Gib nid uf!

Ich war noch nicht mal 20 Jahre alt, als ich erstmals ein Konzert organisierte. Damals hiess das, dass meine Eltern noch für die Verträge hafteten, die ich unterzeichnete … Und mein kleiner Bruder durfte in der extra für diesen Abend zusammengestellten Vorband als Schlagzeuger den Takt angeben.

Nun, es kam alles gut – weder ich noch meine Eltern wurden verhaftet und mein Bruder hat die „Macht des Drummers“ nicht missbraucht …

Inzwischen organisiere ich keine Konzerte mehr. Doch im Grunde war dieses eine Konzert der Startschuss in ein Abenteuer, das mich bis heute tagein, tagaus beschäftigt.

Vieles hat sich verändert – andere Leute sind mit mir unterwegs, Organisationen sind gekommen und gegangenen, Form und Stil haben sich (zum Glück!) immer wieder weiterentwickelt, die Locations sind andere geworden, Schwerpunkte und Aktivitäten wurden den Gegebenheiten angepasst.

Aber zwei Dinge sind über all die Jahre geblieben: Ich kann im Ausleben meiner Berufung und im Gestalten meiner Träume immer noch auf die Unterstützung meiner Familie zählen.

Und: Die Motivation hinter diesen Aktivitäten ist immer noch dieselbe. Es ging mir damals und geht mir heute darum, Menschen in meinem Umfeld, in unseren Dörfern, einen neuen, frischen Zugang zu Gottes Liebe zu ermöglichen.

Das war auch der Antrieb, als wir heute vor 20 Jahren am Reformationssonntag unter dem Motto „Ein Traum wird wahr!“ zum ersten gms Brunch in die MZH Studen eingeladen hatten.

Wir wollten eine etwas andere Kirche ins Leben rufen. Eine Kirche sollte es sein, in der jede und jeder seinen Platz finden kann, unabhängig davon, ob er sich selbst als „guten Christen“ als Zweifler, Gottsucher oder gar als Atheist sah. Hauptsache: Wir sind offen, Neues zu entdecken und uns vielleicht gerade von diesem Gott überraschen zu lassen.

Überraschungen auf dem Weg

Zwanzig Jahre später staune ich, was daraus geworden ist: Dieser Gott hat uns tatsächlich so manches Mal überrascht. Wirklich überrascht! Ich meine, ich hatte mit Überraschungen gerechnet. Aber als Visionär hatte ich irgendwie auch schon ein Bild davon, wie diese Überraschungen auszusehen hätten: Gross, aussergewöhnlich, laut und natürlich mit viel Glanz + Gloria.

Doch Gottes wirkliche Überraschungen kamen ganz anders daher: klein, bunt, leise und wenig glamourös.

Als Theologe kannte ich natürlich den Ansatz, dass wer leben will, zuerst loslassen muss. Der Weg zum Leben führt durchs Sterben, so in dem Stil. Aber solches wollte ich als 24jähriger Idealist natürlich überhaupt nicht hören.

Heute bin ich froh und dankbar, hat Gott nicht all meine Gebete erhört. Die kleinen Überraschungen waren in Wirklichkeit ganz grosse Überraschungen, wichtige Meilensteine.

Gut – aber halt einfach anders. Aber das wollten wir ja von Anfang an sein.

„Gib nid uf“ hiess die Tournee auf welcher die Band „Bouschtei“ vor etwa 25 Jahren bei uns Halt machte. Im Rückblick war dies ein prophetischer Anfang einer spannenden „Gospel Bewegung“: „Gib nid uf“ – das mussten wir uns in den letzten beiden Jahrzehnten so oft sagen, um an der Mission, die Gospel-Botschaft kreativ in unserem Umfeld zu vermitteln, dran zu bleiben – und nicht daran zu verzweifeln.

Wenn wir als Leiter über Jahre an unserer Mission dranbleiben wollen, brauchen wir „Grit“ – Klarheit über das WHY, Durchhaltewille, eine starke Vision und die richtigen Leute an unserer Seite.

Zum Jubiläum vom gms – gospel movement seeland danke ich allen, die sich mit mir auf diese spannende Reise gemacht haben. Besonders meiner Familie: Meine Eltern und mein Bruder M@, die schon damals bei diesem legendären „Bouschtei“-Konzert dabei waren. Meiner Frau, die mir von Gott gerade zum richtigen Zeitpunkt über den Weg geschickt wurde und natürlich unseren Kids, die inzwischen auch schon wertvolle Mitarbeitende sind.

Anlässlich vom 20jährigen gms Jubiläum werden Brigä und ich im nächsten Chäs, Brot, Wy – u üsi Gschicht mit Gott aus unserem Leben und unserer gms Geschichte erzählen. Einige freie Plätze haben wir noch.

Und hier unsere Botschaft zum Jubiläum:

Glücksaufgabe

Hast du genug „Grit“ um an deiner Mission dran zu bleiben? Wie kannst du diesen Durchhaltewille entwickeln?

Und: Hast du die richtigen Leute an deiner Seite?

Liebe in Mitten von Schutt und Asche

Man bleibt ja in den Sozialen Medien immer mal wieder an einem Video-Clip hängen. Einige bescheren einem einen kurzen witzigen Moment, anderen treiben einem Tränen in die Augen.

Und ganz viele weitere sind nicht mehr als Zeitfresser und halten uns von Begegnungen in der wirklichen Welt oder von unserer Arbeit ab.

Dieser Clip hier hat mich einerseits berührt und anderseits macht er mich irgendwie auch traurig. Schau selbst in den kurzen Clip, der unseren Umgang mit emotionalen Wunden beschreibt:


Hätte der Clip einen anderen Schluss, könnte er uns an die Karfreitags-Botschaft erinnern.

Natürlich würden ganz viele Menschen mit Haustieren bestätigen, dass ihr Hund oder ihre Katze ihnen auf wundersame Art helfen, mit emotionalen Verletzungen umzugehen.

Trotzdem macht mich der Clip traurig, vielleicht weil er mich daran erinnert, was ich auch sonst als Tendenz beobachte: Es gibt so viele super Aktionen und Aktivitäten, vom Happy Café über Kurse zur Steigerung der Lebensfreude bis zum von der UNO-Hauptversammlung 2012 eingeführten Weltglückstag, um daran zu erinnern, dass es ein Wohlergehen gibt, das über den materiellen Wohlstand hinausgeht.

Ich freu mich aufrichtig an diesen guten Aktionen. Und gleichzeitig werde ich traurig, wenn wir dabei in die Selbstoptimierungs-Falle tappen und der materiellen Leistungsgesellschaft mit einer, nennen wir es einmal emotionalen Leistungsgesellschaft entgegentreten wollen.

Ich will unbedingt mehr Mitmenschlichkeit, Liebe statt Eifersucht, Freude statt Angst, Hoffnung statt Resignation, Gemeinschaft statt Egoismus.

Ich glaube, dass wir Glück für uns und unsere Mitmenschen finden können. Und ich weiss, dass wir ganz viel zu unserer eigenen Lebenszufriedenheit und emotionalen Gesundheit beitragen können – natürlich, sonst hätte ich ja auch nicht ein Buch darüber geschrieben.

Doch, was ich in meinem Buch auch nicht verheimliche: Ich bin zutiefst überzeugt, dass unsere Seele nach einem göttlichen Gegenüber verlangt. Eine Liebe, Hoffnung, Versöhnung, Gnade, die nicht von Menschenhand gemacht sind.

Der Mensch kann viel – aber er ist nicht fähig, dieses Vakuum der Seele zu stillen. Weil all unsere Versuche nach Selbstoptimeriung, vollkommener Liebe, reiner Mitmenschlichkeit und grenzenlosem Versöhntsein ab einem gewissen Punkt ins Leere laufen werden. Scheitern vorprogrammiert.

Der Brand von Notre Dame als Erinnerung

Schutt und Asche – und Mitten drin das leuchtende Kreuz. Was für eine Erinnerung in dieser Karwoche.

Notre Dame mag abbrennen, aber das Symbol der göttlichen Liebe steht nach wie vor.

Unser Versuch, mehr Liebe und Hoffnung in diese Welt zu bringen, mag grandios scheitern, aber seine Liebe bleibt bestehen und zählt ganz persönlich für uns.

Das Projekt „World Peace“ ist einige Schuhnummern zu gross für uns. Ein friedliches Zusammenleben aller Menschen kann nicht funktionieren. Wie auch, wenn wir es nicht mal schaffen, mit uns selbst in Frieden zu leben? Geschweige denn mit unseren Nächsten, dem Fremden – allen?!

Darum brauchen wir bei allen guten Versuchen zu mehr Wohlbefinden, Mitmenschlichkeit, Lebensfreude und Zufriedenheit diesen göttlichen Frieden, den die Bibel Shalom nennt, der möglich wird, weil nicht wir ihn erschaffen müssen, sondern weil er uns geschenkt ist!

Das ist Karfreitag: In Jesus ging Gott selbst den Weg, den wir trotz gutgemeinten Bemühungen nicht schaffen können. Er nahm die „schwarzen Flecken“ von uns, unseren Mitmenschen und von der ganzen Welt auf sich – damit wir in Frieden leben können.

Glücksaufgabe

Karfreitag und Ostern sind wunderbare Feiertage – paar Tage frei, Zeit für Familie, Frühlingssonne geniessen … Wunderbar!

Und was machen wir mit dem göttlichen Friedensangebot? Nutz doch die freie Zeit auch, um darüber nachzudenken, ob du auf deiner Reise zu mehr Lebenszufriedenheit ganz alleine auf dich setzt oder ob du mit mir einig gehst, dass unsere Seele auf dieses göttliche Gegenüber angewiesen ist.

Vielleicht hilft dir dieser Clip dabei – es ist nicht unser Haustier, das die „schwarzen Flecken“ der Welt tragen kann:

 

 

„Dankbarkeit ist Glücksdoping!“

Heute ist der internationale Tag des Glücks. Das Wochenmagazin ideaSpektrum führte dazu ein Interview mit mir als Glücks-Buch Autor.

Hier also einige Anregungen zum Weltglückstag.

 

Dass am 14. Februar Valentinstag ist, wissen alle. Dass am 20. März der internationale Tag des Glücks ist, weiss nur Stefan Gerber. Warum ist das so?

(lacht) Durchforschen Sie Twitter nach #InternationalDayOfHappiness und Sie werden herausfinden, dass noch zwei, drei andere davon wissen. Die Uno-Hauptversammlung hat den Weltglückstag 2012 beschlossen, um daran zu erinnern, dass es ein Wohlergehen gibt, das über den materiellen Wohlstand hinausgeht.

Ich erlebe ein wachsendes Interesse am Glücksthema und am Weltglückstag als solches. So hat beispielsweise das Forum christlicher Führungskräfte seine Tagung vom 20. März 2020 passend zum Tag des Glücks unter das Motto „Frohes Schaffen!“ gestellt.

Haben wir unser Glück selber in der Hand?
Mehr, als wir oft denken! Viele meinen, ihr Glück sei abhängig von ihren Lebensumständen, und denken, wenn sie nicht endlich diese Lohnerhöhung, den Traumpartner oder das neue Auto erhalten, können sie auch nicht glücklich werden. Die Glücksforschung sagt etwas anderes: Unsere Zufriedenheit wird nur zu einem kleinen Teil von solchen Dingen beeinflusst. Fast zur Hälfte wird das Glück durch unsere Denk- und Verhaltensweise geprägt. Und die sind durchaus lern- und veränderbar.

Nicht verheimlichen will ich, dass rund die Hälfte unseres Glücksempfindens auf unsere Gene zurückzuführen ist und es uns somit je nach Veranlagung einfacher oder schwerer fällt, unser Dasein positiv und optimistisch zu gestalten.

Was ist Ihr Rezept auf dem Weg zum Glück?
Ich würde nicht von Rezept sprechen, aber es gibt einige Glücksaktivitäten (in meinem Buch liste ich 16 davon auf), die nachweislich unser Glücksniveau steigern: Regelrechtes Glücksdoping ist die Dankbarkeit! Weitere Förderer unserer Zufriedenheit sind: Grosszügigkeit, Gemeinschaft, Genuss, Flow-Erfahrungen, Ziele setzen oder auch Achtsamkeit und Spiritualität.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Gott und Glück?
Aber sicher. In der Positiven Psychologie finden wir Glücksaktivitäten, bei denen klar im Vorteil ist, wer sein Leben aus seiner Gottesbeziehung heraus gestaltet: Getragen von der christlichen (Auferstehungs-)Hoffnung kann ich optimistischer in die Zukunft gehen und wer Vergebung von Gott erlebt, kann selbst auch einfacher vergeben.

Sie haben ein Buch mit Glücksrezepten geschrieben. Sind Sie glücklich?
Ich versuche es und nehme mir zu Herzen, was schon König Salomo zu diesem Thema gesagt hat: „Achte auf deine Gedanken und Gefühle, denn sie entscheiden über dein Leben!“. Es gelingt mir nicht jeden Tag, aber ich lerne, auch dann positiv zu sein, wenn ich gerade mit widrigen Umständen konfrontiert bin.

(Interview: Rolf Höneisen, ideaSpektrum)

Glücksaufgabe

Pflück dir eine der genannten Glücksaktivitäten und beginne gleich heute am Weltglückstag damit, etwas mehr Freude und Positivität in dein Leben zu bringen.

Dabei kann dir auch das Glücksbuch helfen. Wenn du es noch nicht gelesen hast – warum nicht heute damit beginnen?

Und wenn du es schon gelesen hast – vielleicht kann eine kleine Glücks-Auffrischung ja ganz gut tun … Oder du entscheidest dich für die Glücksaktivität „Grosszügigkeit“ und schenkst das Buch jemandem.

Glück finden – hier und jetzt 
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Adonia Verlag, CHF 19.80, ISBN 978-3-03783-104-5
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… ohne müde zu werden

Neulich lachte mich auf einem dieser blauen Plakate in gelber Schrift folgender Satz an: „Werdet nicht müde, Gutes zu tun.“

Es war tatsächlich, als hätte der liebe Gott mit diesem Plakat eine Message für mich bereit. Der Spruch stand in einer Serie von Ereignissen, die mir halfen, mich in einem Entscheidungsfindungsprozess zu orientieren.

Vielleicht ist dir der Gedanke, dass da ein Gott ist, der zu uns Menschen spricht – erst noch von einer Plakatwand – etwas fremd. Wie du zu dieser Idee stehst, spielt jetzt eigentlich auch gar nicht so eine grosse Rolle. Lass uns doch einfach mal über diesen Satz vom Plakat nachdenken.

Meine erste Reaktion auf den Satz ist: Genau, da haben wir sie wieder, die biblische Aufforderung zu einer calvinistischen Arbeitsmoral. „Schaffe, schaffe, Häusle bauen.“

Werdet nicht müde.
Macht keine Pause.
Vergeudet keine Zeit.
Schlaft nicht zu lange.
Gönnt euch keinen Luxus.

Hm, will mir Gott sagen, ich soll mich einfach (noch) mehr anstrengen?

Nein, in meiner Situation heisst es ganz einfach:
Gib nicht auf!
Bleib dran!

Und dann dreh ich den Satz um und frage mich: Wie kann ich dafür sorgen, dass ich beim Guten, das ich tue, nicht müde werde?

Plötzlich komme ich auf ganz andere Folgerungen:

Mach mal Pause.
Vergeude auch mal etwas Zeit.
Schlaf genug.
Gönn dir ab und zu einen Luxus.

Wenn ich nicht müde, ausgelaugt, ausgepowert, erschöpft werden will, bei dem, was ich alles an Gutes tue, muss ich eben das Tun auch mal ruhen lassen.

Ausgewogen leben heisst für mich nicht ein langweiliges, immer gleiches monotones Leben. Nein, es kann für mich heissen: Diese Woche gebe ich Vollgas, ein Termin jagt den nächsten, dafür sind die Tage danach mit viel freiem Gestaltungsraum ausgestattet. Ich habe Zeit für mich, Zeit für liegengebliebene Büroarbeit, Zeit für meine Familie.

Gutes tun

Noch einige Gedanken zum zweiten Teil des Spruches – „Gutes zu tun“. Was ist denn das Gute, das wir tun sollen?

Sich für das Gute, für mehr Mitmenschlichkeit, Nachhaltigkeit, Liebe und Gerechtigkeit einzusetzen, scheint mir allgemeingültig zu sein.

Aber ich glaube auch dran, dass wir – jeder für sich – unser individuelles „Gute“ haben. Ich meine: Ich habe meine persönliche Berufung im Leben und du hast deine eigene.

Und bei Berufung kommt mir unweigerlich die Kategorisierung in den Sinn, die ich bei Martin Seligman von der Positivien Psychologie entdeckt habe:

Tu ich einfach einen Job?
=> Geld verdienen, weil es halt einfach Geld zum Leben braucht.

Bastle ich an meiner Karriere?
=> Erfolg suchen, um möglichst schnell aufzusteigen und mehr Geld zu verdienen.

Lebe ich meine Berufung?
=> Meine Bestimmung – meinen Platz – finden, weil ich mehr von diesem Leben erwarte als Geld, Erfolg und Karriereschritte.

Letzte Woche sass ich in Budapest in einem Meeting, das mit einer Reflexionszeit gestartet wurde. Wie gut tut das, mitten im Betrieb, mitten in strategischem Denken, eine Pause einzulegen und sich übergeordneten (Lebens)Fragen zu stellen.

Und nochmals hatte ich, wie beim Plakat, den Eindruck, als wolle Gott etwas zu mir sagen: Bist du success driven oder calling driven? Orientierst du dich am Erfolg oder an deiner Berufung?

Erfolg gehört für mich in die obige Kategorie von Karriere: Was dient meiner Karriere, meiner erfolgreichen Entwicklung?

Meine Berufung zu leben, kann aber heissen, dass ich mich gegen den (schnellen) Erfolg entscheide, gegen die Karriere.

Und dafür nicht müde werde, das Gute zu tun – an dem Platz, an den ich hingestellt wurde.

Glücksaufgabe

Zwei Dinge zum Weiterdenken:

Was heisst „das Gute tun“ in deinem Leben? Wo ist dein Platz? Was ist deine Berufung?

Das Gute zu tun, seine Berufung zu leben, kann ganz viel Ausdauer erfordern: Wie kannst du dafür sorgen, dass du dabei nicht müde wirst?

Sehnsucht nach dem Mehr im Leben

Der innere Durst, das Verlangen nach Mehr, die Ahnung von etwas Grösserem ist in uns Menschen angelegt. Diese Sehnsucht erinnert uns daran, dass wir „für den Himmel“ geschaffen sind und solange wir auf dieser Erde leben, gehört der nie restlos gestillte seelische Durst zum Menschsein dazu.

Wer den Himmel auf Erden sucht,
hat im Erdkundeunterricht geschlafen.
Stanislaw Jerzy Lec (1909 – 1966, polnischer Satiriker)

Mir gefällt dieses Zitat von Stanislaw Jerzy Lec. Ich weiss nicht wirklich, was er damit aussagen wollte, aber ich interpretiere es für mich so: Wer dieses Verlangen nach Mehr, diese Sehnsucht nach dem Himmel, den ewigen Durst mit irdischen Durstlöschern stillen will, hat etwas durcheinander gebracht.

Ich erinnere mich an Kirstine Fratz, die Zeitgeistforscherin aus Hamburg, die ich neulich kennen lernen durfte: „Der Zeitgeist ist ein temporäres Versprechen für ein gelungenes Leben.“

Und so versuchen wir, je nach dem, was gerade dem Zeitgeist entspricht, unseren ewigen Durst mit temporären Dingen zu stillen.

Was dann zur Erfahrung führt, die aus dem temporären Durstlöscher eben einen Zeitgeist macht: Was heute hilft, den Wunsch nach einem gelungenen, erfüllten, bedeutenden Leben zu stillen – was die Sehnsucht nach diesem Mehr kurzfristige befriedigt -, ist morgen schon ausgelutscht, erzielt seine Wirkung nicht mehr.

Ob Freizeitbeschäftigung, guter Wein, tolle Freunde, erfüllende Arbeit – so gut all diese Dinge sind, es bleibt unbefriedigend (oder eben temporär), wenn wir die Sehnsucht nach dem Himmel mit diesen irdischen Dingen ausfüllen wollen.

Da hat sich in mir die Visualisierung von einem meiner Dozenten während dem Theologiestudium eingebrannt: All diese (guten) Dinge sind wie Zisternen, die temporär ihre Wirkung erzielen, aber mit der Zeit austrocknen. Gleichzeitig gehört es zum Geheimnis dieser guten Nachricht des Evangeliums von Jesus, dass wir an die Quelle des Lebens eingeladen sind.

Nicht Zisternen, nicht temporäre Durstlöscher, nein, eine ewige Quelle, die unserem ewigen Durst begegnen will. Und richtig: Diese Quelle ist im Himmel selbst beheimatet. Der Himmel selbst, Christus, will und kann unseren Durst nach dem Ewigen stillen.

So hat uns in diesem Jahr dieser eine Bibelvers als Jahreslosung begleitet:

Gott sprich:
»Wer Durst hat,
dem werde ich umsonst
von dem Wasser zu trinken geben,
das aus der Quelle des Lebens fliesst.«
Die Bibel, Offenbarung 21,6

Das heisst nicht, dass wir all die irdischen Durstlöscher nicht auch brauchen: Ich brauche Gemeinschaft mit guten Leuten, die Liebe meiner Familie, eine sinnerfüllte Tätigkeit und geniesse auch gerne ein gutes Essen.

Doch es erinnert mich daran, dass ich mit all diesen guten Dingen nicht die Sehnsucht nach dem Mehr, nach dem Himmel, stillen kann. Die Sehnsucht nach dem Himmel kann nur der Himmel befriedigen – als Vorahnung bruchstückhaft schon im Hier und Jetzt, vollkommen einst auf der anderen Seite des Hiers.

Das allerschönste an Weihnachten ist, dass Stanislaw Jerzy Lec doch nicht ganz recht hat mit seinem Zitat: Weihnachten erinnert uns daran, dass der Himmel in der Person Jesus die Erde besucht hat. Nein, die irdischen Durstlöscher stillen nicht unseren ewigen Durst, doch der himmlische Durstlöscher besuchte uns an der ersten Weihnachten und hat die Verbindung zur ewigen Quelle ein für allemal freigelegt.

Glücksaufgabe

Die Weihnachtszeit ist eine Einladung, sich dem Himmel zu öffnen: Lass dich doch vom Himmel besuchen und frage danach, wie Gott deinen Durst nach dem Ewigen stillen könnte.

Lass es los!

Gestern marschierte ich an meinem „stillen Nachmittag“ mit einem Rucksack am Rücken quer durch die Stadt Biel. Es war ein guter Sportrucksack und trotz Laptop, Büchern und Schreibwaren fühlte sich das Gewicht überhaupt nicht unangenehm an.

Doch wie oft tragen wir in unserem Leben einen imaginären Rucksack mit uns herum, dessen Last und schier zu Boden drückt?

In diesem Rucksack, den wir viel öfter mit uns herumtragen als es uns bewusst und lieb ist, sammeln wir alle Verletzungen, die uns andere Menschen antun.

Es sind böse Worte, Enttäuschungen, Kränkungen oder das Gefühl, übergangen zu werden – oft Kleinigkeiten, die sich der Verursacher möglicherweise gar nicht bewusst ist.

Natürlich gibt es auch die richtig schweren Steine in diesem Rucksack: Leute hintergehen uns, bekämpfen uns aktiv, machen uns und unsere Arbeit schlecht, vielleicht geht es sogar um öffentliche Verleumdungen oder in manchen Fällen um körperliche oder psychische Gewalt, wie es mehr Leute erleben müssen, als wir es wohl vermuten würden.

Nun, wo Unrecht geschieht oder gar Straftaten begangen werden, müssen diese angesprochen, resp. angezeigt werden.

Doch löst das unser Problem mit dem imaginären Rucksack? Nur bedingt!

Vergebung ist eine weitere Glücksaktivität, die sowohl in der Positiven Psychologie als auch in der Theologie eine wichtige Rolle spielt. Eigentlich ist es sogar das Kernthema der Theologie.

Vergeben und Loslassen zu können, ist darum so wichtig, weil eben wir selbst diesen imaginären Rucksack mit uns herumtragen – und nicht etwa der Täter oder die Täterin! Wirklich frei wird nur, wer seine Peiniger freigibt, loslässt und ihnen vergibt.

Und zwar gerade nicht, weil sie es verdient hätten, sondern weil sie es nicht wert sind, dass sie unser Leben weiterhin blockieren. Wer loslassen und vergeben kann, tut zuallererst sich selbst einen Gefallen.

Wenn unsere Vergebungsbereitschaft dazu führt, dass auch der andere die Konfliktsituation überwinden und hinter sich lassen kann,  umso besser. Aber es geht hier in erster Linie darum, dass wir nicht zu verbitterten Personen werden.

Wer lernt zu vergeben, ist weniger hasserfüllt, neigt weniger zu Depressionen und verzichtet auf den Gegenangriff (Rache). Und dies alles wird natürlich positive Auswirkungen auf unser Glücksempfinden haben.

Du bist frei

Und wenn ich als Theologe kurz vor Ostern über Vergebung spreche, kann ich nicht anders als dass ich auch das „Alleinstellungsmerkmal“, den USP, des christlichen Glaubens anspreche: Während wir uns an Weihnachten daran erinnern, dass Gott sich in Menschengestalt und dennoch in vollkommener, göttlichen Liebe dieser Welt zugewandt hat, ist Ostern das Fest der Hoffnung. Jesus Christus hat über den Tod und alle Schmach der Welt triumphiert.

Und mehr noch: Karfreitag und der Kreuzestod stehen dafür, dass Gott selbst den imaginären Rucksack loslässt, uns alle kleinen und grossen Untaten vergibt und uns damit Freiheit anbietet.

Darum: Lass es los! All das, was andere Menschen dir antun. Und all das, was du anderen Menschen antust. Da ist ein Gott, der nicht nachtragend ist und uns selbst vorlebt, was er uns empfiehlt:

Da wandte sich Petrus an Jesus und fragte: »Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er immer wieder gegen mich sündigt? Siebenmal?« – »Nein«, gab Jesus ihm zur Antwort, »nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal!«

Glücksaufgabe

Was trägst du aktuell in deinem imaginären Rucksack? Was davon willst du über die kommenden Ostertage bewusst loslassen? Vielleicht kann dir dabei gerade der Besuch an einem der vielen Karfreitags- oder Oster-Gottesdienste eine Unterstützung sein. Oder du suchst für dich alleine einen Ort der Stille auf.

Glück über mich hinaus

Was für eine Ehre: Heute wird mein GlücksBuch als Lesetipp im  renommierten Neukirchener Kalender empfohlen. Diesen Kalender gibt es seit weit über 100 Jahren und ist gemäss Verlagsinfo „der bekannteste christliche Andachtskalender im deutschen Sprachraum“.

Ein Glücksbuch in einem christlichen Andachtsbuch? Passt das überhaupt zusammen?

Aber sicher! Eine der sechzehn Glücksaktivitäten, die ich derzeit hier in meinem GlücksBlog vorstelle, ist die Spiritualität. Tatsächlich hat die Glücksforschung mehrmals bestätigt, dass eine gelebte Spiritualität, ein aktiver Glaube, unserem Glücksempfinden gut tut:  «In der Tat bestätigt eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen, dass religiöse Menschen glücklicher und gesünder sind und besser mit traumatischen Erfahrungen umgehen können als nichtreligiöse Menschen», sagt etwa Sonja Lyubomirsky, eine bekannte Psychologie-Professorin und Vertreterin der Positiven Psychologie.

Und auch einige Theologen haben die Wichtigkeit der Glücks-Thematik entdeckt. Einer davon ist Prof.  Jörg Lauster:

Die Transzendenzerfahrung des Glücks erweist sich inhaltlich als eine Sinnerfahrung. Denn im Augenblick des Glücks weiß sich der Mensch aufgehoben in einem letzten, ihm wohlwollenden Grund der Wirklichkeit, den das Christentum Gott nennt. Diese Einsicht befreit den Menschen von der Vorstellung, das gelingende, gute und glückliche Leben hinge allein an seinen Kräften. Das Glück des Augenblicks hebt damit das Streben nach Glück nicht einfach auf.
Es gewährt vielmehr die Gewissheit, dass sich das Gelingen des Lebens einem Grund verdankt, der vor allem Tun des Menschen liegt. Die Erfahrung des Glücks setzt eine existenzielle Haltung frei, sie bildet den Mut und das Vertrauen aus, die nötig sind, um nach dem Glück des eigenen Lebens zu streben.

Das ist nicht ganz einfache Kost. Doch wenn wir uns diese Weisheit genauer betrachten, entdecke ich viel Wertvolles, das mich zu einer befreienden Spiritualität inspiriert und so mein Glück steigert:

Teil einer grösseren Schöpfung

Wie gut tut es, sich als Teil von etwas Grösserem zu verstehen? Zu glauben, dass da ein Schöpfer ist, der mein Leben wollte, gibt dem Hiersein ein solides  Fundament.

Nicht alles hängt von mir ab

Das Streben nach Glück und die ständige Selbstoptimierung kann unheimlich Druck machen. Die Gute Nachricht: Nicht alles hängt von dir ab! Wir können und müssen nicht alles im Griff haben. Da ist jemand über uns, der das große Ganze im Blick hat.

Dankbar geniessen

Eine befreiende Spiritualität lädt uns ein, das Leben zu geniessen. Wir dürfen dankbar staunen über so viel Schönheit in der Natur und so viel Gutes, das uns geschenkt ist.

Mutig anpacken

Ganz vorn in der Bibel hat Gott dem Menschen eine Beauftragung und Bevollmächtigung zum kreativen Gestalten und Handeln gegeben. Wir dürfen und sollen mutig anpacken, unser Leben gestalten, nach Flow-Erfahrungen streben, Ziele setzen und Schritte wagen.

 

Glücksaufgabe

Glaube und Glück – passt das für dich zusammen? Welche der vier hier geschilderten Punkte möchtest du dir konkret bewusst machen und in dein Alltag integrieren?

 

Glück finden – hier und jetzt 
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Bald ist UNO-Tag des Glücks (20. März). Wem könntest du das GlücksBuch schenken?

Ist christlicher Sport gefährlich? Oder: Was mich zum Blühen bringt

Überlege, was dich aufblühen lässt. Dem gehe nach.
Ulrich Schaffer

Eines vorweg: Ich glaube nicht, dass es „christlichen Sport“ gibt. Ich kann als Christ Sport machen. Und hoffentlich prägt mein Glaube auch die Art und Weise, wie ich Sport mache, wie ich mit Sieg und Niederlage umgehe, wie ich den Gegner ansehe … – Liebe und Respekt sollen auch mein Verhalten auf dem Sportplatz bestimmen. Doch christlich wird der Sport deswegen nicht. Muss er auch nicht. Sport ist Sport.

Zwei Dinge bewegen mich gerade und ich versuche sie hier zu verbinden: Zum Einen beschäftigt mich die Frage „Wo blühe ich auf?“, die unser Gast beim aktuellen Chäs, Brot, Wy – u mini Gschicht mit Gott aufwirft. Zum Anderen stimmt mich nachdenklich, dass Jugend+Sport (J+S) die langjährige, gute Partnerschaft mit christlichen Jugendverbänden gemäss BASPO-Entscheid kündigen soll.

Rückblende: Sommer 1995

Was für ein Flow-Jahr: Beruflich durfte ich einen sehr guten Lehrabschluss feiern. Daneben galt meine Leidenschaft voll der Jungschararbeit. Eine Jungschar im eigenen Dorf – das war meine Vision.

Noch vor meinem 20. Geburtstag war es soweit: Mein erstes Zeltlager als Hauptleiter fand bei uns auf dem Jäisberg statt. Mit allen Kindern und Leitenden verbrachten um die hundert Leute eine Woche in der freien Natur, genossen Spiel + Sport, Lagerromantik, Gruppenerlebnisse, Singen und Impulse fürs Leben.

Der Bauer, bei dem ich als Kind in meinen Ferien jeweils helfen durfte, stellte uns das Land zur Verfügung. Die örtliche Feuerwehr unterstützte uns beim Bau einer riesigen Wasserrutsche und beim grossen „Wetten, dass …?“ mit einigen Promis und vielen Gästen auf dem Dorfplatz sicherte die Feuerwehr das Harassenklettern ab.

Es war gigantisch! So gigantisch, dass ich gleich angefragt wurde, ob ich die 1. August-Rede im Dorf übernehmen würde. Na klar, ist doch Ehrensache! Und so gigantisch, dass mich das Erlebte von diesem Sommer bis heute prägt und beeinflusst. Was ich heute bin und tue, wäre ich nicht, wenn dieser Sommer nicht stattgefunden hätte.

In J+S-Lagerleiterkursen lernte ich, was es braucht, um solche Lager zu organisieren und ein Mitarbeiterteam zu leiten. In der Jungschar lernte ich auf ganz praktische Weise, was es heisst, ein guter Leiter zu sein. Ich hatte das Glück, in jungen Jahren gute Vorbilder zu haben, die mir nicht nur die Freude an Spiel & Sport vermittelten, sondern auch zeigten, wie man eine Sitzung leitet oder wie man kreativ und altersentsprechend eine biblische Lebensweisheit weitergeben kann.

Dieser Sommer 1995 brachte mich definitiv zum Blühen! Ich konnte meine Stärken in den Bereichen Organisation und Leitung ausleben und entwickeln.

Natürlich habe ich in der Berufslehre auch viel gelernt und möchte diese auf keinen Fall missen. Doch wo ich auf motivierende, ganzheitliche Art fürs Leben und für meine weitere Berufslaufbahn gelernt habe, war in der Jungschararbeit. Und ich weiss heute, was mich zum Blühen bringt und wo ich Sinnhaftigkeit in meinem Tun erleben kann.

Als ehemaliger J+S-Leiter habe ich der Jungschararbeit so viel zu verdanken, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann: Eine ganzheitlichere Förderung meiner Person und Talente kann ich mir kaum vorstellen!

 

 

Was ich erlebt habe, soll so nicht mehr möglich sein: Das BASPO will künftig aus Prinzip Jugendverbände mit einer positiven, lebensbejahenden, christlichen Grundeinstellung zum Dasein nicht mehr unterstützen. Obwohl vorbildliche J+S-Arbeit geleistet wird, soll die jahrelang bewährte Partnerschaft gekündigt werden? Eine solche Diskriminierung ist unseres Landes unwürdig!! Bitte jetzt Petition unterzeichnen!

 

Im GlücksBlog schreibe ich zu den fünf Bereichen, die zu einem Leben in Zufriedenheit gehören. Diese Woche geht es um den Bereich Gelebte Spiritualität.

Du bist gewollt!

Einen Menschen lieben heißt ihn so sehen, wie Gott ihn gemeint hat.
Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Letzte Woche habe ich hier in meinem GlücksBlog behauptet, dass der gute Umgang mit sich selbst mit einem stabilen Selbstwert beginnt. Und ich schrieb: „Wir sind, was wir uns selbst sagen, was wir sind!“

„Stimmt das?“ habe ich meine Familie gefragt. Die Reaktion meiner Frau hat mir gefallen: „Aus unserer Sicht schon. Aber nicht aus Gottes Sicht.“

Ich stehe immer noch zu meiner These. Es ist von entscheidender Bedeutung, was wir selbst über uns denken, glauben, fühlen, sagen … Das macht uns aus, das bestimmt, wie wir uns verhalten, wie wir uns in Gruppen hineingeben, wie wir uns „verkaufen“ – beim Bewerbungsgespräch, im Verein oder in der Nachbarschaft – aber auch im Freundeskreis.

Die Frage dahinter ist: Wer bestimmt, was wir uns selbst sagen, was wir sind? Konkret: Wovon machen wir unser Selbstbild abhängig?

Aus unserer Sicht sind wir, was wir uns selbst sagen, was wir sind. Aus Gottes Sicht sind wir viel mehr. Die Herausforderung besteht darin, Gottes Sicht auf uns in unser eigenes Bild von uns zu integrieren.

Leider scheitern wir oft genau an diesem Punkt: Unser Denken über uns selbst wird bestimmt von dem, was wir denken, dass andere über uns denken. Wir fühlen uns geliebt, gewollt und wertvoll – so lange andere uns mit Anerkennung und Liebe überschütten.

Das Problem dabei: Die anderen können uns gar nie mit so viel Liebe und Anerkennung überschütten, wie wir es uns wünschen. Dabei ähneln wir einem Löcherbecken: Je mehr Lob, Anerkennung und Liebe uns andere schenken, desto schneller läuft dieses „wohlige Wasser“ ab und verliert seine Wirkung.

Meine Blogleser wissen hoffentlich, dass mir eine Kultur der Wertschätzung sehr wichtig ist und ich davon überzeugt bin, dass wir uns gegenseitig mit Anerkennung und Liebe beschenken sollen.

Doch: Wenn wir unseren Wert davon abhängig machen, bauen wir aufs falsche Fundament!

Bei Apostel Paulus lese ich, dass unser Leben am besten „in der Liebe verwurzelt und auf das Fundament der Liebe gegründet ist.“ Und zwar geht es hier um die göttliche Liebe, die uns unabhängig von der Anerkennung unserer Mitmenschen gilt: Du bist wertvoll und geliebt, weil Gott Ja zu dir sagt!

Meine Sicht über mich selbst verändert sich, wenn ich glauben kann, dass Gott mich gewollt hat, dass er gute Gedanken über mich hat. 

Der Wert des Menschen ist nicht abhängig von Äusserlichkeiten! Unseren Wert haben wir, weil uns unser Leben von Gott als Ursprung des Lebens anvertraut wurde!

Wir bleiben, was wir uns selbst sagen, was wir sind. Aber mit dem Glauben daran, dass Gott zu uns sagt: „Du bist gewollt!“ werden wir uns hoffentlich andere Dinge zu uns selbst sagen!

Und natürlich wünsche ich mir, dass wir gemäss dem Eingangszitat auch andere Menschen so sehen, wie Gott sie gemeint hat. Doch so schön dieses Zitat auch ist (es wurde auffällig mehr mit „Gefällt mir!“ markiert als andere Zitate, die ich postete), bleibt für mich an diesem Punkt auch eine gewisse Ernüchterung: Ich kann andere gar nie vollständig so sehen, wie Gott sie gemeint hat. Und ich kann andere auch nie so lieben, wie Gott sie liebt.

Es bleiben edle Ziele – und die will ich auch gar nicht aufgeben. Aber es reicht nicht: Jeder muss für sich selbst an dieser göttlichen Liebe angedockt sein, sonst bleibt das Leck in unserem Liebestank einfach zu gross.

 

Im GlücksBlog schreibe ich zu den fünf Bereichen, die zu einem Leben in Zufriedenheit gehören. Diese Woche geht es um den Bereich Gelebte Spiritualität.

Du bist willkommen!

Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben;
nur Licht kann das.
Hass kann Hass nicht vertreiben;
nur Liebe kann das.

Martin Luther King

Ist es nicht irgendwie Ironie, dass Amerika anfangs dieser Woche den Martin Luther King Day gefeiert hat und ende Woche nun Donald Trump in sein Präsidentenamt eingesetzt wird?

Da einer, der sein Leben hingab um Gräben zuzuschütten, um Menschen zu verbinden, um Rassentrennung zu überwinden. Und dort einer, der – so scheint es wenigstens aus Distanz – nicht genug davon bekommt, neue Gräben und Mauern zu schaffen.

Während Martin Luther King als einer der herausragenden Vertreter im Kampf gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit (Wikipedia) gilt, muss Trump erst noch den Beweis antreten, dass auch er im Dienst der Menschheit steht.

Aber eben: Ich muss mich selbst immer wieder daran erinnern: Wir verändern die Welt nicht indem wir bloss Helden verehren oder auf unliebsamen Machtträgern herumhacken. Die Welt verändert sich, wenn ich mich verändere.

Wenn ich mich reflektiere. Wenn ich dem Guten mehr Raum gebe als dem Bösen. Wenn ich mich mehr und mehr der Liebe öffne und versuche, die Feindseligkeit aus meinem Leben zu verbannen.

Don’t touch!?

Welche Botschaft steckt hinter unseren Worten und welche Signale sendet unsere nonverbale Kommunikation aus? Was lesen unsere Mitmenschen, wenn sie „uns lesen“? Steht da „Du bist willkommen!“ oder doch eher „Don’t touch!“?

Ich weiss, das Propagieren einer Willkommens-Kultur kann einen ganz schön in Bedrängnis bringen und natürlich lässt sich nicht leugnen, dass eine offensive, breit angelegte Willkommens-Kultur jede Menge Herausforderungen mit sich bringt. Aber ich mache ja in meinem Blog weder nationale noch internationale Politik – eigentlich geht es mir hier überhaupt nicht um Politik.

Denn die Politik kann diese Willkommens-Kultur, die wir brauchen, gar nicht leben. Es geht um den Umgang von Mensch zu Mensch. Lass ich mich von den Hochs und Tiefs meiner Mitmenschen berühren? Heisse ich Menschen willkommen, die ich auf den ersten Blick mag – und solche, die mir etwas fremd sind? Versuche ich Gräben zuzuschütten oder grabe ich immer tiefer bis sich keine Brücke mehr zwischen mir und meinen Mitmenschen schlagen lässt?

Ich möchte andere Menschen wirklich spüren lassen „Du bist willkommen!“, „You are loved!“ und sogar „Ich lass mich berühren von dem, was dich beschäftigt!“. Aber ich kenne mich zu gut, ich weiss, dass bei mir auch hin und wieder ein Schild mit der Aufschrift „Don’t touch!“ hängt. Was so viel heisst wie: Lass mich in Ruhe! Stör mich nicht! Ich habe genug mit mir selbst zu tun.

Natürlich wäre es vermessen, zu glauben, dass wir immer alle Menschen willkommen heissen können. Ein guter Umgang mit den eigenen Grenzen gehört da auch dazu. Trotzdem will ich mich mehr und mehr vom Vater der bekannten Geschichte der verlorenen Söhne inspirieren lassen: Als der jüngere Sohn in der Fremde sein ganzes Erbe verprasste und in der Not nach Hause zurückkehrte, stellte der Vater keine Fragen (Hast du das wirklich gemacht? Was hast du dir dabei gedacht? Bedeute ich dir so wenig? …) sondern rannte ihm entgegen, breitete seine Armen aus und liess ihn spüren: „Du bist willkommen!“.

Mit diesem Lebensstil verändern wir die Welt! Und übrigens: Der Vater in der Geschichte ist ein Bild für Gott. In seiner Liebe streckt auch er seine Armen aus und möchte uns spüren lassen: „Du bist willkommen!“

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=VyN78NsgAfw[/youtube]

 

Unter dem Motto „Du bist willkommen!“ machen wir uns kommenden Sonntag an der gms Matinée in Studen BE weitere Gedanken zu dieser göttlichen Willkommens-Kultur. Versteht sich von selbst: „Du bist willkommen!“ (Infos)
 

 

 

 

 

 

Im GlücksBlog schreibe ich zu den fünf Bereichen, die zu einem Leben in Zufriedenheit gehören. Diese Woche geht es um den Bereich Gelebte Spiritualität.