Ich bin mutig

„Wie mutig bist du auf einer Skala von 1-10?“ Mit dieser Frage forderte der Moderator die 420 Teilnehmenden der „Mut zum Risiko“-Konferenz gleich zu Beginn der Tagung zu einer ehrlichen Selbsteinschätzung auf.

Die meisten gaben sich den Wert 5 oder höher. Aber spannend wurde es, als der Moderator Schritt für Schritt tiefer in der Skala ging und die „Nicht-Mutigen“ im Auditorium einlud, mutig zu ihrem Nicht-Mut zu stehen.

Und tatsächlich blieben rund eine handvoll Leute stehen und bewiesen als erste an diesem Tag Mut. Den Mut, dazuzustehen, dass sie sich selbst in ihrem Alltag nicht wirklich als mutige Persönlichkeiten erleben.

Egal ob sehr mutig oder weniger mutig – die Tageskonferenz von Willow Creek Schweiz stellte jede und jeden vor die Frage: Bin ich bereit ein Risiko einzugehen und meine Komfortzone zu verlassen?

Debora Sommer: Angst zählt nicht

Die erste Referentin des Tages ging mit bestem Beispiel voran: Sie gab offen zu, dass für sie jede öffentliche Rede Überwindung braucht – Mut zum Risiko eben.

Für sich kam sie zum Schluss: „Wenn am Ende ’nur‘ die Angst gegen etwas spricht, lass ich das nicht zählen. Angst ist ein schlechtes Argument.“

René Winkler: Seine Funktion abgeschafft

Mut bewies der ehemalige Direktor von Chrischona International, indem er ergebnisoffen in eine Umstrukturierung ging, die ihm letztendlich seine Stelle kostete. Wie er damit umging, erzählte er in einem Talk.

Gottfried Locher: Mut zum Bekenntnis

Der oberste Reformierte nutzte die Tagung um Brücken zu bauen: Ob reformiert, katholisch oder freikirchlich – wir brauchen einander! Alleine sind wir einseitig, gemeinsam – in der Ökumene – sind wir stark.

Locher unterschied zwischen unserem „privaten Mut“ und unserem „öffentlichen Mut“. Für sich alleine kann jeder sehr mutig sein. Aber was geschieht mit unserem Mut, wenn wir in der Öffentlichkeit sind? Wenn wir uns vor anderen zu unserer Meinung – zu unserem Glauben – bekennen sollten?

Evelyne Binsack: Misserfolg führt zum nächsten Abenteuer

Die Abenteurerin aus Leidenschaft, die alle drei Pole (Mt. Everest, Süd- und Nordpol) „bezwungen“ hat, zeigte sich überraschend verletzlich: Nein, da stand nicht die starke, erfolgreiche Grenzgängerin, die sich nicht von äusseren Bedingungen oder innerer Erschöpfung vom Ziel abhalten liess, auf der Bühne.

Trotz vollem Auditorium kam eine schier intime Atmosphäre auf, als sie erzählte, wie vor jedem Erfolg im Grunde eine Niederlage stand. „Mut heisst für mich, sich selber treu zu sein.“

Hans-Ulrich Lehmann: Als Unternehmer im Risiko zu Hause

Die Geschichte des Unternehmers Hans-Ulrich Lehmann wirkt für alle „kleinen“ Führungspersonen in Kirche, Unternehmen oder Gesellschaft etwas unvorstellbar: Wer von uns kann sich schon für ein einziges „Learning“ 50 Mio. Franken leisten? Trotzdem sagt Lehmann: Ein Unternehmer darf/muss jedes Risiko eingehen, ausser dasjenige, das ihn killt.

So hat Lehmann viele Erfolge feiern können, aber wie eben mit der erfolglosen Expansion von Mobilezone nach Deutschland, auch etliche Bauchlandungen erlebt.

Leo Bigger: Was ist deine Leidenschaft?

Abschliessend machte Leo Bigger Mut, sich seiner Leidenschaft konkret bewusst zu werden – und diese dann auch „in seinem jeweiligen Feld“ zu verfolgen: „Träume gross, handle klein!“

Es war ein voller Tag mit viel Inspiration für Kopf und Herz. Doch der wahre Mutige bleibt nicht dabei stehen. Er geht ein Risiko ein und lässt die Inspiration in die Hände oder in den Mund fliessen. Darum gab es schon während der Konferenz Gelegenheiten, sich einer Mutprobe zu stellen.

Glücksaufgabe

Die wahre Mutproben stellt jedoch das Alltagsleben: Wo sollte ich mich mutig zu meiner Meinung bekennen? Wo ist es höchste Zeit, dass ich mutig mich selbst bin? Und wo folge ich mutig, mit der Bereitschaft zum Risiko, meiner Leidenschaft?

 

(Fotos: Lukas Beer, Connedia.ch)

Welche Spuren hinterlässt du?

Ich liebe Schnee.

Ich bin in einer „Skifahr-verrückten“ Familie gross geworden und es scheint, dass ich diese Leidenschaft meinen Kids weitergeben konnte. Wie sonst ist es zu erklären, dass sie – im trotzigen Teenager-Alter – im Skiurlaub freiwillig kurz nach 7 Uhr aufstehen um spätestens um 8.15 Uhr bei der Gondelbahn zu stehen?

Es kommt ein- oder zweimal pro Saison auch vor, dass wir um 5.20 Uhr losfahren, um einen Skitag in unserem Lieblingsskigebiet zu verbringen.

Naja, verrückt eben, oder?

In den letzten Tagen war das mit dem Schnee an einigen Orten – auch in unserem Lieblingsskigebiet im Montafon – dann doch etwas gar des Guten zu viel. Als Flachländer bin ich ganz froh, dass wir hier nicht gegen Unmengen des „weissen Goldes“ ankämpfen müssen.

Spuren im Schnee

Als es neulich so schön verschneit war bei uns, verlegte ich meine morgendliche Fitnesseinheit vom Crosstrainer in den Wald: Ein Spaziergang auf knisternder Unterlage.

Glücksgefühle pur!

Auftanken an Körper, Geist und Seele. Einfach eine ganzheitliche Wohltat.

Und als ich so meine Spuren in den Schnee zeichnete, wurde mir ganz deutlich vor Augen geführt: Vor mir liegt unverbrauchter Schnee. Eine weisse Pracht ohne Spuren. Blicke ich zurück, sehe ich, welche Spuren ich hinterlasse.

Wie das Leben: Unverbraucht, frisch, noch ohne Spuren liegen all unsere zukünftigen Tage vor uns.

Jeder Tag ein Neubeginn – unverbraucht, rein, offen für neue Geschichten!

Jedes Jahr wieder eine neue Chance, andere Spuren zu zeichnen.

Die Vergangenheit, die Spuren die da sind, kannst du nicht ungeschehen machen, kannst du nicht auslöschen.

Doch beim Blick zurück kannst du dich fragen: Soll meine Spur so weitergehen? Will ich auch an diesem neuen unverbrauchten Tag solche Spuren hinterlassen?

Oder ist es heute, dieses Jahr, Zeit für einen Richtungswechsel?

Mehr als gute Vorsätze

Weisst du, was heute für ein Tag ist? Ich hab es bis vor paar Stunden (auch) nicht gewusst.

Jeder Tag steht für irgendetwas. Der 17. Januar ist der Ditch New Year’s Resolutions Day. Was etwa so viel meint wie: Tag der Eliminierung der Neujahrsvorsätze.

Ich weiss nicht, ob 17 Tage der Durchschnitt ist, wie lange wir uns an unsere Neujahrsvorsätze halten. Das könnte wohl in etwa passen.

Wie schade, dass sich so viele Leute von Jahr zu Jahr irgendwelche überzogene Vorsätze zum Jahresstart machen, aber dann schon nach etwas mehr als einem halben Monat aufgeben.

Jedes Jahr liegt wie ein verschneiter Weg vor uns. Und dann nehmen wir uns vor, dass wir dieses Jahr neue Spuren zeichnen wollen – und zack, bereits nach drei Wochen gleichen die neuen Schritte verblüffend den alten.

Wieder eine Chance vergeben, um neue Spuren zu hinterlassen.

Schade.

Das muss anders gehen.

Muss besser gehen.

Im Leben geht es nicht um Neujahrsvorsätze!

Es geht darum, dass wir unsere persönliche Mission finden.

Und diese leben!

Frag dich an Silvester nicht, was nächstes Jahr alles anders werden soll. Höchstwahrscheinlich wirst du dir im Übermut viel zu viel vornehmen.

Und bald darauf frustriert aufgeben.

Frag dich viel lieber an einem ruhigen Tag, welche Spuren du mit deinem Leben hinterlassen willst!

Was willst du sehen, wenn du einmal im hohen Alter auf dein Leben zurückblickst?

Was sind da für Spuren?

Wessen Spuren sind neben deinen zu finden?
Sprich: Mit wem willst du dein Leben verbringen?

Und nochmals: Das Gestern kannst du nicht ungeschehen machen. Aber du kannst dich heute entscheiden, dass du ab morgen andere Spuren hinterlassen wirst.

Dies geschieht nicht mit Neujahrsvorsätzen.
Dazu braucht es einfach ein neuer, frischer, unverbrauchter Schritt nach dem anderen.

Glücksaufgabe

Kommenden Sonntag starten wir im gms – z’friede läbe unsere neue Serie Mission (im)possible. Thema: Was ist die Mission?

Willst du, dass es in deinem Leben um mehr als weggeworfene Neujahrsvorsätze geht? Dann komm doch vorbei und lass uns gemeinsam über deine und meine Mission nachdenken! Ich freu mich auf dich!

 

 

Viel Glück fürs 2019

„Viel Glück!“ – mit diesem Wunsch zum Neujahr oder zum Geburtstag konnte ich bis vor einigen Jahren überhaupt nichts anfangen. Glück hatte für mich damals vor allem mit Glückssymbolen und „glücklichem Zufall“ zu tun.

Mit beidem konnte ich mich bisher nicht anfreunden.

Trotzdem wünsche ich heute gerne „Viel Glück!“. Weil Glück eben eine viel breitere Bedeutung hat und man tatsächlich auch etwas zum eigenen Glück beitragen kann und nicht tatenlos auf irgendwelches Zufallsglück hoffen muss.

Der deutsche Begriff Glück ist verfänglich. Glück wird rasch mit Glückssymbolen wie dem vierblättrigen Kleeblatt oder dem Glücksschwein assoziiert. Oder man denkt an einen persönlichen Glücksbringer. Gemeinsam ist beidem, dass sich der abergläubische Mensch dadurch ein Zufallen des Glücks erhofft. Und das ist ein irreführendes Verständnis von Glück: Glück als Zufallsglück oder auch als Losglück.

Zwar entspricht dies in etwa der ursprünglichen Bedeutung unseres Wortes «Glück», doch im Zusammenhang mit dem persönlichen Streben nach Glück ist es unpassend. Denn wie bereits ein Sprichwort weiß, müssen wir nicht einfach auf den Zufall hoffen, sondern können einen wesentlichen Beitrag zu unserem Glück leisten: «Jeder ist seines Glückes Schmied.»
(aus Glück finden – hier und jetzt)

Glück suchen, Shalom finden

Glück, im Sinn von Lebenszufriedenheit, Sinn und Bedeutung im eigenen Dasein zu empfinden, ist ein universelles, menschliches Bedürfnis. Die NZZ am Sonntag (30.12.18) suggeriert sogar, dass es in der heutigen Zeit der grösste gemeinsame Nenner ist: „Was verbindet die Menschen des digitalen Zeitalters über ihr universales Glücksbedürfnis hinaus?“

Wie wir dieses Bedürfnis stillen, haben wir zu einem grossen Teil selber in den Händen. Glück ist gestaltbar! Es hängt vor allem von unseren Denkweisen und unseren Handlungen ab. Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir unser Glücksniveau steigern können. So beschreibe ich im GlücksBuch beispielsweise 16 Glücksaktivitäten. Dankbarkeit ist dabei der Königsweg.

Noch lieber als „Viel Glück!“ wünsche ich meinen Mitmenschen „Shalom!“. Dieser hebräische Gruss steht für Frieden, meint aber viel mehr als das, woran wir beim deutschen Wort Frieden (Abwesenheit von Konflikt) denken.

Shalom meint das, was wir unter einem ganzheitlichen Glücksbegriff verstehen können: zuFRIEDEN in der Arbeit, zuFRIEDEN in der Liebe sowie zuFRIEDEN in der Gemeinschaft. Und über all dem auch in Frieden mit mir selbst und in Frieden mit dem Universum – für mich heisst das: in Frieden mit Gott, dem Schöpfer allen Lebens.

Glücklich leben, bedeutet für mich versöhnt leben. Versöhnt mit all meinen Lebensbereichen, allem was ich bin, mich ausmacht und mich geprägt hat.

Das ist Glück, das ist Shalom und das ist, wozu uns die Jahreslosung 2019 einlädt:

Suche Frieden und jage ihm nach!
Jahreslosung 2019, die Bibel, Psalm 34,15

Das universelle Bedürfnis nach Glück ist in der Tiefe unserer Seele die Sehnsucht nach Shalom, diesem Ankommen beim eigenen wahren Selbst, bei Gott und bei der Mitwelt. Ganzsein, sich sein, versöhnt sein.

Dieses Glück wünsche ich dir und mir fürs 2019!

Suche es, jage ihm nach!

Und wenn du diesen Shalom erlebst, beschenke die Welt um dich damit!

Glücksaufgabe

Wie gesagt, man kann das Glück und den Shlaom suchen, ihm sogar nachjagen!

Wir alle wollen Glück. Oft bleibt es beim Wollen.

Genau wie bei unseren Neujahrsvorsätzen.

Mach es dieses Jahr anders:
Suche das Glück mit Ausdauer!
Jage ihm sogar nach!

Vergiss nicht: Machen ist wie wollen nur krasser!

 

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Schwierige Gespräche führen

Im letzten Blogartikel schrieb ich über die sehr interessante Ausstellung „Fake. Die ganze Wahrheit“ im Stapferhaus Lenzburg und schloss den Artikel mit dem Gedanken, dass wir den schwierigen Gesprächen nicht aus dem Weg gehen sollten.

Das schreibt sich so einfach. Hand aufs Herz: Wie gut bist du darin, die schwierigen Gespräche wirklich zu führen? Öfter als mir lieb ist, mache ich erstmal einen Bogen um solche Gespräche: Da ist eine unbefriedigende Situation, die eigentlich angesprochen werden sollte, aber da gibt es so einiges, das mich hindert, diese Gespräche zu führen.

Was, wenn ich die richtigen Worte nicht finde?

Was, wenn mir meine Emotionen einen Strich durch die Rechnung machen?

Was, wenn mich mein Gegenüber nicht versteht?

Was, wenn durch das Gespräch mehr Geschirr zerschlagen wird, als dass es zur Klärung führt?

Was, wenn durch das Gespräch Beziehungen in Brüche gehen?

Doch oft sind eben gerade diese schwierigen Gespräche auch nötige Gespräche. Darum machen wir besser keinen Bogen um sie.

Am Global Leadership Summit diesen Summer sagte es Sheila Heen so: „The difficult conversations in our lives are often the most important conversations in our lives.“ (Die schwierigen Gespräche in unserem Leben sind oft die wichtigsten Gespräche in unserem Leben.)

Zum Glück unterstrich sie nicht nur die Wichtigkeit solcher Gespräche, sondern gab uns auch einige Hilfestellungen dazu, wie wir in diese Gespräche gehen können.

Alles steht Kopf

Die besondere Herausforderung schwieriger Gespräche ist ja selten die Sachebene: Da gibt es Argumente, die sachlich besprochen werden und wir im Verlauf des Gespräches hoffentlich eine Einigung finden können (Selbst wenn die einzige Einigung ist, dass wir uns in dieser Sache nicht einig sind.).

Wirklich schwierig sind unsere Gespräche hinter den Gesprächen – die Gedankenspiele in unserem Kopf. Wunderbar veranschaulicht hat uns diese die Filmindustrie mit dem Animationsfilm Alles steht Kopf.

In Konfliktsituationen drehen sich unsere Gedanken oft um Fragen wie diese:

Wer hat Recht?

Wessen Fehler ist es?

Was motiviert den anderen? (Was ist sein Antrieb?)

Und je frustrierter wir über eine Person sind, umso negativer spielen wir die Story in unserem Kopf durch.

Eine erste Hilfe wird da sein: Wir können unsere Gefühle nicht an der Garderobe abgeben. Selbst im beruflichen Umfeld nicht und schon gar nicht in der Partnerschaft und im Familienleben.

Es bringt also nichts, wenn wir die Beziehungs– und Emotions-Ebenen ausblenden. Im Gegenteil! Gefragt ist ein transparenter Umgang damit, das Ansprechen von Gefühlen und das Eingeständnis, dass möglicherweise eine weitergehende Konversation nötig ist. Wir können die Angelegenheit nicht mit einer kurzen Besprechung abhacken.

Sheila Heen ermutigte mit ihrem Referat, die verborgene Ebene im gemeinsamen Gespräch ans Licht zu bringen. Und zwar in dem wir die obigen Fragen aus unserem persönlichen Gedankenspiel ins Gespräch bringen:

Wer hat Recht?
-> Gespräch über die Frage: „Was denken wir beide, um was es hier geht?“

Wessen Fehler ist es?
-> Gespräch über die Frage: „Was haben wir beide zur Situation beigetragen?“

Was motiviert den anderen?
-> Gespräch über die Frage: „Was wollen wir (gemeinsam) bewirken?“

Zu oft sind unsere Gespräche eigentlich zwei unterschiedliche Konversationen: Zwei Themen, zwei Sprecher, null Zuhörer.

Lass uns das ändern!

Glücksaufgabe

Nein, das Führen von schwierigen Gesprächen ist nicht gerade eine Glücksaktivität. Doch wenn wir einen Bogen um diese Gespräche machen, wird sich unser Glücksniveau auch nicht steigern.

Glücksgefühle machen sich breit, wenn wir uns den schwierigen Gesprächen stellen und diese konstruktiv führen konnten.

Welches Gespräch solltest du noch vor Jahresende führen?
Und wie willst du es angehen?

 

Ab dieser Woche wird mein GlücksBlog nicht mehr wöchentlich sondern ca. 14täglich erscheinen.

Vielfalt macht das Leben reich

Wow, was war das für eine Woche … Vier Tage auf dem Chrischona-Campus (Basel), wo ich als Moderator eine Konferenz mitgestalten durfte, dazwischen rasch zurück ins Seeland für eine weitere Talk-Moderation (Chäs, Brot, Wy – u mini Gschicht mit Gott) im mit 50 Besuchenden voll besetzten Begegnungszentrum H2. Ausgerechnet in dieser Woche war auch meine Frau an einer Geschichten-Woche als Puppenspielerin auswärts engagiert.

Richtig viel Adrenalin, schöne Begegnungen, spannende Inputs, Horizonterweiterung, Zuwachs meines Erfahrungsschatzes … Ich liebe es!

Und trotzdem bin ich froh, ist nicht jede Woche derart rasant. Das würde mir und unserem Familienleben nicht gut tun.

Denn die Bühne ist das Eine, die Alltagsverpflichtungen das Andere: Kursbesuch als Gemeinderat, Elternabend an der Schule unserer Tochter, Fussballtraining des Sohnes und überhaupt die ganze Betreuungsaufgabe, wo wir als Eltern auch mit Teenie-Kids immer noch gebraucht werden.

Und darum bin ich sehr dankbar für die wunderbare letzte Woche, aber auch dafür, dass ich diese Woche wieder viel näher an meinen Kids dran bin, sie spüre, mit ihnen den Alltag teilen kann und in ihrem Leben präsent bin.

Ich bin dankbar, dass ich beides habe. Vielfalt macht das Leben reich. Man könnte im Blick auf unsere Familie vielleicht auch sagen: Alles ausser gewöhnlich. Das ist nicht immer einfach, aber es ist das, wofür wir uns entschieden haben. Kreativ, vielfältig, intensiv, jeder Tag anders –  aussergewöhnlich eben.

Spielen mit der Vielfalt

An der besagten Konferenz letzte Woche gehörte unter anderem die beeindruckende Kirstine Fratz, Zeitgeist Forscherin, zu den Referenten. Es zeigt schon eine erfreuliche Offenheit, dass sich die 400 Konferenzteilnehmenden, mehrheitlich Pastoren und kirchlich Engagierte, mit der Frage auseinandersetzten, wie der Zeitgeist als Chance für die kirchliche Arbeit genutzt werden kann.

Zeitgeist ist, laut Kirstine Fratz,  ein temporäres Versprechen für ein gelungenes Leben. Im Grunde ist es also das, worauf wir unsere Hoffnung für Glück im Leben setzen.

Eindrücklich das von Fratz benutzte Beispiel des grünen Gemüse-Smoothie, der gerade stark en vouge ist und uns ein besseres Leben verspricht …

Kirstine Fratz lud uns ein, mit dem Zeitgeist zu spielen, ihn nicht etwa als Feind, sondern viel mehr als Chance zu entdecken. Ich meine, es ist nicht nur eine Einladung, es ist sogar unsere Pflicht – eigentlich unabhängig davon, in welchem Gebiet wir tätig sind: Wir müssen wissen, wovon sich die Leute ein gelungenes Leben versprechen, wenn wir ihnen eine Dienstleistung, ein Produkt oder auch eine Überzeugung näher bringen möchten.

Die Beschäftigung mit dem Zeitgeist, aber auch die weiteren Referate der Konferenz, wo wir über Introvertiertheit versus Extrovertiertheit und über Emotionalität in der Persönlichkeitsentwicklung nachdachten, unterstrich für mich nochmals: Vielfalt macht das Leben reich.

Oder wie es durch das Referat von Debora Sommer zum Ausdruck kam: „Gott muss Humor haben, dass er die Menschen als Intros und Extros geschaffen hat.“

Und beim  Global Leadership Summit diesen Sommer zeigte David Livermore auf, wie mit kultureller Intelligenz die Vielfalt der Menschen und Kulturen zum Gewinn für eine Organisation genutzt wird.

Wie so oft beginnt es damit, dass wir versuchen in den Schuhen des anderen zu gehen. Also uns, gerade als Führungsperson, in die Situation des Gegenübers versetzen, seine Sicht der Dinge verstehen lernen und dies als Bereicherung entdecken.

Wäre jeder Tag wie der vorherige und jeder Mensch wie der andere, wäre unser Leben zwar einfacher, aber bestimmt viel langweiliger.

Vielfalt macht das Leben reich!

Glücksaufgabe

Was macht dein Leben reich? Wo freust du dich an Vielfalt?

Einige sagen: Der Zeitgeist, das sind die anderen. Doch jeder hat „seinen Zeitgeist“, sein temporäres Versprechen für ein gelungenes Leben.  Wovon erhoffst du dir Glück und Erfüllung im Leben?

Meine Arbeit tut mir gut

Neulich betete ein Vorschulkind aus unsrem Bekanntenkreis: „Lieber Gott, bitte mach, dass niemand mehr arbeiten muss. Nicht der Bäcker, nicht die Putzfrau und auch nicht der Chirurg. Amen.“

Oje, dachte ich, als unsere Tochter, die diese Szene miterlebt hatte, davon erzählte. „Was für ein Bild von Arbeit hat dieses Kind wohl aufgeschnappt?“, war mein Gedanke.

Und überhaupt: Was für ein Bild von Arbeit vermitteln wir eigentlich unsern Kindern?

In den letzten Jahren durfte ich für die Elternzeitschrift Family regelmässig eine Kolumne schreiben. In dieser „Tankstelle“ erzählten in jeder Ausgabe jeweils ein Mann und eine Frau, wie sie im Alltag auftanken.

Es ist bezeichnend, dass in diesen Tankstellen oft von Auftanken im Zusammensein mit lieben Freunden geschrieben wurde; aber wer hat schon davon erzählt, wie er bei der Arbeit auftankt?

Doch genau das tue ich! Nicht immer, aber immer wieder.

Wenn nach einem arbeitsreichen Tag meine To-Do-Liste am Abend länger ist als am Morgen, dann frisst die Arbeit tatsächlich meine Energie, der Tank ist leer.

Gott sei Dank gibt es auch die anderen Tage: Da schreibe ich einen Artikel oder eine Predigt und erlebe dabei diesen schönen Zustand, den die Psychologie „Flow“ nennt.

Es fliesst, die Zeit geht vergessen, ich gehe in meiner Arbeit auf, das Rundherum verliert an Bedeutung. Ein weiteres Kennzeichen von solchen Flow-Momenten ist, dass ich mich selbst am Resultat freue, noch bevor ich von aussen ein Feedback erhalte.

Ich liebe es, wenn ich meine Stärken einbringen kann und damit einen Unterschied mache – in der Kirche, in meinem Dorf, in der Gesellschaft.

Wie gesegnet ist der Mann (die Frau), der seine (die ihre) Berufung gefunden hat und Arbeit nicht einfach ein so genannter „Broterwerb“ ist?! Mark Twain nannte es so: „Je mehr Vergnügen du an deiner Arbeit hast, desto besser wird sie bezahlt.“ Das deckt sich zwar bisher nicht unbedingt mit meiner Erfahrung. Ich ertappe mich aber ab und zu bei diesem Gedanken: „Das macht so viel Freude, ist das wirklich noch Arbeit?“

Wer hat uns den gelehrt, dass Arbeit keine Freude machen darf?

Als wir im Frühjahr erstmals eine Konfirmation in unserer fx Netzwerkkirche feiern durften, war das eine Tankstelle für mich. Und nicht nur, weil auch unsere Tochter konfirmiert wurde. Aber zu sehen, wie sich die jungen Erwachsenen entwickelt haben, wie sie konkrete Schritte in ihrem Glauben gehen, wie sie sich in der Gemeinde engagieren und mitzuerleben, wie die vielen Besucher positiv auf unsere kreative Kirche reagierten, das alles war ein Genuss für mich als Pfarrer.

Solche Momente sind Lohn für all die Tage, an denen Arbeit nur Energie kostet. Und solche Tage erinnern mich daran, dass unsere Arbeit nicht einfach Mühsal ist. Wenn wir unsere Stärken einbringen, unsere Leidenschaft leben und uns in einem uns entsprechenden Umfeld bewegen können, werden wir immer wieder „Flow“-Erfahrungen machen. Und dabei erleben wir, wie sich unser Tank füllt und unsere Zufriedenheit steigt.

Glücksaufgabe

Hand aufs Herz: Macht dir deine Arbeit Freude?

Wenn ja: Dann geniess es und lass es fliessen!

Wenn nein: Was kannst du tun, damit du mehr Flow in deiner Arbeit erlebst?

Anregungen dazu, wie du deinem Traumjob näher kommst, findest du auch im GlücksBuch, das gerade seinen dritten Geburtstag gefeiert hat.

Nach wie vor erhalte ich tolle Feeedbacks zum GlücksBuch. Zum Beispiel diese:

Ich habe dein Buch gestern in einem Zug gelesen. Es hat mich in einen Zustand der Demut gebracht. Ich bin der Meinung es sollte eine Pflichtlektüre für alle sein! Bestimmt werde ich es immer wieder zur Hand nehmen, denn es gibt immer wieder Momente wo damit das Bewusstsein auf die wirklich wichtigen Dinge geschärft werden kann.
Marc Meichtry, dipl. Treuhandexperte / Gemeindepräsident

 

 

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Dieser Artikel ist zuerst als Kolumne im Magazin Family erschienen.

From WHY to WOW to HOW

Lass es mich gleich zu Beginn sagen: Wenn das WHY klar ist, schaffst du fast alles.

Wenn du hingegen die Warum-Frage nicht befriedigend geklärt hast, wird jede kleinere oder grössere Herausforderung auf dem Weg zu einem potenziellen Stolperstein.

Ich hab letzte Woche schon von unseren Happy Kids Days erzählt. Es war einfach genial – bestes Wetter, super glückliche Kinder und ein motiviertes, engagiertes Mitarbeiterteam.

Doch einige Tage vor den Happy Kids Days erhielt ich eine irritierende Nachricht: „Du, wir haben noch gar nicht abgemacht, was ich für meinen Einsatz verdiene …“ Ein blödes Missverständnis: Die gemeinnützige Kinder- und Familienanimation von Happy Kids basiert, neben der Projektleitung, auf Freiwilligenarbeit.

Und zwar wirklich frei und willig und ohne finanzielle Anreize.

Das ist für das 20köpfige Mitarbeiterteam auch selbstverständlich – einige nehmen sogar extra Ferien dafür.

Doch so selbstverständlich dies vielleicht für uns ist, so aussergewöhnlich scheint es scheinbar heute in unserer Gesellschaft zu sein, dass man die WHY-Frage nicht mit Geld beantwortet.

Obwohl das auch nicht ganz korrekt ist. Es gibt auch einen sehr starken Gegentrend: Gerade für viele junge Leute ist die alte Gleichung „Leistung gegen Geld“ nicht mehr genug.

„Dieser Weg wird kein leichter sein“

Mir war das irgendwie von Anfang an nie genug. Kaum fertig mit der Banklehre kündigte ich den Geldjob und wollte mich weniger mit Geld dafür mehr mit Menschen abgeben.

Wäre Xavier Naidoo damals schon unterwegs gewesen, hätte er mir wohl ins Ohr geflüstert: „Dieser Weg wird kein leichter sein!“

Nein, leicht ist mein Weg bis heute nicht. (Welcher Weg ist das schon?)

Doch was hält uns daran, diesen steinigen Weg der eigenen Berufung zu gehen?

Mehr zu wollen, als einfach einen Job auszufüllen.

Mehr zu wollen, als einfach Geld zu verdienen.

Mehr zu wollen, als Karriere zu machen.

Dieses Mehr ist einerseits ein grossartiges WHY – die Klärung der Sinnfrage.

Warum tue ich, was ich tue?

Was ist der übergeordnete Sinn hinter meinem Handeln?

Und anderseits ist es eine Vision, die uns lockt. Das Bild einer veränderten Zukunft, das uns anzieht, motiviert, vorwärts drängt.

Einer, der immer wieder Mut macht, hartnäckig an der Vision dran zu bleiben, an das Mehr zu glauben, ist der Leadership-Experte John C. Maxwell.

Am GLS forderte er uns heraus: „See the bigger picture.“ Und dass wir auf unserem Weg weitergehen und uns entwickeln sollen. „Ruh dich nicht aus auf dem, was du vor fünf Jahren erreicht hast.“

Das kann ich nur, wenn das WHY stark genug ist. Und wenn ich auf diesem Weg immer wieder WOW-Momente habe.

Das sind die Momente, wo ich gar nicht über Sinn und fehlendem Sinn nachdenken muss. Es ist einfach so sinnerfüllt, so genial, so berührend, dass es mir mehr gibt, als jeder Geld-Check.

Und erst wenn WHY und WOW da sind, sprechen wir übers HOW.

Wie tun wir das, was wir tun?

Wie werden wir besser in dem, was wir tun?

Know-HOW ist gut, aber zuerst muss das Know-WHY klar sein!

Glücksaufgabe

Was in deinem Leben würdest du keine Sekunde länger tun, wenn du dafür kein Geld bekommen würdst?

Und was würdest du tun, wenn das Geld absolut keine Rolle spielen würde – es wäre genug da, um deine Träume zu leben?

Mit diesen beiden Fragen wirst du deinem WHY im Leben ein grosses Stück näher kommen.

Da gehör ich dazu!

Letzte Woche war ich auf Dienstreise und danach gleich im Familienurlaub. Das gab mir einige ganz schöne Gelegenheiten, die Serviceleistung in verschiedenen Restaurants, Hotels und sonstigen Betrieben zu beobachten.

Einen exzellenten Job machte der Gastgeber in einem kleinen Restaurant in Kassel-Wilhelmshöhe. Nein, er machte eben nicht einen Job, sondern lebte seine Berufung. Als Gast in einer fremden Stadt ist ja schon nur die Wahl eines Restaurants eine mittelgrosse Herausforderung. Da können viele kleine Dinge entscheiden.

In besagtem Restaurant mit dem interessanten Namen „Die Trüffelschweine“ waren mein Kollege und ich bestens aufgehoben. Doch beim Anblick von aussen war ich mir kurzzeitig nicht sicher, ob das die richtige Wahl ist: Beleuchtung und Farbkonzept im Aussenbereich schreckten mich etwas ab.

Jedoch nur, bis ich einen Blick ins Innere erhaschen konnte: Ein grosser Tisch, stilvoll eingerichtet mit vielen Weinflaschen, Kerzenlicht, schön angerichtete Teller, gute Stimmung, sympathische Leute … – und ein leidenschaftlicher Gastgeber.

Was suchen wir eigentlich, wenn wir einen Gastrobetrieb, ein Hotel oder auch einfach eine Gondelbahn betreten?

Natürlich, der Mix von Qualität (das Essen schmeckt mir), Pünktlichkeit (die Wartezeit ist verhältnismässig) und Preis (die Kosten stimmen) muss überzeugen. Der Anbieter, der das nicht auf die Reihe kriegt, hat schon verloren.

Doch als Kunde erwarte ich von einem Servicebetrieb mehr. Auch wenn ich in einer mir völlig fremden Stadt in ein Restaurant trete, möchte ich eigentlich empfangen werden, wie wenn ich nach Hause komme.

Sprich: ich möchte erwartet werden, der Gastgeber freut sich an meinem Erscheinen und führt mich an einen schönen Platz, der zu meinen Bedürfnissen passt.

Ich will spüren, da gehör ich dazu. Auch wenn es nur für diese eine Stunde ist.

Selbst in einer Gondelbahn, die mich in 10 Minuten auf den Berg bringt, wünsche ich mir dieses Gefühl. Natürlich ist es etwas völlig anders, als wenn ich einen gediegenen Abend in einem guten Restaurant verbringe.

Doch mich stört kaum etwas so stark, wie wenn ich in einem Dienstleistungsbetrieb (eben, zB die Gondelbahn) das Gefühl habe, das Personal ist sauer auf mich, weil sie wegen mir arbeiten müssen.

Leider kommt das aber öfter vor, als es mir lieb ist: Da betrittst du einen Kleiderladen und fühlst dich sofort als Störfaktor. Die Verkäuferin wünscht sich jetzt keine Unterbrechung, schliesslich muss sie noch mit ihrer Kollegin Neuigkeiten austauschen …

Beim GLS hatten wir diesen Sommer die Gelegenheit, in einem Interview von einem der angesagtesten und erfolgreichsten Restaurateuren zu lernen. Danny Meyer gab uns einige seiner Erfolgsrezepte weiter.

Und da deckt sich vieles mit meinen Beobachtungen und Erfahrungen als Kunde. 49 % hat mit der Qualität, exzellentem „Produkt“ zu tun – der Rest ist Service, Gastfreundschaft.

Selbst mit Innovation können wir heute den Unterschied nicht mehr machen, sagt Meyer. Innovation hätte noch gerade eine Haltbarkeit von 2 Minuten. Na gut, bei uns wird es vielleicht etwas länger sein als in New York City …

Doch der Punkt ist klar: Es müssen Emotionen ausgelöst werden! Der Kunde muss gehört werden.

Ein schönes Beispiel erzählte Danny Meyer: Ein Investmentbanker kam mit sieben Leuten in eines seiner Restaurants und wollte den besten Chardonnay. Meyer brachte ihm einen solchen. Doch der Kunde behauptete, dies sei gar kein Chardonnay.  „Es ist völlig irrelevant, ob der Kunde recht hat oder nicht. Wichtig ist nur, dass er sich gehört fühlt.“

Als Kunde will ich dazu gehören. Ebenso als Mitarbeitender. Als Gastgeber und als Führungsperson ist genau das unsere Aufgabe: Die Leute sollen sich als Teil davon fühlen.

Die besten Leute wollen nicht einfach einen Job ausfüllen, sie wollen etwas Bedeutungsvolles aus ihrer Lebenszeit machen.

Glücksaufgabe

Unsere Tochter, diesen Sommer die obligatorische Schulzeit abgeschlosen, fragte uns bei der Gondelbahn mit Blick auf eine Mitarbeiterin: Kann diese Aufgabe wirklich ein Traumjob sein?

Ich glaube, es geht nur, wenn man sich dabei als Teil von etwas Grösserem versteht, wenn man das persönliche „WHY“ gefunden hat und aus vollem Herzen Gastfreundschaft leben kann.

Hast du bereits eine solche Aufgabe für dich gefunden?

Nutze deinen Einfluss zum Guten!

Nachdem ich gerade den Wikipedia-Eintrag über Strive Masiyiwa gelesen habe, bin ich ziemlich platt. Dieser Mann ist krass: Er ist ein simbabwischer Geschäftsmann, Unternehmer und Philanthrop. Miliardenschwer. Wurde von Barack Obama als Berater an einen G8-Gipfel gerufen, gewährte 100.000 jungen Afrikanern Stipendien, unterstützt über 250.000 Waisen mit Bildungsinitiativen …

Der Gründer und Vorsitzender des globalen Telekommunikationskonzerns Econet Wireless träumte davon, dass in Simbabwe und überhaupt in Afrika alle Zugang zur Telekommunikation erhalten würden. Seine Vision brachte ihm viel Spott und Widerstand: Die simbabwische Regierung von Robert Mugabe verweigerte ihm die Lizenz.

Doch er gab nicht auf und verfolgte seinen Traum mit viel Durchhaltewille (Grit):

Masiyiwa appellierte an das Verfassungsgericht von Simbabwe mit der Begründung, dass die Weigerung eine Verletzung der Meinungsfreiheit darstelle. Der simbabwische Gerichtshof, damals einer der angesehensten auf dem Kontinent, entschied nach einem fünfjährigen Rechtsstreit, der ihn an den Rand des Bankrotts brachte, zu seinen Gunsten. Das Urteil, das zur Abschaffung des staatlichen Telekommunikationsmonopols führte, gilt als einer der wichtigsten Meilensteine ​​bei der Öffnung des afrikanischen Telekommunikationssektors für privates Kapital. Der erste Mobiltelefon-Abonnent des Unternehmens wurde 1998 an das neue Netzwerk angeschlossen. (Quelle: Wikipedia)

Warum schreib ich das alles? Strive Masiyiwa war einer der Talk-Gäste am diesjährigen GLS. Ein kleiner, ruhiger, demütiger, fast scheuer Mann. Ja, neben dem schon äusserlich sehr eindrücklichen T.D. Jakes ging er fast unter.

Man musste gute auf die leisen Töne achten, um die bestechende Weisheit dieses Mannes nicht zu überhören.

Diese Begegnung zeigt mir: Es sind nicht die grossen Sprücheklopfer, die die Welt zum Besseren verändern. Was dieser unscheinbare Mann im Kampf für mehr Gerechtigkeit auf seinem Kontinent bewirkte, ist sehr eindrücklich.

Natürlich, sein Traum hat ihm schlussendlich auch sehr viel Geld gebracht. Er ist nicht nur einer der „World’s 50 Greatest Leaders“ (Fortune Magazine), er gehört auch zum Klub der Milliardären.

Ich freue mich, wenn solch demütige Persönlichkeiten ihren Reichtum nicht einfach selbstsüchtig verwenden, sondern so viel Gutes damit machen.

Und hier einige Perlen, die ich mir aus dem Interview mit Strive Masiyiwa notiert habe:

Mentoring ist toll, aber du musst es Modellieren.
Leute folgen dem Beispiel, das sie sehen!

Darum werden beim GLS unter dem Motto „Grander Vision“ immer auch Beispiele gezeigt, wie wir Einfluss positiv ausleben können: Jemand erfindet günstige Wasserpumpen und bringt Trinkwasser an abgelegene Orte. Einer bringt eine grosse Firma dazu, pro verkaufte Impfung eine in Afrika zu spenden.

Beispiele, die inspirieren. Wo sollten wir als Leiter weniger reden und mehr vorleben? Es braucht beides! Aber ohne Taten ist unser Reden nicht viel wert.

Und zum Reden sagt der, der die Mobiltelefone nach Afrika gebracht hat, es gehe um „Art of Speach not Art of Texting!“. Also die Kunst des Sprechens und nicht die Kunst der SMS.

Reden wir wieder miteinander! Wir müssen miteinander verbunden sein – wir als Menschen, nicht unsere Geräte.

Es geht darum, was aus unserem Herzen kommt.

Wir brauchen ein Team. Leute, die an dich „glauben“, dich aber auch hinterfragen. Ein Team, das zusammengeht!

Was wir nicht gerne hören, aber mindestens ich immer wieder erlebe:

Alles braucht länger als wir denken.

Und am Ende des Interviews steht in meinen Notizen nur ein Wort. Wahrscheinlich ist genau dies ein Schlüssel des Erfolgs von Strive Masiyiwa:

Respekt.

Glücksaufgabe

Welche oben erwähnte Perle spricht dich besonders an?

Wie kannst du sie (noch stärker) in dein Leben und Leiten integrieren?

Hör nicht auf zu flattern!

Bishop T.D. Jakes ist schon nur von seiner Gestalt her eine eindrückliche Persönlichkeit. Wenn man dazu noch liest, was er schon alles als Autor, Unternehmer, Pastor oder Filmmacher erreicht hat (beispielsweise wurde er vom TIME Magazine als „America’s Best Preacher“ bezeichnet), wird einem etwas schwindlig.

Doch was er uns am Global Ledership Summit in seinem Kurzreferat weitergab, war alles andere als ein 10-Schritteprogramm zum grossen Erfolg.

Seine Schulssfolgerung war erstaunlich simpel: „Keep flapping and falling, flapping and falling, and eventually you get your rhythm.“ (Flattere und scheitere, flattere und scheitere – und schliesslich wirst du deinen Rhythmus finden.)

Was er damit meinte, verdeutlichte er mit dem Bild des Adlers:  Sie bauen ihre Neste in luftiger Höhe an Klippen. Wenn der Nachwuchs dann aus den Eiern geschlüpft ist, „they kick the kids out of the house“. Die Jungen werden zum Nest herausgestossen und lernen das Fliegen im Fallen.

„The eaglet is not trying to fly;
it’s trying not to die!“
(Das Alderjunge versucht nicht zu fliegen;
es versucht, nicht zu sterben.)

Und dann staunen wir, wie die Adler erhaben als Könige der Lüfte fliegen.

Genau so kann es uns ergehen, wenn wir nicht aufgeben. T.D. Jakes: „They may laugh at your start but they’ll take pictures when you get it.“
(Sie lachen vielleicht über deine Anfänge, aber sie werden Fotos schiessen, wenn du es geschafft hast.)

Was brauchen wir also, um grosse Ziele zu erreichen? Wir brauchen eine Idee, eine Vision, einen „Dream“, der uns dazu bringt, das Nest zu verlassen. Die Komfortzone zu überwinden, auch wenn wir nicht wissen, was auf der anderen Seite des Nestes auf uns wartet.

Wir schauen auf unsere Vorbilder, auf solche, die es geschafft haben – auf den Adler, der erhaben durch die Lüfte segelt. Wir wollen von den Gewinnern lernen – das ist auch gut so.

Doch Entwicklung geschieht über den Weg des Scheiterns!

Der grosse Traum und der mutige Start sind wichtig – doch es ist nur der Anfang. Was jetzt kommt, ist der Härtetest für jede Vision. Rückschläge gehören zu jedem Unternehmen, zu jedem Lebensweg.

Fallen ist das Eine, Liegenbleiben das Andere. Hinfallen, aufstehen, aufs Neue probieren, wieder hinfallen, aufstehen, scheitern, aufrappeln – so sind die grössten Errungenschaften dieser Welt entstanden.

Jemand sagte einmal an einem GLS, es brauche „Grit“ um seiner Vision näherzukommen.  Es brauchte eine ziemliche Weile, bis wir Deutschsprachigen verstanden, was gemeint ist: Rückgrat, Durchhaltewille.

„Grit“ – das gefällt mir. Nein, ein Kinderspiel ist es nicht. Und wenn sich ein Scheitern ans andere reiht, ein Frust auf den letzten folgt … Ja, dann braucht es ganz viel „Grit“ um nicht vorzeitig die Segel zu streichen.

Mir hilft es, wenn ich beim „Flattern“ zwischendurch das Gefühl vom „Fliegen“ bekomme. Ein, zwei Flügelschläge, die gelingen und mich sofort spüren lassen: Fliegen ist so viel schöner, als gemütlich im Nest zu hocken.

Dann flattere ich wieder weiter, lerne von meinen Fehlern, versuche es nochmals, flattere wie wild – und dann ist er wieder da, dieser Flow wenn das Flattern zum Fliegen wird.

Ganz oft bin ich noch am Flattern, doch der Traum vom Fliegen lebt!

Und ich gebe nicht auf, weil ich eines sicher weiss:
Zurück ins Nest will ich nicht.

Glücksaufgabe

Gib nicht auf zu Flattern! Oder hast du dich gerade in einer Komfortzone gemütlich gemacht? Dann frag dich: Welches Nest sollte ich hinter mir lassen?

Was lernst du aus deinen Fehlern der Vergangenheit für deine Entwicklung von morgen?