Der Tisch

Ein Bild zog sich während der Studienreise, die ich im August in Chicago begleiten durfte, durch die ganze Woche: Der Tisch.

Gleich am ersten Tag sassen wir mit der Reisegruppe aus der Schweiz und Deutschland im riesigen Auditorium der Willow Creek Kirche und liessen uns von der Predigt Welcome to the Party von Eugene Cho inspirieren:  Wir sind eingeladen an den Tisch und aufgerufen, selbst Gastgeber zu werden.

Obwohl mein Englisch zu wenig gut ist, um auf Anhieb zu verstehen, was ein Potluck ist, begriff ich sofort, worauf Eugene Cho hinaus wollte: Unser Tisch soll farbig sein, soll vielfältig sein, soll von den Gaben und Originalität jedes einzelnen leben.

Dieser Potluck, diese bunte Party, zu der alle unorganisiert etwas mitbringen, ist ein Bild dafür, wie das Leben auch sein könnte: Wir alle werden zu Hosts, zu Gastgebern. Und die Qualität vom Ganzen lebt nicht davon, dass einer ein „Super-Held“ ist, sondern von der Summe der Beiträge von jedem Einzelnen.

Menschen Würde verleihen

Der eindrückliche Sozialbereich (Care Centre, CARS Ministry, Rechtsberatung …) zeigte uns an den folgenden Tagen, wie diese Kirche ganz konkret hilfsbedürftige Menschen zurück „an den Tisch“ einlädt.

Ich durfte diese Reise nun schon mehrmals begleiten. Immer wieder berührend für die Gruppe ist, dass hier trotz der unglaublichen Grösse nicht einfach hilflose Menschen abgefertigt werden. Nein, es wird konkret darauf geachtet, wie man diesen Menschen ihre Würde (zurück) geben kann.

Kleines Beispiel: Die secondhand (Kinder)Kleider werden nicht einfach gratis abgegeben, sie werden zu ganz günstigen Preisen verkauft. Die Überlegung dahinter: Die Eltern können mit erhobenem Haupt nach Hause gehen und zu ihren Kids sagen: „Schau mal, was ich heute für dich gekauft habe!“. Wie würdevoller ist dies, als wenn sie sagen müssen: „Schau mal, was ich für dich gekriegt habe!“.

In Chicago selbst wurden wir von der Emmaus Arbeit, die unter den Menschen am Männerstrich aktiv ist, herausgefordert, nicht nur Leute an unseren Tisch einzuladen, sondern den Menschen Würde zu verleihen, in dem wir die Einladung an „ihren Tisch“ annehmen – auch wenn es dort stinkt und ungemütlich ist.

Und schliesslich folgte auf diese Tage voller Eindrücke und Impulse als abschliessender Höhepunkt der Studienreise der zweitägige Global Leadership Summit. Geballte Lektionen auf höchstem Niveau im Bereich Leadership und Persönlichkeitsentwicklung für Social Entrepreneurs, CEOs, Pfarrer und überhaupt für Menschen, die ihre Verantwortung und ihren Einfluss ernst nehmen wollen.

Und was sagen da die Top-Führungskräfte wie zum Beispiel Ben Sherwood, Ex-Präsident von Disney ABC Television? „Meine grösste Leadership-Lektion war der Rat: ‚Only connect!'“, schloss er sein Referat. Es gehe im Miteinander und in der Mitarbeiterführung am Ende nur darum, zu verbinden, zu vernetzen, eine Beziehung aufzubauen.

Oder eben: Menschen an den Tisch zu bringen.

Und Dr. Krish Kandiah, der sich als Autor und Social Entrepreneur im Bereich Pflegefamilien für Kinder engagiert, erzählte, wie man ihm beibringen wollte: „Als Führungsperson musst du auch mal auf den Tisch klopfen können.“

„Nein, wenn das so ist, dann bin ich eben keine Führungsperson“, war seine Reaktion darauf. Statt auf den Tisch zu klopfen, will er ein Leader sein, der die Leute zu sich an den Tisch einlädt, sich mit Menschen verbindet, von anderen lernen will.

Was für ein Fest, wenn wir alle das Leben noch vielmehr als Tisch oder eben als Potluck begreifen, wo jeder das Leben der anderen mit seinem persönlichen Beitrag reicher macht.

Glücksaufgabe

Schau, dass du nicht alleine an deinem Tisch sitzt! Ob ganz konkret mit einem Essen oder im übertragenen Sinn als Führungsperson: Hol Leute an deinen Tisch! Verbinde dich mit deinen Mitarbeitenden, deinen Mitmenschen.

Unsere Gesellschaft und unsere Unternehmen brauchen nicht mehr Härte, wir brauchen mehr Wärme. Was ist dein Beitrag dazu?

 

Wertschätzung gegen den Stress

Bei jedem vierten Arbeitnehmer in der Schweiz liegt das Stressniveau im kritischen Bereich:

Die neueste Erhebung des Job-Stress-Index in der Schweiz zeigt, dass der Anteil der Personen mit mehr Belastungen als Ressourcen leicht gestiegen ist; von 25,4% (2016) auf 27,1% (2018).

Quelle: Gesundheitsförderung Schweiz

Stress am Arbeitsplatz hat viele Ursachen. Weniger oft als erwartet, ist es die Arbeitsmenge als solches. Viel öfters liegen die Stressoren im zwischenmenschlichen, emotionalen und psychologischen Bereich.

Wenn ich von meinen Arbeitskollegen geschnitten werde, löst das mindestens so viel Stress aus, wie wenn ein Team mit zu wenig Ressourcen in zu kurzer Zeit zu viel Aufträge zu verarbeiten hat.

In einem sehr lesenswerten Interview der NZZ am Sonntag (26. Mai 2019) gibt Arbeitspsychologe Prof. Norbert Semmer zu diesem zwischenmenschlichen Stressor zu bedenken:

Isolation ist ein wichtiger Stressfaktor. Hat man das Gefühl, man werde übergangen, dann fühlt man sich ausgeschlossen, und das löst Stress aus.

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) im Allgemeinen hat viele Facetten, genauso wie die Stressbekämpfung im Besonderen.

Beim Lesen des besagten Interviews hat mich fasziniert, wie Norbert Semmer Stress und Wertschätzung in Zusammenhang bringt. Jeder will gesehen werden! – wie wir wissen (siehe Blogartikel 16.05.2019). Und das hat sehr viel mit Wertschätzung, Zugehörigkeit und Vertrauen zu tun.

Fehlt die Wertschätzung, steigt der Stress. Fühle ich mich jedoch von meinem Chef und/oder von meinem Kollegen wertgeschätzt, sinkt auch das Stressniveau – selbst wenn die Arbeit als solches dadurch noch nicht kleiner wurde.

Jeder, der schon mal eine wertschätzende Teamkultur erleben durfte, würde bestätigen, dass man mit einem solchen Team bei weitem mehr Leistung erzielt – und sich am Ende sogar noch energiegeladener fühlt als bei weniger Arbeit in einem mittelmässigen Team.

Kreative Wege für echte Wertschätzung

Meinen Mitarbeitenden oder Kollegen Wertschätzung zu schenken, ist im Grunde nicht schwer – man muss es einfach tun. Trotzdem gilt es einige Regeln zu beachten.

Sei konkret!
Das immer gleiche Pauschallob „Toll gemacht!“ lutscht sich sehr schnell ab. Wenn wir eine Person jedoch „auf frischer Tat ertappen“ und sie zeitnah und konkret für ihre Ausstrahlung bei der Präsentation, ihr Feingefühl bei der Verhandlung oder ihr „Out-of-the-Box“-Denken beim Brainstorming loben, wird unsere Anerkennung als Wertschätzung ankommen und positive Spuren hinterlassen.

Schaffe Zugehörigkeit!
Verlieren tun wir als Einzelkämpfer, gewinnen tun wir als Team. Ein Topmitarbeiter falsch eingesetzt, erschwert jede Teamarbeit. Ein mittelmässiger Mitarbeiter richtig eingesetzt, macht aus ihm einen wertvollen Teamplayer. Somit ist eine wichtige Führungsaufgabe, für jede und jeden den richtigen Platz zu finden. Und dabei eine Kultur aufzubauen, in dem sich alle als geschätzter Teil vom grossen Ganzen verstehen.

Gib Verantwortung weiter!
Ich fühle mich wertgeschätzt, wenn mir jemand grosse Aufgaben zutraut.  Durch das Anvertrauen wichtiger Aufgaben, inklusive entsprechende Entscheidungskompetenzen, drücken wir Wertschätzung aus.  Wie Norbert Semmer im Interview sagt, hat das nicht notwendigerweise mit der Abschaffung von Hierarchiestufen zu tun, sondern mit unserem Führungsverständnis.

Lebe Originalität!
Deine Wertschätzung ist anders als die von deiner Vorgängerin. Und das ist gut so! Steh zu deiner Art und versuche nicht jemanden zu imitieren. Aufgesetzte Wertschätzung kommt nicht an – auch nicht, wenn du es in einem teuren Managementkurs gelernt hast. Authentizität ist heute wohl wichtiger denn je.

Sei kreativ!
Nicht jeder spricht auf dasselbe an. Einer fühlt sich durch öffentliches Lob besonders wertgeschätzt, die andere freut sich mehr an einer persönlichen Karte, manchmal darf es ein kleines Geschenk sein. Lass dein Herz sprechen, sei überraschend, behandle nicht jeden gleich, aber lass allen deine Wertschätzung zukommen!

Glücksaufgabe

Langer Schreibe kurzer Sinn: Gib Wertschätzung weiter! Und am besten gleich hier und jetzt: Wen beschenkst du noch heute mit einem besonderen Ausdruck deiner Wertschätzung?

Entscheide dich für den harten Weg

„Dieser Weg wird kein leichter sein!“ singt mir Xavier Naidoo immer mal wieder in Gedanken zu.

In den letzten drei Wochen war ich gleich auf drei Konferenzen. Auch wenn es drei völlig unterschiedliche Settings waren, hier und da drückte an jeder der Tagungen Naidoos „Dieser Weg wird klein leichter sein!“ durch. An der einen Konferenz war sogar sein Keyboarder Florian Sitzmann (Söhne Mannheims) dabei.

Session 4 Josephine Aparo

Vom Berner Bildungstag hab ich hier schon geschrieben (Jeder will gesehen werden!). Unseren Mitmenschen die nötige Aufmerksamkeit zu schenken, ist für viele von uns nicht ein Selbstläufer. Es braucht unsere bewusste Entscheidung dazu – und immer wieder offene Augen für die Welt ausserhalb von uns selbst. Eben, „dieser Weg wird kein leichter sein!“, aber ein lohnenswerter.

Easy Going als Lebensziel?

In aller Deutlichkeit hat es Lee Cockerell, ehem. Vizepräsident Disney World, Florida, beim Youngster-Kongress von Willow Creek in Erfurt auf den Punkt gebracht:

Entscheide dich für den harten Weg – und das Leben wird einfacher.
Lebe den einfachen Weg – und das Leben wird härter.

Session 3 Lee Cockerell

Wie wahr das ist, illustrierte Lee einerseits mit seiner eigenen Geschichte – Lee stammt aus sehr ärmlichen Verhältnissen, hatte keinen Abschluss und schaffte es trotzdem durch harte Arbeit Schritt für Schritt an die Spitze von Disney World. Anderseits führte er uns mit simpeln Beispielen vor Augen, dass Easy Going-Lifestyle das Leben nicht einfacher macht:

Bewege dich heute zu wenig – und dein Körper bestraft dich morgen.

Investiere heute keine Energie in deine Ehe – und deine Beziehung landet morgen in der Sackgassse.

Geh heute den schwierigen Gesprächen aus dem Weg – und das Leben wird morgen komplizierter.

Entscheide dich heute für die einfachen Aufgaben und Projekte – und du wirst morgen möglicherweise gelangweilt sein.

Kurz: Das einfache Leben mag heute gemütlich sein, doch die Folgen davon könnten hart und ungemütlich sein.

Umgekehrt: Wenn wir heute bereit sind, den Preis zu bezahlen, die extra Meile zu gehen, etwas mehr zu tun, als es unserem „inneren Schweinehund“ gerade recht ist, wird sich dies positiv auf unsere Zukunft auswirken.

Und noch ein Rat von Lee Cockerell habe ich mir notiert: Du gibst Geld und Zeit aus. Geld kann man zurückgewinnen. Aber die ausgegebene Zeit kannst du nicht zurückholen. Investierst du deine Zeit in die richtigen Projekte und Leute?

Liebe und Gnade auf dem Weg

Zum Glück waren die Referate von Lee eingebettet in ein vielfältiges Programm mit ergänzenden Inhalten. Denn für sich alleine war diese Botschaft doch sehr geprägt von Selbstoptimierung um jeden Preis und der Leistungsgedanke stand im Vordergrund.

Session 2 Keith Cote

Ja, wir sind gut beraten, wenn wir uns für den harten Weg entscheiden. Doch so manche sind schon daran zerbrochen, weil sie es mit dem harten Weg übertrieben haben.

Darum war beispielsweise das Zeugnis von Blaine Hogen, Creative Director und Regisseur aus Chicago, Balsam für verletzte Seelen: Als angeschlagener Mensch erzählte er sehr authentisch, wie wir trotz dunkeln Punkten in unserer Vergangenheit Freiheit finden können.

Der harte Weg hat manchmal auch mit schmerzvollen Verlusten zu tun. Dafür entscheiden wir uns nicht, doch sie gehören zum Leben einfach dazu. Das dominierte die dritte Konferenz. Während der icf conference fanden die Verantwortlichen einen eindrücklichen Weg, um mit dem Tod einer ihrer Sängerinnen umzugehen.

Neben vielen guten Begegnungen, Inspiration und Motivation nehme ich aus diesen letzten drei Wochen mit der „Konferenz-Infusion“ folgendes mit:

Ich will mich für den harten Weg entscheiden und dabei nicht vergessen, dass das nur in Kombination mit Gottes Liebe und Gnade gesund ist – weil ich ohne göttliche Perspektive dazu neige, egoistisch, verbissen und/oder verbittert zu werden.

Glücksaufgabe

Manchmal fällt uns das Glück einfach zu. Öfter hat es jedoch mit unseren Entscheidungen zu tun.

Welche Entscheidung schiebst du vor dich hin, obwohl du weisst, dass sie dich weiterbringen würde? Welches Gespräch ist dran? Welche Investition (in deinen Ehe, deine Kids, deinen Job) solltest du anpacken?

Und weisst du, wo du Liebe, Hoffnung, Frieden und Freiheit findest, wenn dein Weg im Übermass hart ist?

Jeder will gesehen werden

Gestern durfte ich am Berner Bildungstag teilnehmen. Ein eindrücklicher Weiterbildungsanlass mit 6’000 Lehrpersonen in der Bieler Tissot-Arena.

Da ich noch nie dabei war und die Welt der Lehrpersonen nur von der politischen Behördenseite kenne, war ich sehr gespannt, was mich da unter dem Tagungsmotto „Menschenverstand“ erwarten würde.

Was ich erlebt habe, hat mich überzeugt: inhaltlich top, gute Präsentation, ansprechende musikalische Umrahmung mit dem James Gruntz Trio und drei fantastische Referenten: Prof. Dr. med. Joachim Bauer, Neurowissenschaftler, Arzt und Psychotherapeut; Kathrin Altwegg, Professorin für Weltraumforschung an der Universität Bern sowie Dennis Lück, Chief Creative Officer bei der Kommunikationsagentur Jung von Matt/Limmat und Werber des Jahres 2017.

Was Joachim Bauer aus den Neurowissenschaften erzählte, ist nicht nur für das Klassenzimmer relevant – Führungspersonen sollten sich die Erkenntnisse aus der Forschung unseres Gehirns genauso zu Herzen nehmen wie die Lehrpersonen.

Was der gesunde Menschenverstand schon längst weiss, wird auch durch Studien der Neurologie bewiesen: Jeder Mensch will gesehen werden!

Einerseits wird unser neuronales Motivations-/Belohnungssystem im Gehirn durch Bewegung, Sport und Musik stimuliert. Anderseits geschieht genau dies auch durch Gesehen-Werden, Akzeptanz und Freundlichkeit.

Die körpereigene Botenstoffe – unsere Glückshormone Dopamin, Opioide, Oxytozin – steigern unsere Motivation und Anstrengungsbereitschaft.

„Nimm mich wahr!“

Wir alle wissen, wie es sich anfühlt, wenn man übergangen und übersehen wird. „Das fünfte Rad am Wagen“, sagt man. Irgendwie fühlt man sich unnütz, fehl am Platz, überflüssig. Frust oder gar Sinnkrise können die Folgen sein.

Das wünschen wir uns nicht. Und so soll es weder den Kindern in der Schule noch unseren Mitarbeitenden oder ganz allgemein unseren Mitmenschen gehen.

Was sind nun also die Merkmale von diesem „Gesehen-Werden“, das wir uns für uns selbst wünschen und bei anderen bewirken möchten?

Prof. Joachim Bauer hat in die volle Tissot-Arena folgende einfache Merkpunkte eingeworfen:

Im Blickfeld: Die Person des Kindes/des Jugendlichen

Wir sind nicht nur „Hirn“ oder Leistung – wir wollen als gesamte Person wahrgenommen werden. Und das gilt nicht nur für Kinder!

Sprache und Körpersprache der Lehrkraft

Wir wissen: Wir können nicht nicht kommunizieren (Watzlawick). Was wir sagen, nicht sagen oder tun, resp. nicht tun, erzeugt im Gegenüber Resonanz. Kommuniziert meine Körpersprache, dass dies hier kein guter Ort zum Sein ist, wird die Motivation im Klassenzimmer, am Arbeitsplatz, am Familientreff … nicht gerade einen Steigerungslauf hinlegen. (Bauer brauchte das Beispiel der Lehrperson, die während dem Dozieren ständig zum Fenster rausschaut und damit sagt: Eigentlich wäre da draussen jetzt der bessere Ort zum Sein.)

Angemessene Dosierung von Lob

Lob beflügelt uns – kann aber in Überdosis auch süchtig machen. Wir wollen ja nicht Leute abhängig von uns oder unserem Lob machen.

Beachtung der Gruppendynamik

Ob Arbeitsplatz, Familie, Verein oder eben Klasse – wir sind immer Teil von einem System und stehen vor der Herausforderung, dass in diesem System jeder seinen Platz findet und nicht übergangen wird.

Die Kunst wertschätzender Kritik

Das ist wahrlich eine Kunst. Wahrscheinlich hat sie mit unserem Selbstverständnis als Lehr-/Führungsperson zu tun: Verstehe ich mich als Polizist oder als Förderer?

Verzicht auf Beschämung, Blossstellung oder Lächerlich-Machen 

Wie schnell belustigt man sich – auch als Führungsperson und in einer Vorbildfunktion – auf Kosten anderer?
Geht gar nicht! Wir wissen nicht, hinter welchem Mitlachen eine verwundete Seele weint.
Noch schlimmer als nicht gesehen zu werden, ist es wohl, wenn wir als Mobbingopfer abgestraft und zur allgemeinen Belustigung beschämt, blossgestellt und beschimpft werden.

Glücksaufgabe

Ganz ehrlich: Fühlst du dich im Moment gesehen? Oder übergangen?

Falls du dich übersehen fühlst: Wie kannst du diesen Zustand ändern? Wie bringst du dich selbst zur Wirkung? Wo machst du dich unnötig „unsichtbar“?

Und was tust du, um anderen das Gefühl von „Ich werde gesehen!“ zu verleihen? In welchem der vorgestellten Merkmalen willst du dich konkret verbessern?

Menschenwürdige Unternehmung

Vor zwei Jahren hatte ich am Entrepreneur Forum Seeland das Vergnügen, Bodo Janssen kennen zu lernen. Sein Referat traf ins Schwarze: „Betreiben wir Wertschöpfung durch Ausnutzung oder Wertschöpfung aus Wertschätzung?“

In einer Pause sprachen wir kurz über mein GlücksBuch, das ich ihm kurz davor geschenkt hatte. Er zeigte sich begeistert über die kurzweilige, einfache Form des Buches und sofort war klar, dass wir uns für dieselben Anliegen stark machen: Mehr Erfüllung und Zufriedenheit im Leben – auch im Berufsleben.

Einige Tage später schickte er mir seinen Bestseller Die stille Revolution zu. Mit Faszination habe ich das Buch über seine persönliche und unternehmerische Geschichte gelesen.

Nach dem Tod seines Vaters hatte er die Führung der elterlichen Hotelkette übernommen. – Und ist in Bezug auf die Mitarbeiterführung vorerst gründlich auf die Nase gefallen: Die Mitarbeiterbefragung ergab ein vernichtendes Ergebnis für den Chef.

Dies war jedoch nicht etwa das Ende. Im Gegenteil: Es war der Ausgangspunkt für „eine der beeindruckendsten Wandlungen der deutschen Management Geschichte!“, wie es das Magazin „Harvard Business Manager“ ausdrückte.

Nach Rückzug ins Kloster, Selbstreflexion, einüben einer gesunden Selbstführung war Bodo Janssen bereit für das, was heute Der Upstalsboom Weg bekannt ist.

Entstanden ist eine beeindruckende Unternehmenskultur, in der Mitarbeitende nicht einfach ein Kostenfaktor sind, sondern in erster Linie Menschen, die geachtet und wertgeschätzt werden. Viele von ihnen reden heute von Familie, wenn sie an ihren Arbeitsplatz denken.

„Vom wirtschaftlich geprägten Unternehmen haben wir uns zu einem menschen- und werteorientierten Unternehmen gewandelt“, so nennen sie es selbst und erzählen Interessierten gerne von ihren Erfahrungen.

Inzwischen ist sogar ein Kinofilm zu diesem faszinierenden Kulturwandel entstanden:

Natürlich habe ich nach unserer ersten kurzen Begegnung den Weg von Bodo Janssen aus der Ferne mit grossem Interesse weiterverfolgt. Und mich sehr gefreut, als er zusammen mit Anselm Grün ein weiteres Buch herausgegeben hat: Stark in stürmischen Zeiten.

Ein Buch für Führungskräfte, die begriffen haben, dass sie zuerst die Kunst der Selbstführung beherrschen sollten, bevor sie andere führen wollen.

Zugegeben, dieses Buch fand ich im Vergleich zum ersten Janssen-Buch streckenweise etwas langatmig und ich wurde nicht im selben Mass in Bann gezogen. Doch es gab immer wieder wertvolle Perlen auf dem Weg zu den letzten Seiten.

Und die haben es in sich. Während in der Mitte des Buches das Prinzip Führen durch Fragen vorgestellt wird, sind es genau diese Fragen, mit denen die beiden Leadership-Experten den Leser am Ende auf seinen eigenen Weg schicken:

Was möchtest du mit deinem Unternehmen den Menschen geben?

Gibst du Hoffnung auf ein gutes Leben?

Fühlen sich die Menschen in deinem Unternehmen verstanden?

Was für eine andere Unternehmenskultur hätten wir an manchen Stellen, wenn wir genau mit diesen Fragen unsere Organisationen führen würden? Mit solchen Fragen kommen wir zurück auf den Kern des Problemes: Existieren die Menschen für die Unternehmen? Oder sind die Unternehmen für die Menschen da?

Und das geht uns alle an! Wir brauchen nicht mit dem Finger auf die Grossunternehmen zu zeigen und uns an übertriebenen Bonuszahlungen aufzuregen.

Wir fragen besser, wie wir unser „Unternehmen“ führen, was wir aus unserem Einfluss (Denn: Jeder hat Einfluss!) machen: Gestalten wir unsere Familie, unseren Verein, unsere Kirche, unsere Freundschaften … menschenwürdig? Was geben wir den Menschen? Welche Hoffnung geben wir weiter?

Oder geht es uns am Ende doch bloss um unseren eigenen Profit?

Es folgen weitere tolle Fragen am Ende des Buches Stark in stürmischen Zeiten. Nur so viel sei hier noch „ausgeplaudert“:

Es beginnt mit Stille: Kann ich mich selbst aushalten?

Geht über Klarheit: Weiss ich, was ich will?

Und braucht Verletzlichkeit: Spiele ich Rollen – oder darf ich Menschen (auch meinen Mitarbeitenden) so begegnen, wie ich wirklich bin?

Glücksaufgabe

In diesem Artikel hat es viele gute Fragen. Wenn du es mit dem Glück – dem persönlichen, dem deiner Unternehmung und dem deiner Mitmenschen – ernst meinst, nimm die Frage mit in einen stillen Moment.

Und wenn du weitergraben willst, empfehle ich dir eines der erwähnten Bücher:

Die stille Revolution von Bodo Janssen

Stark in stürmischen Zeiten von Bodo Janssen und Anselm Grün

Glück finden – hier und jetzt von Stefan Gerber

Hast du „Grit“?

Heute ist ein guter Tag! Nein, der EHC Biel hat sich leider (noch) nicht für den Eishockey-Playoff-Final qualifiziert, aber ich bin trotzdem in freudiger Stimmung.

In einem Projekt, das mich als Gemeinderat seit ca. zwei Jahren stark beschäftigt, durften wir heute das Erreichen des zweitletzten Meilensteins feiern und nach intensiver Erarbeitungsphase die konkrete Umsetzung einläuten.

Zusammen mit externen Fachexperten hatten wir in der Projektgruppe eine klare Verlaufsplanung skizziert. Doch die Praxis hält sich bekanntlich selten an die Theorie: Fortlaufende Anpassungen waren nötig, Umwege mussten in Kauf genommen und Überzeugungsarbeit musste geleistet werden.

Es wurden unzählige Dokumente entwickelt, überarbeitet und von den zuständigen Stellen abgesegnet. Die „Papiere“ sind das Eine. Hinter solchen Dokumenten stehen Menschen aus Fleisch und Blut. Das heisst: Auch wenn es im Prinzip um etwas Technisches, um eine Sache, geht, werden ganz viele Emotionen geweckt.

In den letzten Tagen bevor der Souverän über Sein oder Nicht-Sein des Projektes zu entscheiden hatte, kochten die Emotionen besonders hoch: WhatsApp- und Telefon-Aktionen, Zeitungsartikel, Unterstellungen und Falschinformationen …

Am Ende kam es gut – der deutliche Entscheid des Souveräns war eine Genugtuung und darum gab es an der heutigen Projektsitzung nach all der Arbeit Grund zur Freude.

Mit Grit und Ruhe zum Ziel

Alle Verantwortlichen in diesem Projekt waren sehr gefordert – und werden es auch weiterhin sein. In der Reflexion, warum wir diesen alles entscheidenden Meilenstein letztlich sehr souverän erreichen konnten, kann wohl festgehalten werden:

Trotz emotionalen Misstönen und teils scharfer Kritik überzeugten letztendlich bei einer differenzierten Auseinandersetzung die sachlichen Argumente.

Dass dies gelungen ist, lag, so wurde es uns zurückgemeldet, unter anderem auch daran, dass die Projekt-Verantwortlichen Ruhe ausgestrahlt haben, trotz Gegenwind nicht in einen „Hü-Hott-Modus“ gefallen sind und Schritt für Schritt vorwärts (auch über den einen oder anderen Umweg) gegangen sind.

Schön, wenn man solche Rückmeldungen erhält. Ich selbst wollte auf dem gesamten Weg die Ruhe bewahren, was mir innerlich bei weitem nicht immer gelang. Es freut mich sehr, dass es mir jedoch gelang, im entscheidenden Moment Ruhe auszustrahlen und ich mich nicht auf emotionale „Spielchen“ einliess.

In früheren Projekten ist mir das nicht immer nach Wunsch geglückt – vielleicht werde ich tatsächlich nicht nur älter, sondern auch reifer …

Und eben: Grit! Es braucht so was von Grit, wenn man in grossen Projekten bis zum Ende durchhalten will, bis zum Ziel auf dem Weg bleiben will.

Als ich 2015 am Global Leadership Summit erstmals das Wort „Grit“ hörte, brauchte ich eine Weile, bis ich verstand, was gemeint war: Weder meine Sitznachbarn mit besseren Englischkenntnissen, noch der Google Translater konnten helfen.

Wenn ich dort nämlich Grit eingebe, erscheint noch heute das Wort „Streugut“. Naja, was hat jetzt Leadership und Projektarbeit mit Streugut zu tun?

Es gibt aber eben auch die Bedeutung: Rückgrat und Mut. Ich würde sagen, es geht um Durchhaltewille, um die Kraft, trotz Gegenwind nicht aufzugeben.

Und so passt Streugut vielleicht doch ganz gut: Selbst auf dem Glatteis den festen Tritt nicht verlieren, Halt finden und Halt geben.

Glücksaufgabe

Ohne Grit werden wir vieles nicht erreichen, was wir in unserem Leben und Beruf erreichen könnten, wenn wir nur nicht zu früh aufgeben würden.

Darum: Egal welche Projekte du vor dir hast – Gegenwind wird dir eher früher oder später ins Gesicht blasen. Damit du dann standhaft bleibst, brauchst du Grit.

Was kann dir helfen, die Ruhe und diesen Grit nicht zu verlieren?

Eine reife Führungsperson werden

Ich habe schon viele Leadership-Konferenzen besucht, Bücher für Führungspersonen gelesen und mich im Coaching mit Fragen Rund um Führung beschäftigt.

Das alles gab mir immer wieder wertvolle Inspiration, frische Motivation und auch konkrete Anstösse für meine Leitungsaufgaben.

Doch macht es mich zu einer reifen Führungsperson? Nicht automatisch. Nur das „Konsumieren“ von wertvollem Content macht uns nicht zwangsläufig zu einer reiferen Person.

Reifen tun wir an der Praxis, nicht an der Theorie. Wissen erlangen wir durch Bücher, Konferenzen, Inputs … Doch Reife braucht zwingend diese Alltagserfahrungen, ein Übungsfeld, Erfolge und Niederlagen, die wir wiederum reflektieren können, damit unseren Erfahrungsschatz nähren und so – hoffentlich – beginnen zu reifen.

Das Praxisfeld als Bewährungsprobe: In der Theorie funktioniert vieles. Aber in der Praxis zeigt sich, was die Theorie wirklich „wert“ ist.

In einem Talk wurde ich neulich gefragt, was denn reifes Leadership für mich bedeutet. Im Gespräch habe ich diese Frage so beantwortet:

Für mich hat das vor allem mit ehrlicher Leiterschaft zu tun und bedeutet, dass ich auf der Bühne nicht etwas spiele, das ich nicht bin. … Was es braucht, damit man eine reife Persönlichkeit ist, ist Reflektiertheit:  sich immer wieder in die Stille zurückziehen, gute Leute um sich haben, die einem ins Leben reden können. Es ist schwierig, einem erfolgreichen Geschäftsmann oder Pastor – eigentlich egal in welchem Bereich – einen blinden Fleck aufzuzeigen.

Auch wenn ich etwas länger darüber nachdenke, bleibe ich bei dieser Antwort. Und es ist genau das, was ich eben nur in der Praxis erhalte: Erfahrungen sammeln und daraus lernen.

Anders gesagt: Etwas anpacken, Leute für eine Idee begeistern, eine Gruppe zum Erfolg führen, sich am Erreichten freuen, nächste Schritte gehen, scheitern – hinfallen -, wieder aufstehen, Neues ausprobieren …

Und dies alles nicht in wildem Aktivismus, sondern immer wieder reflektiert, von Freunden oder von einem Coach begleitet, aus Erfahrungen lernen, sich selbst bleiben – oder überhaupt erstmal seinen eigenen Stil finden.

All das bekomme ich nicht auf Konferenzen oder wenn ich versuche, einen meiner Leadership-Helden zu imitieren.

Und trotzdem sind Konferenzen und Vorbilder für mich unverzichtbar: Ich bekomme da frische Ideen, neue Inspiration und die Einladung, dies alles durch die Brille meiner eigenen Erfahrungen zu betrachten.

Erfolge, Fehler, Ideen, Konzepte … von anderen machen mich nicht zu einer reifen Persönlichkeit, aber sie können meinen Horizont weiten und mir Ansporn auf meinem Weg sein – hinfallen, aufstehen, ausprobieren, reüssieren, feiern – ein Schritt nach vorne, einer zurück.

Ich glaube, das Leben selbst lässt uns reifen – ganz allgemein als Persönlichkeit. Und als Führungspersönlichkeit im speziellen, wenn wir unsere Leitungsfunktion wahrnehmen, ehrlich bleiben, nichts vorspielen und uns zwischendurch am Wegrand niederlassen und unser Leiten reflektieren.

Unsere Gesellschaft – ob Politik, Wirtschaft, Kirche – wird leider noch zu oft von Menschen geprägt, die aus ihrer Funktion und Machtposition heraus führen – und nicht aus ihrer Reife.

Ich wünsche mir mehr reife Menschen.
Und mehr reife Führungspersönlichkeiten.

Glücksaufgabe

Reife ist kein schnelles Glück, aber es ist ein nachhaltiges Glück. Versuche aus deinen täglichen Schritten, aus allem Scheitern und aus allen Erfolgen, zu lernen: Sammle nicht bloss Theorie, lege dir ganz bewusst einen Erfahrungsschatz an!

Und sei ehrlich zu dir und zu anderen. Das befreit!

(Das Interview von Livenet mit mir zum Nachlesen und in voller Länge zum Anschauen.)

 

Ich bin mutig

„Wie mutig bist du auf einer Skala von 1-10?“ Mit dieser Frage forderte der Moderator die 420 Teilnehmenden der „Mut zum Risiko“-Konferenz gleich zu Beginn der Tagung zu einer ehrlichen Selbsteinschätzung auf.

Die meisten gaben sich den Wert 5 oder höher. Aber spannend wurde es, als der Moderator Schritt für Schritt tiefer in der Skala ging und die „Nicht-Mutigen“ im Auditorium einlud, mutig zu ihrem Nicht-Mut zu stehen.

Und tatsächlich blieben rund eine handvoll Leute stehen und bewiesen als erste an diesem Tag Mut. Den Mut, dazuzustehen, dass sie sich selbst in ihrem Alltag nicht wirklich als mutige Persönlichkeiten erleben.

Egal ob sehr mutig oder weniger mutig – die Tageskonferenz von Willow Creek Schweiz stellte jede und jeden vor die Frage: Bin ich bereit ein Risiko einzugehen und meine Komfortzone zu verlassen?

Debora Sommer: Angst zählt nicht

Die erste Referentin des Tages ging mit bestem Beispiel voran: Sie gab offen zu, dass für sie jede öffentliche Rede Überwindung braucht – Mut zum Risiko eben.

Für sich kam sie zum Schluss: „Wenn am Ende ’nur‘ die Angst gegen etwas spricht, lass ich das nicht zählen. Angst ist ein schlechtes Argument.“

René Winkler: Seine Funktion abgeschafft

Mut bewies der ehemalige Direktor von Chrischona International, indem er ergebnisoffen in eine Umstrukturierung ging, die ihm letztendlich seine Stelle kostete. Wie er damit umging, erzählte er in einem Talk.

Gottfried Locher: Mut zum Bekenntnis

Der oberste Reformierte nutzte die Tagung um Brücken zu bauen: Ob reformiert, katholisch oder freikirchlich – wir brauchen einander! Alleine sind wir einseitig, gemeinsam – in der Ökumene – sind wir stark.

Locher unterschied zwischen unserem „privaten Mut“ und unserem „öffentlichen Mut“. Für sich alleine kann jeder sehr mutig sein. Aber was geschieht mit unserem Mut, wenn wir in der Öffentlichkeit sind? Wenn wir uns vor anderen zu unserer Meinung – zu unserem Glauben – bekennen sollten?

Evelyne Binsack: Misserfolg führt zum nächsten Abenteuer

Die Abenteurerin aus Leidenschaft, die alle drei Pole (Mt. Everest, Süd- und Nordpol) „bezwungen“ hat, zeigte sich überraschend verletzlich: Nein, da stand nicht die starke, erfolgreiche Grenzgängerin, die sich nicht von äusseren Bedingungen oder innerer Erschöpfung vom Ziel abhalten liess, auf der Bühne.

Trotz vollem Auditorium kam eine schier intime Atmosphäre auf, als sie erzählte, wie vor jedem Erfolg im Grunde eine Niederlage stand. „Mut heisst für mich, sich selber treu zu sein.“

Hans-Ulrich Lehmann: Als Unternehmer im Risiko zu Hause

Die Geschichte des Unternehmers Hans-Ulrich Lehmann wirkt für alle „kleinen“ Führungspersonen in Kirche, Unternehmen oder Gesellschaft etwas unvorstellbar: Wer von uns kann sich schon für ein einziges „Learning“ 50 Mio. Franken leisten? Trotzdem sagt Lehmann: Ein Unternehmer darf/muss jedes Risiko eingehen, ausser dasjenige, das ihn killt.

So hat Lehmann viele Erfolge feiern können, aber wie eben mit der erfolglosen Expansion von Mobilezone nach Deutschland, auch etliche Bauchlandungen erlebt.

Leo Bigger: Was ist deine Leidenschaft?

Abschliessend machte Leo Bigger Mut, sich seiner Leidenschaft konkret bewusst zu werden – und diese dann auch „in seinem jeweiligen Feld“ zu verfolgen: „Träume gross, handle klein!“

Es war ein voller Tag mit viel Inspiration für Kopf und Herz. Doch der wahre Mutige bleibt nicht dabei stehen. Er geht ein Risiko ein und lässt die Inspiration in die Hände oder in den Mund fliessen. Darum gab es schon während der Konferenz Gelegenheiten, sich einer Mutprobe zu stellen.

Glücksaufgabe

Die wahre Mutproben stellt jedoch das Alltagsleben: Wo sollte ich mich mutig zu meiner Meinung bekennen? Wo ist es höchste Zeit, dass ich mutig mich selbst bin? Und wo folge ich mutig, mit der Bereitschaft zum Risiko, meiner Leidenschaft?

 

(Fotos: Lukas Beer, Connedia.ch)

Vielfalt macht das Leben reich

Wow, was war das für eine Woche … Vier Tage auf dem Chrischona-Campus (Basel), wo ich als Moderator eine Konferenz mitgestalten durfte, dazwischen rasch zurück ins Seeland für eine weitere Talk-Moderation (Chäs, Brot, Wy – u mini Gschicht mit Gott) im mit 50 Besuchenden voll besetzten Begegnungszentrum H2. Ausgerechnet in dieser Woche war auch meine Frau an einer Geschichten-Woche als Puppenspielerin auswärts engagiert.

Richtig viel Adrenalin, schöne Begegnungen, spannende Inputs, Horizonterweiterung, Zuwachs meines Erfahrungsschatzes … Ich liebe es!

Und trotzdem bin ich froh, ist nicht jede Woche derart rasant. Das würde mir und unserem Familienleben nicht gut tun.

Denn die Bühne ist das Eine, die Alltagsverpflichtungen das Andere: Kursbesuch als Gemeinderat, Elternabend an der Schule unserer Tochter, Fussballtraining des Sohnes und überhaupt die ganze Betreuungsaufgabe, wo wir als Eltern auch mit Teenie-Kids immer noch gebraucht werden.

Und darum bin ich sehr dankbar für die wunderbare letzte Woche, aber auch dafür, dass ich diese Woche wieder viel näher an meinen Kids dran bin, sie spüre, mit ihnen den Alltag teilen kann und in ihrem Leben präsent bin.

Ich bin dankbar, dass ich beides habe. Vielfalt macht das Leben reich. Man könnte im Blick auf unsere Familie vielleicht auch sagen: Alles ausser gewöhnlich. Das ist nicht immer einfach, aber es ist das, wofür wir uns entschieden haben. Kreativ, vielfältig, intensiv, jeder Tag anders –  aussergewöhnlich eben.

Spielen mit der Vielfalt

An der besagten Konferenz letzte Woche gehörte unter anderem die beeindruckende Kirstine Fratz, Zeitgeist Forscherin, zu den Referenten. Es zeigt schon eine erfreuliche Offenheit, dass sich die 400 Konferenzteilnehmenden, mehrheitlich Pastoren und kirchlich Engagierte, mit der Frage auseinandersetzten, wie der Zeitgeist als Chance für die kirchliche Arbeit genutzt werden kann.

Zeitgeist ist, laut Kirstine Fratz,  ein temporäres Versprechen für ein gelungenes Leben. Im Grunde ist es also das, worauf wir unsere Hoffnung für Glück im Leben setzen.

Eindrücklich das von Fratz benutzte Beispiel des grünen Gemüse-Smoothie, der gerade stark en vouge ist und uns ein besseres Leben verspricht …

Kirstine Fratz lud uns ein, mit dem Zeitgeist zu spielen, ihn nicht etwa als Feind, sondern viel mehr als Chance zu entdecken. Ich meine, es ist nicht nur eine Einladung, es ist sogar unsere Pflicht – eigentlich unabhängig davon, in welchem Gebiet wir tätig sind: Wir müssen wissen, wovon sich die Leute ein gelungenes Leben versprechen, wenn wir ihnen eine Dienstleistung, ein Produkt oder auch eine Überzeugung näher bringen möchten.

Die Beschäftigung mit dem Zeitgeist, aber auch die weiteren Referate der Konferenz, wo wir über Introvertiertheit versus Extrovertiertheit und über Emotionalität in der Persönlichkeitsentwicklung nachdachten, unterstrich für mich nochmals: Vielfalt macht das Leben reich.

Oder wie es durch das Referat von Debora Sommer zum Ausdruck kam: „Gott muss Humor haben, dass er die Menschen als Intros und Extros geschaffen hat.“

Und beim  Global Leadership Summit diesen Sommer zeigte David Livermore auf, wie mit kultureller Intelligenz die Vielfalt der Menschen und Kulturen zum Gewinn für eine Organisation genutzt wird.

Wie so oft beginnt es damit, dass wir versuchen in den Schuhen des anderen zu gehen. Also uns, gerade als Führungsperson, in die Situation des Gegenübers versetzen, seine Sicht der Dinge verstehen lernen und dies als Bereicherung entdecken.

Wäre jeder Tag wie der vorherige und jeder Mensch wie der andere, wäre unser Leben zwar einfacher, aber bestimmt viel langweiliger.

Vielfalt macht das Leben reich!

Glücksaufgabe

Was macht dein Leben reich? Wo freust du dich an Vielfalt?

Einige sagen: Der Zeitgeist, das sind die anderen. Doch jeder hat „seinen Zeitgeist“, sein temporäres Versprechen für ein gelungenes Leben.  Wovon erhoffst du dir Glück und Erfüllung im Leben?

Vertrau nie deinem Erfolg!

If it can happen to Nokia, it can happen to you too.

Mit dieser Feststellung führte uns Ramsmus Ankersen beim Global Leadership Summit 2018 in sein Thema ein.

Die Nokia-Story und unzählige weitere Geschichten von Unternehmen, die sich auf ihrem Erfolg ausruhten, arrogant, selbstzufrieden und schliesslich träge wurden, sind eine deutliche Warnung für uns alle: Wenn es ihnen passieren konnte, sind vielleicht auch wir nicht davor gefeit.

Es passiert genau in den Momenten, in denen alles so glatt läuft, wir am besten sind, ein Flow auf den letzten folgt.

Genau da stehen wir in Gefahr, dass lauter „Fliessen“ plötzlich der Erfolg davon fliesst.

Nicht unbedingt, weil unser Produkt, unsere Dienstleistung oder unser Einsatz nicht mehr gut wären. Im Gegenteil: Sie können nahezu perfekt sein.

Das Nokia 3210 war perfekt für seine Zeit. Es war innovativ und unzerstörbar.

Wenn man die Konkurrenz abhängt, sind nicht mehr die Mitbewerber die grössten Hindernisse für den Unternehmenserfolg, sondern die Vorgänge in der Firma selbst. Wir werden zu unseren grössten Konkurrenten.

Wer beginnt Erfolg zu verwalten, hat seine Führungsposition eigentlich schon verloren. Vielleicht versuchen wir unser Produkt, unsere Dienstleistung in den kleinsten Details zu verbessern, Prozesse werden immer besser gemanagt, Produktivität steigt während Kosten sinken …

Gleichzeitig fehlt es an visionärem, vorausschauendem Leadership.

Der Erfolg von heute wird zur Fallgrube von morgen.

Warum? Wie gesagt: Das Nokia 3210 war perfekt für seine Zeit.

Während wir uns auf unsrem Erfolg ausruhen oder hart daran arbeiten, noch besser zu werden, versäumen wir möglicherweise die Zeichen der Zeit.

Man sagt, die besten Kutschen wurden hergestellt, als das Auto erfunden wurde.

Das Problem war nicht, dass die Kutschen nicht gut gewesen wären. Die waren perfekt.

Aber ihre Zeit war vorbei! Mit dem Auto brach eine neue Ära an.

Das Nokia 3210 war super – aber seine Zeit war irgendwann vorbei. Und darauf war Nokia nicht vorbereitet.

Erfolg kritisch hinterfragen

Wer Erfolg hat, hat Recht. Ob im Sport, der Wirtschaft oder gar in der Kirche. Offensichtlicher Erfolg – Tabellenplatz, Umsatzzahlen oder volle Kirchenbänke – sind der beste Beweis dafür, dass man etwas richtig macht.

Und so betiteln wir den Erfolgreichen als Genie.

Nur: Erfolg ist zufälliger, als wir denken! Eindrücklich zeigte Rasmus Ankersen dies an Hand von Beispielen aus dem Sport. Newcastle United beispielsweise spielte 2011/12 eine super Fussballsaison, man sprach schon von einer neuen Ära – und stürzte in der darauffolgenden Saison ab.

Die Daten hätten zeigen können, dass der Erfolg von Newcastle United zu einem grossen Teil auf glückliche Umstände zurückzuführen war.

Doch im Erfolg wollen wir solches nicht hören. Kritische Fragen stellen wir in der Regel nur, wenn der Erfolg ausbleibt.

Das ist ein grosser Fehler: Genauso kritisch wie wir den Misserfolg analysieren, sollten wir den Erfolg hinterfragen.

„Never trust success“, sagte Ankersen dazu.

Unser Erfolg sagt vielleicht einfach, das gerade alles stimmt: Unser Angebot, Bedürfnisse der Leute, Bekanntheit, glückliche Umstände …

Aber das kann morgen schon wieder anders sein!

Darum: Ruhe dich nicht auf dem Erfolg von heute aus, sondern bleibe aufmerksam und erkenne, wenn sich die Zeiten (Bedürfnisse) ändern!

Glücksaufgabe

In welcher Branche du auch immer tätig bist, werde dir bewusst, wer deine wahre Konkurrenten sind: Die Konkurrenz der Kutschen-Hersteller waren nicht die anderen Kutschen-Hersteller, sondern die aufkommende Automobilindustrie.

Wo stehst du dir selber im Weg weil du an deinem Erfolg von gestern festhältst, statt zu fragen, was morgen gefragt sein wird?

Und wenn du nicht Unternehmer bist, kannst du dich für deine berufliche Entwicklung fragen, welche nächsten Schritte dich selbst zukunftsfähig machen.