Gemeinsam sind wir stark

Man muss mit den richtigen Leuten zusammenarbeiten, sie achten und motivieren. Dauerhafter Erfolg ist nur im Team möglich.
Klaus Steilmann

Letzte Woche hatte ich im Rahmen meines Masterstudiengangs die Gelegenheit, an einer Studienreise nach Sheffield GB teilzunehmen. Es war eine schöne und lohnenswerte Reise; und dies nicht nur, weil das Wetter doch um einiges angenehmer war als hierzulande. Sheffield hat einige spannende Gebäude und schöne Plätze zu bieten, doch was die Studienreise vor allem auszeichnete, waren die inspirierende Lerngemeinschaft (gekoppelt an eine grosse Lernbereitschaft) unter uns Studenten und die innovativen Projekte, die wir als Gruppe besuchten.

Die Studienreise hatte zum Ziel, verschiedenste Ausdrucksformen von Kirche kennen zu lernen und diese „Fresh expressions of Church“ zu reflektieren sowie daraus Impulse für die Arbeit in unserem Land zu gewinnen.

Innerhalb der Anglikanischen Kirche gibt es seit rund zehn Jahren unter der Bezeichnung „Fresh expressions of Church“ eine wachsende Bewegung mit vielen kleinen, ermutigenden Initiativen, die zeigen, dass ein Turnaround von einer (aus)sterbenden Kirche zu einer erfrischenden, relevanten Erfahrung von Kirche nicht nur wünschenswert und denkbar, sondern auch möglich ist.

Biker im Talar

Trotz der immensen Unterschiedlichkeit der besuchten Projekte ist uns eine Gemeinsamkeit schnell aufgefallen: Der Teamgedanke. Dies zeigte sich schon nur darin, dass fast alle Projekte von einem Team und nicht von einer Einzelperson vorgestellt wurden.

Einzigartig war das Beispiel von Harry Steele. Er wurde als Pionier in eine sehr traditionelle, schrumpfende Anglikanische Kirche mit katholischer Ausprägung gestellt. Auf den ersten Blick war klar, dass er selbst jedoch alles andere als traditionell ist: Harley Davidson Gurt umgeschnallt, auffallender Schnurbart, lässiger Umgang – ohne „Beweisfotos“ wäre es kaum vorstellbar, dass Harry in einem Talar in einer Kirche steht.

Eindrücklich wird schon vor der Kirche kommuniziert: Hier ist etwas in Bewegung, hier geschieht Veränderung. Dabei geht Harry einerseits konsequent vor, anderseits aber auch behutsam. Man muss zielstrebig losmarschieren und die Leute für einen gemeinsamen Weg gewinnen, aber wenn man eigenmächtig alles umstellt, haben am Ende alle verloren.

Was Harry dabei geholfen hat, eine kleine Veränderung nach der anderen durchzuführen, war das grosse Team, dass ihn auf dieser Reise begleitet. Eine grosse Zahl von Menschen verpflichteten sich, mindestens ein Jahr diesen Weg mitzugehen, egal wie attraktiv oder schwierig es würde. Ganz nach dem Motto: „Was ich alleine nicht schaffe, können wir gemeinsam erreichen.“

Herausgefordert und ermutigt

Die Studienreise war für mich befreiend, ermutigend und herausfordernd gleichzeitig. Und dies hat mit den besuchten Projekten zu tun, zu einem sehr grossen Teil aber auch mit der Gemeinschaft der Mitreisenden. Auch hier wieder der Teamgedanke: Wäre ich alleine auf diese Reise gegangen, hätte ich nicht im selben Mass profitiert. Das Reflektieren, Austauschen und Fragen mit den zwölf andern – als Gesamtgruppe in unserem Seminarraum oder spätabends in kleinen Gruppen im englischen Pub – half, den Transfer in die eigene Situation zu gewährleisten. Schön war auch, dass es nicht einfach beim Theologisieren blieb. Es war eine echte persönliche Anteilnahme an der Situation des anderen spürbar, was sich auch im Gebet füreinander ausdrückte.

Und so nehme ich neben vielem anderem für mich mit: Veränderung geschieht im Team. Bleiben wir Einzelkämpfer, haben wir einen ganz schweren Stand. Doch wenn eine Gemeinschaft von Menschen entsteht, die gerne zusammen ist und sich für ein gemeinsames Ziel engagiert, kann etwas Grossartiges entstehen. – Dies gilt für die Kirche, aber nicht nur! Den Teamgedanken gilt es auch in jedem anderen Arbeitsumfeld und wohl auch in jeder Lebenslage hochzuhalten.

 

WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE ZUM THEMA

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichGesellschaft“.

Als Team stärker?

Wer andern eine Blume sät, blüht selber auf!
Verfasser unbekannt

Einmal mehr las ich neulich genüsslich in meiner Sonntagslektüre und blieb beim Artikel „Gemeinsam stark“ (NZZ am Sonntag, 16. Sept. 2012) über das Buch Zusammenarbeit von Richard Sennett hängen. Auch wenn im Artikel über den Soziologen Sennett und sein neustes Buch ein eher düsteres Bild über den Zustand unserer Gesellschaft gezeichnet wird, können wir nicht ganz abstreiten, was da steht: „Jeder kämpft gegen jeden und schaut nur für sich. Arm und Reich klaffen immer weiter auseinander. Selbstherrliche Manager lassen ihrer Gier freien Lauf. Das Gemeinswesen droht auseinanderzubrechen.“

Das düstere Bild hellt sich auf, wenn Richard Sennett die Vision einer Gemeinschaft schildert, die sich an einem Orchester orientiert: „Der Einsatz des Einzelnen dient dem Klang des Ganzen, das Zuhören ist so wichtig wie das Spielen.“ Wer kann sich noch leisten zuzuhören? In einer Zeit, in der Geschwindigkeit und Selbstmarketing (= sich selbst anpreisen und somit immer von sich reden, statt zuzuhören) über allem stehen. Und: Bin ich mir bewusst, dass mein Beitrag Teil des Klanges (oder auch: Teil des Missklanges) ist? Verstehe ich mich als Teil des Grossen Ganzen oder erledige ich Dienst nach Vorschrift und erkenne die Bedeutung meiner Arbeit gar nicht?

Teamwork – für die Einen ein Reizwort, für die Anderen ein Wunderheilmittel. Nachdem das Team vor Jahren schwer in Mode kam, Büros umgebaut wurden, Hierarchien flach gehalten wurden, plötzlich alle mit dem Generaldirektor per Du waren, folgte eine Phase der Ernüchterung: Teamarbeit ist nicht die Lösung auf alle Probleme. Und: Nicht jeder ist für Teamarbeit geschaffen. Je nach Persönlichkeitsstil blüht man bei der Arbeit in einem Team so richtig auf – oder man trocknet langsam aus, weil man sich und seine Ideen eben doch besser in der Ruhe der Einzelarbeit entwickeln kann.

Das deckt sich mit meinen Erfahrungen: Teams sind eine grossartige Sache, aber es gibt einige Tücken, die zu Fallgruben einer erfolgreichen Teamarbeit werden können. Da kann manch einer zum Schluss kommen: Wir lassen es. Zusammenarbeit in Teams braucht zu viel Zeit, schafft unnötig zwischenmenschliche Konflikte und überhaupt will ich arbeiten und nicht in Meetings festsitzen.

Was es zu beachten gibt

Bevor wir nun die Teams schon abschreiben, einige Hinweise, wie Teamarbeit gelingen kann und wir dabei Lust statt Frust erleben können:

  • Der Lead muss klar sein.
    Es gibt verschiedenste Modelle und Ideen, wie Teamarbeit funktionieren kann. Mir wurde schon gesagt: „Wir haben keine Leitung, wir haben Teams.“ Mag sein, dass irgendwo auf der Welt, mit den richtigen Leuten, der Ansatz von sich selbstorganisierenden Teams funktioniert. Meine Erfahrung ist eine andere: Ein starkes Team brauch eine starke Führung!
  • Nicht jeder kann ein Team leiten.
    Dies ist die Weiterführung des vorherigen Punktes. Wie oft sass ich schon in einer Sitzung und dachte: Wie schade nur, dass die leitende Person nicht mehr Leadership-Qualitäten hat. Auch hier gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Für mich ist klar: Nicht jeder hat die nötigen Führungskompetenzen um ein Team zu leiten. Zu oft wird die Person, die sich mit viel Fachwissen und herausragender Arbeit bewährt hat, automatisch zum Teamleiter. Aber die Fähigkeiten, die man als Führungsperson benötigt, unterscheiden sich womöglich fundamental von den herausragenden Fähigkeiten in einem bestimmten Fachbereich.
  • Das Ziel muss klar sein.
    Ich habe schon Teams erlebt, da war das gemeinsame Ziel nicht definiert. Als zielorientierter Visionär sind mir solche Situationen natürlich schnell unangenehm. Aber ist ein zielloses Meeting und die Teamarbeit ohne übergeordnete Vision nicht für alle ein Leerlauf? Darum: Das Ziel muss klar sein. Und es muss auch immer mal wieder über das Ziel gesprochen werden, damit es nicht plötzlich aus dem Blickwinkel verschwindet.
  • Als Team muss man sich mögen.
    Ob im Job oder noch eindrücklicher in der Politik (mindestens in unserem schweizerischen System), auf die Zusammensetzung der Teams hat man oft wenig Einfluss. Dabei haben Studien gezeigt: Der Unterschied zwischen einem normalen zu einem Hochleistungsteam liegt oft in der Gemeinschaft untereinander. Sprich: Richtig gut wird ein Team erst dann, wenn die Gruppe gerne zusammen ist und sich die Einzelnen füreinander engagieren.
  • Teamarbeit soll Spass machen.
    Die Zusammenarbeit im Team soll produktiv sein, ganz bestimmt. Doch dies erreicht man nicht mit endlosen, trockenen Sitzungen. Teamarbeit soll auch Spass machen. Und wenn der Spassfaktor nicht zu kurz kommt, stimmen auch die Resultate. Mindestens wenn es um kreative Prozesse geht, muss eine anregende Stimmung herrschen, die alle Beteiligten motiviert.
  • Den Anderen zum Glänzen bringen.
    Teamarbeit ist nicht zu Verwechseln mit dem Zusammenzug von mehreren Einzelkämpfern. Das zeigt uns jede Mannschaftssportart eindrücklich: Eine Mannschaft von hochkarätigen Individualisten ist noch kein starkes Team. Ganz nach dem eingangs erwähnten Zitat mit dem Säen: In der Teamarbeit versuche ich die Anderen zum Glänzen (zu Bestleistungen) zu bringen und werde so selbst mein Bestes geben.
  • Worten müssen Taten folgen.
    Es braucht einiges an Geschick, den unterschiedlichen Persönlichkeiten in einem Team gerecht zu werden. Wie kann man den stillen Denker an Board holen? Wie stoppt man die Dauerredner?
    “Grosse Worte, kleine Taten” – auch das ist in manchen Teams eine Herausforderung. Entweder hat man als Team gute Ideen, die aber nicht konkret angepackt werden und daher nie umgesetzt werden. Oder man hat im Team einen dabei, der sich gerne reden hört, viel Platz einnimmt und dann doch nicht “hält, was er verspricht”.
    Darum muss in jedem Team gelten: Worten müssen Taten folgen.

Meine grössten Erfolge habe ich in Teams erreicht. Ich liebe es, Teil eines starken Teams zu sein. Wenn man mit den richtigen Leuten zusammen ist, einige Regeln beachtet und ein motivierendes Ziel vor Augen hat, kann man gemeinsam tatsächlich viel mehr erreichen, als jeder für sich alleine.

 

Weiterführende Angebote zum Thema

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichArbeit“.

Die Kunst, ein guter Chef zu sein

Führen ist die Kunst, den Schlüssel zu finden, der die Schatztruhe des Mitarbeiters aufschliesst und ihm das Gefühl vermittelt, dass in ihm viele Möglichkeiten und Fähigkeiten stecken.
Führen heisst, die Lust zu wecken an der Entfaltung der eigenen Fähigkeiten und am Dienst für die Gemeinschaft.

Anselm Grün (in “Menschen führen – Leben wecken”, Seite 51)

Der Gallup Engagement Index 2011 spricht eine deutliche Sprache: Nur gerade 14 Prozent der Angestellten haben eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber. Demgegenüber haben fast ein Viertel der Mitarbeitenden bereits innerlich gekündigt und der Grossteil der Arbeitnehmenden (63 %) macht Dienst nach Vorschrift.

Die Zahlen stammen zwar aus Deutschland, aber dass das Bild bei uns in der Schweiz viel rühmlicher aussehen würde, ist zu bezweifeln. Während wie bei uns in Deutschland die grosse Mehrheit zwar zufrieden mit ihrer Arbeit ist, steht es um die emotionale Bindung an den Arbeitgeber nicht gut. Ich vermute, der grosse Bereich der Mitarbeitenden mit Dienst nach Vorschrift zählt zu den resignativ Zufriedenen: Der Job ist okay, aber ich setze mich nicht freiwillig und mit Leidenschaft überdurchschnittlich für die Unternehmensziele ein.

Was sind die Gründe, dass nur ein kleiner Teil der Belegschaft über eine hohe emotionale Bindung verfügt? Zuerst einmal ist spannend, dass die Gründe nicht bei den Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit oder Entlöhnung zu suchen sind. „Diese Zahlen zeigen ganz eindeutig, dass die Gründe für eine mangelnde emotionale Bindung nicht in den Rahmenbedingungen des Arbeitsverhältnisses liegen. Führungskräfte sind diejenigen, die in der Verantwortung stehen, da sie es sind, die das Arbeitsumfeld durch ihr Führungsverhalten prägen und gestalten“, sagt Marco Nink, Strategic Consultant bei Gallup.

Mit anderen Worten: Ob ich mich emotional an meinem Arbeitspaltz voll einbringe (loyal und produktiv bin), einfach meinen Job mache oder gar aktiv gegen die Interessen des Unternehmens arbeite (innere Kündigung), hängt viel mehr vom „guten Chef“ ab, also vom Lohn.

Ein guter Chef zu sein, ist aber eine hohe Kunst, die leider lange nicht alle Führungskräfte beherrschen.

Was tut ein Chef, dem es gelingt, eine hohe emotionale Mitarbeiterbindung zu fördern? Die Gallup Engagement Studie zeigt einige wichtige Faktoren auf, die die Kunst des Führens umschreiben. Die Umfrage zeigt bei all diesen Faktoren deutliche Unterschiede. Innerlich Gekündigte erleben die folgenden Punkte an ihrem Arebitsplatz kaum, emotional hoch Gebundene jedoch sehr häufig:

  • Anerkennung und Lob
  • konstruktives Feedback
  • Interesse für den Menschen
  • Förderung der persönlichen Entwicklung
  • Meinung und Ansichten der Mitarbeitenden haben Gewicht

„Gute Führung orientiert sich am Menschen“, steht in der Pressemitteilung von Gallup Deutschland. Und genau das beschreibt Anselm Grün im eingangs erwähnten Zitat. Wer in der Kunst, ein guter Chef zu sein, zulegen will, dem empfehle ich, das Buch Menschen führen – Leben wecken von Grün unbedingt zu lesen und seine Ausführungen zu beherzigen.

Ein guter Chef ist nicht einer, der einfach Dienstbefehle von oben nach unten weiterreicht. Ein guter Chef schafft ein Umfeld, in dem sich jeder gerne mit Leidenschaft und mit seinen Stärken einbringt, sich in seiner Persönlichkeit wertgeschätzt fühlt und jedem klar ist: Gewinnen tun wir als Team.

 

Weiterführende Angebote zum Thema

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichArbeit“.

Haben Sie das "Winner-Gen"?

Du gewinnst nie allein. Am Tag, an dem du was anderes glaubst, fängst du an zu verlieren.
Mika Häkkinen (* 1968), finn. Formel-1-Rennfahrer

Kürzlich hörte ich mir ein Interview von Bill Hybels mit Jack Welch aus einem früheren Leadership Summit an. Unter anderem diskutierten die beiden erfolgreichen Führungspersonen darüber, wie sich A-Mitarbeiter von B-Mitarbeitern unterscheiden. Was zeichnet also die Top-Leute aus?

Jack Welch, umjubelter „Manager des Jahrhunderts“ und gleichzeitig als unmenschliche Führungsperson abgestempelt, zeigt in diesem Gespräch auf, dass ein Winner-Typ nicht einfach ein „harter Hund“ ist, der über Leichen geht, im Gegenteil. Gemäss Welch zeichnen einen A-Mitarbieter folgende Eigenschaften aus:

  • voller Energie
  • begeistert andere, gibt Energie weiter
  • liebt es, Menschen wachsen zu sehen
  • feiert seine Leute
  • ist grosszügig
  • stellt grossartige Leute ein

In den Ausführungen fällt mir vor allem Eines auf: Gorssartige Mitarbeiter freuen sich am Erfolg anderer, ja, sie helfen anderen sogar, erfolgreich zu sein. Wer das Winner-Gen nicht hat, versteckt die besten Leute oft, weil er Angst um seine eigene Position hat. Winner-Typen bringen das Beste im anderen zum Leuchten.

Kürzlich hat mir mein Vater eine interssantes Blatt mit dem Titel „Der Sieger und der Verlierer“ gezeigt. Er selbst entdeckte das Dokument bei der Kundenannahme eines Autohändlers. Auch da ist zu lesen, dass der Sieger ein Klima schafft, in dem gemeinsamer Erfolg möglich wird:

  • Der Sieger hat immer einen Plan.
    Der Verlierer hat immer eine Ausrede.
  • Der Sieger sagt: Lass mich Dir dabei helfen.
    Der Verlierer sagt: Das ist nicht meine Aufgabe.
  • Der Sieger findet für jedes Problem eine Lösung.
    Der Verlierer findet in jeder Lösung ein Problem.
  • Der Sieger ist immer Teil einer Lösung.
    Der Verlierer ist immer ein Teil eines Problems.

 

Gewinnen ist immer eine Teamleistung. Dass gerade die Teamfähigkeit den Unterschied von einem A- zu einem B-Mitarbeiter ausmacht, bestätigt auch Jörg Knoblauch, der Personalexperte im deutschsprachigen Raum.

Wie im eingangs erwähnten Zitat von Häkkinen zu lesen, ist Siegen sogar im Einzelsport eine Teamangelegenheit. Der Winner-Typ hat nicht Angst vor dem Erfolg des anderen, denn er weiss, dass es auch sein Erfolg ist.

Allein geh ich ein

Es ist besser, mit guten Freunden Chips zu futtern,
als alleine Brokkoli zu essen.
John Ortberg (in: Jeder ist normal, bis du ihn kennen lernst)

Gemäss einer amerikanischen Umfrage haben 90 % der Männer keine echten Freun­de. Ich bezweifle, dass es hierzulande viel besser aussieht. SchonMutter Teresa hat gesagt: „Einsamkeit ist der Aussatz der modernen Gesellschaft. Und niemand möchte, dass man von ihm weiss, dass er aussätzig ist.“ Und der Trend zur Vereinsamung einer ganzen Gesellschaft spitzt sich weiter zu – trotz, oder vielleicht grad wegen, ständiger Erreichbarkeit und vielen so genannten „Sozialen“ Medien!

Es gibt unzählige Menschen, die Grosses leisten, eine Agenda voller Termine haben und 100e Kontakte in ihrem Outlook oder Organizer gespeichert haben – aber ohne einen einzigen richtigen Freund durchs Leben gehen.

Einige sagen: „Alleine bin ich glücklich“. Ich frage zurück: „Ist das wirklich ein Leben?“ Es ist mir klar: Es braucht nicht jeder dieselbe Art von Gemeinschaft und auch nicht in der gleichen Häufigkeit – doch ist nicht in jedem von uns eine Sehnsucht nach Gemeinschaft, Freundschaft, Geselligkeit und ungezwungenen Begegnungen eingebaut? Ohne Zuwendung geht ein Mensch ein! Ich brauche meine Familie und meine Freunde – alleine geh ich ein.

Ich brauche Momente der Einsamkeit, der Stille. Ich brauche aber eben auch andere Menschen um michherum. Gemeinschaft hat etwas Heilsames:

  • Ich kann anderen helfen – auch wenn (oder gerade weil) ich selbst  am gleichen Punkt nicht weiter komme.
  • Andere helfen mir – selbst dann, wenn (oder gerade weil) auch sie nicht perfekt sind.

Ein sehr wichtiger Teil bei Gemeinschaft ist die Gegenseitigkeit:

  • Kennen + gekannt werden – Offenheit
  • Lieben + geliebt werden – sich um einander kümmern
  • Dienen + sich dienen lassen – Demut 
  • Ermahnen + ermahnt werden – Wahrheit sagen
  • Feiern + gefeiert werden – Bestätigung
Und zum Schluss für alle, die auch noch einen ökonomischen Grund für Gemeinschaft brauchen: Untersuchungen über Teamarbeit haben Erstaunliches herausgefunden: Die Qualität der Gemeinschaft untereinander macht den Unterschied zwischen einem guten und einem herausragenden Team aus. Nicht Fachwissen, sondern Umgang untereinander entscheidet über den Erfolg als Team.

 

Einige Überlegungen in diesem Beitrag gehen auf das herausragende Buch von John Ortberg Jeder ist normal, bis du ihn kennen lernst zurück.

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Gesellschaft“.

Kraft einer Bewegung

Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum.
Wenn Menschen gemeinsam träumen,
ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit.


Diese Woche fanden bei uns in Studen BE die Happy Kids Days statt. Über 40 Kinder genossen vier kreative und abwechslungsreiche Nachmittage. Solche Kinderwochen mit Brigä & Adonette bieten wir nun schon seit zehn Jahren an.

Die Happy Kids Days sind, wie parktisch alle anderen Projekte, in denen ich mich engagiere, nur denkbar, weil sich andere Menschen für eine Idee haben gewinnen lassen. Alleine wäre ein solch intensives Projekt nicht realisierbar.

Seit meinem sechzehnten Lebensjahr bin ich in gemeinnützigen Organisationen tätig. Zuerst als ehrenamtlich Mitarbeitender, bald schon als Gründer und Leiter solcher Organisationen. Als Visionär habe ich dabei viele Ideen für neue Projekte. Es gibt kaum etwas, das mich so sehr motiviert und begeistert, wie wenn andere Leute anfangen einen Traum von einem Projekt mitzuträumen.

Es steckt eine enorme Kraft darin, wenn sich Menschen zusammentun und gemeinsam für eine gute Sache einstehen. Schon ein Einzelner, der eine originelle Idee anpackt und engagiert umsetzt, kann viel bewegen. Wie viel mehr jedoch ist möglich, wenn eine Gemeinschaft von Menschen einem Traum Leben einhaucht?!

Was keiner alleine schafft, kann möglich werden, wenn wir uns zusammentun und uns gemeinsam mit viel Kreativität, Leidenschaft und Ausdauer für eine gute Idee einsetzen.

Seit einigen Jahren bewegt mich ein neuer Traum. In den letzten Wochen habe ich angefangen, diesen Traum mit anderen Menschen zu teilen. Dieser Schritt vom „Allein-Träumen“ zum „Gemeinsam-Träumen“ ist ein ganz entscheidender Punkt. Es braucht eine Portion Mut, mit anderen über die Idee, die im Stillen entstanden ist, zu sprechen: Werden andere meinen Traum aufnehmen oder bleibe ich alleine mit meiner Idee? Doch wenn ich es nicht wage, mich zu outen, werde ich meinen Traum weiterhin alleine träumen.

Ich will mutig voran gehen und meine Träume „mit-teilen“. Denn, wer weiss, vielleicht ist es ja der Beginn einer neuen Wirklichkeit.





Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichGesellschaft & Gemeinschaft„. www.facebook.com/zfriede

Hilf mir, dich zu verstehen!

„Kommunikation ist ein lebenslanger Lernprozess und unsere Lebenszufriedenheit hängt stark vom Gelingen oder Misslingen der Kommunikation ab.“ Kerstin Hack

Obwohl wir täglich kommunizieren und Dank moderner Technologien immer mehr Möglichkeiten für die zwischenmenschliche Kommunikation haben, bleibt diese eine grosse Herausforderung. Sei dies im Berufsleben oder ganz besonders auch im Paaralltag.

In der Kommunikation von Mensch zu Mensch gibt es vier Quellen für Missverständnisse und Verständigungsprobleme:

  • Botschaft (Sachebene)
  • Emotionen (Beziehungsebene)
  • Sender (Motiv: Was will ich bezwecken?)
  • Empfänger (Was will ich [nicht] hören?)

In der Kommunikationslehre ist oft die Rede vom „Vier-Seiten-Modell“ (oder 4-Ohren-Modell) von Schulz von Thun. Das Modell bringt schön zum Ausdruck, dass in jeder Botschaft (Nachricht) eigentlich vier verschiedene Botschaften stecken:

    • Botschaft zur Sache (Facts)
    • Botschaf zu unserer Beziehung (Wie sehen wir einander.)
    • Botschaft über mich (Selbstoffenbarung)
    • Botchaft über die Erwartungen („Was will ich von dir“ und auch: „Was denke ich, dass du von mir willst“.)

 

Folgendes Zitat in Gedichtform zeigt nochmals auf, dass es beim Kommunizieren verschiedene Stolpersteine gibt:

„Gedacht ist nicht gesagt. Gesagt ist nicht gehört. Gehört ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden. Einverstanden ist nicht behalten. Behalten ist nicht angewandt. Angewandt ist nicht beibehalten.“ (Kerstin Hack)

Gott, der Anti-Abzocker

Heute Morgen beschäftigte ich mich mit einer dieser Geschichten, die Jesus erzählte, um Gottes Wesen und seine „Spielregeln“ zu erklären. Es ist die Geschichte der Arbeiter im Weinberg. Irgendwie eine komische Geschichte…

1 „Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit einem Weinbauern, der frühmorgens Arbeiter für seinen Weinberg anwarb. 2 Er einigte sich mit ihnen auf den üblichen Tageslohn und ließ sie in seinem Weinberg arbeiten. 3 Ein paar Stunden später ging er noch einmal über den Marktplatz und sah dort Leute herumstehen, die arbeitslos waren. 4 Auch diese schickte er in seinen Weinberg und versprach ihnen einen angemessenen Lohn. 5 Zur Mittagszeit und gegen drei Uhr nachmittags stellte er noch mehr Arbeiter ein. 6 Als er um fünf Uhr in die Stadt kam, sah er wieder ein paar Leute untätig herumstehen. Er fragte sie: ‚Warum habt ihr heute nicht gearbeitet?‘ 7 ‚Uns wollte niemand haben‘, antworteten sie. ‚Geht doch und helft auch noch in meinem Weinberg mit!‘, forderte er sie auf. 8 Am Abend beauftragte er seinen Verwalter: ‚Ruf die Leute zusammen, und zahl ihnen den Lohn aus! Fang beim Letzten an, und hör beim Ersten auf!‘ 9 Zuerst kamen also die zuletzt Eingestellten, und jeder von ihnen bekam den vollen Tageslohn. 10 Jetzt meinten die anderen Arbeiter, sie würden mehr bekommen. Aber sie erhielten alle nur den vereinbarten Tageslohn. 11 Da beschwerten sie sich beim Weinbauern: 12 ‚Diese Leute haben nur eine Stunde gearbeitet, und du zahlst ihnen dasselbe wie uns. Dabei haben wir uns den ganzen Tag in der brennenden Sonne abgerackert!‘ 13 ‚Mein Freund‘, entgegnete der Weinbauer einem von ihnen, ‚dir geschieht doch kein Unrecht! Haben wir uns nicht auf diesen Betrag geeinigt? 14 Nimm dein Geld und geh! Ich will den anderen genauso viel zahlen wie dir. 15 Schließlich darf ich doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will! Oder ärgerst du dich, weil ich großzügig bin?‘ (Die Bibel, Matthäus 20,1-15)

Drei Dinge fallen mir auf:

  1. Gott ist für die Arbeit: Er will, dass wir uns engagieren können und nicht „untätig herumstehen“ müssen. Jeder braucht Möglichkeiten, sich einbringen zu können.
  2. Gott schenkt uns (Be)Achtung und Wert: Selbst wer von allen andern nicht beachtet wird (‚Uns wollte niemand haben‘), erhält bei ihm eine Aufgabe, wird integriert.
  3. Gott führt seine Unternehmung nach dem Prinzip der „LeistungsUNabhängigen-Lohnbestandteile“. Mit anderen Worten: Gott gibt uns nicht nach unserer Leistung sondern beschenkt die Menschen nach seinem grosszügigen Herzen.

Was für ein Chef… Der Anti-Abzocker: Die Leute werden nicht ausgebeutet, werden nicht zum sinnlosen untätigen Herumstehen verdammt, bekommen durch Beachtung neue Achtung vor sich selbst und sind weit mehr als ein „Kostenfaktor“.

Fragt sich, wie wir unsere Mitmenschen und Mitarbeiter behandeln: Sehe ich im Mitmenschen nur einen „Nutzen-Kosten-Faktor“ (Was bringt es mir, wenn ich mich um diese Person kümmere? Was nützt mir diese Freundschaft?) oder ein gleichwertiges Gegenüber, das sich genaso (Be)Achtung wünscht und verdient, wie ich?

Ist Gott ungerecht, wenn er alle gleich grosszügig beschenkt – unabhängig der Leistung? Gott, der Anti-Abzocker: Er kann nicht anders, als alle grosszügig zu beschenken, die sich seiner „Unternehmung“ anschliessen.

Hopp Stef!

„Man muß mit den richtigen Leuten zusammenarbeiten, sie achten und motivieren. Dauerhafter Erfolg ist nur im Team möglich. „
Klaus Steilmann (*1929), Geschäftsführer Steilmann GmbH & Co. KG, Bochum-Wattenscheid

Eine kleine Lektion aus dem „1×1 der Motivation“ hab ich letzten Samstag hautnah selbst erlebt: Ich rannte, nein, ich rollte, am Sponsorenlauf der sozial-diakonischen Kinder- + Familienanimation Happy Kids für einen guten Zweck. 12- 15 Runden schienen mir realistisch, mein persönliches Ziel waren 18, geschafft hab ich dann 19 Runden.
Doch bis es soweit war, floss einiges an Schweiss und mein Kampfwille wurde arg auf die Probe gestellt. Ich fühlte mich schon ziemlich leer, als es bei der Start/Ziel-Durchquerung hiess: „7 Runden“. In meinen Gedanken sah ich schon, wie sich meine Zielvorstellung verabschiedete und ich ausgepumpt knapp mal 10-12 Runden schaffen würde.
Irgendwie biss ich mich durch und es kamen bessere Runden. Nun entdeckte ich, was mich von Runde zu Runde weiterbringt: Die vielen persönlichen „Hopp“-Rufe am Streckenrand. Es war nicht so ein allgemeines „Hopp, Hopp“. Es war Ermutigung pur für mich persönlich: „Stef, du schaffst das!“, „Bies no chli, Stef!“ oder „Du machst das super. Weiter so, Stef!“.
Wow, das war eine starke Lektion für mich. An meinem eigenen Leib hab ich erlebt, was ich selbst schon oft gepredigt habe: Ermutigung tut unheimlich gut! Einander zu motivieren, sich gegenseitig anzufeuern – das ist ein Schlüssel für Teamwork und letztlich auch ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Mit den richtigen Leuten und dem gegenseitigen Motivieren ist vieles möglich. Entdecken wir neu die Kraft der Ermutigung – und nutzen wir sie doch öfters, nicht nur bei Sponsorenläufen…