Die Flauderei – oder: die kecke Chefin

Eine Berufung ist eine mit Leidenschaft erfüllte Selbstverpflichtung,
um der Sache willen zu arbeiten.
Martin Seligman

Warum arbeiten Sie eigentlich? Um Geld zu verdienen, Status zu erreichen oder weil es „ohne Arbeit kein Vergnügen“ gibt?

Vermehrt ist mir in den letzten Wochen begegnet, was ich hier auch schon behauptet habe: Für immer mehr Leute ist nicht Geld oder Status matchentscheidend, sondern die Sinnerfüllung in einer Tätigkeit. Besonders der jungen Generation Y sei die Sinnhaftigkeit im Job wichtiger, als die regelmässige Lohnerhöhung.

Martin Seligman, von dem obiges Zitat stammt, geht soweit zu behaupten, dass der, der seine Berufung gefunden hat,  sogar bereit wäre, ohne Geld zu arbeiten (Job, Karriere oder Berufung?). Bei Berufung geht es nicht mehr um Geld gegen Arbeit, sondern darum, mit Leidenschaft seinen Teil zu etwas Grösserem beizutragen.

Jeder ein Glückspilz, der seine Berufung gefunden hat. Wer sein Traumjob-Dreieck ausleben darf, sich im Einklang mit seinen Stärken, seiner Passion und im zu ihr oder ihm passenden Umfeld arbeiten darf, ist wirklich auf der Sonnseite des Lebens. Teamspirit und Sinnhaftigkeit werden dann wichtiger als die Lohnzahlung am Ende des Monats.

Tatsächlich ist nicht die Unzufriedenheit mit dem Lohn erster Kündigungsgrund, Sinnerfüllung in der Tätigkeit ist wichtiger und am meisten kommt es zu Kündigungen, weil es personell einfach nicht stimmt: Beat Lutz von Lutz & Partner sagt dazu im Interview: „Aber wenn sie mir dann erklären, warum sie den Job wechseln wollen, lautet die Antwort in 90 Prozent der Fälle: wegen den Personen. Und zwar ist es meistens die Chemie gegen oben, die nicht stimmt.“

Eine Chefin, für die ich gerne arbeiten würde, habe ich gestern kennen gelernt. Nach über dreistündiger Anreise war ich bereit, die Unternehmerin des Jahres 2005 in ihrem Chefbüro kennen zu lernen.

Nichts Chefbüro. Stattdessen erwartete mich die kecke, sympathische Frau bereits an der Haltestelle der Appenzeller Bahn in Gontenbad. Herzlicher Empfang, sofort ist man per Du. Gabriela Manser stellt mir ihre Goba AG, Mineralquelle und Manufaktur, vor, zeigt mir den Betrieb, führt mich zur Quelle, erzählt aus ihrer Führungserfahrung und am Ende sitzen wir in Appenzell in der Flauderei, dem betriebseigenen Shop und Café. Und als wir uns nach knapp zwei Stunden wieder verabschieden, habe ich fast das Gefühl, eine Freundin gewonnen zu haben.

Wer das Geheimnis hinter dem Erfolgsgetränk Flauder entdecken will, sollte eine Stunde mit Gabriela Manser verbringen und die Flauderei besuchen: Kreativität und „out of the box“-Denken springen einem da direkt ins Gesicht. Bald würde Manser vom Forum und den Kreativprozessen als Zusammenspiel unterschiedlichster Menschen erzählen, ihre Augen würden leuchten, wenn sie die Goba-Geschichte erklären würde …

Dass die Unternehmerin genauso leidenschaftlich wie sie heute ein Unternehmen mit 60 Mitarbeitenden sowie wachsender Produktpalette führt und damit in neue Märkte vordringt, früher als Pädagogin für die Kinder da war, kann man sich lebhaft vorstellen.

Und dass ihr Statussymbole nicht viel bedeuten, glaubt man ihr sofort: Da scheint jemand wirklich ihre Berufung gefunden zu haben und lebt mit Leidenschaft und Kreativität ihre Stärken aus. Zum Wohl der Mitarbeitenden und einer ganzen Region.

 

 

„Eine Stunde mit Gabriela Manser“ ist tatsächlich möglich. Im Rahmen der Willow Tageskonferenz Leiten mit Leidenschaft und Exzellenz wird sie in einem Talk über ihre Erfahrungen als Führungskraft berichten.

Im GlücksBlog schreibe ich zu den fünf Bereichen, die zu einem Leben in Zufriedenheit gehören. Diese Woche geht es um den Bereich Sinnerfüllte Tätigkeit.

Werde besser – alle profitieren!

Everyone wins when a leader gets better.
Bill Hybels

Gestern hatte ich das Privileg, den Leiter der grössten Freikirche der Schweiz zu treffen: Ehrfürchtig ging ich vom Bahnhof Stettbach neben der neuen, mir bisher nur aus dem Internet bekannten Samsung Hall vorbei und stand dann etwas enttäuscht vor einem alten, unspektakulären Geschäftsgebäude – hier soll der kreative Hotspot der hipsten Kirche der Schweiz beheimatet sein?

Etwas irritiert wartete ich im wenig anmächeligen Treppenhaus auf den Lift, versicherte mich nochmals, dass hier neben Swisscom auch der ICF zu finden ist und tauchte bald darauf in eine völlig andere Welt ein: Willkommen im ICF office. Dutzende junge Leute arbeiten hier in zweckmässig, aber dennoch stilvoll eingerichteten Räumlichkeiten – das Leben pulsiert, die Kaffeemaschine ist in Dauerbetrieb, Kreativität ist an allen Enden zu spüren, kleine Kämmerchen, die an eine Garderobe im Kleiderladen erinnern, dienen als Besprechungszimmer für kleine Meetings, Menschen sind im Austausch, Fröhlichkeit und Ernsthaftigkeit geben sich die Hand und als „Fremdling“ spüre ich sofort etwas von der Willkommenskultur dieser Kirche. Ein guter Platz zum Sein für alle, die es innovativ mögen.

Leo Bigger führt mich nun durch die neuen, eindrücklichen Räumlichkeiten vom ICF Zürich in der Samsung Hall – ich komme kaum aus dem Staunen heraus; echt toll, was da auch neben der gigantischen Halle alles entstanden ist, von den Babyrooms über den Indoor-Spielplatz bis zum „Club“ ist alles liebevoll gestaltet und top ausgerüstet. Auch da: Ein guter Platz zum Sein für alle, die es gross und modern mögen.

Im inspirierenden, pulsierenden Umfeld des ICF Office, wo sich die rund 60 Mitarbeitenden mit aller Kreativität und grosser Leidenschaft dem Traum von einer Kirche «am Puls der Zeit» hingeben, tausche ich danach in einem dieser «Kämmerchen» mit Leo über die Herausforderungen des Leitens aus. Und bei einem weiteren Kaffee erzählt mir Nicolas Legler, Executive Pastor, wie er seine Rolle versteht. Ein guter Platz zum Sein für einen, der sich gerne von anderen Leitenden inspirieren lässt.

Storys, die inspirieren

“Everyone wins when a leader gets better.” Zu Deutsch: Jeder gewinnt, wenn eine Führungsperson besser wird. Oder wie wir bei Willow Creek Schweiz sagen: Leiten mit Leidenschaft und Exzellenz – ein Gewinn für Kirche und Gesellschaft.

Dass das stimmt, zeigt sich am besten an Beispielen – wie eben an der ICF-Story: Aus einem zeitgemässen, internationalen Gottesdienst ist eine der grössten kirchlichen Bewegungen Europas geworden – mit über 3’000 Besuchenden pro Wochenende allein im Grossraum Zürich und mit über 50 Kirchen in Europa. Und natürlich ist die Willow-Story selbst ein eindrückliches Beispiel: Eine verrückte Bande von Jugendliche gründete 1975 eine Form von Kirche, die es bis dahin nicht gab – inzwischen zählt man bei Willow in Chicago Woche für Woche über 25’000 Gottesdienstbesuchende, ein Sozialdienst, der seinesgleichen sucht, wurde auf- und ausgebaut und durch den Global Leadership Summit werden jährlich in 128 Ländern über 300’000 Menschen in Verantwortung inspiriert, motiviert und geschult.

Natürlich gibt es auch in der Wirtschaft zahlreiche Beispiele dafür, dass gute Führungspersonen ein Gewinn für alle sind. Da ist beispielsweise die preisgekrönten Unternehmerin Gabriela Manser: 1999 übernahm sie in dritter Generation die Goba AG, Mineralquelle und Manufaktur. Die gelernte Pädagogin wandelte die Goba mit vielen innovativen Ideen, Authentizität und einem guten Team zu einem strahlenden Kleinod, dessen Leuchtkraft auch überregional wahrgenommen wird, vielen wird das Getränk Flauder ein Begriff sein.

Leitende sind Lernende. Darum freue ich mich, für Willow Creek Schweiz die Tageskonferenz organisieren zu dürfen. An diesem Tag werden wir von Leitenden wie Gabriela Manser und Nicolas Legler für unser persönliches Leiten lernen können.

Veranstaltungstipp: Willow Tageskonferenz Leiten mit Leidenschaft und Exzellenz, 10. Juni 2017 in Winterthur

Im GlücksBlog schreibe ich zu den fünf Bereichen, die zu einem Leben in Zufriedenheit gehören. Diese Woche geht es um den Bereich Sinnerfüllte Tätigkeit.

Geht nicht, gibts nicht!

Alle sagten: „Das geht nicht.“
Dann kam einer,
der wusste das nicht,
und hats einfach gemacht.

Zu meinem 40. Geburtstag schrieb mir jemand eine Karte mit eben diesem Spruch drauf:

Und auf der Rückseite steht von Hand geschrieben: „Mir scheint, dieser Spruch passt zu dir. Ich wünsche dir die Kühnheit, ihn weiter auszuleben.“

Wow, das tat gut! Ich meine, solche Sprüche liebe ich seit jeher und ich sehe mich gerne als Visionär. „Geht nicht!“ ist für mich die Motivation, es erst recht zu schaffen. Und ich versuche in meinem Reden, Schreiben und Coachen Leute zu einem „Out of the box„-Denken zu inspirieren. Aber ob das gelingt und ob man wirklich Neues bewegt, können im Grunde nur die Anderen beurteilen.

Darum war diese Karte so wohltuende Anerkennung für mein visionäres Herz, das regelmässig in Mitleidenschaft gezogen wird. Denn: Wer wagt, was alle anderen als „Geht nicht!“ abtun, macht sich verletzlich. Der Visionär sieht vor seinem inneren Auge Dinge, die sind für andere schlicht nicht vorstellbar. Darum werden Visionäre häufig auch als Träumer abgeschrieben – und das ist eigentlich nur eine nette Formulierung für „Träum mal weiter du Spinner!“. Dass der Visionär da nicht von Selbstzweifel geplagt wird, sich selbst irgendwann als Spinner sieht und mut- und kraftlos seine Träume begräbt, ist reine Gnade – um ein schönes biblisches Wort zu bemühen, also ein Geschenk des Himmels.

Wir alle brauchen Wertschätzung und die Unterstützung unserer Mitmenschen – auch der Visionär, sonst wird er zum einsamen Träumer. Wir brauchen ErMUTigungsrufe von unseren Mitmenschen. Und genau das war diese Karte für mich: Da ist jemand, der mich seit dem gemeinsamen Studium aus Distanz begleitet, mein Träumen, Kämpfen, Scheitern, Feiern kennt und anerkennt: „Ich staune über deine Ausdauer!“.

Was bin ich? Visionär, Pionier, Siedler oder Poet?

Nicht jeder ist ein Visionär, nicht jeder träumt von Dingen, die es noch gar nicht gibt. Gott sei Dank! Denn ein Visionär für sich alleine bleibt tatsächlich häufig nicht viel mehr als ein Träumer. Um Neues schaffen zu können, braucht er Ergänzung, ist er auf Menschen um sich herum angewiesen. Erst gemeinsam wird aus der grossen Vision Schritt für Schritt eine neue Realität.

Deshalb sprachen die Referenten der Fresh expressions Impulstagung in Zürich von den vier unterschiedlichen Typen, die nötig sind, um Neuland zu erobern:

  • Der Visionär – er sieht Dinge, die noch gar nicht da sind, ihn treibt es zu neuen Ufern und er sucht das (noch nie dagewesene) Abenteuer.
  • Der Pionier – er lässt sich von der Vision begeistern, bricht voller Leidenschaft auf und kämpft mit grosser Kraft für das Neue.
  • Der Siedler – er schliesst sich der Reise an, sammelt die Menschen um das Lagerfeuer und unterstützt den Pionier in der Detailarbeit beim Aufbauen des Neuen.
  • Der Poet – er erzählt die Wundergeschichten der Anfänge und hält den Traum wach, für den die Visionäre und Pioniere leb(t)en.

Um das „Geht nicht!“ in ein „Das schaffen wir!“ zu verwandeln, braucht es nicht nur den Visionär, es braucht uns alle! An besagter Tagung war auch zu hören: „Neid sollte nicht die einzige Anerkennungsform sein.“ Was für ein scharfer Satz! Statt neidisch auf die Rolle und Fähigkeiten des anderen zu schauen, unterstützen und anerkennen wir uns besser gegenseitig darin, unsere spezifische Rolle wahrzunehmen!

KONKRET

  • Welcher Typ sind Sie? Wie/wo können Sie das ausleben?
  • Wie könnten Sie einer der anderen Typen bewusst wertschätzen und unterstützen?
  • Weitere Infos zur fresh expressions of church Bewegung in der Schweiz / in Deutschland.
  • Anstösse auf dem Weg, das eigene Leben mutig zu gestalten und zu neuen Ufern aufzubrechen, liefert auch mein Glücks-Buch.

Kreative Demut

Coming up with a solution is a creative act.
Eine Lösung hervorzubringen ist ein kreativer Akt.
Ed Catmull (Präsident von Walt Disney and Pixar Animation Studios, am Global Leadership Summit 2015)

Neben den hochkarätigen Referaten zu Leadership- und Persönlichkeitsthemen zeichnet sich der Global Leadership Summit für mich auch durch die Geschichten von Führungspersönlichkeiten und die Begegnungen mit anderen Leaders aus. Was gibt es bessers, als das Gehörte am Abend in einer sympathischen Runde beim Nachtessen zu verarbeiten?! Gemeinsam über Umsetzungsschritte nachzudenken und mit spannenden Menschen ins Gespräch zu kommen, die man daheim sonst gar nie trifft. Dabei zu spüren, dass man nicht alleine ist, dass andere auch vor Herausforderungen stehen oder zu hören, wie sie diese gemeistert haben – das tut mir gut.

Ja, überhaupt inspirieren mich die Storys von Menschen, die etwas bewegt haben, die gescheitert sind – und wieder aufgestanden sind, vielmehr als noch so manches brillantes Fachreferat. Fehlt die eigene Praxis, fehlt die eigene harte Auseinandersetzung im Alltag, dann fehlt die Bodenhaftung. Das wirkliche Leben und Verhalten von Leaders spricht lauter und deutlicher als alle Worte, als jede hübsche Theorie.

Dazu gibt es eine eindrückliche Backstage-Story von Ed Catmull (Präsident von Walt Disney and Pixar Animation Studios). Nach dem Talk zwischen ihm und Bill Hybels traf dieser äusserst erfolgreiche Trickfilmemacher hinter der Bühne das Enkelkind von Hybels. Und was macht Catmull? Er kniet sich nieder um mit dem Jungen auf Augenhöhe sprechen zu können.

Dieses Zeichen der Demut spricht eine deutliche Sprache – und unterstützt, was der grossartige Kreativmensch kurz davor den 7’500 Zuhörern im Auditorium über Teamspirit und Kreativität sagte.

Leider habe ich auch schon das Andere erlebt: Leiter, die im Scheinwerferlicht einer grossen Bühne flotte Sprüche von sich gaben und sich hinter der Bühne ziemlich arrogant aufführten.

Was Catmull da schier im Verborgenen (hätte Hybels es später nicht auf der Bühne erzählt, wüsste es kaum jemand) tat, passt gut zu dem, wie Jesus mit den Kindern umgegangen ist. Dadurch, dass Jesus damals die „Geringsten“ zu sich heran liess und wohl sogar sein „Fachreferat“ unterbrach, unterstrich er nachdrücklich seine Botschaft der Liebe, Mitmenschlichkeit und Demut.

Vergessen wir also nicht – ob wir nun Führungspersonen sind oder nicht: Unser Verhalten spricht immer eine lautere Sprache als unsere Worte!

Und was den Talk mit Catmull am Leadership Summit angeht, hier noch einige Kerngedanken:

  • Kreativität erfordert Offenheit – nicht einfach immer dasselbe wiederholen! Darum brauchen wir Horizonterweiterung: Neues anschauen, kennen lernen.
  • Kraft von Storys: Geschichten sind die Art, wie wir kommunizieren – auf allen Ebenen: Familie, Schule, Organisationen, Firmen. Gute Storys berühren immer Emotionen. Storys verändern die Welt!
  • Feedback-Kultur bei Pixar:
    – Peer to Peer (Filmemacher zu Filmemacher)
    – keine Machtstruktur (Feedback ist kein Kündigungsgrund)
    – Vertrauen in Erfolg des anderen.
    – Interesse am Projekt – alle sollen gewinnen.
    – Zuhören
  • Fehler umarmen: Wir werden scheitern – so oder so – aber wir können unsere Organisation zu einem sicheren Ort machen, wo scheitern erlaubt ist.
  • Werten zuzustimmen ist der erste kleine Schritt. Bis sie leben, dauert es Jahre. Vertrauen kann man nicht bloss zustimmen. Vertrauen erntest du!

Ein Mensch kann viel erreichen, wenn seine Worte und sein Handeln zusammenpassen – als Führungsperson in Firma, Kirche oder Politik, aber auch als Mutter/Vater oder Freund.

 

KONKRET

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

Frisch bleiben – in Job und Leben

Ich werde fürs Nachdenken, fürs Dranbleiben, für gute Ideen bezahlt. Das alles gelingt leichter ohne permanente Reizüberflutung. 
Martin Eppler

Das hat mein Interesse sofort geweckt: „Warum der weltweit gefragte Mieden-Professor aufs Handy verzichtet“ stand vor zwei Wochen über dem Interview in der Zeitungsbeilage „Stellen Markt“.

Und tatsächlich, dass Interview mit Martin Eppler, aus welchem auch das obige Zitat stammt, hat einiges an Perlen zu bieten. Von Anregungen zum Thema Visualisierung und Sitzungskultur über eine Art Zauberformel für KLARE Kommunikation bis zu wertvollen Gedanken zum Zeitmanagement.

Eine Hilfe im Umgang mit der Zeit ist es, wenn wir in unseren Tätigkeiten unseren Interessen und Leidenschaften folgen können, das erlebt auch Martin Eppler. Und was er bezüglich Zeitmanagement sagt, entspricht natürlich meiner Überzeugung als LifeBalance-Coach:

Und ich vermeide es, mir die ganze Woche mit fixen Terminen zuzupflastern. Es passiert immer Unvorhersehbares und wir sind ohnehin keine Maschinen. Wir brauchen Auszeiten. Ohne Musse sind kreative Spitzenleistungen schwer möglich.

Wer Arbeit mit hoher Qualität und Kreativität abliefern will, muss es auch verstehen, richtig Pause zu machen. Höchstleistung braucht Frische im Kopf.

Frische im Kopf fördern

Was kann helfen, diese Frische im Kopf zu erhalten oder neu zu gewinnen? Als erstes sich wie genannt Zeiten der Musse und ganz allgemein Auszeiten gönnen.

Immer wieder betont und doch so wenig beherzigt wird das Thema Schlaf. Ein wacher Geist lebt in einem ausgeruhten Körper.

Regelmässig „an der Firma, nicht in der Firma“ arbeiten, ist ein Tipp, den ich einmal aufgeschnappt habe. Wer sich andauernd vom Tagesgeschäft gefangen nehmen lässt, wird über kurz oder lang die Frische im Kopf verlieren. Wir brauchen immer wieder Momente, in denen wir quasi auf der Metaebene über unsere Tätigkeit nachdenken.

Und dann ist da die Steilvorlage vom Medien-Professor, der aufs Handy verzichtet: „Die Smartphones verleiten uns dazu, jede kleine Pause mit Unsinn zu füllen. … Wenn neue Inputs für einen Moment ausbleiben, sind wir wie Süchtige auf Entzug“, sagt Martin Eppeler.

Ich möchte nicht gänzlich auf mein Smartphone verzichten, doch ich versuche bewusst einen Tag pro Woche ohne Mails, Internet & Co. auszukommen. Weil es meinen Kopf frisch hält.

Ablenkungen ausschalten

Diese nützlichen Errungenschaften können nämlich auch ganz schnell zum Gegenteil werden: Eine andauernde Ablenkung im Arbeitsprozess. Genau darum ist der Umgang mit Ablenkungen auch immer ein grosses Thema in unserem Workshop Motivationstag Mehr Zeit.

Für Menschen mit Führungsverantwortung und/oder mit hohem Anteil an kreativer Arbeit empfiehlt sich der Zeitmanagement-Tipp der „Stillen Stunde“. Festgelegte Zeiten, in denen man weder per Mail, Telefon noch persönlich erreichbar ist. Überhaupt ist der sinnvolle Umgang mit der Kommunikationsflut eine grosse Herausforderung für viele.

Grundsätzlich gilt es, sich zu fragen, wie man es persönlich am besten schaffen kann, fokussiert zu arbeiten. Und das kann dann bei jedem etwas anders aussehen, weil es auch mehrere unterschiedliche Zeittypen gibt.

 

WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE ZUM THEMA

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

Das Leben als Film

Diesen Sommer hatte ich die Möglichkeit, als Statist bei den Dreharbeiten für den Kinofilm „Eine wen iig… – dr Dällebach Kari“ dabei zu sein. Für mich war dieser nahe Blick hinter die Kulissen einer solch aufwendigen Produktion neu. Da mich grosse Projekte grundsätzlich faszinieren, war ich von diesem Treiben am und ums Set beeindruckt: Ein sympathischer Oscarpreisträger in Flipflops (Regisseur Xavier Koller), der ruhig seine Anweisungen gibt, sich nicht zu schade ist, selbst anzupacken, und schon mal eine Runde mit den Kindern rennt.


Eindrücklich auch der logistische Aufwand: Schon nur fürs Catering waren mehrere Lieferwagen unterwegs. Für paar Sekunden Regen im Film war die Feuerwehr gut 10 Stunden vor Ort. Ganze Strassenzüge wurden umgestaltet und Gebäude sogar neu gebaut. Schon nur für eine kleine Szene waren rund 50 Crewmitglieder am Set. Und jeder hatte seine klare Aufgabe. Alle arbeiteten einander in die Hand. Trotz stundenlanger Arbeit, oft auch in der Nacht, war die Stimmung ruhig und angenehm.
Als kleiner Teil eines riesigen Projektes bin ich nun natürlich gespannt auf das Resultat, welches gegen Ende Jahr im Kino zu sehen sein wird. Doch als Life-Balance Coach und Seminarleiter interessiert mich der Mensch hinter der Kamera noch mehr als das Kunstwerk auf der Leinwand. Was bleibt, wenn die Kamera abgeschalten ist?
Während den Drehpausen waren immer wieder die Garderoben- und Maskenleute gekommen und warfen einen kritischen Blick auf Kleidung und Frisur. Und die Techniker sorgten dafür, dass wir im richtigen Licht standen. Doch wie ist das im richtigen Leben? Da gehören Falten, Fehler und Schatten dazu.
Natürlich können wir vom Film auch für unser Leben lernen! Ein guter Film zeichnet sich dadurch aus, dass er folgende zwei Dinge enthält:
  1. Die Figuren: Starke, markante Charakteren
  2. Die Geschichte: Spannende, zielgerichtete Story

Fürs „richtige Leben“ ergeben sich für uns daraus zwei Fragen:

  • Bin ich ein „starker Charakter“, eine markante Person mit klaren Konturen und Facetten?
  • Und: Ist meine persönliche Story spannend und zielgerichtet?

    Scheue ich mich nicht vor den Konflikten des Lebens und gehe ich trotz Hindernissen konsequent auf mein Ziel zu?
Dällebach Kari war mit Sicherheit ein starker Charakter. Seine Story ist auf jeden Fall spannend und liefert daher guten Stoff für einen Kinofilm.
Wie steht es mit meinem Leben? Welcher Filmtitel würde zu meinem Leben passen? Und lohnt es sich, diesen Film anzusehen?

Inspiration auf dem Sessellift

Wann und wo fallen Ihnen Ihre besten Ideen ein?

Die wenigsten meiner kreativen Einfälle werden an meinem Schreibtisch geboren. Das ist auch einer der Gründe, warum ich eher selten in meinem Büro anzutreffen bin.

Auch wenn die vielen Bücher, die Ordner und natürlich der Internetzugang in meinem Büro eigentlich eine Unmenge von Ideen liefern, meine Inspirationsquelle für innovative Gedanken ist viel öfter ein Spaziergang durch die Natur – ohne Bücher, ohne Internet, dafür mit einem freien Kopf!

Kürzlich erlebte ich schon auf der Fahrt in die Winterferien, dass es in meinem Kopf losging: Da waren Ideen, frische Gedanken, Motivation und Tatendrang. Ich weiss nicht, was andere auf einer langen Autofahrt machen, aber den Alltag einmal hinter uns gelasssen, kommen meiner Frau und mir auf solchen Reisen immer mal wieder (ohne es gewollt zu haben) die besten Ideen in den Sinn.

Das Ziel der Ferien, zur Ruhe zu kommen, neue Motivation und Energie zu tanken, war schon nach der Hinreise erfüllt. Eigentlich hätte ich bei unserer Ankunft in Schruns (A) gleich wieder mit der Arbeit beginnen können. Doch die Sonne, der Schnee, die geliebten Pisten, die ungewohnte Umgebung und die Fahrten alleine auf dem Sessellift sorgten für viele weitere inspirierende und motivierende Momente.

Kreative Einfälle gibts selten auf Knopfdruck. Was mir bei der Suche nach frischen Ideen hilft:

  1. Das „Tagesgeschäft“ hinter mir lassen.
    Darum gelingt mir Kreativarbeit besser ausserhalb meines Büros.
  2. Den Gedanken freien Lauf lassen.
    „Zielloses“ Nachdenken bringt eher eine neue Idee als stundenlanges „Grübeln“ über einem Problem.
  3. Eine anregende Umgebung aufsuchen.
    Das ist bei mir oft die Natur (Wald, See), kann aber auch ein Strassencafé oder sogar eine Autofahrt sein.
  4. Offensein für unerwartete Inspirationsquellen.
    Etwas nicht Alltägliches regt meine Kreativität viel eher an als das Gewohnte. Ein Kinofilm löst nicht selten neue Ideen aus oder eine Konferenz, ungewohnte Begegnungen, ein mir bisher fremder Ort…
  5. Horizonterweiterung im Alltag suchen.
    Wer Neues entdecken will, muss „ausserhalb der Box“ denken. Innovation und Inspiration bedingen, dass ich versuche, den bekannten Rahmen zu sprengen.

Man könnte zusammenfassend auch sagen: Man muss Spass haben, wenn man auf der Suche nach frischen Ideen ist!

Dazu folgendes Zitat:

„Was wir kreative Tätigkeit nennen, sollten wir nicht „Arbeit“ nennen, weil sie das nicht ist. Ich denke, daß Thomas Edison in seinen letzten fünfzig Jahren nicht einen Tag gearbeitet hat.“
(What we callcreative workought not to be called work at all, because it isn‚t. I imagine that Thomas Edison never did a day’s work in his last fifty years.)
Stephen Butler Leacock (1869-1944), kanad. humorist. Schriftsteller