Erholsame Familienferien – gibt's das?

„Und, habt ihr euch gut erholt?“ fragte mich mein Chef nach den Sommerferien. Meine reflexartige Antwort: „Gut erholt? Erholung und Familienferien, das gibt’s doch gar nicht!“

Klar habe auch ich mich auf unsere Ferien gefreut. Und klar doch, es gab auch viele schöne Momente mit unseren Kindern – beim Erklimmen des Riederhorns, zum Beispiel. Oder als Statist auf dem Set vom Dällebach-Film.

Aber ganz ehrlich: Unter Erholung stelle ich mir etwas anderes vor. Auch wenn die mühsamen Zeiten – die Konflikte, die Reibereien und so – gesamthaft nicht mehr als ein bis zwei Stunden pro Tag ausmachen, die Energie, die da fast körperlich spürbar von einem weicht, laugt aus und hat ein grosses Frustpotenzial.

Ich habe einen Verdacht: Es geht nicht nur mir so! Wenn ich nämlich über meinen Ferienfrust spreche, ernte ich nicht selten ein verständnisvolles und sogar bestätigendes Kopfnicken.

Wie also gelingen Familienferien? Ist das überhaupt möglich? Nach meiner Einleitung sollte klar sein, dass ich folgende Tipps nicht als Besserwisser niederschreibe…

  • Idealbilder ausmisten: Die harmonischen Familienferien, in denen jedes Mitglied der Familie jederzeit völlig zufrieden ist, gibt es nicht! Bei der Planung haben wir da oft verklärte Vorstellungen von einer Familienidylle, die es nicht einmal im Film gibt. 
  • Erwartungen klären: Die zu hohen Erwartungen sind das Eine, die unterschiedlichen Erwartungen das Andere. Finden wir als Paar oder als ganze Familie Wege, die Erwartungen, die jeder mitbringt, auszusprechen und zu klären?
  • Wunschkonzert veranstalten: Damit haben wir schon mehrmals gute Erfahrungen gemacht: Jedes Familienmitglied darf eine bestimmte Anzahl Wünsche äussern. Alle Wünsche (z.B. ein bestimmter Ausflug, Kinoabend, Spaziergang….) werden schriftlich festgehalten und nach der Umsetzung abgestrichen.
  • Freiraum geben: So sehr wir uns darauf freuen: Rund um die Uhr als Familie zusammen zu sein, ist eine Herausforderung. Im Alltag hat jeder seinen Rhythmus mit Schule/Arbeit und Freizeitgestaltung. Wenn wir jetzt plötzlich alle die ganze Zeit zusammen sind, kann das leicht eine explosive Stimmung geben. Könnte es die Familienferien aufwerten, wenn jeder auch mal eine Stunde oder einen Halbtag für sich alleine „bekommt“?
  • Realistisch planen: Sind Wanderferien mit unseren Kindern möglich/sinnvoll? Was wollen (und können) wir bieten, was nicht? Ein überladenes Programm (= Freizeitstress), überfordert genauso wie eine Woche in der Stille mit wilden Kids.

Die nächsten Ferien kommen schon bald! Wie können diese positiv gestaltet werden? Welche weiteren Tipps und erprobten Erfahrungen gibt es?

Ein ähnliches Thema sind die Familien-Weihnachtsfeiern, welchen jeweils erwartungsvoll entgegen geschaut wird, manchmal aber auch im Desaster enden. Hierzu haben wir beim Radio Life Channel einen Alltagstipp produziert.
Diese Woche gings in meinem Blogbeitrag um den Lebensbereich „Partnerschaft & Familie“. Nächste Woche ist „Gesellschaft“ an der Reihe.

Liebe kann man lernen…

Mein Zitat am Dienstag
„Liebe kann man lernen. Und niemand lernt besser als Kinder. Wenn Kinder ohne Liebe aufwachsen, darf man sich nicht wundern, wenn sie selber lieblos werden.“
Astrid Lindgren (1907-2002), schwedische Kinderbuchautorin (Pipi Langstrumpf)

Verständnis zeigen

Gute Kommunikation beginnt beim guten Zuhören!
Man sagt: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Selbstverständlich gibt es auch eine falsche Art zu schweigen. Gerade in einer Partnerschaft kann das „falsche Schweigen“ sehr grossen Schaden anrichten.

Wie schweigen wir also richtig? Wie kann zuhören gelingen?

  • Erster und wohl schwierigster Punkt: ungeteiltes Zuhören!
    Heisst: Zeitung ablegen, Finger von der Tastatur, Handy bleibt in Tasche, keine Diskussionen mit den Kids, nicht in der Wohnung umherirren….
  • Dem anderen Raum (Zeit) geben: sich richtig ausdrücken zu können, braucht Zeit, ist kaum zwischen Tür und Angel möglich. Das heisst: Nicht „nervösele“, nicht ins Wort fallen, kein Zeitdruck. Und wenn es mal doch mehr Zeit braucht, als vorhanden ist => Termin abmachen, konkret (nicht: später mal).
  • Wache Gedanken: Man spricht von „aktivem Zuhören“. Das meint: Ich bin nicht nur physisch da, sondern auch mit meinen Gedanken. Ich folge deinen Ausführungen, versuche dich zu verstehen und zeige dir, dass ich ganz da bin (nicken, bestätigen, nachfragen).
  • Offenes Herz: Wir signalisieren dem Partner, dass es uns wichtig ist, zu erfahren, was ihn beschäftigt, was sie fühlt, wie es ihm/ihr geht.
    Es geht nicht nur um Verständnis (Kopf), sondern darum, sich einfühlen zu können und mit dem Herzen Anteil zu nehmen.

Wenn wir einander volle Aufmerksamkeit und echte Achtsamkeit schenken, ist das auch eine Form einer Liebeserklärung: Ich bin da für dich! DU bist mir wichtig!

Diese Gedanken stammen aus unserem Seminar „Hilf mir, dich zu verstehen!“. Beim letzten Timeout-Weekend für Paare beschäftigten sich 17 Paare mit der Thematik positiven Paar-Kommunikation.

Ein erster Blogbeitrag zu diesem Thema finden Sie hier: Hilf mir, dich zu verstehen!

NEWS: Weekend mit Adonette

Ein Timeout-Weekend für die ganze Familie


Seit Jahren bietet das Seeländer Ehepaar Brigitte & Stef Gerber alltagstaugliche Timeout-Weekends an.

In diesem Herbst führen die beiden nun erstmals ein Timeout-Weekend für Familien durch.

Diese Familienfreizeit wird von Brigä & Adonette mitgestaltet. Die in der ganzen Deutschschweiz bekannte und mehrfach ausgezeichnete Bauchrednerin Brigä und ihre vorwitzige Puppe Adonette werden auf ihre Weise den thematischen Schwerpunkt des Weekends, Leben

in Balance, beleuchten.

Neben den abwechslungsreichen Programmteilen für die ganze Familie (Spiele, Brigä & Adonette, Lagerfeuer…) gibt es spezielle Seminarblöcke für die Erwachsenen. Dort erhalten die Teilnehmenden Inputs um die eigene, gesunde Life-Balance zu finden.

Termin: Freitag, 16. September, ab 17 Uhr – Sonntag, 18. September 2011, ca. 16.00 Uhr

Ort: Ferienheim Bärgsunne, in Schwanden über dem Thunersee

Weitere Infos und Anmeldung via www.leben-in-balance.ch.

Bestrafe sie mit Freundlichkeit

Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege Böses mit Gutem. (Die Bibel)

… oder wie meine Frau zu sagen pflegt: „Bestrafe sie mit Freundlichkeit“.

Brauchen wir in unserer aufgeklärten Gesellschaft, in einer Zeit, in der sich alle „Weltfrieden“ wünschen, überhaupt noch solche Weisheiten aus dem alten Buch? Ist nicht längst schon jedem klar, dass dauerhafter Frieden nicht durch immer wieder neue Vergeltungsschläge herbeizuführen ist?

Klar wissen wir das – und zeigen mit dem Finger auf die weltpolitischen Brennpunkte, zum Beispiel im Nahen Osten.

Nur: Bin ich wirklich so viel besser, als die dort? Was, wenn mich meine Tochter zur Weissglut treibt? Besiege ich dann das Böse mit dem Guten oder werde ich nicht doch eher selbst „böse“?

Dabei ist das Prinzip „Besiege das Böse mit dem Guten“ (oder: „Bestrafe sie mit Freundlichkeit) gar nicht etwa so ein Weichspülerrezept für eine scheinbar heile Welt, in der alle nett zueinander sind. Es geht nicht darum, Böses gut zu finden. Auch nicht um ein billiges „Schwamm drüber“. Und schon gar nicht, Unrecht nicht mehr beim Namen zu nennen.

Was uns das Prinzip zu lernen hat, betrifft weniger unser Gegenüber, sondern uns selbst:

  • Geb ich einem Konflikt Macht über mich? Lass ich mich von den negativen Gefühlen beherrschen oder finde ich einen anderen Weg?
  • Lass ich mich von Agression gefangen nehmen und werde selbst agressiv? Oder sage ich zu mir: „Stopp, das musst du nicht mitmachen. Lass dich da nicht hineinziehen!“
  • Hab ich die innere Stärke, die Negativspirale zu durchbrechen?

Ob es fremde Länder sind oder Familienmitglieder, die im Streit miteinander liegen – das biblische Prinzip könnte viel zur Entschärfung beitragen. Wenn auf Agression weitere Agression folgt, wird aus der sprichwörtlichen Maus schnell einmal ein Elefant. Wenn wir jedoch versuchen dem Bösen mit dem Guten zu antworten, kann nicht selten ein schwerwiegender Flächenbrand verhindert werden.

Ich hab das Prinzip im Familienalltag selbst „getestet“: Wenn ich im Konflikt zurück brülle, weitet sich das Chaos weiter aus, die Stimmung sinkt und sinkt. Gelingt es mir, ruhig zu bleiben, vielleicht sogar meine Tochter in den Arm zu nehmen, Verständnis zu zeigen, kann das schreiende Kind plötzlich in ruhiger Stimme erklären, was sie bedrückt. Nocheinmal: Es geht nicht darum, einfach lieb und nett zu sein. Gerade als Vater will ich mich ja nicht von den Kindern an der Nase herumführen lassen. Doch es geht darum, die „Waffen der Agression“ mit den „Waffen der Liebe“ einzutauschen.