„Ich kann nicht atmen“

Die Sonne kitzelt mich im Gesicht während ich diesen Artikel auf einer Hotelterrasse in Solothurn schreibe. Freier Blick auf die Aare mit der imposanten St. Ursen-Kathedrale im Hintergrund. Im Park nebenan vergnügen sich Kinder und spielen Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen Pétanque.

Paare flanieren am Aareufer, Senioren geniessen den Einkauf auf dem Wochenmarkt. Später gehe ich mit einem Freund zum Abendessen in ein gemütliches Restaurant in dieser schönen Stadt.

Das Leben ist zurück!
Wir sind wieder frei!
Ein schönes Lebensgefühl!

Ich wünsche mir, dass wir die neu gewonnene Freiheit bewusst geniessen und gestalten. Auch wenn es sich fast schwieriger anfühlt, mit der neuen Normalität zu recht zu kommen, als damals, als der Bundesrat uns von 100 auf 0 ins eigene Heim beordert hatte.

Damals war klar: „Bleiben Sie zu Hause!“
Kein Kontakt, keine Familienfeste, nichts.

Und jetzt? Darf ich euch alle wieder zu mir in den Garten einladen, ein Buffet aufstellen und das Leben feiern? Ja, es scheint wieder möglich zu sein – und trotzdem muss noch etwas Abstand gehalten werden.

Aber wir haben in den vergangenen Wochen ganz andere Probleme gemeinsam alleine gemeistert.

#staytogether

Vielleicht hilft uns der vergangene Lockdown etwas mehr zu schätzen, was uns in unserem Land geschenkt ist – mindestens wenn wir die richtige Hautfarbe und die richtige sexuelle Orientierung, das richtige Geschlecht und ganz grundsätzlich die „richtige Gesinnung“ haben.

Freunde, ich schäme mich dafür, dass Menschen so grausam mit Menschen umgehen können!

Mein Gast im Mini-Chäs (Kurztalk) diese Woche hat es in etwa so gesagt: „Es ist normal, dass wenn du auf irgendeine Art anders bist, du gehänselt wirst.“

Diskriminierung = normal???
Wollen wir das wirklich?
In unserem Land?
„Freie Menschen“, die „andere“ einfach quälen?
Realy?

Schaut selbst, was man in unserem Land erlebt, wenn man nicht die „richtige“ Hautfarbe hat:
(Der ganze Talk könnt ihr hier anschauen.)

Leider ist Dave mit dem, was er erlebt, keine Ausnahme. Gründe, warum jemand ausgegrenzt oder gequält wird, gibt es viele. Eindrücklich haben drei Mitglieder der Bieler Stadtregierung kürzlich im Kontext vom Bieler Tagblatt geschildert, was sie als homosexuell empfindende Menschen erleben.

Wegen Corona werden derzeit Menschen aus dem asiatischen Raum diskriminiert und in Amerika macht gerade wieder ein Fall von brutaler Polizeigewalt gegen einen Schwarzen Schlagzeile.

„Ich kann nicht atmen“, habe George Floyd mehrmals gesagt, als ein weisser Polizist minutenlang sein Knie in den Hals des Afroamerikaners drückte.

Vier Polizisten waren an diesem Einsatz beteiligt!
Der Schwarze stirbt im Spital.
Scheinbar war er ein Sicherheitsbeamter in einem Heilsarmee Obdachlosenheim.
Tod wegen falscher Hautfarbe?
Wirklich?

Ich möchte nicht in einer solchen Welt leben!
„Ich kann nicht atmen!“
Tatsächlich rauben mir solche Geschichten den Atem.

Diese elende Arroganz von Menschen, die meinen, sie sein etwas Besseres nur weil sie – weiss, hetero, einigermassen „gebildet“ und vielleicht sogar männlich sind.
Vor allem aber „ein-gebildet“.

Liebe Freunde, wir sind doch nichts Besseres, nur weil wir so unverschämt viel Glück hatten und am „richtigen“ Ort, mit dem „richtigen“ Geschlecht, der „richtigen“ Hautfarbe, der „richtigen“ sexuellen Orientierung geboren wurden!!

#stayhome war gestern.
Könnten wir uns nun vielleicht für #staytogether engagieren?

Diese schmerzhafte Diskriminierung muss ein Ende haben!
Der Mensch ist wertvoll, weil er Mensch ist!
Der Mensch hat seine Würde, weil die göttliche Liebe jeder und jedem gilt!

Weisst du was? Du bist wunderbar, wertvoll, geliebt!
Aber bitte hör auf, in irgendeinem Winkel deines Herzens zu meinen, du seist etwas Besseres!

Glücksaufgabe

Menschen möchten gesehen, geliebt und geschätzt werden – das macht nachhaltig glücklich. Wie kannst du dazu beitragen, dass genau dies in unserer Welt öfter geschieht?

Ist das jetzt das Ende? Oder erst der Anfang?

Es wird schon zum Ritual: Gespannt wartet man – daheim natürlich – vor den Bildschirmen auf die Medienkonferenz des Bundesrates, um zu hören, was uns als Nächstes erwartet.

In Zeiten, in der TV-Sendungen längst den Status „Lagerfeuer der Nation“ verloren haben, gelingt es Bundesräten und Chefbeamten zu gern gesehenen Helden des Volkes zu werden. Tatsächlich bin auch ich stolz auf unsere Verantwortungsträger und bin sehr dankbar, nicht der Laune eines notorischen Lügners ausgesetzt zu sein.

Jetzt haben wir also Gewissheit: Der Bundesrat plant den Ausstieg. Ist das der Anfang einer neuen Normalität, wie es einige nennen? An diesen Gedanken möchte ich mich nicht gewöhnen! Es soll normal werden, dass wir auf Nähe, Umarmungen und Gartenfestli verzichten? Nein, eine solche Normalität soll die Ausnahme bleiben und nicht zur Norm werden.

Doch eines wurde auch klar: Ein schnelles Ende gibt es nicht, Corona wird uns noch lange begleiten. Das zeigt schon nur ein Blick in meine Agenda, die bis zum Spätsommer gravierende Veränderungen aufweist.

Hoffnungsvoll unterwegs

„Mir wäre egal, wenn die Kids erst wieder nach den langen Sommerferien in die Schule könnten, Hauptsache wir haben bald eine Perspektive“, meinte diese Woche ein Mami.

Natürlich gibt es auch viele andere Stimmen von Eltern, die nicht verstehen, warum die Kinder nicht schon nächsten Montag wieder zur Schule können. Doch im Grundsatz glaube ich, geht es vielen von uns genau so: Die Ungewissheit nagt sehr stark an uns. Wenn wir eine Perspektive haben, selbst wenn es nur ein langsamer Ausstieg aus der Isolation ist, gibt Hoffnung, macht Mut.

Nun gibt es eine solche Perspektive. Und das ist gut so.

Trotzdem wird uns die Ungewissheit bei diesem fiesen Virus noch lange begleiten. Zu vieles scheint unberechenbar, unkontrollierbar.

Warten ohne Hoffen ist die Hölle.

So lese ich es in der NZZ am Sonntag vom Ostersonntag.

Die Hoffnung ist eine unheimlich starke Kraft. Hoffen, optimistisch in die Zukunft zu blicken, ist sogar eine Glücksaktivität.

Unser Hoffen muss dabei aber immer auch mehr sein als ein zwanghaftes positives Denken. Es geht nicht darum, Dinge schön zu reden, die beim besten Willen nicht schön sind.

Es wird nicht einfach alles gut nach Corona!

Nein, leider nicht. Es hat bereits viel, in einigen Ländern sehr viele, Tote gegeben. Und noch mehr wird es „wirtschaftliche Leichen“ geben. Auch da bin ich dankbar, darf ich in einem Land mit so guten Einrichtungen und Sozialleistungen leben und bin nicht einer von Millionen Amerikanern, die jetzt vor dem Nichts stehen.

Schmerz und Leid werden vermutlich in den nächsten Wochen noch zunehmen. Doch meine Hoffnung geht über diese Zeit hinaus:

Es kommt der Tag, da spielen Kinder wieder fröhlich auf dem Schulhof zusammen!

Es kommt der Tag, da wird in unseren Gärten wieder laut gelacht, Gemeinschaft genossen und das Leben gefeiert.

Es kommt der Tag, da werden unsere Söhne (und Töchter) wieder stolz ihre Teamtrikots tragen und dem runden Leder hinterherjagen.

Es kommt der Tag, da werden wir Sitzungen wieder mit Menschen satt mit Maschinen abhalten.

Eine Hoffnung, die mich trägt

Und selbst wenn ich dies alles nicht mehr erleben dürfte, lebt in mir eine Hoffnung, die grösser ist als all das.

Oder wie es unsere Tochter allen Nachbarn in einem Osterpräsent geschrieben hatte: „Egal was auf unserer Welt gerade los ist – Ostern ist grösser!“.
(By the way: Man fragt sich ja als Eltern immer, ob man in der Erziehung auch etwas richtig gemacht hat. Solche Momente, wenn du merkst, dass deine Tochter in völliger Eigeninitiative eine solche Botschaft weitergibt, macht einem da sehr versöhnt …)

Durch Ostern erscheint alles in einem anderen Licht. Unsere Hoffnung hat einen Namen und ist begründet: Das Leid hat nicht das letzte Wort, das Leben hat über den Tod triumphiert.

Im christlichen Glauben wird das vermeintliche Ende zum Anfang. Und das gibt mir Mut und Hoffnung.

Mit dem Glauben an die leibliche Auferstehung, Höhepunkt von Ostern, behauptet das Christentum: Die Sehnsucht nach wahrer Liebe und Gerechtigkeit ist kein Hirngespinst. So, wie der körperliche Durst darauf hindeutet, dass es Wasser gibt, um diesen Durst zu löschen, so deutet der seelische Durst nach wahrer Liebe und Gerechtigkeit darauf hin, dass diese existieren.

So hast es Giuseppe Gracia in der Osterausgabe der NZZ am Sonntag treffend geschrieben.

Glücksaufgabe

Auf was freust du dich jetzt schon, wenn der Lockdown zu Ende ist? (Wäre es womöglich gut, wenn du dir jetzt schon versprichst, genau dafür dann auch wirklich Zeit und Raum zu schaffen?)

Welche Hoffnung trägt dich durchs Leben?

Gott, warum nur?

»Warum lässt Gott das zu?«

Diese Frage begleitet jede Krise. Und wenn die Krise, wie die aktuelle, eine weltumspannende ist und am Ende wohl jeder Erdenbürger irgendwo mit den Folgen dieser Krise konfrontiert wird, stellt sich die Frage nach dem scheinbar passiv zuschauenden Gott erst recht.

Obwohl: Ich hätte da noch ganz andere Warum-Fragen an den lieben Gott.

Ob Klimanotstand, Corona-Krise, Hungersnöte oder viele weitere Tragödien dieser Welt – wenn wir ehrlich sind, ist es zu einfach, wenn wir die Schuld daran einfach Gott in die Schuhe schieben wollen.

Vieles ist selbstgemacht! Unser exzessiver, ausbeuterischer Lebensstil geht auf Kosten von anderen!

Auf Kosten von Menschen, die nicht dieselben Mittel haben wie wir – oder ganz einfach nicht das Glück hatten, in diesem Teil der Erde geboren worden zu sein.

Auf Kosten von Tieren, die wir nur züchten, um sie dann abzuschlachten und auf unseren Speiseplan zu setzen. (Ich liebe ein gutes Stück Fleisch und bin alles andere als ein Vegetarier, verschweige denn ein Veganer. Doch langsam aber sicher hab ich „die Schnauze voll“ von unserer allgegenwärtigen Masslosigkeit – wir sehen ja, wo uns das hinführt!)

Auf Kosten der Natur, die ihr Gleichgewicht verliert, während wir immer mehr „unser Ding“ durchziehen.

Also, bitte hören wir auf, Gott für etwas verantwortlich zu machen, was wir selber ganz prächtig vergeigen.

Für mich stellt sich die „Warum, Gott?“-Frage weniger bei diesen grossen Krisen, die viel mit unserem Lebensstil zu tun haben. Was mich aber beschäftigt, sind die vielen Einzelschicksale, wo Menschen alles verlieren, was sie hatten. Wo Menschen durch nichtenden wollende gesundheitliche Wüsten gehen. Wo Kinder einfach am falschen Ort auf dieser Welt oder auch einfach in der falschen Familie geboren werden – und dann ein Leben auf der Flucht, im Hunger oder in psychischem oder physischem Missbrauch ausgesetzt verbringen müssen.

GOTT, WARUM LÄSST DU DAS ZU? WARUM MÜSSEN DIESE SCHWÄCHSTEN DER SCHWACHEN SO VIEL LEID ERFAHREN?

Da fehlen mir die Argumente, es gibt nur unzureichende Antworten.

Ein Gott, der sich selbst hingibt

Aufgrund der Corona-Krise wird dieses Jahr auf der ganzen Welt das wichtigste Fest der Christenheit anders gefeiert: Die Kirchen bleiben leer. Einige haben dazu gesagt: Das passt doch, das Grab war an Ostern auch leer.

Und vielleicht ist es ganz gut, dass so vieles anders ist als sonst. Das lässt hoffentlich der Frage mehr Raum, was es denn mit diesem christlichen Fest auf sich hat.

Die „Warum lässt Gott das zu?“-Frage könnten wir auch an Karfreitag stellen: Warum nur lässt Gott seinen eigenen Sohn diesen quälenden Tod am Kreuz erleiden?

Es sah aus wie die sichere Niederlage. Die Soldaten spotteten: Wenn du wirklich Gott bist, dann zeig es jetzt! Anderen hast du geholfen – und jetzt das …

Auch was von Jesus überliefert ist, schmeckt irgendwie nach bitterer Niederlage:

Gegen drei Uhr rief Jesus laut:
»Eli, Eli, lema sabachtani?«
Das heisst übersetzt:
»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«
(Die Bibel, Markus 15,34)

»Warum, Gott?«

Die theologische Antwort darauf fällt unterschiedlich aus. Was wir mit Bestimmtheit wissen: Was an Karfreitag im Kleid einer sicheren Niederlage daher kam, wurde am Ostersonntag in den grössten Sieg dieser Welt verwandelt!

In Zeiten wie diesen wird uns erst recht bewusst, wie sehr wir den auferstandenen Jesus nötig haben, der zu seiner Zeit alles heil machen wird, was jetzt krank und zerbrochen ist.

Glücksaufgabe

Was bedeuten Karfreitag und Ostern für dich? Dass Gott sich selbst verletzlich machte, ist auch heute noch von Bedeutung. Gib Ostern die Chance, mehr als ein schönes Osterhasen-Familienfest oder der höchste christliche Feiertag zu sein. Für Gott wurde es persönlich, lass es auch für dich persönlich werden!

Diese Woche habe ich bei Richard Rohr eine spannende Bedeutung von Karfreitag gelesen:

Für uns ist Jesus nicht gekommen, um Gott in seinem Urteil über die Menschheit umzustimmen, sondern um die Menschheit in Bezug auf Gott umzustimmen. Das ist ‚einfach und schön‘, wie Einstein es von jeder grossen Wahrheit verlangt hat.

Willkommen im Lockdown-Alltag

Diese Tage zeigen in aller Deutlichkeit: Wir leben in einer sehr verletzlichen Welt. Was sich vor einigen Wochen kaum jemand hätte vorstellen können, ist heute Tatsache und das gesellschaftliche Leben steht still.

Wie geht es dir dabei?

Ich meine, tief in deinem Innern.

Nach dem allgemeinen Chaos und der teils surrealen Hektik der ersten Lockdown-Tagen ist inzwischen vielerorts sowas wie „Ausnahmezustand-Alltag“ eingekehrt.

Reagierte anfangs jeder auf seine eigene Art reflexartig  auf die Krise („Wo gibt es WC-Papier??“ oder  „Ach was, das ist alles halb so schlimm. Ich bleib doch sicher nicht zuhause!“),  stellen sich nach den ersten Wochen Lockdown grundsätzlichere Fragen:

Wie organisiere ich einen gewissen Alltag in diesem abnormalen Zustand?

Drei Wochen Fernunterricht war ja noch einigermassen lustig, aber wie schaff ich das die nächsten X Wochen?

HomeOffice – das geht, ich bin effizienter als im Grossraumbüro und die Video-Konferenzen bringen mal etwas Abwechslung in den sonst ewiggleichen Büroalltag. Doch: Wie ist es mit den nicht zu unterschätzenden emotionalen Beziehungen im Team? Was, wenn das „ungute Bauchgefühl“ nicht im persönlichen Kontakt ausdiskutiert werden kann? Ich vermute, dass da bei allen technischen Möglichkeiten nichts die persönliche Begegnung wirklich ersetzen kann.

Und wie finden alle die Familien, die nun so überhaupt nicht entschleunigen können (Wer hat sich diesen Witz ausgedacht? 4 Zimmer Wohnung, 2 Notebooks, 3 Kinder, die sich um Zimmer und Computer streiten, ein Vater, dessen Omnipräsenz zuhause nicht gerade zur Deeskalation beiträgt und eine Mutter die im Dreieck springt – wer kann da entschleunigen und mal in aller Ruhe ein gutes Buch lesen?!?!), zu einem Familienalltag, der mindestens gleichviel Lust- wie Frustmomente enthält?

Wie gelingt es mir, in dieser Zeit abzuschalten?

Während meine Tage gar nicht so viel anders sind als sonst, spüre ich abends einen massiven Unterschied: Vor Corona waren, bedingt durch meine diversen Mandate, fast alle Abende mit Sitzungen oder Anlässen besetzt. Und wenn ich mal zuhause war, dann hatte bestimmt meine Frau einen Kurs oder eines unserer Kinder war im Training oder Ausgang …

Jetzt sind wir jeden Abend alle vier daheim. Wie schön! Endlich zusammen Abendessen geniessen, lachen beim gemeinsamen Spielabend, Familien-Jahrbuch der letzten zwei (oder waren es drei) Jahren nachführen.

In der perfekten Familie ist das so. Wir sind keine perfekte Familie. 12 Minuten gemeinsam essen, dann gehen die Kids in die selbst gewählte Zimmerisolation während sich Frau und Mann aufs Sofa knallen und einmal mehr die Tagesschau reinziehen.

Naja, wir haben mindestens noch Entwicklungspotenzial und so wie es derzeit ausschaut, geht das Übungsfeld ja noch eine Weile weiter.

Bevor ein falscher Eindruck entsteht: Es gibt sie durchaus auch bei uns – wie bei dir sicher auch! – die schönen Momente, wo wir uns am Zusammensein freuen, als Familie oder als Paar. Aber sie sind manchmal ganz kurz und darum muss man sie bewusst sehen wollen und dankbar sein für die Zweisamkeit beim schönen Film oder die Gemeinschaft als Familie beim Pizzaabend.

Was macht die Krise mit meiner Seele?

Es ist offensichtlich: Abschalten gelingt nicht automatisch.  Ich merke, dass ich gerade noch mehr als sonst für meine wöchentlichen „Stillen Stunden“ (Tagebuchschreiben, reflektieren, lesen, beten) kämpfen muss als sonst.

Und jetzt noch eine Stufe tiefer: Was macht das Ganze eigentlich mit meinem Bild von der Menschheit, von der Welt und von Gott?

Die Krise ist auch eine Einladung, uns dieser Verletzlichkeit der Gesellschaft, aber auch der Verletzlichkeit des Selbst zu stellen.

Was bleibt in meiner Seele übrig, wenn mir der normale Alltag genommen wird? Wo offenbaren sich Sinn und Unsinn in meinem Leben?

Und wo verändert sich durch die Krise sogar mein Gottesbild? Was macht Corona mit meiner Gottesbeziehung?

Sich der Sinnfrage zu stellen, ist ein wichtiger Pfeiler vom persönlichen Glück. Vielleicht ist die Krise trotz allen Herausforderungen vor allem eines: Eine Einladung an uns, der Sinnfrage Raum zu geben.

Glücksaufgabe

Sinnhaftigkeit und eine gelebte Spiritualität sind wichtige Pfeiler für ein glückliches, erfülltes Leben. Oder in der Sprache des GlückBuchs: Die Spiritualität ist der Wind im Windrad.

Vielleicht ist die kommende Osterwoche ja eine gute Möglichkeit, sich bewusst in diesen Wind zu stellen. Hilfestellungen dazu gibt es viele, eine könnte beispielsweise der Artikel Glück über mich hinaus sein.

Eindrückliche Liebesgeschichte

Letzten Sommer las ich in einer Zeitschrift eine Porträt über Fritz und Bethli Gugger – und war sofort fasziniert von diesem Paar, das auf über 50 Ehejahre und ein  abenteuerliches (Liebes)Leben zurückblicken kann.

Ich wollte sie kennen lernen und von ihnen erfahren, wie man mit 80 Jahren dankbar und glücklich leben kann. Und wie man es schafft, über 50 Jahre „glücklich verheiratet“ zu sein.

Gestern war es nun soweit: Ich durfte im Rahmen vom Format Chäs, Brot, Wy – und mini Gschicht mit Gott einen Talk mit den beiden führen.

Und sofort wurde bestätigt, was ich erwartet hatte. Das Ehepaar strahlt eine Lebensfreude aus, die ansteckend wirkt. Ihre Achtung voreinander und vor Menschen überhaupt, scheint ein zentraler Schlüssel in ihrem Leben zu sein. Durch kleine Aufmerksamkeiten werden sie zur Ermutigung für andere.

So zum Beispiel für meinen kürzlich verstorbenen Grossvater, was ich erst kurz vor dem Gespräch erfahren hatte: Bei meinem Grossvater wurden zahlreiche Postkarten von Guggers gefunden. Immer wieder, bis zu seinem Tod, durfte er sich an einem Feriengruss von Fritz & Bethli erfreuen.

Für andere da sein

Überhaupt zieht sich das Engagement für Mitmenschen wie ein roter Faden durch das Leben von Guggers: Als Lehrlingsbetreuer in Indien, Adoption von Niklaus Samuel (heutiger Nationalrat Nik Gugger), Heimleiter in einem Altersheim, Leitung einer Missionsstation in Costa Rica.

Sich in den Dienst einer grösseren Sache stellen, aus der Dankbarkeit heraus für andere Menschen zum Segen werden, das ist ganz bestimmt ein Erfolgsfaktor für eine tragfähige Partnerschaft.

„Wir arbeiten gerne zusammen und ergänzen uns gut“, sagen die beiden. Das kenne ich selbst aus meiner Ehe. Wir haben das Privileg, als Paar gemeinsam in ganz viele Projekte involviert zu sein. Wie neulich, als wir an einer Tagung zu zweit ein GlücksReferat halten durften. 

Es ist ein Vergnügen, wenn man als Paar gerne und gut zusammenarbeiten kann, sich ergänzt und dabei immer mal wieder auch einen Flow erleben darf. So ist man nicht „bloss“ eine Ehepaar, sondern auch ein Team mit einer gemeinsamen Vision.

Team mit Vision

Mit gemeinsamen Arbeitsprojekten wird man automatisch zum Team, doch das ist nicht für jedes Paar möglich oder empfehlenswert – vielleicht klappt das mit der Zusammenarbeit und Ergänzung nicht wirklich und führt nur zu Konfliktstoff. Dann lässt man dies besser.

Doch der Paaralltag bietet auch sonst genug Möglichkeiten, sich als Team mit Vision zu verstehen: Was wollen wir gemeinsam erreichen? Was soll über unserem Leben, über unserer Ehe stehen? Welche Träume wollen wir gemeinsam anpacken?

Gemeinsames Fundament

Guggers machen kein Geheimnis daraus, dass ihnen gemeinsame Interessen wie Sport oder Musik zu „gwaggelig“ (zu unstabil) seien. So toll dies auch sei, für sie braucht es für eine glückliche Ehe ein tragfähigeres Fundament: Den Glauben miteinander teilen zu können und auch gemeinsam zu beten, das sei für sie das, was am Ende (durch)trägt.

Das heisst nicht, dass man Meinungsverschiedenheiten aus dem Weg geht. Nein, wer sich achtet, der kann es auch aushalten, wenn der Partner die Welt nicht immer durch die selbe Brille anschaut.

Es war wunderbar, dieses positive Paar kennen zu lernen. Ich habe ein neues Vorbilder für meine Ehe und mein Leben gefunden.

Glücksaufgabe

Bald ist Valentinstag, doch unsere Paarbeziehungen verdienen eine grössere Investition als der jährliche Blumenstrauss am 14. Februar. Wie kannst du dich in deine Partnerschaft einbringen, damit auch ihr Lebensfreude ausstrahlt?

Liebe in Mitten von Schutt und Asche

Man bleibt ja in den Sozialen Medien immer mal wieder an einem Video-Clip hängen. Einige bescheren einem einen kurzen witzigen Moment, anderen treiben einem Tränen in die Augen.

Und ganz viele weitere sind nicht mehr als Zeitfresser und halten uns von Begegnungen in der wirklichen Welt oder von unserer Arbeit ab.

Dieser Clip hier hat mich einerseits berührt und anderseits macht er mich irgendwie auch traurig. Schau selbst in den kurzen Clip, der unseren Umgang mit emotionalen Wunden beschreibt:


Hätte der Clip einen anderen Schluss, könnte er uns an die Karfreitags-Botschaft erinnern.

Natürlich würden ganz viele Menschen mit Haustieren bestätigen, dass ihr Hund oder ihre Katze ihnen auf wundersame Art helfen, mit emotionalen Verletzungen umzugehen.

Trotzdem macht mich der Clip traurig, vielleicht weil er mich daran erinnert, was ich auch sonst als Tendenz beobachte: Es gibt so viele super Aktionen und Aktivitäten, vom Happy Café über Kurse zur Steigerung der Lebensfreude bis zum von der UNO-Hauptversammlung 2012 eingeführten Weltglückstag, um daran zu erinnern, dass es ein Wohlergehen gibt, das über den materiellen Wohlstand hinausgeht.

Ich freu mich aufrichtig an diesen guten Aktionen. Und gleichzeitig werde ich traurig, wenn wir dabei in die Selbstoptimierungs-Falle tappen und der materiellen Leistungsgesellschaft mit einer, nennen wir es einmal emotionalen Leistungsgesellschaft entgegentreten wollen.

Ich will unbedingt mehr Mitmenschlichkeit, Liebe statt Eifersucht, Freude statt Angst, Hoffnung statt Resignation, Gemeinschaft statt Egoismus.

Ich glaube, dass wir Glück für uns und unsere Mitmenschen finden können. Und ich weiss, dass wir ganz viel zu unserer eigenen Lebenszufriedenheit und emotionalen Gesundheit beitragen können – natürlich, sonst hätte ich ja auch nicht ein Buch darüber geschrieben.

Doch, was ich in meinem Buch auch nicht verheimliche: Ich bin zutiefst überzeugt, dass unsere Seele nach einem göttlichen Gegenüber verlangt. Eine Liebe, Hoffnung, Versöhnung, Gnade, die nicht von Menschenhand gemacht sind.

Der Mensch kann viel – aber er ist nicht fähig, dieses Vakuum der Seele zu stillen. Weil all unsere Versuche nach Selbstoptimeriung, vollkommener Liebe, reiner Mitmenschlichkeit und grenzenlosem Versöhntsein ab einem gewissen Punkt ins Leere laufen werden. Scheitern vorprogrammiert.

Der Brand von Notre Dame als Erinnerung

Schutt und Asche – und Mitten drin das leuchtende Kreuz. Was für eine Erinnerung in dieser Karwoche.

Notre Dame mag abbrennen, aber das Symbol der göttlichen Liebe steht nach wie vor.

Unser Versuch, mehr Liebe und Hoffnung in diese Welt zu bringen, mag grandios scheitern, aber seine Liebe bleibt bestehen und zählt ganz persönlich für uns.

Das Projekt „World Peace“ ist einige Schuhnummern zu gross für uns. Ein friedliches Zusammenleben aller Menschen kann nicht funktionieren. Wie auch, wenn wir es nicht mal schaffen, mit uns selbst in Frieden zu leben? Geschweige denn mit unseren Nächsten, dem Fremden – allen?!

Darum brauchen wir bei allen guten Versuchen zu mehr Wohlbefinden, Mitmenschlichkeit, Lebensfreude und Zufriedenheit diesen göttlichen Frieden, den die Bibel Shalom nennt, der möglich wird, weil nicht wir ihn erschaffen müssen, sondern weil er uns geschenkt ist!

Das ist Karfreitag: In Jesus ging Gott selbst den Weg, den wir trotz gutgemeinten Bemühungen nicht schaffen können. Er nahm die „schwarzen Flecken“ von uns, unseren Mitmenschen und von der ganzen Welt auf sich – damit wir in Frieden leben können.

Glücksaufgabe

Karfreitag und Ostern sind wunderbare Feiertage – paar Tage frei, Zeit für Familie, Frühlingssonne geniessen … Wunderbar!

Und was machen wir mit dem göttlichen Friedensangebot? Nutz doch die freie Zeit auch, um darüber nachzudenken, ob du auf deiner Reise zu mehr Lebenszufriedenheit ganz alleine auf dich setzt oder ob du mit mir einig gehst, dass unsere Seele auf dieses göttliche Gegenüber angewiesen ist.

Vielleicht hilft dir dieser Clip dabei – es ist nicht unser Haustier, das die „schwarzen Flecken“ der Welt tragen kann:

 

 

Die Stürme des Vaterseins

Wir Eltern sind ja manchmal ganz schön irrational, wenn es um unsere Kinder geht. Das beobachte ich durch alle Gesellschaftsschichten hindurch. Ich denke zum Beispiel an eine Kinderärztin, die sich gewohnt ist, im Notfall rasch und rational zu agieren. Und das tut sie auch. Normalerweise. Wenn es nämlich um ihre eigenen Töchter geht, ist diese intelligente Frau plötzlich wie verwandelt: Sie ist zutiefst unsicher und beängstigend hilflos.

Dieses Phänomen lässt sich auch bestens an der Schule erkennen: Da spielt es keine Rolle mehr, ob jemand Verkäufer, Familienfrau, Psychiater oder Serviceangestellte ist. Wenn es um die eigenen Kinder geht, sinkt die Fähigkeit zur Selbstreflexion in den Keller und es wird mit fragwürdigen Mitteln für jeden erdenklichen Vorteil des eigenen Nachwuchses gekämpft.

Natürlich kenne ich als Vater solche Situationen auch. Da wird mein Sohn zu Recht oder zu Unrecht angegriffen und es ist, als würde jemand in mir den „Turbo Booster“ drücken. Innert Sekunden fühlt es sich an, als würde ich zum wilden Tier mutieren. In einem solchen Moment hat ein Hauswart einmal all meine Aggressionen verbal zu spüren bekommen. Dieser stand ganz erschrocken neben mir, weil er mich noch nie derart in Rage erlebt hatte.

Ein anderes Mal sass ich in unserem Garten, während mein Sohn mit einem Freund auf dem Gemeinschaftsrasen Fussball spielte. Wenn kleine Jungs leidenschaftlich spielen, gibt es natürlich auch entsprechende Nebengeräusche – aber es ist ja Mittwochnachmittag und aus Sicht des Vaters liegt der Lärm im normalen Toleranzbereich. Der Nachbar auf dem Balkon des 2. Stockwerks sah dies anders, brüstete sich auf und schrie meinen Sohn an mit Worten, die wir hier lieber nicht wiedergeben wollen.

Inzwischen sass ich natürlich auch nicht mehr ruhig in meinem Garten und wies meinen Nachbarn „in aller Liebe“ darauf hin, dass die Kinder doch am Mittwochnachmittag hier spielen dürften.

Spannend finde ich, was es in uns als Väter (und Mütter) auslöst, wenn unser Kind schlecht behandelt oder kritisiert wird. Wahrscheinlich ist ja diese Reaktion genauso „von der Natur“ gedacht, damit wir unsere Kinder bei einem Angriff mit aller Kraft verteidigen.

Nur leben wir aber inzwischen nicht mehr in der freien Natur und ich musste meine Kinder bis jetzt noch nie vor einem Raubtier beschützen. Und da frage ich mich, wie ich mit diesen teils sehr irrationalen Gedanken und Gefühle konstruktiv umgehen kann. Ich will ja eigentlich nicht zum Tier mutieren, wenn ich den Eindruck habe, meine Tochter wird von ihren Lehrpersonen ungerecht behandelt.

Ich habe die Lösung noch nicht (abschliessend) gefunden und ich vermute, dass der „Turbo Booster“ Teil meines Vaterseins bleibt – mindestens bis unsere Kinder volljährig sind. Was ich aber schon herausgefunden habe: Wenn ich zu lange kein persönliches Timeout habe, werde ich viel schneller reizbar und stehe in Gefahr zur Überreaktion.

Mein persönliches Timeout, meine wöchentliche Tankstelle, hilft mir Stress abzubauen und die Alltagsprobleme mit etwas Distanz aus einer anderen Perspektive zu sehen. Es sind meine 2-3 Stunden, in denen ich Stille geniesse, mir Zeit fürs Lesen, Beten und Tagebuchschreiben gönne. Dieses Timeout hält mich – in der Regel – auch in stürmischen Zeiten über Wasser.

Glücksaufgabe

Diese Timeouts und Tankstellen sind ja oft umkämpft und stehen in Konkurrenz mit all den Aktivitäten, die wir am Laufen zu halten haben. Trotzdem: Wo kannst du dich – auch wenn es nur für paar Minuten ist – regelmässig aus der Alltagshektik herausnehmen, um die innere Balance nicht zu verlieren?

 

Diesen Artikel erschien zuerst im Magazin Family, wo ich in der Rubrik Tankstelle regelmässig über meine „Vatergefühle“ schreibe.  

Unser Happy Day

Wer an der Küste bleibt, kann keine neuen Ozeane entdecken.
Ferdinand Magellan

Das war ein ganz besonderes Familienerlebnis: Wir durften Teil der TV-Show Happy Day von SRF Schweizer Radio und Fernsehen sein. Mich fasziniert es, Hinter die Kulissen von solchen grossen Projekten zu sehen, Teil von etwas Grossem zu werden und spannende Leute kennen zu lernen. Es ist eine willkommene Abwechslung zum Alltag.

Und genau diese Horizonterweiterungen will ich auch meiner Familie, meinen Kindern weitergeben. Es ist eine Form, wie ich als Vater unseren Familienalltag versuche zu bereichern. Und genau das, das aktive Gestalten vom Ehe- und Familienleben ist eine weitere Glücksaktivität – genau wie Dankbarkeit, Achtsamkeit, Grosszügigkeit und all die anderen Glücksaktivitäten, mit denen wir unser Glück nachhaltig steigern können.

Unser Sohn versuchte schon mehrfach den Stock des Eishockeytorhüters seines Lieblingsclubs zu erhalten. Als wir an seinem Geburtstag einen Match besuchten, gestaltete er ein Plakat mit dieser Bitte darauf. Leider ging Jonas Hiller nicht darauf ein.

So dachten meine Frau und ich, vielleicht könnte uns Happy Day weiterhelfen. Schliesslich werden hier Wünsche wahr gemacht. Und tatsächlich: Unsere Anfrage, unserem Sohn seinen Wunsch zu erfüllen, wurde positiv aufgenommen.

So sassen wir also letzten Samstag im Fernsehstudio – meine Frau, ich und unsere Tochter etwas nervös, weil wir wussten, was kommt. Unser Sohn hingegen genoss es nichts ahnend, bei einer Livesendung zuschauen zu dürfen. Dass er selbst gleich Teil der Show würde, hatte er überhaupt nicht auf dem Radar.

Dementsprechend war er dann verdutzt, als Röbi Koller, der Moderator, seinen Namen aufrief und Janosch zusammen mit mir auf dem Sofa Platz nehmen durfte. Jetzt waren wir beide nervös … Und hinterher um eine tolle Erfahrung reicher. Stolz trug Janosch den Stock von Hiller ans Apéro, wurde von den anderen Gästen angesprochen und genoss den Augenblick.

Wer an der Küste bleibt – oder in seiner Komfortzone verharrt, nichts wagt, nie etwas Neues ausprobiert – der wird auch keine neuen Ozeane entdecken.  Ferdinand Magellan (eigentlich Fernando de Magalhaes), der portugiesische Seefahrer und Namensgeber der Magellanstrasse aus dem 15. Jahrhundert, wusste von was er da spricht.

Ein Mensch, der sein Glück gestaltet, bleibt neugierig wie ein Kind. Es ist traurig und unserem Glück nicht förderlich, wenn mit dem Alter der Entdeckergeist in uns abnimmt. Es gibt immer Neues zu entdecken!

Und genauso ist es wichtig, dass wir in unserer Partnerschaft und in unserem Familienleben neugierig bleiben. Zusammen mit Kind und Partner Neues entdecken. Oder Neues an mir selbst entdecken. Und offen sein für Neuentdeckungen bei Partner und Kinder: Vielleicht erforschen wir ein neues Talent oder Wesenszüge kommen zum Vorschein, die wir bisher noch gar nicht wahrgenommen hatten.

Glücksaufgabe

Was könnte dein (Familien)Alltag erfrischend bereichern? Welche Neuentdeckung und Horizonterweiterung kannst du in diesem Monat für dich, mit deinem Partner oder als ganze Familie einplanen?

 

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Bald ist UNO-Tag des Glücks (20. März). Wem könntest du das GlücksBuch schenken?

Geniales Saisonfinale

Während die Mutterenergie unserem Sein durch Liebe und Geborgenheit Wurzeln wachsen lässt, bringt uns die Vaterenergie zum Fliegen.
Stefan Gerber (in: Glück finden – hier und jetzt)

Neulich sind wir geflogen, mein Sohn und ich. Nicht im wörtlichen Sinn, aber es fühlte sich schon sehr nach Fliegen an.

Gemeinsam glitten wir abseits der Skipiste über den gefrorenen Frühlingsschnee – es war wunderbar. Und es war genauso eine Situation, die ich meine, wenn ich davon schreibe, dass uns die Vaterenergie zum Fliegen bringt.

Weil die Familien-Saisonkarte im Vorverkauf günstiger ist, als die Wochenkarte für unsere Skiferien, sind wir seit einigen Jahren stolze Besitzer einer Saisonkarte im für uns schönsten Skigebiet (Silvretta Montafon). Und so kommt es vor, dass wir im Winter neben den fest eingeplanten Skiferien auch ein bis zwei weitere Male ins Montafon reisen.

Dieses Jahr war es die perfekte Saison: Wunderschöne Skiferien – super Wetter, super Schnee, super viele Stunden auf den anspruchsvollen Pisten (an einem Tag schaffte ich meine Lieblingsschwarzesennigratpiste gleich über ein Dutzend Mal).

Neben den Skiferien gab es zwei absolut geniale Kurztrips, die beide mit diesem Fliegen und der Vaterenergie zu tun hatten: Nach einem tollen Referentenweekend in der Ostschweiz holte mich mein Vater nach dem letzten Einsatz ab und gemeinsam verbrachten wir danach zwei wunderbare Tage im Montafon.

Was für eine schöne Vater-Sohn-Zeit: Stunden vom Diskutieren, tolles Skifahren, feines Essen. Das hat uns wirklich zum Fliegen gebracht und unsere Beziehung gestärkt. Ich geniesse es, einen immer noch jungen (oder sollte man inzwischen sagen „jung gebliebenen“?) Vater zu haben, der ernsthaft interessiert Anteil an meinem Leben nimmt und mit dem ich aktiv etwas unternehmen kann.

Und zum Saisonabschluss war ich nun also mit meinem Sohn für zwei Tage auf den Skipisten. Es war einfach genial und solche Papi-Sohn-Zeiten sollten eigentlich ins Pflichtprogramm von jedem Vater gehören. Sie tun einfach beiden gut!

Es muss ja nicht gleich das Ski-Weekend sein, aber schön ist es schon, wenn das möglich ist: Frühmorgens geht die Reise los, gemeinsam den Stau am Gubrist ausstehen, dann rauf auf den Berg, sich einigen, welche Skipisten gefahren werden, mitgebrachtes Sandwich geniessen, Hotel suchen, gemeinsam einchecken, Abendprogramm festlegen … All das sind wertvolle Erfahrungen und das gemeinsame Erleben dieser Dinge schweisst unheimlich zusammen.

Und so richtig zum Fliegen brachte uns eben am zweiten Tag, als wir gemeinsam abseits der Piste praktisch für uns alleine unsere Kurven in den Hang ziehen konnten. Erst wollte mein Sohn nicht – er hatte grossen Respekt davor, die Piste zu verlassen. Ich konnte ihn damit überzeugen, dass andere vor uns da auch schon durchfgefahren sind. Zuerst war vor allem Gleiten und Schieben angesagt – mein Sohn wollte schon fast aufgeben, es war ihm zu anstrengend, der Stock war kaputt und überhaupt hatte er einfach Bedenken, was da noch auf uns warten würde.

Es brauchte schon einiges Zureden von mir (und ich wusste ja selbst nicht, was genau da noch kommen würde). Schliesslich standen wir dann oben an einem schönen Hang: nicht zu steil, aber doch so, dass wir einige schöne Kurven ziehen konnten. Und danach ging es zurück an einem Bach entlang zur Skipiste. Es war fantastisch und am Ende war auch mein Sohn überzeugt, dass sich der Ausflug neben die Piste lohnte.

Ich traute meinem Sohn etwas zu, dass er sich selbst nicht zutraute. Und gemeinsam erlebten wir etwas, das für ihn Neuland war. Ich bin überzeugt, dass genau diese Dinge unsere Kinder zum Fliegen bringen. Und dafür sind wir Väter verantwortlich!

 

Im GlücksBlog schreibe ich zu den fünf Bereichen, die zu einem Leben in Zufriedenheit gehören. Diese Woche geht es um den Bereich Erfülltes Liebes- und Familienleben.

 

Respekt für die "Waffeln"

Männer sind einfach gestrickte Geschöpfe,
die meisten brauchen nichts weiter als Respekt!

Richard Rohr

Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen – so habe ich Samstag bis Dienstag verbracht. Zuerst als Referent in zwei Kirchen, dann zusammen mit meinem Vater zwei wunderbare Skitage. Das tut gut!

Und zwar mehrfach: Der Respekt und die Anerkennung, die ich als Referent für mein Schaffen erhalte, beflügelt mich immer wieder. Da fühle ich mich in meinem Element, das ist mein „Pinguin-Moment„. Der Sprung ins Wasser (der Schritt auf die Bühne) braucht zwar auch nach vielen Jahren Erfahrung immer noch eine kleine Überwindung (Wird es hier auch funktionieren? Können die Leute mit dem, was ich sage, etwas anfangen? …), doch während dem Reden zu spüren, wie die Leute dabei sind und das gesagte dankbar aufnehmen, macht unheimlich viel Spass.

Nach dem Referieren gibt es immer gute Begegnungen und dankbar nehme ich den Respekt an, der mir entgegengebracht wird. Es geht mir nicht um Respekt im Sinn von unterwürfiger Ehrfurcht – das könnte dann schon fast „guruhaft“ verstanden werden. Nein, ich meine den gesunden Respekt, den wir alle – mindestens wir Männer – zwingend zum Atmen brauchen: Anerkennung für das, was wir tun.

Besonders schön war das Referieren letzten Samstag, weil wir es als Ehepaar machen durften. Wir sprachen über die Unterschiede von Mann und Frau. Als Bild brauchten wir dafür Waffeln (Männer) und Spaghetti (Frauen). In Anlehnung an das entsprechende Buch beschrieben wir, dass Frauen oft alle Themen miteinander in Verbindung bringen (wie ein Teller Spaghetti), während Männer in einzelnen Kästchen denken und handeln (wie die Struktur der Waffel).

Herrlich das selbstoffenbarende Lachen der über 40 anwesenden Paare. Hier und da entdeckte ich während dem Referieren ein bestätigendes Kopfnicken und auch die Reaktionen im Nachhinein zeigen, wie alltagsrelevant für viele Paare dieses Thema ist.

Es ist immer gefährlich, wenn wir Menschen „schubladisieren“: Männer sind … / Frauen sind … Nicht überall treffen die Beschreibungen zu, manchmal sind die Rollen sogar umgekehrt vorhanden. Tatsächlich prallen jedoch in einer Partnerschaft diese zwei unterschiedlichen „Energien“ – das Männliche und das Weibliche – aufeinander. Im schlimmsten Fall wird aus diesem Aufeinanderprallen ein Krieg der Geschlechter, im Idealfall wird es ein Zusammenspiel, eine wertvolle Ergänzung.

Ich bin meinem Coach (Georges Morand) noch immer dankbar dafür, dass er mich zu einem „Richard Rohr Leser“ gemacht hat. In seinem Buch Vom wilden Mann zum weisen Mann stellt Rohr das Konzept von Wurzeln und Flügeln vor. Die Mutterliebe erdet uns, schenkt uns Geborgenheit, verwurzelt uns. Die Vaterliebe traut uns etwas zu, fordert uns heraus, bringt uns zum Fliegen.

Und ich meine immer mehr zu beobachten, dass uns dieses Konzept auch eine Ahnung davon gibt, wie Männer und Frauen unterschiedlich Liebe auftanken:

  • Männer suchen Respekt:
    Sie fühlen sich geliebt, wenn sie Anerkennung für ihr Tun erhalten.
  • Frauen suchen Geborgenheit:
    Sie fühlen sich geliebt, wenn sie Annahme für ihr Sein spüren.

Ich weiss, dass mein Wert nicht abhängig von meinen Taten ist – ich bin geliebt (gerade auch von meinem himmlischen Schöpfer) auch ohne tolle Taten. Trotzdem gehört es zu meinem Mannsein, dass ich gerne etwas leiste und dafür Anerkennung ernten möchte. So wie ich es letztes Wochenende beim Referieren erlebte. Und so wie meine Flügel bei den schönen Skistunden mit meinem Vater weiter wuchsen: Wir flogen schier über die Pisten und in den gemeinsamen Gesprächen spürte ich Anerkennung für mein Tun.

Richard Rohr hat recht: Wir Männer sind ziemlich einfache Wesen …

Im GlücksBlog schreibe ich zu den fünf Bereichen, die zu einem Leben in Zufriedenheit gehören. Diese Woche geht es um den Bereich Erfülltes Liebes- und Familienleben.