Schwierige Gespräche führen

Im letzten Blogartikel schrieb ich über die sehr interessante Ausstellung „Fake. Die ganze Wahrheit“ im Stapferhaus Lenzburg und schloss den Artikel mit dem Gedanken, dass wir den schwierigen Gesprächen nicht aus dem Weg gehen sollten.

Das schreibt sich so einfach. Hand aufs Herz: Wie gut bist du darin, die schwierigen Gespräche wirklich zu führen? Öfter als mir lieb ist, mache ich erstmal einen Bogen um solche Gespräche: Da ist eine unbefriedigende Situation, die eigentlich angesprochen werden sollte, aber da gibt es so einiges, das mich hindert, diese Gespräche zu führen.

Was, wenn ich die richtigen Worte nicht finde?

Was, wenn mir meine Emotionen einen Strich durch die Rechnung machen?

Was, wenn mich mein Gegenüber nicht versteht?

Was, wenn durch das Gespräch mehr Geschirr zerschlagen wird, als dass es zur Klärung führt?

Was, wenn durch das Gespräch Beziehungen in Brüche gehen?

Doch oft sind eben gerade diese schwierigen Gespräche auch nötige Gespräche. Darum machen wir besser keinen Bogen um sie.

Am Global Leadership Summit diesen Summer sagte es Sheila Heen so: „The difficult conversations in our lives are often the most important conversations in our lives.“ (Die schwierigen Gespräche in unserem Leben sind oft die wichtigsten Gespräche in unserem Leben.)

Zum Glück unterstrich sie nicht nur die Wichtigkeit solcher Gespräche, sondern gab uns auch einige Hilfestellungen dazu, wie wir in diese Gespräche gehen können.

Alles steht Kopf

Die besondere Herausforderung schwieriger Gespräche ist ja selten die Sachebene: Da gibt es Argumente, die sachlich besprochen werden und wir im Verlauf des Gespräches hoffentlich eine Einigung finden können (Selbst wenn die einzige Einigung ist, dass wir uns in dieser Sache nicht einig sind.).

Wirklich schwierig sind unsere Gespräche hinter den Gesprächen – die Gedankenspiele in unserem Kopf. Wunderbar veranschaulicht hat uns diese die Filmindustrie mit dem Animationsfilm Alles steht Kopf.

In Konfliktsituationen drehen sich unsere Gedanken oft um Fragen wie diese:

Wer hat Recht?

Wessen Fehler ist es?

Was motiviert den anderen? (Was ist sein Antrieb?)

Und je frustrierter wir über eine Person sind, umso negativer spielen wir die Story in unserem Kopf durch.

Eine erste Hilfe wird da sein: Wir können unsere Gefühle nicht an der Garderobe abgeben. Selbst im beruflichen Umfeld nicht und schon gar nicht in der Partnerschaft und im Familienleben.

Es bringt also nichts, wenn wir die Beziehungs– und Emotions-Ebenen ausblenden. Im Gegenteil! Gefragt ist ein transparenter Umgang damit, das Ansprechen von Gefühlen und das Eingeständnis, dass möglicherweise eine weitergehende Konversation nötig ist. Wir können die Angelegenheit nicht mit einer kurzen Besprechung abhacken.

Sheila Heen ermutigte mit ihrem Referat, die verborgene Ebene im gemeinsamen Gespräch ans Licht zu bringen. Und zwar in dem wir die obigen Fragen aus unserem persönlichen Gedankenspiel ins Gespräch bringen:

Wer hat Recht?
-> Gespräch über die Frage: „Was denken wir beide, um was es hier geht?“

Wessen Fehler ist es?
-> Gespräch über die Frage: „Was haben wir beide zur Situation beigetragen?“

Was motiviert den anderen?
-> Gespräch über die Frage: „Was wollen wir (gemeinsam) bewirken?“

Zu oft sind unsere Gespräche eigentlich zwei unterschiedliche Konversationen: Zwei Themen, zwei Sprecher, null Zuhörer.

Lass uns das ändern!

Glücksaufgabe

Nein, das Führen von schwierigen Gesprächen ist nicht gerade eine Glücksaktivität. Doch wenn wir einen Bogen um diese Gespräche machen, wird sich unser Glücksniveau auch nicht steigern.

Glücksgefühle machen sich breit, wenn wir uns den schwierigen Gesprächen stellen und diese konstruktiv führen konnten.

Welches Gespräch solltest du noch vor Jahresende führen?
Und wie willst du es angehen?

 

Ab dieser Woche wird mein GlücksBlog nicht mehr wöchentlich sondern ca. 14täglich erscheinen.

Macht lügen glücklich?

Gestern durfte ich im Rahmen einer Kommissionsreise die faszinierende Ausstellung „Fake. Die ganze Wahrheit“ im Stapferhaus Lenzburg besuchen.

Um es kurz zu machen: Ich kann einen Besuch nur empfehlen!

Warum?

Es ist eine spielerische, unterhaltsame, intelligente und interaktive Auseinandersetzung mit einem wichtigen Thema, das uns alle angeht: Unser Umgang mit der Wahrheit oder eben unser „Spiel mit der Lüge“ im Alltag.

Witzig war es, als Gruppe im Wettstreit gegeneinander Newsbeiträge als „fake“ oder als „wahr“ einzustufen. Gar nicht so einfach … Hört uns jetzt Facebook wirklich via Handymikrofon ab? Alles nur Käse oder stimmt die Schlagzeile „Käse-Desaster“ wirklich?

Richtig spannend fand ich die „Zentrale Lügenanlaufstelle“. Den Besuchern werden „wahre Lügengeschichten“ erzählt, also Geschichten, in denen Personen vor der Herausforderung standen: Lüge ich oder bleibe ich bei der Wahrheit?

Danach war es an jedem persönlich seine Einschätzung von der Lüge zu machen: „war notwendig“ bis „geht gar nicht“ oder gar „tödlich“.

Unsere Moderatorin brachte uns als Gruppe geschickt ins Gespräch über unsere persönliche Einschätzung zu den einzelnen Lügengeschichten. Ist es legitim einer Sterbenden etwas zu versprechen, dass man nie wird einhalten können? Wenn man im Ausgang Lügengeschichten über sich selbst erzählt – ist das spielerische Fantasie oder einfach dreist? Wie soll sich ein Sanspapier verhalten, wenn er während der Schwarzarbeit kontrolliert wird?

Einige Geschichten, die uns da aufgetischt wurden, waren amüsant, andere erzählten von einer persönlichen Not. Wie verhält sich eine Person mit einer bipolaren Störung im Bewerbungsprozess? Wird das psychische Leiden verschwiegen, weil andernfalls die Chance auf einen Job gegen null sinkt?

Ich liebte diese Diskussion als Gruppe. Jeder versucht auf seine Art Antworten auf diese nicht einfachen Fragen zu finden und die unterschiedlichen Begründungen verraten etwas von unseren Prägungen und unserer Haltung. Sehr bereichernd.

Wann ist lügen erlaubt?

Im Grundsatz ist meine Einstellung zur Lüge klar: Lügen geht gar nicht. Wenn ich merke, dass mich jemand anlügt, ist das mitunter der grösste Vertrauensbruch. So bin ich selbst aufgewachsen, so erleben mich nun auch meine Kinder: Wenn ich angelogen werde, hört der Spass auf.

Aber ganz so einfach ist es dann eben doch nicht: Was ist mit Halbwahrheiten? Notlügen? „Anstandslügen“ um den anderen nicht blosszustellen?

Ich tendiere dazu: Lüge ist Lüge.

Die FAKE-Ausstellung ist so aufgebaut, dass man ausgerüstet mit Besucherausweis Einblick in das „Amt für die ganze Wahrheit“ erhält. Und genau dieser Punkt fordert mich bei diesem Thema am meisten heraus: Ist es auch gelogen, wenn ich nicht alles – nicht die ganze Wahrheit – erzähle? Ich sage schon die Wahrheit, aber eben nicht die ganze.

Konkrete Situation: Ich habe einem Freund oder Mitarbeitenden ein Nein zu übermitteln. Muss ich ihm all meine Beweggründe offen legen, auch wenn ihn dies vermutlich sehr verletzen wird und das Potenzial hat, unsere Beziehung zu zerstören?

Hat Transparenz dort ihre Grenze, wo wir vermuten, dass unser Gegenüber mit diesen Informationen nicht umgehen kann? Oder beginnt nicht genau dort die Bevormundung unseres Gegenübers?

Aus meinen bisherigen Erfahrungen und Überlegungen sind das komplexe Fragen, die wir gar nicht so einfach beantworten können.

Wichtig scheint mir, dass wir diesen Fragen und vor allem den dazugehörenden schwierigen Gesprächen nicht aus dem Weg gehen.

Glücksaufgabe

Haben mich Lügen in meinem Leben glücklich gemacht? Wo werde ich immer mal wieder Opfer von Selbstlügen, die ich glaube?

Lügen sind vielleicht kurzfristig ein bequemerer Weg. Aber was ist der Lohn der Lüge – zum Beispiel wenn ich im Bewerbungsgespräch etwas vorgaukle?

Nutze deinen Einfluss zum Guten!

Nachdem ich gerade den Wikipedia-Eintrag über Strive Masiyiwa gelesen habe, bin ich ziemlich platt. Dieser Mann ist krass: Er ist ein simbabwischer Geschäftsmann, Unternehmer und Philanthrop. Miliardenschwer. Wurde von Barack Obama als Berater an einen G8-Gipfel gerufen, gewährte 100.000 jungen Afrikanern Stipendien, unterstützt über 250.000 Waisen mit Bildungsinitiativen …

Der Gründer und Vorsitzender des globalen Telekommunikationskonzerns Econet Wireless träumte davon, dass in Simbabwe und überhaupt in Afrika alle Zugang zur Telekommunikation erhalten würden. Seine Vision brachte ihm viel Spott und Widerstand: Die simbabwische Regierung von Robert Mugabe verweigerte ihm die Lizenz.

Doch er gab nicht auf und verfolgte seinen Traum mit viel Durchhaltewille (Grit):

Masiyiwa appellierte an das Verfassungsgericht von Simbabwe mit der Begründung, dass die Weigerung eine Verletzung der Meinungsfreiheit darstelle. Der simbabwische Gerichtshof, damals einer der angesehensten auf dem Kontinent, entschied nach einem fünfjährigen Rechtsstreit, der ihn an den Rand des Bankrotts brachte, zu seinen Gunsten. Das Urteil, das zur Abschaffung des staatlichen Telekommunikationsmonopols führte, gilt als einer der wichtigsten Meilensteine ​​bei der Öffnung des afrikanischen Telekommunikationssektors für privates Kapital. Der erste Mobiltelefon-Abonnent des Unternehmens wurde 1998 an das neue Netzwerk angeschlossen. (Quelle: Wikipedia)

Warum schreib ich das alles? Strive Masiyiwa war einer der Talk-Gäste am diesjährigen GLS. Ein kleiner, ruhiger, demütiger, fast scheuer Mann. Ja, neben dem schon äusserlich sehr eindrücklichen T.D. Jakes ging er fast unter.

Man musste gute auf die leisen Töne achten, um die bestechende Weisheit dieses Mannes nicht zu überhören.

Diese Begegnung zeigt mir: Es sind nicht die grossen Sprücheklopfer, die die Welt zum Besseren verändern. Was dieser unscheinbare Mann im Kampf für mehr Gerechtigkeit auf seinem Kontinent bewirkte, ist sehr eindrücklich.

Natürlich, sein Traum hat ihm schlussendlich auch sehr viel Geld gebracht. Er ist nicht nur einer der „World’s 50 Greatest Leaders“ (Fortune Magazine), er gehört auch zum Klub der Milliardären.

Ich freue mich, wenn solch demütige Persönlichkeiten ihren Reichtum nicht einfach selbstsüchtig verwenden, sondern so viel Gutes damit machen.

Und hier einige Perlen, die ich mir aus dem Interview mit Strive Masiyiwa notiert habe:

Mentoring ist toll, aber du musst es Modellieren.
Leute folgen dem Beispiel, das sie sehen!

Darum werden beim GLS unter dem Motto „Grander Vision“ immer auch Beispiele gezeigt, wie wir Einfluss positiv ausleben können: Jemand erfindet günstige Wasserpumpen und bringt Trinkwasser an abgelegene Orte. Einer bringt eine grosse Firma dazu, pro verkaufte Impfung eine in Afrika zu spenden.

Beispiele, die inspirieren. Wo sollten wir als Leiter weniger reden und mehr vorleben? Es braucht beides! Aber ohne Taten ist unser Reden nicht viel wert.

Und zum Reden sagt der, der die Mobiltelefone nach Afrika gebracht hat, es gehe um „Art of Speach not Art of Texting!“. Also die Kunst des Sprechens und nicht die Kunst der SMS.

Reden wir wieder miteinander! Wir müssen miteinander verbunden sein – wir als Menschen, nicht unsere Geräte.

Es geht darum, was aus unserem Herzen kommt.

Wir brauchen ein Team. Leute, die an dich „glauben“, dich aber auch hinterfragen. Ein Team, das zusammengeht!

Was wir nicht gerne hören, aber mindestens ich immer wieder erlebe:

Alles braucht länger als wir denken.

Und am Ende des Interviews steht in meinen Notizen nur ein Wort. Wahrscheinlich ist genau dies ein Schlüssel des Erfolgs von Strive Masiyiwa:

Respekt.

Glücksaufgabe

Welche oben erwähnte Perle spricht dich besonders an?

Wie kannst du sie (noch stärker) in dein Leben und Leiten integrieren?

Lebe unverschämt! – Sage „NEIN!“

Anfangs Woche hatte ich eine Teamsitzung um die nächste gms Matinée vorzubereiten. Bereits vor Monaten haben wir festgelegt, dass in unserer Serie „FULLDRIVE – aus dem Vollen schöpfen“ im September das Thema des Morgens „Unverschämt glauben“ lauten soll.

Ich fand die Idee von Anfang an toll. Doch mein Team war sich irgendwie unsicher: „Unverschämt? – ist das nicht zu negativ geprägt?“

Mit was verbinden wir denn unverschämt? Freche Jugendliche? Sich auf Kosten von anderen bereichern? Respektlos? – Natürlich ist das nicht das, was ich mit „unverschämt glauben“ verbinden möchte …

Nun, ich gebe zu, auch das Google Wörterbuch ist nicht auf meiner Seite:

Wir fanden dann im Verlauf der Kreativ-Sitzung den Kern, auf den wir hinaus wollen: Wir wollen einem angepassten Lebensstil den unverschämten Lebensstil gegenüberstellen.

Angepasste gibt es genug! Sei unverschämt, sei dich selbst!

Dazu forderte uns auch die dritte Sprecherin des GLS18 heraus: In der Gesellschaft und am Arbeitsplatz gibt es so viele die in Konformität leben, sich also angepasst verhalten.

Juliet Funt, CEO von WhiteSpace, beobachtet in vielen Firmen eine gewisse Trägheit: Keiner ändert sich, bis sich alle ändern und sich so doch wieder niemand verändert.

Die Erklärung davon: Die Macht des Gruppendrucks.

Um dies zu veranschaulichen, brachte Juliet Funt folgenden Videoclip mit auf die GLS-Bühne:

Auf dem Weg zu mehr Einfachheit im Alltag und im Unternehmen, kommt uns diese menschliche Verhaltensweisen in die Quere. Der Gruppendruck führt zu einer gefährlichen Angepasstheit.

Laut WhiteSpace ist rund die Hälfte von dem, was uns am Arbeitsplatz stört, unser eigener Fehler. Das ändert sich erst, wenn wir uns und das System hinterfragen. Eine kleine, sichere, „unverschämte“ (unerwartete, unangepasste) Handlung bringt vieles in Bewegung.

„NEIN!“-sagen lernen

Funt: „Everyone says yes because no one knows how to say no.“ („Jeder sagt ja, weil niemand weiss, wie man nein sagt.“)

Angepasste sagen ja, wenn es von ihnen erwartet wird. Unverschämte sagen auch einmal nein.

Als Führungsperson ist es praktisch, Leute zu haben, die immer anständig mit dem Kopf nicken und tun, was man von ihnen wünscht. Doch als Chef sollten wir uns einmal überlegen: Was für Mitarbeitende will ich eigentlich? Angepasste oder unverschämte? (Natürlich geht das jetzt nur, wenn wir das Wort „unverschämt“ positiv füllen. Auch ich will keinen respektlosen, selbstsüchtigen und verletzenden Mitarbeiter.)

Aber ich wünsche mir Leute in meinem Umfeld, die sich gewohnt sind, selber zu denken. Die eine ehrliche Antwort geben – und nicht die Antwort, die zwar gut tönt, aber nicht authentisch ist.

Das heisst für uns als Führungsperson: Sei kein Kontrollfreak! Lerne loszulassen! Lerne zu delegieren – nicht nur an deine Topleute! Sondern auch an Leute, die du entwickeln willst – denn das sind deine zukünftigen Topleute!

Und wie lernen wir jetzt NEIN zu sagen?

Bist du eine Führungskraft? Dann sorge dafür, dass in deinem Team, deiner Organisation, eine Kultur herrscht, in dem Nein gesagt werden darf. Dies kannst du zum Beispiel, in dem du einem Mitarbeitenden, der Nein sagt, erwiderst: „Danke für deine Offenheit/Direktheit.“

Was ich versuche: Wenn ich nein sagen muss, bemühe ich mich, dem Fragenden eine Alternative anzubieten. „Ich kann dir nicht helfen, aber schau doch mal dort …“.

Wenn du nicht direkt nein sagen kannst – oder auch noch nicht weisst, ob deine Antwort ein Ja oder ein Nein sein soll – dann bitte um Bedenkzeit.

Wenn du zusagst, kannst du auch gleich sagen, dass du diese Arbeit jedoch in Zukunft nicht immer übernehmen kannst.

Falls dein Nein aus zeitlichen Gründen ist, biete einen späteren Zeitpunkt an.

Ganz schön finde ich diesen WhiteSpace-Tipp: “I have something on my calendar.” (Make sure you write the actual word “Something” on your calendar in spare moments so you can be honest when you use this phrase.)

Wenn es dir schwer fällt, nein zu sagen, dann übe es. Vielleicht bei Freunden oder in der Familie. Du kannst sogar um Hilfe bitten, damit sie dich beim Nein-sagen unterstützen.

Den schönsten Satz sparte sich Juliet Funt für den Schluss auf: „Legacy is a story that has yet to be written, but you hold the pen.“ („Vermächtnis ist eine Geschichte, die noch geschrieben werden muss, aber du hältst den Stift.“)

Glücksaufgabe

Welches Vermächtnis willst du hinterlassen? Was schreibst du für eine Geschichte mit dem Stift in deiner Hand? Ein angepasstes Leben? Oder bist du unverschämt unterwegs?

Wie kannst du respektvoll NEIN sagen und dein Leben leben?

Trump, Schläpfer und die Ehe für alle

Der Andersdenkende ist kein Idiot,
er hat sich eben eine andere Wirklichkeit konstruiert.

Paul Watzlawick 

Die letzten zehn Tage lieferten wunderbares Anschauungsmaterial über den Zustand unserer Diskussions- und Streitkultur. Völlig verschiedene Themen, selbes Phänomen: Während einige wenige um eine sachliche, differenzierte Sichtweise bemüht sind, schiessen viele andere einen giftigen Pfeil nach dem anderen los, um entweder den eigenen Standpunkt lauthals klar zu machen oder um bewusst „den Feind“ empfindlich zu treffen.

In der direkten, persönlichen Begegnung mit dem Andersdenkenden gehen die Wogen in der Regel nicht ganz hoch – soviel Anstand ist uns noch geblieben. Es ist für viele auch eine (gesunde) Hemmschwelle, jemandem, der uns gegenüber sitzt, den wir persönlich kennen gelernt haben und mit dem uns vielleicht sogar eine Freundschaft verbindet, ehrverletzende Giftpfeile ins Gesicht abzufeuern.

Anders ist das in den Begegnungen in der digitalen Welt. Getarnt hinter dem sicheren Bildschirm, ausgerüstet mit der kraftvollen Tastatur wird der Mensch zum Tier. In E-Mails wurden mir schon Dinge zugemutet, die hätte mir der Absender in einem persönlichen Gespräch niemals an den Kopf geworfen.

Doch das war gestern, heute sind wir noch einen Schritt weiter: Debattiert wird heute auf Facebook. Und da verlieren einige nette Zeitgenossen tatsächlich hin und wieder jeden Sinn für Anstand. Man vergisst scheinbar, dass das, was man gerade in die Tastatur hämmert, nicht nur auf dem eigenen Bildschirm wiedergegeben wird, sondern häufig rund um den Globus „bestaunt“ werden kann.

Je anonymer umso besser: Während man auf Facebook noch mit seinem Namen für seine Meinungsbekundungen hinstehen muss, gibts in den Online-Kommentaren kein Halten mehr: Jede und jeder kann da unter einem Pseudonym seinen Frust loswerden und den Andersdenkenden verunglimpfen.

Wären Facebook und Online-Kommentare eine Art Klagemauer, an denen man Wahlniederlagen, Entlassungen oder andere Meinungen bedauern würde, könnten sie vielleicht sogar eine reinigende Wirkung haben – wie ein Gewitter nach einem Hitzetag.

Doch so scheint es mir selten zu sein. In der Regel arten die Äusserungen in regelrechte Grabenkämpfe aus und jeder Blitz dieses Gewitters ist ein Schlag ins Gesicht des Andersdenkenden. Geschrieben ist schnell, manchmal schneller als reflektierte Gedanken möglich sind, ein Blitz folgt auf den nächsten.

Wir haben immer eine Meinung, zu allem. Und einige müssen diese auch immer unaufgefordert loswerden – und schon wird wieder etwas in die Tastatur gehämmert, was wenig respektvoll, dafür sehr verletzend für unsere Mitmenschen ist.

„Ich habe mir dazu noch keine Meinung gebildet, aber rufen sie mich in 10 Tagen wieder an“, so würde Bill Hybels hin und wieder Journalistenanfragen beantworten, hat er kürzlich gesagt. Wenn sich ein so einflussreicher Leiter einer globalen Bewegung leisten kann, nicht zu allem eine Meinung zu haben (oder mindestens keine Meinung, die er öffentlich bekunden muss), sollten vielleicht auch wir lieber einmal weniger als einmal zu viel eine Meinung haben, die wir unreflektiert in die Welt hinausposaunen.

Möglicherweise würden nun doch einige noch gerne wissen, was ich zu Trump, Schläpfer und die Ehe für alle denke. Nur so viel: Die Erfahrung der letzten Woche, aber auch meine Erfahrung über die letzten Jahre, zeigt mir, dass Andersdenkende tatsächlich nicht unbedingt Idioten sein müssen. Man kann aus guten Gründen zu einer differenzierten, unterschiedlichen Ansicht kommen. Und: Man kann sogar durch Nachdenken seine Meinung verändern und weiterentwickeln. Ist erlaubt, hat mir selbst schon geholfen!

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die lernt, andere Meinungen auszuhalten. Ich muss das selbst aber noch etwas üben …

 

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich Gesellschaft“.

 

"Mach dich verletzlich!"

Be courageous. Be vulnerable. –
Sei mutig. Sei verletzlich.
Brené Brown (am Global Leadership Summit 2015)

Das braucht schon etwas Mut: Vor tausenden von handlungsorientierten, erfolgshungrigen Leaders zu stehen und zu sagen „Mach dich verletzlich!“. Dann noch von einer Frau (da Frauen auf Führungsebene immer noch massiv untervertreten sind, müssen sie sich leider zuerst behaupten, bevor man(n!) ihnen lernwillig zuhört).

Auf jeden Fall hatte am Leadership Summit Dr. Brené Brown genau diesen Mut und war auch bereit, sich verletzlich zu machen. Zum Glück! Was für eine Botschaft für Menschen, die etwas bewegen wollen, grosse Träume haben, ihre Visionen in Teilziele einteilen und sich gewohnt sind, handfeste Strategien zu entwickeln. Leadership ist mehr als bloss ein paar Managementtechniken anzuwenden. Managen können wir Finanzen und Maschinen – aber nicht Menschen.

Brené Brown sagte: „Wir wollen mehr Liebe, Intimität, Zugehörigkeit und Freude. Der Weg dazu geht über Verletzlichkeit.“ Diese menschlichen Grundbedürfnisse, die Sehnsucht geliebt und angenommen zu sein, sind bestimmt nicht dort zu finden, wo wir zwischen uns und unseren Mitmenschen eine Mauer aufbauen. Geben wir uns distanziert, oberflächlich und stets kontrolliert, wird die Intimität in einer Partnerschaft ab- und nicht zunehmen.

Doch diese Tatsache ist nicht nur auf unser Liebes- und Familienleben beschränkt. Sie zählt ganz allgemein für unseren Umgang mit Menschen – auch als Chef. Die allermeisten Menschen suchen nach Nähe, Zuneigung und einem Ort, wo sie dazugehören. Und dies werden wir erst erfahren, wenn wir uns öffnen und uns daher auch verletzlich machen.

Wie viele unnahbare Chefs kennen wir? Nur weil in der ganzen Firma alle per Du sind (weil das mal an einem Motivationsseminar so aufgezwungen wurde), heisst das noch nicht, dass eine Kultur der Zugehörigkeit, Wertschätzung und ja, sogar eine Kultur der Liebe herrscht (der Unterschied von einem guten zu einem Spitzenteam macht der Umgang miteinander, die gegenseitige Liebe, aus!). Es braucht echte Leaders, um eine solche Kultur aufzubauen. Menschen, die nicht Offenheit diktieren, sondern leben! Menschen, die bereit sind, zu scheitern – und auch dazu zu stehen. Menschen, die den Mut haben, sich auch von einer verletzlichen Seite zu zeigen.

Und dazu gehört auch, dass wir uns in Konfliktsituationen nicht einfach zurückziehen. Wie oft hat mir mein Bauchgefühl gesagt, dass etwas nicht stimmt. Und wie selten habe ich die Situation wirklich angesprochen. Ich wollte die Wahrheit im Grunde gar nicht wissen. Aus Angst vor Ablehnung, blieb ich lieber in der Ungewissheit.

Aber genau das ist eine grosse Gefahr. Brené Brown zeigte an Hand einer persönlichen Geschichte aus ihrem Ehe- und Familienalltag auf, dass wir dazu neigen, die fehlende Stücke einer Story selbst zusammenzubasteln. Sprich: Da gibt es eine irritierende Situation im zwischenmenschlichen Bereich und ohne nachzufragen fertigen wir unsere eigene Version der Geschichte zusammen. Unser Hirn glaubt zu wissen, warum der andere jetzt gerade so gehandelt hat. Doch unser Hirn kann leider nicht ins Hirn des anderen gucken und so passiert, was in den meisten Konflikten geschieht: Durch Fehlinterpretation eines Verhaltens fühlen wir uns zurückgewiesen, ziehen uns danach selbst zurück und statt mehr Intimität wächst eine Distanz zwischen uns.

Darum: Die Liebe gewinnt, wenn wir den Mut haben, uns verletzlich zu machen. Uns selber reflektieren, unsere Emotionen klären, einen Schritt auf den anderen zu gehen und Unangenehmes anpacken und so eine neue Kultur in unserer Partnerschaft, Familie, Organisation und Firma implementieren.

KONKRET

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.

Glück in der Liebe

Bei einer/m Anderen wächst das Gras nicht grüner.
Das Gras ist dort grüner, wo du giesst.
Shauna Niequist

Der Mythos hält sich hartnäckig: Was das Glück in der Liebe angeht, sind wir gnadenlos dem Zufall und den Schmetterlingen, die mal in diese und dann wieder in die andere Richtung fliegen, ausgeliefert. Und das führt dann zur verherenden Schlussfolgerung: Meine (Verliebtheits-)Gefühle bestimmen mein (Liebes-)Verhalten.

Genau in die gegenteilige Richtung zielt das obige Zitat: Nein, bei einer anderen Frau, bei einem anderen Mann, wächst das Gras auch nicht grüner – sprich: auch dort entspricht nicht einfach alles meinen Idealbildern, oder besser: Illusionen. Das Gras ist dort grüner, wo wir giessen – sprich: wir sind nicht einfach machtlos unseren Gefühlen ausgeliefert, sondern wir können unsere Gefühle beeinflussen, indem wir uns überlegen, wo wir uns investieren.

Wo ich Gedanken, Zeit und Energie investiere, wächst eine innere Verbundenheit. Und da stellt sich natürlich die Frage: Wo fliessen all meine Gedanken und meine Energie hin? Wer oder was steht da in Konkurrenz zu meiner Frau?

Darum: Wenn ich hier von Glück in der Liebe schreibe, geht es nicht ums Zufallsglück (engl. Luck), sondern um Glück im Sinn von Zufriedenheit (engl. Happiness).

Investition Nr. 1: Unsere Kommunikation

Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir in das Glück unserer Liebe investieren können. Gemeinsam ist den verschiedenen Varianten, dass sie alle ein Mindestmass unserer Aufmerksamkeit, unserer Gedanken, Energie und Zeit erfordern.

Aus meiner Sicht ist der (Un)Glücksförderer Nr.1 in den meisten Partnerschaften die Kommunikation. Worte können so viel anrichten – positiv wie negativ! Während uns die positive Kommunikation in der Verliebtheitsphase regelrecht zum Aufblühen treibt, droht unsere Liebe in der knappen Alltagskommunikation einzugehen. Woher hatten wir in der Verliebtheitsphase nur all diese Zeit und Energie? Hatte es wohl einfach mit der Neugier und dem Interessen am Gegenüber zu tun?

Wenn ja, dann gilt es, auch nach Jahrzehnten Ehe/Partnerschaft, das Interesse am Partner hochzuhalten. Wie kann das gelingen?

Eine wertvolle Hilfe finde ich das folgende Kommunikationsmodell. Und zwar ist es eine Weiterführung der Idee des aktiven Zuhörens. Im Wesentlich geht es darum, wie wir reagieren, wenn uns unser Partner etwas mitteilt. Martin Seligman schreibt dazu in seinem Buch Flourish: „Es gibt vier grundlegende Arten zu reagieren, von denen nur eine Art eine Beziehung aufbaut.“

Bestimmt haben Sie sofort herausgefunden, welche der vier Reaktionsmöglichkeiten die aufbauende ist. Und welche Form wählen Sie gewöhnlich in der Kommunikation mit Ihrem Partner oder mit Ihren Kindern? Bei mir ist es leider viel zu oft die „passiv-konstruktive Art“. Ich bin mit vielem Anderem beschäftigt und nehme mein Gegenüber bloss zur Kenntnis, statt dass ich durch konkretes Nachfragen aktiv Anteil nehme und meiner Frau damit Wertschätzung gebe und sie ermutige.

Glück in der Liebe ist kein Zufall. Unsere Zufriedenheit in der Liebe hängt in starkem Mass mit unserer Investition in die Beziehung zusammen!

 

WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE

  • Welche Investitionen in Ihre Partnerschaft planen Sie für die kommenden Monate? Hier drei entsprechende Veranstaltugnstipps:
    – „Z’Morge für Paare“ im Rahmen der Marriage Week:
    Sa, 31. Januar 2015 in Studen
    Timeout-Weekend für Paare:
    11. + 12. April 2015 im Zentrum Ländli
    – Relax-Wochenende für Paare:
    19. – 21. Juni 2015 im Zentrum Ländli
  • Weitere Artikel zur Paar-Kommunikation.
  • Buchtipp: Der Glücks-Faktor sowie Flourish von Martin Seligman.

 

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.

Sich (miss)verstehen

Um sich zu verstehen, brauchen die Menschen nur wenige Worte.
Viele Worte brauchen sie, um sich nicht zu verstehen.

Indianische Weisheit

„Unsere Ehe-Kommunikation hat mal wieder nicht funktioniert“, leicht resignierend und etwas frustriert versucht mir eine Bekannte zu erklären, warum sie sich erst jetzt für einen Anlass anmeldet. Kaum 24 Stunden bevor es losgehen soll und wir natürlich schon alles organisiert haben.

Ein klassisches Missverständnis: Auf die Aufforderung ihres Mannes hin, hat sie den Termin in ihrer Agenda notiert. Dabei ging jedoch vergessen, zu klären, wer sich bei uns, dem Veranstalter des Anlasses, melden würde.

Leider ist der Alltag voll von solchen und ähnlichen Missverständnissen. Gerade der Paaralltag bietet hier einen fruchtbaren Nährboden, der zu einem furchtbaren „Aneinander-Vorbei-Kommunizieren“ führen kann.

Störfaktore erkennen

Dank Kommunikationswissenschaftler wie Schulz von Thun wissen wir, dass es auf dem Weg zu einer gelingenden Kommunikation mehrere Hindernisse gibt. So erinnert uns das 4-Ohren-Modell daran, dass sich unser Kommunizieren nicht nur um die Sache selbst dreht, sondern auch immer eine Beziehungsebene hat und zudem spielen unsere Erwartungen an den anderen eine wesentliche Rolle. Nicht zu unterschätzen gilt es im Weiteren meine eigene Verfassung: Bin ich gereizt? Fühle ich mich schon im Voraus in einem Minus? Oder ist mein Grundgefühl eher von Arroganz und dem Wunsch, die anderen herumzudirigieren, geprägt?

All diese Faktoren zeigen, dass in jeder Kommunikation neben dem sachlichen Informationsaustausch sofort auch immer unsere Emotionen mitspielen. Und ein kurzer Selbsttest zeigt mir, dass die emotionale Seite der Kommunikation die sachliche Seite häufig überlagert. Ich ertappe mich regelmässig dabei, dass ich in E-Mails lieber das lese, was da gar nicht steht (Was finde ich zwischen den Zeilen? Was will mir mein Gegenüber wirklich sagen? …) und dann interpretiere ich das, was da nicht steht, auch noch und schon habe ich mehr mit meiner Emotionalität zu tun als mit der Sache selbst.

Kennen Sie das? Solche Prozesse geschehen ja meistens unbewusst, doch die unpersönliche und oft hastige Kommunikation mit den neuen Technologien lädt uns geradezu ein, zwischen den Zeilen zu lesen und zu interpretieren. Die Kommunikation in der persönlichen Begegnung scheint mir da etwas einfacher zu sein, weil es weniger Spielraum zur Interpretation gibt, resp. viel einfacher abgetastet oder direkt nachgefragt werden kann.

Nun, der Interpretationsspielraum bei der Kommunikation mit den neusten Technologien mag ein möglicher Störfaktor sein. Natürlich gibt es davon noch viele weitere. Gerade in der Kommunikation als Paar gilt es, herauszufinden, was das gemeinsame Gespräch behindern könnte:

  • Falscher Zeitpunkt?
    Z.B. weil die Kinder gerade kein persönliches Gespräch zu zweit zulassen.
  • Falsche Tageszeit?
    Z.B. weil einer der beiden zu müde ist nach dem anstrengenden Arbeitstag.
  • Falscher Ort?
    Z.B. weil die Ablenkung hier zu gross ist.
  • Falsche Voraussetzung?
    Z.B. weil die Stimmung bereits gereizt ist.

Das Bewusstsein von möglichen Störfaktoren ist der erste Schritt zu einer verbesserten Kommunikation. Wenn es uns dann noch gelingt, diese Störfaktoren aus dem Weg zu räumen, werden die Missverständnisse weniger.

 

WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE

  • Unser Seminar zum Thema: Was ich dir eigentlich sagen wollte… …oder die Kunst einer gelungenen Paar-Kommunikation.
  • Eine wohltuende, ganzheitliche und alltagstaugliche Auszeit für Paare – das ist unser Timeout-Weekend für Paare. Immer am ersten Weekend im April.
  • Weitere Artikel zur Paar-Kommunikation.

 

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.

You've got mail!

Wer meint, ständig verfügbar (erreichbar) sein zu müssen, 
wird eines Tages überhaupt nicht mehr verfügbar sein.
Stefan Gerber

Eine US-Studie sagt, dass sich das Kommunikationstempo seit 1825 um das 10-Millionenfache und das Reisetempo um das Hundertfache beschleunigt hat. Dieses Tempo hat seinen Preis: Die Zunahme der Informationsflut, die ständige Erreichbarkeit, Multitasking und damit verbunden der immer höhere Zeitdruck sorgen für eine ungesunde Beschleunigung „dank“ der digitalen Kommunikationsformen. Nicht nur deswegen, aber eben auch deswegen, hat der mentale Stress am Arbeitsplatz in den letzten 20 Jahren enorm zugenommen. Und als Folge von solchem Stress erleben wir seit einigen Jahren eine drastische Zunahme von psychischen Erkrankungen.

Während meine ersten Erinnerungen an „You’ve got Mail“ auf Grund des gleichnamigen Filmes mit Tom Hanks und Meg Ryan eher mit romantischen Gedanken verbunden sind, wird heute die Meldung von noch mehr neuer E-Mails im Posteingang von vielen als Bedrohung wahrgenommen. Tatsächlich ist die Überflutung des Maileingangs in immer mehr Jobs zu einer echten Belastung geworden.

So kommt es nicht selten vor, dass die Führungsperson im Familienurlaub am Strand liegend ihre geschäftlichen Mails checkt, nur um am ersten Arbeitstag nach den Ferien nicht unter der drückenden Last von Hunderten von neuen elektronischen Nachrichten zusammenzubrechen. Besser wäre jedoch, den ersten Arbeitstag bewusst „nur“ zur Abarbeitung der Mails zu nutzen und dafür während den Ferien wirklich abzuschalten. Erste Firmen entdecken diese Wichtigkeit des Abschaltens ihrer Mitarbeitenden und sperren zum Beispiel abends den mobilen Mailempfang (VW) oder verpflichten ihre Mitarbeitenden dazu, sich in den Ferien während mindestens fünf Tagen am Stück nicht in den Firmenserver einzuloggen (CS).

Was tun gegen die Mailflut?

Der Neurobiologe Joachim Bauer wird in der NZZ am Sonntag vom 5. Januar 2014 wie folgt zitiert: „Wir sollten über alle technischen Entwicklungen die Kontrolle behalten und uns nicht von ihnen beherrschen lassen. Das ist die Kunst, die es zu erlernen gilt.“

Somit geht es in erster Linie darum, dass wir technische Hilfsmittel als das nehmen, was sie eigentlich sind: Hilfsmittel. Wir sollen sie beherrschen und nicht sie uns. Doch das ist einfacher gesagt, als umgesetzt. Neben dem Arbeitsdruck ist im Umgang mit Mails nämlich noch ein anderes Phänomen zu beobachten: Selbst wenn es arbeitstechnisch nicht nötig ist, wandert unser Blick immer mal wieder in den Posteingang oder wir zücken auch in der Freizeit unser Smartphone um rasch die Mails zu checken.

Folgendes kann im Umgang mit Mails helfen:

  • Hinweise auf neue Mails deaktivieren (Symbole und Töne).
  • Fixe Zeiten für die Bearbeitung von Mails reservieren (wir rennen ja auch nicht ständig zum Briefkasten, um nach Post zu sehen).
  • Auf eine Tätigkeit konzentrieren (jede Unterbrechungen kostet uns Minuten, bis wir wieder konzentriert bei der eigentlichen Tätigkeit sind).
  • „24 h ohne“: Einmal pro Woche richtig abschalten und auf Mails, (Soziale) Medien und Dauerberieselung durch Online-News verzichten.

 

WEITERFÜHRENDE ANGEBOTE

 

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

Kommunikation mit Frustpotenzial

Zwei Dinge sind Zeichen von Schwäche:
Schweigen, wenn man reden müßte,
und sprechen, wenn man schweigen sollte.
Aus Persien

Kommunikation ist ein zentraler Bestandteil unseres Lebens. Unsere allgemeine Zufriedenheit wird massgeblich vom Gelingen oder Scheitern unseres Kommunizierens beeinflusst.

Wie schön ist es, sich mit seinen Gedanken und Gefühlen mitzuteilen und sich dabei von seinem Gegenüber verstanden zu fühlen? Auf der anderen Seite: Wie schmerzlich ist es, wenn es uns einfach nicht gelingt, uns so auszudrücken, dass das, was wir empfinden beim anderen ankommt?

Ob in der beruflichen Kommunikation, im Austausch mit Freunden oder im Reden zu zweit in einer Liebesbeziehung – überall warten einige Stolpersteine, die in unserem zwischenmenschlichen Kommunizieren zu unbefriedigenden Situationen führen können. Im internationalen beruflichen Umfeld können diese Stolpersteine mit den unterschiedlichen Kulturen und Sprachen zusammenhängen. Bei Freunden mag es zum Beispiel ein Hindernis sein, wenn unser Gegenüber lieber ununterbrochen von sich selbst spricht als uns auch mal Gelegenheit zu geben, uns auszudrücken.

Auch im Paaralltag sind die kommunikativen Hürden mannigfaltig. Einige mögen in der Unterschiedlichkeit von Mann und Frau begründet sein. Andere liegen in den verschiedenen Prägungen, die wir von unserem Elternhaus mitbringen. Und natürlich spielt auch unser jeweilige Persönlichkeitsstil eine grosse Rolle.

In die Beziehung investieren

Letztes Wochenende durften meine Frau und ich an unserem Kommunikationsseminar wieder einmal mit zehn anderen Paaren über die Kunst des positiven miteinander Redens im Beziehungsalltag nachdenken. Dabei durften die Teilnehmenden an einer Frustwand, je eine für Männer und Frauen, das loswerden, was ein zufriedener Austausch hindert. Eindrücklich ist diese Übung schon nur darum, weil es bei so manchen ein befreiendes Aha-Erlebnis gibt: „Ich bin ja gar nicht der einzige, der das so erlebt!“ Oder: „Ah, das kennen andere auch?!“

Natürlich blieben wir nicht dabei, einfach den Frust abzuladen. Wir nahmen die frustrierenden Erfahrungen auf und versuchten ihnen entsprechende Lösungswege gegenüberzustellen. Und wir beschäftigten uns auch mit einigen Grundlagen zur Kommunikation. Natürlich darf da auch das 4-Ohren-Modell von Schulz von Thun nicht fehlen, das eindrücklich verdeutlicht, wie sehr unser Kommunizieren eben ein Beziehungsgeschehen ist.

Wenn unsere Beziehung im „grünen Bereich“ ist, fällt uns auch das gemeinsame Kommunizieren leichter. Ist die Beziehung grad etwas ausser Balance, stehen wir in Gefahr, alles Gesprochene zwischen den Zeilen zu deuten. Und je nachdem wie wir das Reden unseres Partners deuten, gerät unsere Beziehung weiter in Schieflage.

Ich muss also nicht einfach nur im richtigen Moment reden oder schweigen, ich muss auch in unsere Beziehung investieren. Was unternehmen wir, um unsere Paarbeziehung zu stärken? Wie kann ich meine Liebe so ausdrücken, dass es beim Partner auch ankommt? Was erleben wir gemeinsam? Und was möchte ich mit meinem Gegenüber teilen?

 

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.