichen der Zeit.

Man sagt, die besten Kutschen wurden hergestellt, als das Auto erfunden wurde.

Das Problem war nicht, dass die Kutschen nicht gut gewesen wären. Die waren perfekt.

Aber ihre Zeit war vorbei! Mit dem Auto brach eine neue Ära an.

Das Nokia 3210 war super – aber seine Zeit war irgendwann vorbei. Und darauf war Nokia nicht vorbereitet.

Erfolg kritisch hinterfragen

Wer Erfolg hat, hat Recht. Ob im Sport, der Wirtschaft oder gar in der Kirche. Offensichtlicher Erfolg – Tabellenplatz, Umsatzzahlen oder volle Kirchenbänke – sind der beste Beweis dafür, dass man etwas richtig macht.

Und so betiteln wir den Erfolgreichen als Genie.

Nur: Erfolg ist zufälliger, als wir denken! Eindrücklich zeigte Rasmus Ankersen dies an Hand von Beispielen aus dem Sport. Newcastle United beispielsweise spielte 2011/12 eine super Fussballsaison, man sprach schon von einer neuen Ära – und stürzte in der darauffolgenden Saison ab.

Die Daten hätten zeigen können, dass der Erfolg von Newcastle United zu einem grossen Teil auf glückliche Umstände zurückzuführen war.

Doch im Erfolg wollen wir solches nicht hören. Kritische Fragen stellen wir in der Regel nur, wenn der Erfolg ausbleibt.

Das ist ein grosser Fehler: Genauso kritisch wie wir den Misserfolg analysieren, sollten wir den Erfolg hinterfragen.

„Never trust success“, sagte Ankersen dazu.

Unser Erfolg sagt vielleicht einfach, das gerade alles stimmt: Unser Angebot, Bedürfnisse der Leute, Bekanntheit, glückliche Umstände …

Aber das kann morgen schon wieder anders sein!

Darum: Ruhe dich nicht auf dem Erfolg von heute aus, sondern bleibe aufmerksam und erkenne, wenn sich die Zeiten (Bedürfnisse) ändern!

Glücksaufgabe

In welcher Branche du auch immer tätig bist, werde dir bewusst, wer deine wahre Konkurrenten sind: Die Konkurrenz der Kutschen-Hersteller waren nicht die anderen Kutschen-Hersteller, sondern die aufkommende Automobilindustrie.

Wo stehst du dir selber im Weg weil du an deinem Erfolg von gestern festhältst, statt zu fragen, was morgen gefragt sein wird?

Und wenn du nicht Unternehmer bist, kannst du dich für deine berufliche Entwicklung fragen, welche nächsten Schritte dich selbst zukunftsfähig machen.

Da gehör ich dazu!

Letzte Woche war ich auf Dienstreise und danach gleich im Familienurlaub. Das gab mir einige ganz schöne Gelegenheiten, die Serviceleistung in verschiedenen Restaurants, Hotels und sonstigen Betrieben zu beobachten.

Einen exzellenten Job machte der Gastgeber in einem kleinen Restaurant in Kassel-Wilhelmshöhe. Nein, er machte eben nicht einen Job, sondern lebte seine Berufung. Als Gast in einer fremden Stadt ist ja schon nur die Wahl eines Restaurants eine mittelgrosse Herausforderung. Da können viele kleine Dinge entscheiden.

In besagtem Restaurant mit dem interessanten Namen „Die Trüffelschweine“ waren mein Kollege und ich bestens aufgehoben. Doch beim Anblick von aussen war ich mir kurzzeitig nicht sicher, ob das die richtige Wahl ist: Beleuchtung und Farbkonzept im Aussenbereich schreckten mich etwas ab.

Jedoch nur, bis ich einen Blick ins Innere erhaschen konnte: Ein grosser Tisch, stilvoll eingerichtet mit vielen Weinflaschen, Kerzenlicht, schön angerichtete Teller, gute Stimmung, sympathische Leute … – und ein leidenschaftlicher Gastgeber.

Was suchen wir eigentlich, wenn wir einen Gastrobetrieb, ein Hotel oder auch einfach eine Gondelbahn betreten?

Natürlich, der Mix von Qualität (das Essen schmeckt mir), Pünktlichkeit (die Wartezeit ist verhältnismässig) und Preis (die Kosten stimmen) muss überzeugen. Der Anbieter, der das nicht auf die Reihe kriegt, hat schon verloren.

Doch als Kunde erwarte ich von einem Servicebetrieb mehr. Auch wenn ich in einer mir völlig fremden Stadt in ein Restaurant trete, möchte ich eigentlich empfangen werden, wie wenn ich nach Hause komme.

Sprich: ich möchte erwartet werden, der Gastgeber freut sich an meinem Erscheinen und führt mich an einen schönen Platz, der zu meinen Bedürfnissen passt.

Ich will spüren, da gehör ich dazu. Auch wenn es nur für diese eine Stunde ist.

Selbst in einer Gondelbahn, die mich in 10 Minuten auf den Berg bringt, wünsche ich mir dieses Gefühl. Natürlich ist es etwas völlig anders, als wenn ich einen gediegenen Abend in einem guten Restaurant verbringe.

Doch mich stört kaum etwas so stark, wie wenn ich in einem Dienstleistungsbetrieb (eben, zB die Gondelbahn) das Gefühl habe, das Personal ist sauer auf mich, weil sie wegen mir arbeiten müssen.

Leider kommt das aber öfter vor, als es mir lieb ist: Da betrittst du einen Kleiderladen und fühlst dich sofort als Störfaktor. Die Verkäuferin wünscht sich jetzt keine Unterbrechung, schliesslich muss sie noch mit ihrer Kollegin Neuigkeiten austauschen …

Beim GLS hatten wir diesen Sommer die Gelegenheit, in einem Interview von einem der angesagtesten und erfolgreichsten Restaurateuren zu lernen. Danny Meyer gab uns einige seiner Erfolgsrezepte weiter.

Und da deckt sich vieles mit meinen Beobachtungen und Erfahrungen als Kunde. 49 % hat mit der Qualität, exzellentem „Produkt“ zu tun – der Rest ist Service, Gastfreundschaft.

Selbst mit Innovation können wir heute den Unterschied nicht mehr machen, sagt Meyer. Innovation hätte noch gerade eine Haltbarkeit von 2 Minuten. Na gut, bei uns wird es vielleicht etwas länger sein als in New York City …

Doch der Punkt ist klar: Es müssen Emotionen ausgelöst werden! Der Kunde muss gehört werden.

Ein schönes Beispiel erzählte Danny Meyer: Ein Investmentbanker kam mit sieben Leuten in eines seiner Restaurants und wollte den besten Chardonnay. Meyer brachte ihm einen solchen. Doch der Kunde behauptete, dies sei gar kein Chardonnay.  „Es ist völlig irrelevant, ob der Kunde recht hat oder nicht. Wichtig ist nur, dass er sich gehört fühlt.“

Als Kunde will ich dazu gehören. Ebenso als Mitarbeitender. Als Gastgeber und als Führungsperson ist genau das unsere Aufgabe: Die Leute sollen sich als Teil davon fühlen.

Die besten Leute wollen nicht einfach einen Job ausfüllen, sie wollen etwas Bedeutungsvolles aus ihrer Lebenszeit machen.

Glücksaufgabe

Unsere Tochter, diesen Sommer die obligatorische Schulzeit abgeschlosen, fragte uns bei der Gondelbahn mit Blick auf eine Mitarbeiterin: Kann diese Aufgabe wirklich ein Traumjob sein?

Ich glaube, es geht nur, wenn man sich dabei als Teil von etwas Grösserem versteht, wenn man das persönliche „WHY“ gefunden hat und aus vollem Herzen Gastfreundschaft leben kann.

Hast du bereits eine solche Aufgabe für dich gefunden?

Führen durch Loslassen

Gestern durfte ich zusammen mit meiner Frau Teil eines spannenden Kundenanlasses sein: menuandmore lud ins Eventlokal „Sektor 11“ in Zürich-Oerlikon. Unsere Aufgabe war es, in einem Referat unter dem Titel „Hilf mir, dich zu verstehen!“ Impulse für die gelingende, positive Kommunikation weiterzugeben.

In einem Teil davon geht es um gegenseitige Erwartungen – zum Beispiel unklare oder übersteigerte Erwartungen.

Nach dem Referat erzählte uns die Veranstalterin von ihren Erfahrungen im Teamalltag bezüglich Erwartungen. Es geht ja darum, Missverständnisse auszuräumen und Erwartungen zu klären.

Schliesslich sprachen wir über die Vor- und Nachteile von Checklisten. Die helfen, Klarheit zu schaffen.

Doch: Checklisten fördern nicht die Eigenverantwortung und Innovation.

Und da glaube ich, liegt der grösste Unterschied eines Managers und einem Leader.

Der Manager wird immer bessere Checklisten erstellen, die Abläufe optimieren und am Ende alles effizienter organisiert haben.

Der Leader ist in Sachen Checklisten nicht der Beste. Doch er fördert die Eigenverantwortung.

Die Veranstalterin gestern sagte es in etwa so: „Ich habe gemerkt, dass ich weniger Checklisten erstellen muss, wenn ich die Leute zum Selberdenken animieren will.“

Der Manager führt Prozesse – und leitet die Leute an, ihre Aufgabe im Prozess zuverlässig auszuführen.

Der Leader führt Menschen – und befähigt diese, die Prozesse selbst zu gestalten.

Wenn ich behaupte, wir brauchen mehr Leader, heisst das nicht, wir brauchen keine Manager. Es gibt Situationen, da hängt zum Beispiel unser aller Sicherheit davon ab, dass Prozesse klar definiert sind, Checklisten bestehen und jeder zuverlässig seine Aufgabe erfüllt.

Doch wenn wir Menschen gewinnen wollen, sie zu emotionalen Teilhabern unserer Unternehmungen machen wollen, dürfen wir nicht bloss Prozesse managen!

Wie wir das machen, dazu gab Carla Harris, Vice Chairman von Morgan Stanley und seit über 30 Jahren an der Wall Street tätig, am diesjährigen GLS einige wertvolle Perlen weiter.

Wenn alles von dir als Führungsperson abhängt, beschränkst du die Kraft deiner Organisation. Wir brauchen „Out of the Box“-Denken auch von den anderen!

Dazu sagte Carla Harris diesen verblüffenden Satz: „The secret to growing your power is to give it away. The more you give away, the more power you get.“

Ich nenne das „Führen durch Loslassen“. Es ist ein spannendes Phänomen – und eine biblische Weisheit dazu – dass der, der alles an sich klammert am Ende alles verlieren wird. Doch wer die Kunst des Loslassens beherrscht, wird mehr gewinnen als das, was er abgibt.

Gib Kontrolle, Macht, Verantwortung ab. Und befähige dadurch andere, in ihrer Aufgabe aufzugehen, aufzublühen, Eigeninitiative zu entwickeln.

Lass sie erleben, dass sie nicht nur einen winzigen Teil eines übergrossen Prozesses erfüllen, sondern lass sie spüren, dass sie selbstverantwortliche Unternehmer im Unternehmen sind.

Wie gelingt das? Einige Anregungen aus dem Vortrag von Carla Harris stichwortartig zusammengefasst:

Definiere Erfolg und die Spielregeln.

Lebe eine Fehlerkultur. „Celebrate your mistakes. A mistake is almost as valuable as a success. You learn more when you fail.“

Authentizität: Sei dich, sei wohl in deiner Haut. Wenn du dein authentisches Selbst einbringst, werden dir die Leute vertrauen.

Lerne dich selbst kennen. Und lerne deine Mitarbeitenden kennen.

Lebe Vielfalt: Erfahrung verschiedener Leute führt zu Innovation!

Sehe die Leute! Nimm sie ernst. Jeder schätzt es, gehört zu werden.

Und schliesslich: Beweise Mut! Mut Kontrolle abzugeben, Mut aber auch, Dinge anzusprechen, die nicht gehört werden wollen.

Glücksaufgabe

Wer klammert verliert, wer loslässt gewinnt. Wo hast du das bereits erlebt? Welches Loslassen könnte dein nächster Schritt sein – als Führungsperson im Betrieb oder in der Familie?

Nutze deinen Einfluss zum Guten!

Nachdem ich gerade den Wikipedia-Eintrag über Strive Masiyiwa gelesen habe, bin ich ziemlich platt. Dieser Mann ist krass: Er ist ein simbabwischer Geschäftsmann, Unternehmer und Philanthrop. Miliardenschwer. Wurde von Barack Obama als Berater an einen G8-Gipfel gerufen, gewährte 100.000 jungen Afrikanern Stipendien, unterstützt über 250.000 Waisen mit Bildungsinitiativen …

Der Gründer und Vorsitzender des globalen Telekommunikationskonzerns Econet Wireless träumte davon, dass in Simbabwe und überhaupt in Afrika alle Zugang zur Telekommunikation erhalten würden. Seine Vision brachte ihm viel Spott und Widerstand: Die simbabwische Regierung von Robert Mugabe verweigerte ihm die Lizenz.

Doch er gab nicht auf und verfolgte seinen Traum mit viel Durchhaltewille (Grit):

Masiyiwa appellierte an das Verfassungsgericht von Simbabwe mit der Begründung, dass die Weigerung eine Verletzung der Meinungsfreiheit darstelle. Der simbabwische Gerichtshof, damals einer der angesehensten auf dem Kontinent, entschied nach einem fünfjährigen Rechtsstreit, der ihn an den Rand des Bankrotts brachte, zu seinen Gunsten. Das Urteil, das zur Abschaffung des staatlichen Telekommunikationsmonopols führte, gilt als einer der wichtigsten Meilensteine ​​bei der Öffnung des afrikanischen Telekommunikationssektors für privates Kapital. Der erste Mobiltelefon-Abonnent des Unternehmens wurde 1998 an das neue Netzwerk angeschlossen. (Quelle: Wikipedia)

Warum schreib ich das alles? Strive Masiyiwa war einer der Talk-Gäste am diesjährigen GLS. Ein kleiner, ruhiger, demütiger, fast scheuer Mann. Ja, neben dem schon äusserlich sehr eindrücklichen T.D. Jakes ging er fast unter.

Man musste gute auf die leisen Töne achten, um die bestechende Weisheit dieses Mannes nicht zu überhören.

Diese Begegnung zeigt mir: Es sind nicht die grossen Sprücheklopfer, die die Welt zum Besseren verändern. Was dieser unscheinbare Mann im Kampf für mehr Gerechtigkeit auf seinem Kontinent bewirkte, ist sehr eindrücklich.

Natürlich, sein Traum hat ihm schlussendlich auch sehr viel Geld gebracht. Er ist nicht nur einer der „World’s 50 Greatest Leaders“ (Fortune Magazine), er gehört auch zum Klub der Milliardären.

Ich freue mich, wenn solch demütige Persönlichkeiten ihren Reichtum nicht einfach selbstsüchtig verwenden, sondern so viel Gutes damit machen.

Und hier einige Perlen, die ich mir aus dem Interview mit Strive Masiyiwa notiert habe:

Mentoring ist toll, aber du musst es Modellieren.
Leute folgen dem Beispiel, das sie sehen!

Darum werden beim GLS unter dem Motto „Grander Vision“ immer auch Beispiele gezeigt, wie wir Einfluss positiv ausleben können: Jemand erfindet günstige Wasserpumpen und bringt Trinkwasser an abgelegene Orte. Einer bringt eine grosse Firma dazu, pro verkaufte Impfung eine in Afrika zu spenden.

Beispiele, die inspirieren. Wo sollten wir als Leiter weniger reden und mehr vorleben? Es braucht beides! Aber ohne Taten ist unser Reden nicht viel wert.

Und zum Reden sagt der, der die Mobiltelefone nach Afrika gebracht hat, es gehe um „Art of Speach not Art of Texting!“. Also die Kunst des Sprechens und nicht die Kunst der SMS.

Reden wir wieder miteinander! Wir müssen miteinander verbunden sein – wir als Menschen, nicht unsere Geräte.

Es geht darum, was aus unserem Herzen kommt.

Wir brauchen ein Team. Leute, die an dich „glauben“, dich aber auch hinterfragen. Ein Team, das zusammengeht!

Was wir nicht gerne hören, aber mindestens ich immer wieder erlebe:

Alles braucht länger als wir denken.

Und am Ende des Interviews steht in meinen Notizen nur ein Wort. Wahrscheinlich ist genau dies ein Schlüssel des Erfolgs von Strive Masiyiwa:

Respekt.

Glücksaufgabe

Welche oben erwähnte Perle spricht dich besonders an?

Wie kannst du sie (noch stärker) in dein Leben und Leiten integrieren?

Hör nicht auf zu flattern!

Bishop T.D. Jakes ist schon nur von seiner Gestalt her eine eindrückliche Persönlichkeit. Wenn man dazu noch liest, was er schon alles als Autor, Unternehmer, Pastor oder Filmmacher erreicht hat (beispielsweise wurde er vom TIME Magazine als „America’s Best Preacher“ bezeichnet), wird einem etwas schwindlig.

Doch was er uns am Global Ledership Summit in seinem Kurzreferat weitergab, war alles andere als ein 10-Schritteprogramm zum grossen Erfolg.

Seine Schulssfolgerung war erstaunlich simpel: „Keep flapping and falling, flapping and falling, and eventually you get your rhythm.“ (Flattere und scheitere, flattere und scheitere – und schliesslich wirst du deinen Rhythmus finden.)

Was er damit meinte, verdeutlichte er mit dem Bild des Adlers:  Sie bauen ihre Neste in luftiger Höhe an Klippen. Wenn der Nachwuchs dann aus den Eiern geschlüpft ist, „they kick the kids out of the house“. Die Jungen werden zum Nest herausgestossen und lernen das Fliegen im Fallen.

„The eaglet is not trying to fly;
it’s trying not to die!“
(Das Alderjunge versucht nicht zu fliegen;
es versucht, nicht zu sterben.)

Und dann staunen wir, wie die Adler erhaben als Könige der Lüfte fliegen.

Genau so kann es uns ergehen, wenn wir nicht aufgeben. T.D. Jakes: „They may laugh at your start but they’ll take pictures when you get it.“
(Sie lachen vielleicht über deine Anfänge, aber sie werden Fotos schiessen, wenn du es geschafft hast.)

Was brauchen wir also, um grosse Ziele zu erreichen? Wir brauchen eine Idee, eine Vision, einen „Dream“, der uns dazu bringt, das Nest zu verlassen. Die Komfortzone zu überwinden, auch wenn wir nicht wissen, was auf der anderen Seite des Nestes auf uns wartet.

Wir schauen auf unsere Vorbilder, auf solche, die es geschafft haben – auf den Adler, der erhaben durch die Lüfte segelt. Wir wollen von den Gewinnern lernen – das ist auch gut so.

Doch Entwicklung geschieht über den Weg des Scheiterns!

Der grosse Traum und der mutige Start sind wichtig – doch es ist nur der Anfang. Was jetzt kommt, ist der Härtetest für jede Vision. Rückschläge gehören zu jedem Unternehmen, zu jedem Lebensweg.

Fallen ist das Eine, Liegenbleiben das Andere. Hinfallen, aufstehen, aufs Neue probieren, wieder hinfallen, aufstehen, scheitern, aufrappeln – so sind die grössten Errungenschaften dieser Welt entstanden.

Jemand sagte einmal an einem GLS, es brauche „Grit“ um seiner Vision näherzukommen.  Es brauchte eine ziemliche Weile, bis wir Deutschsprachigen verstanden, was gemeint ist: Rückgrat, Durchhaltewille.

„Grit“ – das gefällt mir. Nein, ein Kinderspiel ist es nicht. Und wenn sich ein Scheitern ans andere reiht, ein Frust auf den letzten folgt … Ja, dann braucht es ganz viel „Grit“ um nicht vorzeitig die Segel zu streichen.

Mir hilft es, wenn ich beim „Flattern“ zwischendurch das Gefühl vom „Fliegen“ bekomme. Ein, zwei Flügelschläge, die gelingen und mich sofort spüren lassen: Fliegen ist so viel schöner, als gemütlich im Nest zu hocken.

Dann flattere ich wieder weiter, lerne von meinen Fehlern, versuche es nochmals, flattere wie wild – und dann ist er wieder da, dieser Flow wenn das Flattern zum Fliegen wird.

Ganz oft bin ich noch am Flattern, doch der Traum vom Fliegen lebt!

Und ich gebe nicht auf, weil ich eines sicher weiss:
Zurück ins Nest will ich nicht.

Glücksaufgabe

Gib nicht auf zu Flattern! Oder hast du dich gerade in einer Komfortzone gemütlich gemacht? Dann frag dich: Welches Nest sollte ich hinter mir lassen?

Was lernst du aus deinen Fehlern der Vergangenheit für deine Entwicklung von morgen?

Führen ist Beziehungspflege

Meine „Bekehrung“ zu Apple hatte ich, als ich die Biografie von Steve Jobs gelesen hatte. Plötzlich sah ich das iPhone nicht mehr bloss als funktionaler Gegenstand sondern als kleines Kunstwerk mit bestechendem Design.

Nein, ein Apple Jünger bin ich dennoch nicht geworden. Aber aufs iPhone bin ich tatsächlich umgestiegen und die Faszination für die „Apple Geschichte“ ist geblieben.

So war ich natürlich gespannt, was Angela Ahrendts von Apple am GLS18 zu sagen hatte. Sie gehört zum Topkader und ist für die weltweiten Apple Stores verantwortlich.

Zum Interview, dass Leadership-Experte John C. Maxwell mit ihr führte, habe ich in meinem Notizbuch zwei Worte gross aufgeschrieben. Zwei Worte, die mir während dem diesjährigen Summit noch mehrmals begegnen werden.

WHY?

Alles beginnt mit dem „Warum?“.

Warum tun wir, was wir tun?

Was ist der Sinn? Die Vision?

Vielen, besonderes jüngeren Generationen, ist die alte Gleichung „Leistung gegen Bezahlung“ heute zu wenig. Sie wollen Teil von etwas Grösserem sein, Arbeit soll Sinn machen, soll einen wert- und sinnvollen Beitrag leisten.

In der Apple-Welt heisst das beispielsweise: „Steve Jobs sagte den Leuten, dass sie nicht verkaufen dürfen; sie sollten das Leben der Kunden bereichern.“

Und ob man ein Fan oder ein Gegner diesen US-Riesen ist – Jobs gelang es, dieses „WHY?“ zu implementieren. Technologie zu verkaufen, ist jetzt wirklich nicht zwingend ein „sexy Business“. Doch dank Apple stecken heute unheimlich viele Emotionen in diesen Gebrauchsgegenständen.

Wie gesagt, ich bin Apple Kunde, aber nicht Apple Jünger. Es ist ein spannendes Anschauungsbeispiel, aber mir persönlich wäre das „WHY?“ als Verkäufer von iProdukten trotzdem zu klein.

Aber ich muss mich fragen: Was ist mein „WHY?“? Und: Ist das „WHY?“ in den Organisationen, die ich leite, für alle klar? Inspiriert das „WHY?“ andere Menschen zur Teilhabe?

HOW?

Nach dem Warum gilt es zu klären, wie wir tun, was wir tun.

Dabei geht es als Organisation um unsere strategische Ausrichtung, um Planung, Prozesse und weiteren Managementaufgaben.

Doch unsere Führungsaufgabe ist eben nicht nur Managmentaufgabe, es geht um Leadership.

Managen heisst, Prozesse organisieren.

Leadership heisst, Menschen inspirieren.

Und wie wir das tun, da fügte sich Angela Ahrendts direkt ihrem Vorredner (Craig Groeschel) an: „Great leaders are just great listeners. They listen, they learn, then they lead. “ (Grosse Führungspersonen sind grosse Zuhörer. Sie hören, sie lernen, dann leiten sie.)

Mit anderen Worten: Interessiere dich für Menschen, kümmere dich um sie. In einem Unternehmen mit 66’000 Mitarbeitenden in 30 Ländern sieht das natürlich ganz anders aus als bei dir und mir. Doch die Haltung ist entscheidend. Ahrendts sagt: „Wir müssen auf unsere Angestellten hören. Sie wissen was funktioniert und was nicht.“

Leider erzählen mir immer wieder Leute davon, wie sie sich in ihrer Firma nicht gehört fühlen. Schade – was für ein ungenutzten Potenzial …

„Leaders move people. To move people, you have to understand them.“ Ahrendts ist überzeugt: Wir inspirieren, indem wir uns kümmern, in dem wir auf den Einzelnen eingehen, versuchen ihn zu verstehen.

„It’s caring. It’s authenticity. It’s consistency. It’s celebrating.“ Es geht um diese emotionale Intelligenz, Authentizität, bei sich selbst sein.

Ja, eigentlich ist einfach unsere Menschlichkeit gefragt: Zuhören, Danke sagen, Anteil nehmen, Erfolge feiern und Trauer gemeinsam durchstehen …

Und wie lässt sich eine Apple-Chefin selbst für jeden neuen Tag inspirieren?  „I read. I listen. I pray everyday that the Spirit moves me.“ (Ich lese. Ich höre. Ich bete jeden Tag, dass der Heilige Geist mich leitet.)

Glücksaufgabe

Bist du dir deines „WHYs?“ im Leben und Job bewusst? Und ist den Menschen, die du leiten darfst, das „WHY?“ der Organisation klar?

Wie steht es ums „HOW?“? Wie führst und inspirierst du andere Menschen?

Sei „real“, sei dich! – auch als Chef!

Letzte Woche war es wieder einmal soweit: Ich durfte Teil vom Global Leadership Summit in Chicago sein. Diese jährliche Konferenz ist das Beste, was ich im Bereich Leadership-Motivation kenne. Ein vollgepacktes Feuerwerk von Weltklasse Sprechern in nur zwei Tagen – ich weiss nicht, wo du das sonst in dieser Dichte, Qualität und vor allem zu diesem Preis kriegst.

Die Stärke ist ja oft gleichzeitig die Schwäche: Genau die Dichte der genialen Referate lassen einem schier mit einem brummenden Kopf zurück. Das Gehörte will verarbeitet werden, sonst ist es tatsächlich nicht nachhaltiger als ein schönes Feuerwerk.

Meine Verarbeitung geschieht in den nächsten Wochen über meinen GlücksBlog. Denn: Glückliche Persönlichkeiten = glückliche Chefs = glückliche Mitarbeitende.

Wie werde ich ein Chef, für den man gerne arbeitet?

Wir alle haben Einfluss und sind im einen oder anderen Setting eine Führungsperson – als Eltern, als Chef, in der Freiwilligenarbeit.

Hast du in dieser Rolle schon mal überlegt, wo du besser werden solltest? Und vor allem: Hast du schon mal die Leute, die du leitest, gefragt, in welchen Bereichen du Entwicklungspotenzial hast?

Genau das tat eine Firma und kam zum – für die Chefetage – erstaunlichen Befund: Während die Führungskräfte dachten, ihr Verbesserungspotenzial liege im Umgang mit neuen Technologien und im Finanzmanangement, sagten die Mitarbeitenden etwas völlig anderes: Nach ihnen wäre eine Steigerung der Leadershipqualitäten und eine Verbesserung der Emotionalen Intelligenz angesagt.

Wie wir uns in diesen beiden Bereichen weiterentwickeln können, darüber sprach am GLS18 (Global Leadership Summit) Craig Groeschel, Gründer und Leiter von Life.Church, die unter anderem die weltweit 180 Millionen-fach genutzte You Version App entwickelt hat.

Groeschel zeigte auf, was in Bezug auf Leadership das Verlangen von uns allen ist. Was wünschen wir uns von einem Chef?

– Ich fühle mich wertgeschätzt.
– Ich fühle mich inspiriert.
– Ich fühle mich bevollmächtigt.
(eigentlich „empowered“, wofür es kein schönes deutsches Wort gibt.)

Wenn sich das alle wünschen, ist die Frage, wie ich ein Chef werde, dem gelingt, dass sich seine Mitarbeitenden so fühlen. Folgende Qualitäten helfen dabei:

Heart to care.

Was im Deutschen etwas komisch tönt (Ein Herz, um sich zu kümmern.), hat ganz einfach damit zu tun, dass Menschen geliebt werden wollen. Als Führungsperson müssen uns unsere Mitarbeitenden wichtig sein. Und sie sollten spüren, dass sie wichtig sind – nicht wir.

Passion to inspire.

Es geht nicht um die glühende Motivationsrede. Leute wollen nicht von aussen motiviert werden, Inspiration geht tiefer. Die gute Nachricht, die Craig Groeschel überbrachte: Es gibt unterschiedliche Inspirations-Stile.

Ich brauche nicht einen anderen Chef nachzuahmen, sondern soll meinen eigenen Weg finden, andere Menschen zu inspirieren. Dafür ist es in erster Linie wichtig, dass ich selbst „zentriert“ bin, versöhnt lebe, mein Glück gestalte – ich würde sagen: Mein ShalomLeben gestalte.

Willingness to empower.

Bist du bereit, deine Mitarbeitende zu ermächtigen? Groeschel provozierte: Du kannst entweder die Kontrolle haben oder Wachstum – aber nicht beides zusammen. Es geht dabei um die Kunst des richtigen Delegierens. Nicht einfach Aufgaben abgeben, sondern auch Verantwortung und Kompetenzen übertragen.

Am Ende seines Vortrages machte Groeschel Mut, sich auch als Führungsperson verletzlich zu zeigen, transparent zu leben und führen, nicht alle Antworten zu haben, Vergebung zu beanspruchen.

Denn: „Wir versuchen starke Leiter zu sein, aber die Leute suchen nicht starke, sondern ehrliche, vertrauenswürdige, authentische Leiter.“

Glücksaufgabe

Was zeichnet einen guten Chef für dich aus? Kommst du auf ähnliche Punkte wie Craig Groeschel? Und wie stark sind diese Leadership-Qualitäten bei dir selbst bereits vorhanden? In welchem Punkt willst du konkret zulegen?