Meine Arbeit tut mir gut

Neulich betete ein Vorschulkind aus unsrem Bekanntenkreis: „Lieber Gott, bitte mach, dass niemand mehr arbeiten muss. Nicht der Bäcker, nicht die Putzfrau und auch nicht der Chirurg. Amen.“

Oje, dachte ich, als unsere Tochter, die diese Szene miterlebt hatte, davon erzählte. „Was für ein Bild von Arbeit hat dieses Kind wohl aufgeschnappt?“, war mein Gedanke.

Und überhaupt: Was für ein Bild von Arbeit vermitteln wir eigentlich unsern Kindern?

In den letzten Jahren durfte ich für die Elternzeitschrift Family regelmässig eine Kolumne schreiben. In dieser „Tankstelle“ erzählten in jeder Ausgabe jeweils ein Mann und eine Frau, wie sie im Alltag auftanken.

Es ist bezeichnend, dass in diesen Tankstellen oft von Auftanken im Zusammensein mit lieben Freunden geschrieben wurde; aber wer hat schon davon erzählt, wie er bei der Arbeit auftankt?

Doch genau das tue ich! Nicht immer, aber immer wieder.

Wenn nach einem arbeitsreichen Tag meine To-Do-Liste am Abend länger ist als am Morgen, dann frisst die Arbeit tatsächlich meine Energie, der Tank ist leer.

Gott sei Dank gibt es auch die anderen Tage: Da schreibe ich einen Artikel oder eine Predigt und erlebe dabei diesen schönen Zustand, den die Psychologie „Flow“ nennt.

Es fliesst, die Zeit geht vergessen, ich gehe in meiner Arbeit auf, das Rundherum verliert an Bedeutung. Ein weiteres Kennzeichen von solchen Flow-Momenten ist, dass ich mich selbst am Resultat freue, noch bevor ich von aussen ein Feedback erhalte.

Ich liebe es, wenn ich meine Stärken einbringen kann und damit einen Unterschied mache – in der Kirche, in meinem Dorf, in der Gesellschaft.

Wie gesegnet ist der Mann (die Frau), der seine (die ihre) Berufung gefunden hat und Arbeit nicht einfach ein so genannter „Broterwerb“ ist?! Mark Twain nannte es so: „Je mehr Vergnügen du an deiner Arbeit hast, desto besser wird sie bezahlt.“ Das deckt sich zwar bisher nicht unbedingt mit meiner Erfahrung. Ich ertappe mich aber ab und zu bei diesem Gedanken: „Das macht so viel Freude, ist das wirklich noch Arbeit?“

Wer hat uns den gelehrt, dass Arbeit keine Freude machen darf?

Als wir im Frühjahr erstmals eine Konfirmation in unserer fx Netzwerkkirche feiern durften, war das eine Tankstelle für mich. Und nicht nur, weil auch unsere Tochter konfirmiert wurde. Aber zu sehen, wie sich die jungen Erwachsenen entwickelt haben, wie sie konkrete Schritte in ihrem Glauben gehen, wie sie sich in der Gemeinde engagieren und mitzuerleben, wie die vielen Besucher positiv auf unsere kreative Kirche reagierten, das alles war ein Genuss für mich als Pfarrer.

Solche Momente sind Lohn für all die Tage, an denen Arbeit nur Energie kostet. Und solche Tage erinnern mich daran, dass unsere Arbeit nicht einfach Mühsal ist. Wenn wir unsere Stärken einbringen, unsere Leidenschaft leben und uns in einem uns entsprechenden Umfeld bewegen können, werden wir immer wieder „Flow“-Erfahrungen machen. Und dabei erleben wir, wie sich unser Tank füllt und unsere Zufriedenheit steigt.

Glücksaufgabe

Hand aufs Herz: Macht dir deine Arbeit Freude?

Wenn ja: Dann geniess es und lass es fliessen!

Wenn nein: Was kannst du tun, damit du mehr Flow in deiner Arbeit erlebst?

Anregungen dazu, wie du deinem Traumjob näher kommst, findest du auch im GlücksBuch, das gerade seinen dritten Geburtstag gefeiert hat.

Nach wie vor erhalte ich tolle Feeedbacks zum GlücksBuch. Zum Beispiel diese:

Ich habe dein Buch gestern in einem Zug gelesen. Es hat mich in einen Zustand der Demut gebracht. Ich bin der Meinung es sollte eine Pflichtlektüre für alle sein! Bestimmt werde ich es immer wieder zur Hand nehmen, denn es gibt immer wieder Momente wo damit das Bewusstsein auf die wirklich wichtigen Dinge geschärft werden kann.
Marc Meichtry, dipl. Treuhandexperte / Gemeindepräsident

 

 

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Dieser Artikel ist zuerst als Kolumne im Magazin Family erschienen.

Lass es fliessen!

Es gibt immer einen Grund dankbar zu sein.“ – Das schreibt sich so schnell. Und ich sage es auch immer wieder. Aber fühlt es sich auch immer so an?

Nein! Trotzdem stimmt es. Denn: Dankbarkeit ist eben nicht nur ein schönes Gefühl, sondern auch eine bewusste Entscheidung.

Meine Woche ist bisher nicht sehr spektakulär: Da ist der Rücktritt eines meiner grössten Vorbilder, der mich verwirrt und irritiert und vor allem traurig stimmt. Dann ist so eine spezielle Ferienstimmung und doch hab ich nicht Ferien: Kids weg, Frau an einer Kinderwoche engagiert – ideale Zeit, um lange Liegengebliebenes zu erledigen.

Irgendwie komme ich jedoch nicht so in die Gänge. Und wieder vergehen Stunden, die ich auf der Suche nach Klarheit um den Rücktritt von Bill Hybels mit Social Media „Recherchen“ verbringe. Dabei wird nur die Verwirrung noch grösser …

Also, es gibt immer einen Grund zur Dankbarkeit! Ich will dankbar sein und entscheide mich, hier über eine nächste Glücksaktivität zu schreiben: Flow-Erfahrungen!

Wo war ich letzte Woche voller Energie?

Meine erste Frage: Habe ich den in den letzten Tagen überhaupt einen Flow erlebt? Ich beginne nachzudenken und merke plötzlich: Ach ja, da und dort, diese Begegnung und diese Aktivität. Tatsächlich, schnell kommen mir mehrere Flows in den Sinn – berufliche und private.

Flow 1: Arbeit bei der ich aufblühe

Aufblühen bei der Arbeit tun wir dann, wenn unsere Stärken und die an uns gestellte Herausforderung zusammen passen. Anders gesagt: Langweilt uns eine Aufgabe bloss, dann sind wir unterfordert und erleben keinen Flow.

Anderseits ist es auch kein schönes Gefühl – ich weiss, wovon ich spreche – wenn wir völlig überfordert sind, weil wir einer Aufgabe nicht gewachsen sind.

Im so genanten Flow-Kanal befand ich mich vor einer Woche, als ich im Rahmen vom „Chäs, Brot, Wy – u mini Gschicht mit Gott“ einen Talk mit einem spannenden Gast führen durfte. Ich war gefordert, weil ich die Antworten aus dem Gast „herauskitzeln“ und die Spannung hochhalten musste. Ich war nicht gelangweilt, aber auch nicht überfordert. Es floss, weil ich meine Stärken einbringen konnte und die Geschichte bei den Besuchern Resonanz erzeugte.

Wenn wir unsere Stärken identifizieren, in einem Umfeld arbeiten, das uns entspricht und die Branche oder Themen unserer Arbeit unserer Leidenschaft entsprechen, stehen die Chancen für Flow-Erfahrungen bei der Arbeit gut.

Flow 2: Saisonfinale mit der Familie

Ich habe von meinen Eltern die Liebe zum Skifahren geerbt und diese Liebe inzwischen auch meinen Kindern weitergegeben: So standen meine Kids und ich letzten Samstag um 7.28 Uhr an der Talstation und warteten darauf, dass zwei Minuten später „endlich“ die erste Gondelbahn auf den Berg fuhr.

Was für eine Flow-Erfahrung: Zusammen mit meinen Kids meine Lieblingspisten herunterkurven! Anspruchsvolle, aber fast Menschen leere Pisten, ein gewisses Tempo, erstaunlich guter (Frühlings)Schnee – wow, das fliesst!

Aber, zugegeben: Skifahren war in den ersten Jahren mit den Kids nicht immer „Flow“ – es gab auch mühsame und langweilige Momente.

Und da haben wir es wieder: Mein Können muss mit den Anforderungen zusammenpassen. Keine zu grosse Überforderung, aber auch keine Unterforderung. Wenn ich den ganzen Tag auf der Anfängerpiste herumrutsche, löst das bestimmt keinen Flow aus …

Flow 3: Paar-Zeit und spannende Interatkion

Beim Nachdenken über die letzte Woche kamen mir noch die sonntäglichen Flows in den Sinn: Mit meiner Frau durch Zürich schlendern und Zeit zu zweit geniessen – auch das bringt mich zum Aufblühen.

Zusammen besuchten wir dann das Dienstagsmail-Fest. Da genoss ich anregende Gespräche. Ich musste argumentieren, um meine Überzeugungen darzulegen. Da war er wieder, der Flow-Kanal …

 

Glücksaufgabe

Manchmal leben und arbeiten wir in einem Alltagstrott und verpassen unsere Flow-Erfahrungen, weil wir sie gar nicht wahrnehmen.

Darum die heutige Aufgabe: Wann und wo hast du in der letzten Woche Flows erlebt?

Glücksaktivitäten trainieren

Kennst du den Moment, wenn sich alles anfühlt wie im Hamsterrad? Die einzige Überlebenschance scheint darin zu liegen, immer schneller und kräftiger zu treten, um ja nicht ins Trudeln zu kommen – immer schön alles am Laufen halten.

Und warum eigentlich? Ist es wirklich ein befriedigendes Gefühl? Vielleicht so lange man das unsägliche Spiel mitmachen kann. Aber irgendwann – meist früher als später – wird aus dem Spiel brutaler Ernst: Die Kräfte schwinden, die Freude ist auf der Strecke geblieben und auf einen Schlag wird uns klar: Glück geht anders!

Für die Mutigen unter uns gäbe es noch eine andere Variante: Man kann das Hamsterrad auch verlassen, bevor man erschöpft umfällt. Man kann aus dieser Tretmühle das Alltags aussteigen, bevor wir ihr zum Opfer fallen!

Das ist selten ein einfacher Weg, aber ein lohnenswerter! Statt stetig höherer Lebensgeschwindigkeit können wir uns auch dafür entscheiden, bewusst – achtsam – mit unserer Zeit umzugehen.

Glücksaktivitäten Achtsamkeit und Genuss

Das Hamsterrad bringt viel Adrenalin – eine gesunde und lebenswichtige körperliche Reaktion, die jedoch auch ein gewisses Suchtpotenzial hat und nur für Ausnahmesituationen gedacht ist. Wer ständig mit erhöhtem Adrenalin unterwegs ist, lebt sehr gefährlich. Der Ausnahmezustand sollte genau dies bleiben und nicht zum Normalzustand werden.

Im Hamsterrad gibt es kaum Raum für Achtsamkeit und Genuss. Dies sind zwei der 16 Glücksaktivitäten, die ich in der Auseinandersetzung mit der Positiven Psychologie entdeckt habe.

Ein achtsamer Mensch ist jemand, der wahrnimmt, was in und um ihn abgeht. Er sieht sowohl die Blume am Wegrand oder die vom Sonnenuntergang rot gefärbten Schneeberge am Horizont, als auch seine Arbeitskollegin, die heute in Feierlaune im Büro erschienen ist – oder im Gegenteil sehr niedergeschlagen wirkt. Er nimmt zudem auch wahr, was in ihm selbst vorgeht: Herzrasen oder Tiefenentspannung, Motivationsprobleme oder Flow-Erfahrung, Gereiztsein oder „Ganze-Welt-umarmen-wollen“-Feeling …

Achtsamkeit fällt vielen von uns nicht einfach in den Schoss. Aber sie kann trainiert werden! Du kannst damit beginnen, in dem du einmal eine Minute lang deinen Atem beobachtest, während du ganz bewusst tief ein- und ausatmest. Oder du nimmst es das nächste Mal in der Stadt nicht ganz so eilig und versuchst im Vorbeigehen so viele Eindrücke wie möglich aufzunehmen: Hörst du trotz dem Lärm in der Stadt die Vögel zwitschern? Was für Menschen begegnen dir – fröhliche, traurige, schöne, verliebte, fremde?

Eine ähnliche Glücksaktivität ist das Geniessen. Kannst du zwecklos geniessen? Im Wald spazieren – ohne dass es Sport sein muss? Ein Buch lesen – einfach für dich und nicht als Weiterbildung? Menschen treffen – ohne dass daraus ein Geschäft oder ein Projekt entstehen muss?

Achtsamkeit und Genissen kannst du auch zusammen trainieren: Was nimmst du wahr, wenn du ganz bewusst ein Glas Wein geniesst? Zeit mit Freunden verbringst? Dich von der Sonne wärmen lässt?

Wer nicht geniessen kann, wird irgendwann selbst ungeniessbar – sagt man. Glücklich, wer lernt, achtsam durchs Leben zu gehen und sich immer wieder Momente des Geniessens schenkt.

 

Glücksaufgabe

Welches (kleine) Ritual könntest du wöchentlich oder monatlich fest einplanen, um den Moment zu geniessen. Ob Kreativ-Morgen, Spaziergang, Spielabend oder Sportveranstaltung ist völlig egal – Hauptsache, das Ritual hilft dir, das Leben im Hier und Jetzt zu geniessen.

 

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Ich bin dann mal offline

Der größte Sinnengenuß, der gar keine Beimischung von Ekel bei sich führt, ist, im gesunden Zustande, Ruhe nach der Arbeit.
Immanuel Kant

Noch vier Wochen, dann ist es soweit: Wir gönnen uns als Familie ein Sabbatical. Beinahe seit zwei Jahren freuen wir uns auf diese fünfwöchige Auszeit, in der wir ganz bewusst eine Pause von all unseren vielfältigen beruflichen Aktivitäten einlegen wollen. Die letzte längere Sommerpause ohne Tagesgeschäft liegt weit zurück und die letzten Urlaubsreisen als Familie waren nie länger als eine Woche.

Und überhaupt, jetzt ist einfach der richtige Zeitpunkt für ein Sabbatical: Diesen Sommer ist es 20 Jahre her, seit wir mit einem Jungschar-Camp auf dem Studenberg die Initialzündung für unsere sozial-diakonischen Aktivitäten in unserem Dorf gezündet haben – damals als Jungschar, dann mit dem Jugendverein POWER, seit über 15 Jahren mit dem gms – z’friede läbe und nun auch schon wieder mehr als sieben Jahre mit dem Verein Happy Kids.

Dazu kommt, dass ich dieses Jahr meinen vierzigsten Geburtstag feiern darf. Zeit für einen Zwischenhalt also: Eine Pause einlegen, zur Ruhe kommen, Vergangenes reflektieren, über Künftiges sinnieren. Für mich ist es ein Jahr der Entscheidung. Und so bin ich schon das ganze Jahr hinüber mit einer Art Auslegeordnung beschäftigt. Doch in der Hektik des Alltags ist das gar nicht so einfach. Darum erhoffe ich mir auch diesbezüglich einiges vom kommenden Sabbatical. Beim Wellnessen mit meiner Frau, beim Relaxen im spanischen Landhaus mit der Familie und beim Visionieren am Leadership Summit in Chicago erhoffe ich mir, Klarheit bezüglich meiner nächsten beruflichen Schritte zu erhalten.

Wir alle brauchen Pausen

Auch der heutige Artikel steht in der kleinen „Papstreihe“. In der in den letzten Wochen erwähnten Papstansprache gab es nämlich auch einen Abschnitt zum Thema Erholung. Franziskus nannte es die Krankheit des „Marta-lismus“ [abgeleitet von der biblischen Figur der Marta] und mahnte seine Leute vor übertriebener Arbeitswut:

Die nötige Ruhe zu vernachlässigen führt zu Stress und Aufregung. Die Ruhe für den, der seine Arbeit beendet hat ist nötig, geboten und ernst zu nehmen…

Jeder, der über längere Zeit gute Arbeit leisten und über die ganze (Lebens)Strecke einen guten Lauf hinlegen will, braucht Phasen der Ruhe, Entspannung und Reflexion. Kaum einer wird sich jeden Sommer eine lange Auszeit leisten können und nur von Sabbatical zu Sabbatical zu denken, wäre auch viel zu kurz gegriffen. Natürlich ist es eine empfehlenswerte Sache, an entscheidenden Punkten im Leben eine längere Pause einzulegen. Doch der menschliche Körper ist so gemacht, dass er regelmässig mitten im Alltag zur Ruhe kommen will. Ja, unser Akku reicht nicht von Urlaub zu Urlaub! Körper, Geist und Seele wollen täglich aufs Neue aufgeladen werden!

Welche kleine Pausen helfen Ihnen im täglichen Leben, frisch und energiegeladen zu sein? Wann sind Sie offline? Welche wöchentlichen und monatlichen „Ladezeiten“ planen Sie ein? Und wann ist für Sie eine grössere, spezielle Auszeit angesagt?

KONKRET

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

Sprint oder OL?

Was hat es für einen Sinn schnell zu laufen,
wenn du auf dem falschen Weg bist?
Unbekannt

Sind Sie auch gerne schnell unterwegs? Ich liebe Tempo – ob auf den Skis, dem Bike oder beim Arbeiten. Es gibt kaum etwas so langweiliges wie langfädige Sitzungen. Oder das endlose Warten beim Skifahren, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist. Oder ins Alter gekommene Sonntagsautofahrer, wenn man eilends zu einem Termin unterwegs ist.

Tempo macht (mir) Spass. Und ich bin voller Energie, wenn ich freie Fahrt habe und mit schnellen, langgezogenen Schwüngen meine Lieblingspiste am Sennigrat heruntersausen kann oder wenn sich in meiner Arbeitswoche ein Termin an den nächsten reiht.

Doch das hohe Tempo birgt neben aller Faszination auch einige Gefahren in sich. Einerseits ist es gesundheitsschädigend, wenn man sich von einem Adrenalinkick zum nächsten schwingt und das Stresslevel nicht regelmässig in den Normalbereich fällt. Anderseits verpasst es derjenige, der mit rasantem Tempo unterwegs ist, manchmal, abzuchecken, ob die eingeschlagene Richtung immer noch die richtige ist.

Stimmt die Richtung?

Die Berner Leichtathletin Anita Weyermann hat vor vielen Jahren den Spruch „Gring abe u seckle“ geprägt. Dieses Motto mag für ein kurzes Rennen, bei dem es immer schön geradeaus geht, passend sein. Aber als Lebensmotto taugt es nicht.

Trotzdem kann man in unserer Gesellschaft überall Menschen entdecken, die ihren Alltag genau nach diesem Motto gestalten. Wir leben mit der Stoppuhr in der Hand und „Gring abe u seckle“ im Hinterkopf:

  • Immer schneller, immer weiter, immer höher, immer mehr, immer besser.
  • Hauptsache volle Kraft voraus.
  • Fixiert auf Leistung, Geschwindigkeit und Grösse.

Die Stoppuhr hat aber einen grossen Nachteil: Sie zeigt bloss Zahlen an, aber nicht, ob die eingeschlagene Richtung stimmt!

Zu oft schauen wir nur auf die Zahlen – und vergessen, dass die höchsten Zahlen, die beste Leistung, die stärkste Kraft in die falsche Richtung keinen Wert hat.

Ich hab schon als Kind lieber OL’s (Orientierungslauf) gemacht als Sprints. Und so ist mir der Kompass auch viel lieber als die Stoppuhr. Beim OL kannst du zwar sehr schnell sein, aber wenn du die Orientierung verlierst, drehst du dich schnell einmal im Kreis.

Und im Leben ist das genauso: Wir können zwar sehr schnell unterwegs sein, auf jeden Trend aufspringen, immer mehr erreichen – aber wer dabei die Orientierung verliert, hat im Grunde alles verloren.

Lieber langsam auf das Ziel zu, als mit hundert Sachen in die falsche Richtung!

Weil ich weiss, dass Tempo nicht alles ist, nehme ich an mindestens einem Tag pro Woche bewusst Tempo raus, lass die elektronischen Medien links liegen, suche die Stille, lege die Stoppuhr zur Seite und wage den Blick auf den Kompass: Stimmt die Richtung?

 

WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Spiritualität“.

Die Sinnkrise

In dem Augenblick, in dem ein Mensch den Sinn und den Wert des Lebens bezweifelt, ist er krank.
Sigmund Freud

„Jetzt weiss ich wieder, warum ich lebe!“ Das hat mir eine freiwillig mitarbeitende Person nach einer sehr intensiven Woche müde, aber glücklich gesagt. Da nimmt jemand eine Woche Ferien um sich ehrenamtlich (ohne jegliche Bezahlung) für 60 Kinder engagieren zu können. Und statt sich danach einen ruhigen Sonntag zu gönnen, hilft diese Person (und viele weitere freiwillig Mitarbeitende) ein riesiges Fest für hunderte von Leuten durchzuführen.

Warum macht man sowas? Warum engagiert man sich freiwillig? Die Antwort liest sich aus dem eingangs erwähnten Resüme der mitarbeitenden Person: Es ist sinnstiftend und gibt einem eine tiefere Bedeutung im Leben.

Das ist wunderbar und als Leiter einer gemeinnützigen Arbeit bin ich auf viele solche motivierte Freiwillige angewiesen. Auf der anderen Seite beschäftigt es mich als Coach, wenn dieselbe Person erzählt, dass genau diese Sinnhaftigkeit auf der Arbeitsstelle längst verloren gegangen ist. Wenn jemand nach einer solchen Woche wieder weiss, warum er lebt, heisst das wohl eben auch, dass dem Alltagsleben oftmals der Sinn fehlt.

Burnout-Falle Sinnkrise

Burnout-Experten weisen darauf hin, dass oftmals nicht das Zuviel an Arbeit in den Zustand des Ausgebranntseins führt, sondern das Fehlen der Sinnhaftigkeit. Ich durfte letzte Woche erleben, wie ein Mitarbeiter nach dem anderen aufblühte, obwohl sie sich alle mächtig ins Zeug legten und sich keiner über zu wenig Arbeit beklagen konnte. Etliche haben sogar mit Ferientagen dafür „bezahlt“, dass sie sich freiwillig engagieren durften.

Natürlich, es war ein vergleichsweise kurzes Projekt und eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Trotzdem ist es ein schönes Praxisbeispiel dafür, dass Arbeit, die Sinn stiftend erlebt wird, einen beflügelt. Und das trifft mit Bestimmtheit nicht nur auf die Freiwilligenarbeit zu, sondern gilt genauso in der bezahlten Arbeit. Die beste und nachhaltigste Motivation ist intrinsisch und hat mit Sinnhaftigkeit zu tun, nicht mit der höhe der Entlohnung oder den Sozialleistungen.

Roy Hitchman, Berater und Headhunter, glaubt denn auch, „dass nicht die Menge an Arbeit per se, sondern die mangelnde Sinnhaftigkeit und Qualität dieser Arbeit Stress und damit Burnouts und Erschöpfung hervorrufen.“ (NZZ am Sonntag vom 5. Januar 2014)

Eigentlich deutet das Wort Burnout diesen Zusammenhang ja schon an: Wenn wir nach dem „Burn“ fragen, geht es darum, für was ich brenne, wo meine Leidenschaft berührt wird, wo ich Sinn erlebe. Und wenn dieses „Burn“ dann verloren geht („out“), hab ich entweder meine Leidenschaft überstrapaziert oder sie ist mir unterwegs abhanden gekommen.

Wohlverstanden, ich sehe da zwei Burnout-Gefahren: Wenn uns die Sinnhaftigkeit unserer Tätigkeit so deutlich bewusst ist, dass wir lauter Dringlichkeit den Weg des gesunden Lebensrhythmus verlassen und non-stop arbeiten, kann es nicht gut kommen. Auf der anderen Seite ist eben Arbeit ohne Sinn schon viel früher eine Burnout-Gefahr, weil der innere Antrieb (intrinsische Motivation) fehlt.

Dieser Artikel erschien am 24. Oktober 2014 unter dem Titel Freiwilligkeit schafft Leidenschaft  als Carte Blanche im Bieler Tagblatt.

WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

Gesucht: Sinnsucher

Sinn des Lebens:
etwas, das keiner genau weiß.

Jedenfalls hat es wenig Sinn,
der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein.

Peter Ustinov

Fehlende Sinnhaftigkeit ist eines der grössten Probleme unserer Zeit. Wer keinen Sinn erkennt in dem, was er tut, wird sich möglicherweise schneller als ihm bewusst ist, im Hamsterrad des Gestressten wiederfinden. Im Wirtschaftsteil der NZZ am Sonntag vom 5. Januar 2014 fand ich folgende spannende Aussage: „Roy Hitchman [Zürcher Berater und Headhunter] glaubt, dass nicht die Menge an Arbeit per se, sondern die mangelnde Sinnhaftigkeit und Qualität dieser Arbeit Stress und damit Burnouts und Erschöpfung hervorrufen.“

Genau dies erlebte auch eine Führungsperson, mit der ich kürzlich sprach. Toller Lohn, weltweite Reisen, grosse Verantwortung – und trotzdem erschien dieser Person die Arbeit immer sinnloser. Die Freude am Job war schon lange weg – was blieb, war der tägliche Kampf gegen die E-Mail-Flut. Körperliche Symptome wie Konzentrationsstörungen und eine bislang unbekannte Unlust auf soziale Kontakte waren die Folgen einer ungesunden Arbeits- und Lebensweise.

Sinn ist der Treibstoff in unserem Leben: Wenn wir in unserem Tun und Sein kein übergeordnetes Ziel, keine Bedeutung, die ausserhalb von uns liegt, entdecken können, wird das Leben ein mühsamer Kampf und Krampf wie das Autofahren ohne Treibstoff.

Sinn im Leben

Darum lohnt es sich, die Notbremse beim Hamsterrad zu ziehen und einmal weg vom Alltagstrott über sein eigenes Leben nachzudenken.

  • Erlebe ich das, was ich tue, als bedeutungsvoll?
  • Lebe ich meine Berufung? Was ist meine Berufung?
  • Was gibt mir Halt im Leben?
  • Warum tue ich, was ich tagtäglich tue?
  • Was hat für mich wirklich Bedeutung?
  • Wie wichtig bin ich mir selbst?
  • Wie wichtig sind mir andere Menschen (Familie, Freunde)?
  • Wie wichtig ist mir Gott?

So wichtig für unser Wohlbefinden die Frage nach dem Sinn auch ist, so sehr bleibt das Nachdenken darüber oftmals auf der Strecke. Wie besingt es Tim Bendzko doch so trefflich: „Muss nur noch kurz die Welt retten, danach flieg ich zu dir. Noch 148 Mails checken wer weiß was mir dann noch passiert denn es passiert so viel.“ Unser Aktivismus hält uns ganz schön auf trab – wie sollen wir da noch Zeit haben, nach dem Sinn unseres Tuns zu fragen?

Und wenn wir uns tatsächlich die Zeit nehmen und uns einen Moment der Ruhe und des Reflektierens gönnen würden – wie beginne ich eigentliche damit? Während für die Eine ein leeres Tagebuch eine Einladung zum Nachdenken über die Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens ist, werden diese weissen Seiten für den Anderen eine glatte Überforderung. Die Stille und die blosse Anwesenheit des Selbsts kann erstmal bedrohlich wirken. Der Wert eines einsamen Spaziergangs muss erstmal entdeckt werden, bevor wir uns wagen, uns mit uns selbst auf die Reise zu begeben.

Wer sich vorerst mit der Sinnfragen nicht sich selbst überlassen möchte, findet im Internet ein sehr tolles Einsteigertool: Die Umfrage Sinn des Lebens führt mit einem Selbsttest durch sechs Themengebiete à drei Fragen.

WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Spiritualität“.

Was chronischer Stress kostet

Heute lebt der Normalbürger in einem solchen Hamsterrad
der Überreizung und Überlastung,
dass sein Körper bald nicht mehr weiss,
wie er darauf reagieren soll.
Archibald Hart (in: Wer zu viel hat, kommt zu kurz

Da ich kürzlich eine Arbeit zum Thema Stress schrieb, habe ich mich entschieden, meine Stress-Serie hier noch etwas weiterzuführen. Heute will ich zu den Folgen von Stress schreiben.

Volkswirtschaftliche Kosten von Stress

Beginnen wir mit dem Argument, das in der Schweiz gewöhnlich am meisten zu überzeugen mag: den Zahlen. Genauer: den finanziellen Folgen von Stress. Die ganze Stressproblematik ist eine enorme volkswirtschaftliche Belastung geworden. Gemäss einer Seco-Studie aus dem Jahr 2000 fallen in der Schweiz aufgrund von Stress am Arbeitsplatz jährliche Kosten von 4,2 Mrd. Franken an. Schätzungen gehen noch weiter und rechnen mit rund 10 Mrd. Franken, die sich als Folge von Stress anhäufen.  Diese Zahlen sollten uns eigentlich schon Warnung genug sein, dass mit dem Stress nicht zu spassen ist. Sind wir nur für uns selbst verantwortlich, ist das eine Sache. Sind wir aber als Arbeitgeber für eine Unternehmung und/oder als Führungsperson für andere Menschen verantwortlich, stellt sich die Frage: Was tun wir, um dem chronischen Stress in unserer Organisation, unserem Team, vorzubeugen? Hoffentlich werden wir in der Stressprävention aktiv, weil uns die Menschen um uns herum wichtig sind. Und sonst mindestens, weil wir ein gutes Kostenbewusstsein haben.

Vom Freund zum Widersacher

Nach den Zahlen zu den persönlicheren Folgen von Stress: Was passiert eigentlich in unserem Körper bei chronischem Stress? Wenn wir länger als vierzehn Tage in einer Stresssituation verweilen, führt dies zu negativen körperlichen Auswirkungen. Dieser Verlauf „vom Freund zum Widersacher“ geschieht in drei Phasen :
1. Beginn von Stress: Alarmreaktionsphase
2. Fortdauernder Stress: Widerstandsphase
3. Chronischer Stress: Erschöpfungsphase

In der ersten Phase (bis zwei Wochen) bewirkt der Stress, dass unser Notfallsystem seine Aufgabe erfüllt und wir uns fokussiert auf den „Notfall“ konzentrieren können. In der zweiten Phase nimmt unsere Stressbewältigungsfähigkeit rapide ab und unser Immunsystem wird geschwächt, wir werden anfälliger auf Krankheiten. Gönnen wir uns auch im fortdauernden Stress keine Ruhephase, kann sich unser Stresssystem nicht erholen und wir landen im chronischen Stress. Wie Archibald Hart in seinem Buch Wer zu viel hat, kommt zu kurz schildert, führt diese dritte Phase dazu, „dass unser Organismus von der Auseinandersetzung mit dem Stress umschaltet auf das blosse Überleben.“ (Diese Umstellung hat mit der veränderten Funktion des Stresshormons Kortisol zu tun.)

Die Folgen von chronischem Stress sind einerseits die bekannten Stresskrankheiten wie chronische Müdigkeit, Schmerzen, Angst, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Immunschwäche. Anderseits besteht eine grosse Gefahr, dass uns der chronische Stress früher oder später in eine Depression oder ein Burnout führt. Roland Hardmeier schreibt als Betroffener in seinem Erfahrungsbericht Nach wie viel Burn ist Mann out?: „Im Grunde genommen lässt sich die Ursache meiner Krankheit in einem Wort zusammenfassen: Stress.“ 

Wir sollten gewarnt sein!

 

WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE ZUM THEMA

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichArbeit“.

Wenn nichts mehr brennt

Ich mache dieselbe Erfahrung, wie andere vor mir:
Man ist nach dem Burnout nicht mehr dieselbe Person wie vorher.

Roland Hardmeier

Es gehört einfach zu diesen November-Tagen: Meldungen über öffentliche Personen, die im Burnout gelandet sind, Bekannte, die mit Motivationproblemen kämpfen, Menschen, die mit depressiven Verstimmungen versuchen dem grauen Herbst Konkurrenz zu machen.

Jeder, der von diesem Zustand des Ausgelaugtseins betroffen ist, geht anders damit um. Einer versucht sich mehr oder weniger erfolgreich im Verdrängen – und vergisst dabei, dass die Chancen ganz gut stehen, dass sich genau dies früher oder später schmerzhaft rächen wird.

Andere sammeln ihre letzten Kräfte zusammen und überspielen ihre Erschöpfung mit wildem Aktivismus. „Wenn ich mich nur genug anstrenge, wird schon niemand merken, dass ich eigentlich schon lange ‚auf dem Zahnfleisch laufe‘.“

Eine weitere Gruppe unterschätzt den Ernst der Lage massiv und bildet sich leichtfertig ein, dass ein Burnout doch noch trendy sei und man die Gelegenheit ja nutzen könne, sich endlich mal eine kleine Pause zu gönnen.

Natürlich stellt keine dieser Varianten eine gute Art dar, mit der herbstlichen Antriebslosigkeit umzugehen. Richtig nachdenklich stimmt mich die Tatsache, dass einige Zeitgenossen tatsächlich der Meinung sind, ein Burnout zu haben, sei lässig. Ein Arbeitgeber schockierte mich einmal mit einer Bemerkung, die darauf schliessen liess, dass er ein Burnout im Lebenslauf als eine gute Referenz betrachtet. Im Sinn: Wer einmal ausbrannte, hatte mindestens schon mal gebrannt…

Doch wenn wir Betroffene nach ihrer Burnout-Erfahrung fragen, wird schnell klar: Im Burnout zu landen ist weder trendy noch lässig. Es ist eine Sackgasse, die ich keinem Menschen wünsche. Wir machen uns etwas vor, wenn wir meinen, nach einer kurzen oder etwas längeren Pause könnten wir einfach wieder weitermachen wie vor einer schwerwiegenden Erschöpfung. Bisher hab ich noch niemanden getroffen, der oder die selbst Jahre nach dem Burnout wieder im selben Mass leistungsfähig wie davor gewesen wäre.

Wenn Betroffene erzählen

Das oben aufgeführte Zitat stammt aus dem Buch Nach wie viel BURN ist Mann OUT?. Darin gibt Roland Hardmeier seine „Burnout-Geschichte“ weiter.

Da bin ich also. Ein gestrandeter Pfarrer und Dozent.
Einer, der anderen half bis zum Umfallen – und jetzt selber dringend Hilfe braucht. Einer, der andere unterrichtete – und doch gar nichts mehr weiss. Ich bin ein Mann in der Mitte seines Lebens – aber es kommt mir wie das Ende vor.

So beginnt sein Buch. Sehr offen und unterhaltsam berichtet Roland Hardmeier darin von seiner Burnout-Erfahrung. Dabei wird klar: Wer seine Erschöpfungszustände und Burnout-Symptome auf die leichte Schulter nimmt, lebt sehr gefährlich. Hardmeier macht auch Schluss mit dem gern geglaubten Trugschluss: Wer mit Begeisterung seine Berufung lebt, sei nicht Burnout-Gefährdet.

Natürlich, wenn Betroffene wir Roland Hardmeier sagen, sie seien nach dem Burnout nicht mehr dieselbe Person wie vorher, liegt darin auch eine Chance. Irgendetwas an ihrem Lebensstil trieb sie ja in dieses Ausgebranntsein. Würden sie nach der Sackgass-Erfahrung wieder im selben krankhaften Stil weiterleben, würden sie ihr Leben ein weiteres Mal an die Wand fahren.

So gesehen ist jede Sackgasse im Leben eine Chance. Weil es so nicht mehr weitergeht, werden wir gezwungen, unseren Lebens- und Arbeitsstil zu überdenken. Gerade beim Burnout ist es ja nicht einfach das Zuviel an Arbeit, das die Betroffenen in die Krankheit führt. Es ist ein diffuser Mix von psychischer und physischer Belastung, die auf die Dauer zur Überlastung und schliesslich zum Zusammenbruch führt.

Trotzdem wünsch ich keinem diese Sackgasse. Darum ist es mein grosser Wunsch, mit meiner Arbeit einen kleinen Beitrag leisten zu können, damit Menschen ihr Leben reflektieren, bevor sie am Ende der Sackgasse ankommen. Tatsache ist jedoch auch, dass viele Menschen sich nicht gerne Gedanken zum eigenen (ungesunden) Lebensstil machen, wenn es nicht dringend nötig ist. Leider…

Was sagt Ihre innere Ampel im Moment? Alles im grünen Bereich? Oder steht die Ampel gerade auf Rot und es ist höchste Zeit für ein Timeout? Und was unternehmen Sie, wenn die Ampel warnend orange blinkt?

 

Weiterführende Angebote zum Thema

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichArbeit“.

Auf- oder untergehen im Job

Glückliche Menschen gehen in ihrer Arbeit auf, aber niemals unter.
Unbekannt

Gehen Sie in Ihrer Arbeit auf – oder manchmal doch eher unter?

Natürlich gehört es bei engagierten Personen dazu, dass man im beruflichen oder privaten Umfeld Phasen grosser Anspannung durchlebt. Dagegen ist auch aus Sicht einer gesunden Life-Balance nichts einzuwenden – solange auf die Phasen der Anspannung auch Phasen der Entspannung folgen.

Es gibt Stimmen, die sagen, ein Leben in Balance sei langweilig. Dem widerspreche ich vehement! Ein ausgewogenes Leben hat überhaupt nichts mit einem immer gleichen, eintönigen Dasein zu tun. Im Gegenteil: Eine gesunde Life-Balance ermöglicht erst, dass wir uns mit voller Kraft für ein spannendes Projekt engagieren können, in unserer Arbeit aufgehen und Flows erleben können.

Wer in seiner Arbeit regelmässig unter- statt aufgeht, ist über kurz oder lang nicht mehr mit Leidenschaft bei seiner Tätigkeit und lebt ungesund. Was jeder Sportler weiss, muss auch die Führungskraft, der Kreative, die Familienfrau, der Ingenieur und die Ärztin beachten: Anspannung ohne Entspannung ist ein (Berufs)Risiko!

Was ist Ihre Botschaft?

Das obige Zitat begleitete mich durch diese Woche. Ich fragte zum Beispiel an einer Teamsitzung nach, wie es denn bei den Einzelnen aktuell aussehe in Sachen Auf- beziehungsweise Untergehen in der Arbeit. Das Resultat war ernüchternd: Die Menge der Arbeit lasse ein Aufgehen gar nicht zu. Selbst wenn man die Arbeit an und für sich ganz gerne täte, sei ein Untergehen in den (zu) vielen Anfragen und To-Do’s vorprogrammiert.

Meine kleine Umfrage ist natürlich überhaupt nicht repräsentativ. Doch was meine Kollegen aus einer Freiwilligenarbeit in ihrem beruflichen Umfeld erleben, ist ganz bestimmt keine Randerscheinung. Denn eigentlich brauchen wir gar nicht gross nachzufragen, ob jemand in seiner/ihrer Tätigkeit auf- oder untergeht. Oft reicht ein genauer Blick und wir sehen, mit wie viel oder wenig Freude jemand bei der Arbeit ist. Und da kann beobachtet werden, dass viele einfach ihren Job erledigen – nicht mehr und nicht weniger. Einige blühen tatsächlich in ihrer Tätigkeit auf und verbreiten in ihrem Umfeld eine positive Atmosphäre. Andere gehen offensichtlich schier unter in dem, was sie tun. Mit letzter Kraft retten sie sich ins nächste Wochenende – von Begeisterung am Arbeitsplatz ist wenig zu spüren…

Was ist also Ihre Botschaft? Wenn man Sie bei der Arbeit beobachtet, welche Botschaft, welche Signale, senden Sie aus? Sehen wir jemand, der/die in der Arbeit aufgeht? Oder jemand, der/die sich mit letzter Kraft „in die nächste Runde“ kämpft?

Für alle, die gerade gegen das Untergehen im Job ankämpfen, mag es nach reiner Provokation tönen, aber es ist so: Aufgehen in der Arbeit lohnt sich!

Und zwar vielfach:

  • Meine Freude an der Arbeit steigt und ich erlebe mehr Flows.
  • Ich arbeite mit grosser Leidenschaft, wahrscheinlich kann ich auch meine besonderen Stärken einbringen.
  • Ich blühe auf.
  • Mein Arbeiten ist von mehr Erfolg gekennzeichnet.
  • Meine Kunden werden die Zusammenarbeit mit mir schätzen.
  • Meine Firma wird (dank mir) erfolgreicher.
    (Übrigens: Für die Firma ist es nicht nachhaltig, wenn ich in der Arbeit unter-, statt aufgehe. Stichwort: Folgekosten von Burnout.)
  • Und zu guter Letzt: Mein Privatleben wird profitieren. Meine Beziehungen in Familie und Freundeskreis werden spürbar besser sein.

Ich liebe die ansteckende Wirkung von Menschen, die in ihrer Arbeit aufgehen. Ob im Restaurant, wo der Koch zaubert und die Serviceangestellte „gute Laune“ verbreitet. Ob in der Schule meiner Tochter, wo die Lehrerin mit Leidenschaft ein Umfeld schafft, in dem sich die Kinder gut entwickeln können. Ob in einem Kurs, beim Arzt oder im Konzert… Wo auch immer ich Menschen erlebe, die in ihrer Arbeit aufgehen, fühl ich mich wohl. Wo ich hingegen auf abgelöschte Menschen treffe, löscht es mir selbst ab.

Darum: Gehen Sie noch unter? Oder haben Sie schon einen Job, in dem Sie aufgehen?

 

PS: Meine Frau geht in ihrer Arbeit auf, wenn sie kreativ sein und ein Projekt entwickeln kann. Dabei erlebt sie die positiven Auswirkungen, die ich oben geschildert habe. So ist sie zum Beispiel mit ihrem letzten Projekt („Lueg use, Martin“) für den StopArmut-Kreativpreis nominiert worden. Im Livenet-Interview sagt Brigitte Gerber, was ihre Botschaft ist.

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichArbeit“.