Ist Mitarbeitermotivation wirklich Chefsache?

Kennst du dieses bedrückende, viel zu lange Schweigen in einer Teamsitzung wenn gefragt wird: „Wer übernimmt diese Aufgabe?“?

Es ist so ähnlich, wie wenn an einem Comedy-Event Freiwillige gesucht werden – alle, bis auf diese eine Rampensau, die sich gerne auf jeder Showbühne sieht – blicken unauffällig zu Boden oder müssen gerade jetzt dringend aufs WC.

Heute ist Internationaler Tag der Freiwilligen. Ohne sie würde ganz viel still stehen in unserer Gesellschaft. Selbst wenn immer mehr Aufgaben, die früher durch freiwillig Mitarbeitende ausgeführt wurden, professionalisiert werden – es bleibt dabei: Unsere Gesellschaft mit einem vielfältigen Vereinswesen und einem weitreichenden Milizsystem lebt vom freiwilligen Engagement.

Wie aber motiviert man diese Freiwilligen? Oder auch unsere angestellten Mitarbeitenden?

Kürzlich war ich auf dem Health LeaderSHIP auf dem Bielersee, wo ich einen Teil des World Cafés moderieren durfte. Bei unserem Gespräch ging es genau um diese Frage der Motivation.

Ein Beitrag war sehr spannend: Ist es wirklich meine Aufgabe als Chef meine Mitarbeitenden zu motivieren? Darf ich nicht von ihnen erwarten, dass sie bereits motiviert zur Arbeit erscheinen?

Es ist überhaupt nicht so, dass dieser Chef sich vor seiner Verantwortung drücken wollte. Im Gegenteil: Er tut schon sehr viel, um ein motivierendes Umfeld für seine Mitarbeitenden zu schaffen.

Und genau da liegt sein Punkt: Ich kann meine Mitarbeitenden gar nicht wirklich motivieren – das wäre ja eine Art „Menschen antreiben“. Was aber meine Aufgabe ist, hat damit zu tun, Raum zu schaffen, damit meine Mitarbeitenden ihre Grundmotivation ausleben können.

Anders gesagt: Als Führungsverantwortliche sollten wir vor allem dafür sorgen, dass wir nicht etwa das Feuer, das in den Menschen brennt zum Erlöschen bringen, sondern sie darin unterstützen, dass sich dieses Feuer, diese Energie, weiterentwickeln kann.

Und da sprechen wir dann gerne vom Unterschied der intrinsischen und extrinsischen Motivation: Wirklich nachhaltig motiviert sind wir nur, wenn es von innen kommt, wenn wir Ziele verfolgen, die unsere persönliche Ziele sind.

Motivation von aussen hat eine sehr kurze Halbwertszeit. Aus der Glücksforschung wissen wir, dass materielle Anreize ihren Reiz ziemlich schnell verlieren.

Motivierte Leute im Bus

Jim Collins hat in seinem Bestseller Der Weg zu den Besten eine bemerkenswerte Feststellung gemacht. Er selbst war über dieses Resultat seiner Forschung überrascht: Oft spricht man davon, wie wichtig eine grossartige Vision ist.

Mit einer solchen leuchtenden Vision trommeln wir dann Leute zusammen, die von diesem Feuer, das bereits in uns brennt, angezündet werden sollen.

Collins Studien zeigten aber: Wichtiger ist, zuerst die richtigen Leute „im Bus“ zu haben und zusammen mit ihnen die Richtung festzulegen.

Diese „Reisegruppen“, in der man einfach gerne zusammen ist, gerne zusammen Projekte stemmt und die Zusammenarbeit für alle eine Inspiration ist, kann dann nötigenfalls sogar Kurskorrekturen vornehmen – man ist zusammen, weil man zusammen unterwegs sein will. Und nicht bloss weil einer eine Vision hatte, der man sich angeschlossen hat.

Eine grossartige Vision ohne grossartige Mitarbeiter ist belanglos.
Jim Collins

Und da ist er wieder, dieser Ansatz der Motivation: Wenn ich Leute für eine Vision motivieren muss, hat das etwas Aufgesetztes. Doch wenn Leute zusammen unterwegs sind, die sowieso schon motiviert sind, habe ich als Führungsperson eine ganz andere Aufgabe: Ich unterstütze meine freiwilligen oder angestellten Mitarbeitenden darin, das zum Leuchten zu bringen, was sowieso schon in ihnen brennt.

Gegenwärtig darf ich mit grosser Freude erleben, wie anders Teamsitzungen sind, bei denen sich Mitarbeitende sofort freudig freiwillig melden, um Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen. Kein beklemmendes Schweigen, sondern ein hoher Energielevel: Ja, das wollen wir. Lass es uns gemeinsam anpacken!

Glücksaufgabe

Kennst du deine persönliche intrinsische Motivation? Was ist deine Passion, das was dich beflügelt und du gerne tust – auch ohne Chef, der dich zu motivieren versucht?

Und wie könntest du das innere Feuer der Menschen in deinem Umfeld entdecken?

Veranstaltungs-Tipp: Der Leitungskongress mit Top-Speakern im Bereich Leadership, Ende Februar 2020 in Karlsruhe.

Gib nid uf!

Ich war noch nicht mal 20 Jahre alt, als ich erstmals ein Konzert organisierte. Damals hiess das, dass meine Eltern noch für die Verträge hafteten, die ich unterzeichnete … Und mein kleiner Bruder durfte in der extra für diesen Abend zusammengestellten Vorband als Schlagzeuger den Takt angeben.

Nun, es kam alles gut – weder ich noch meine Eltern wurden verhaftet und mein Bruder hat die „Macht des Drummers“ nicht missbraucht …

Inzwischen organisiere ich keine Konzerte mehr. Doch im Grunde war dieses eine Konzert der Startschuss in ein Abenteuer, das mich bis heute tagein, tagaus beschäftigt.

Vieles hat sich verändert – andere Leute sind mit mir unterwegs, Organisationen sind gekommen und gegangenen, Form und Stil haben sich (zum Glück!) immer wieder weiterentwickelt, die Locations sind andere geworden, Schwerpunkte und Aktivitäten wurden den Gegebenheiten angepasst.

Aber zwei Dinge sind über all die Jahre geblieben: Ich kann im Ausleben meiner Berufung und im Gestalten meiner Träume immer noch auf die Unterstützung meiner Familie zählen.

Und: Die Motivation hinter diesen Aktivitäten ist immer noch dieselbe. Es ging mir damals und geht mir heute darum, Menschen in meinem Umfeld, in unseren Dörfern, einen neuen, frischen Zugang zu Gottes Liebe zu ermöglichen.

Das war auch der Antrieb, als wir heute vor 20 Jahren am Reformationssonntag unter dem Motto „Ein Traum wird wahr!“ zum ersten gms Brunch in die MZH Studen eingeladen hatten.

Wir wollten eine etwas andere Kirche ins Leben rufen. Eine Kirche sollte es sein, in der jede und jeder seinen Platz finden kann, unabhängig davon, ob er sich selbst als „guten Christen“ als Zweifler, Gottsucher oder gar als Atheist sah. Hauptsache: Wir sind offen, Neues zu entdecken und uns vielleicht gerade von diesem Gott überraschen zu lassen.

Überraschungen auf dem Weg

Zwanzig Jahre später staune ich, was daraus geworden ist: Dieser Gott hat uns tatsächlich so manches Mal überrascht. Wirklich überrascht! Ich meine, ich hatte mit Überraschungen gerechnet. Aber als Visionär hatte ich irgendwie auch schon ein Bild davon, wie diese Überraschungen auszusehen hätten: Gross, aussergewöhnlich, laut und natürlich mit viel Glanz + Gloria.

Doch Gottes wirkliche Überraschungen kamen ganz anders daher: klein, bunt, leise und wenig glamourös.

Als Theologe kannte ich natürlich den Ansatz, dass wer leben will, zuerst loslassen muss. Der Weg zum Leben führt durchs Sterben, so in dem Stil. Aber solches wollte ich als 24jähriger Idealist natürlich überhaupt nicht hören.

Heute bin ich froh und dankbar, hat Gott nicht all meine Gebete erhört. Die kleinen Überraschungen waren in Wirklichkeit ganz grosse Überraschungen, wichtige Meilensteine.

Gut – aber halt einfach anders. Aber das wollten wir ja von Anfang an sein.

„Gib nid uf“ hiess die Tournee auf welcher die Band „Bouschtei“ vor etwa 25 Jahren bei uns Halt machte. Im Rückblick war dies ein prophetischer Anfang einer spannenden „Gospel Bewegung“: „Gib nid uf“ – das mussten wir uns in den letzten beiden Jahrzehnten so oft sagen, um an der Mission, die Gospel-Botschaft kreativ in unserem Umfeld zu vermitteln, dran zu bleiben – und nicht daran zu verzweifeln.

Wenn wir als Leiter über Jahre an unserer Mission dranbleiben wollen, brauchen wir „Grit“ – Klarheit über das WHY, Durchhaltewille, eine starke Vision und die richtigen Leute an unserer Seite.

Zum Jubiläum vom gms – gospel movement seeland danke ich allen, die sich mit mir auf diese spannende Reise gemacht haben. Besonders meiner Familie: Meine Eltern und mein Bruder M@, die schon damals bei diesem legendären „Bouschtei“-Konzert dabei waren. Meiner Frau, die mir von Gott gerade zum richtigen Zeitpunkt über den Weg geschickt wurde und natürlich unseren Kids, die inzwischen auch schon wertvolle Mitarbeitende sind.

Anlässlich vom 20jährigen gms Jubiläum werden Brigä und ich im nächsten Chäs, Brot, Wy – u üsi Gschicht mit Gott aus unserem Leben und unserer gms Geschichte erzählen. Einige freie Plätze haben wir noch.

Und hier unsere Botschaft zum Jubiläum:

Glücksaufgabe

Hast du genug „Grit“ um an deiner Mission dran zu bleiben? Wie kannst du diesen Durchhaltewille entwickeln?

Und: Hast du die richtigen Leute an deiner Seite?

Wind of Change

Liebst du Veränderungen? Die Chance ist hoch, dass du eher nicht zu denen gehörst, die sich voller Begeisterung auf Veränderungen stürzen.

Keine Angst, das ist nicht etwa gegen dich und mit dir ist auch überhaupt nichts verkehrt, wenn du nicht in laute Jubelschreie ausbrichst, wenn sich gerade eine Veränderung anbahnt.

Laut Change Management Lehre sind es nur etwa 5 Prozent – die Visionäre – die nicht nur Lust auf Veränderung haben, sondern diese auch gleich bei jeder sich bietenden Gelegenheit selbst initiieren.

Eine weitere eher kleine Gruppe gehört zu den Förderer: Sie nehmen eine neue Idee schnell auf, schliessen sich mit Neugier den Visionären an und werden zu wichtigen Botschaftern im Veränderungsprozess.

Weil wohl etwa 80 % der Menschen weder zu den Visionären noch zu den Förderer gehören, sieht es für jede Neuerung und Veränderung schlecht aus, wenn sich nur diese 20 % auf das Neue einlassen.

Darum gilt es, möglichst bald die positiven Mitmacher zu finden: Sie suchen die Veränderung nicht, lassen sich aber durch eine ansteckende Vision zusammen mit überzeugenden Argumenten mit auf den Weg nehmen.

Wenn ich mich richtig erinnere, wurde diesen positiven Mitmachern in meinen Weiterbildungskursen als Jungscharleiter (vor 25 Jahren …) den Namen „die schnelle Mehrheit“ gegeben: Sie suchen die Veränderung nicht, sind aber auch nicht grundsätzlich dagegen.

Dieser schnellen Mehrheit stehen die abwartenden Skeptiker gegenüber:

Warum die Komfortzone durchbrechen, wenn es hier doch gerade so gut läuft?

Warum den sicheren Hafen für das riskante Abenteuer verlassen?  

Brauchen wir das wirklich (auch noch)?

Wer soll das bezahlen?

Und die Killerfrage der Skeptiker: Was, wenn wir mit dem Neuen scheitern?

Das Gute dieser Gruppe: Mit der Zeit, wenn sie ihre Ängste formulieren konnten und beobachtet haben, wie andere mutig den Change gestalten, werden auch sie sich auf das Neue einlassen.

Ja, mehr noch: Es kommt der Tag, da werden auch sie erkennen, dass in jedem Change auch eine Chance steckt. Altes, Liebgewonnenes loszulassen ist mit Abschiedsschmerzen verbunden. Es darf, nein, es muss getrauert werden.

Erst wer trauert und das Alte verabschiedet, wird frei und offen für das Neue.

Die Gruppe der abwartenden Skeptiker ist im Grunde die wichtigste Gruppe, wenn wir eine Veränderung positiv und erfolgreich gestalten wollen. Wenn wir sie gewinnen, dann sind 80 % bereit für das Neue.

Die restlichen 20 % teilen sich in die Gruppe der Bremser und aktiven Blockierer:

Warum kann nicht einfach alles so bleiben, wie es ist?

Nun, wenn alles bleibt, wie es ist, bleibt irgendwann gar nichts mehr. Veränderung gehört zum Leben. Im persönlichen Leben gehen wir von einer Saison in die andere und so kennt auch jede Organisation unterschiedliche Phasen.

Natürlich muss man nicht jeden Tag alles auf den Kopf stellen, aber wer sich konsequent gegen jeden Wandel stemmt, ist auf die Sackgassse eingebogen: In unser schnelllebigen Welt wird untergehen, wer sich nicht auf Veränderung einlässt.

Zum Thema Veränderung gestalteten wir neulich eine ganze Kinderwoche und veränderten beim Abschlussfest auch ganz anschaulich Dinge: Brigä & Adonette waren für einmal nicht auf der Hauptbühne, sondern auf einer extra aufgestellten Nebenbühne. Der Kommentar eines Kindes: „Hä, warum ist Adonette dort? Das geht doch nicht. Adonette ist immer auf der grossen  Bühne!“

Eindrückliches Beispiel dafür, was Veränderungen bei uns für Reaktionen hervorrufen können.

Glücksaufgabe

Bei eben erwähntem Abschlussfest habe ich von Veränderungen im persönlichen Leben und den unterschiedlichen Phasen gesprochen:

Frühling – Geschäftiges Treiben, Veränderung, Neues bricht auf

Sommer – Easy Going, zur Ruhe kommen, Wärme tanken

Herbst – Früchte ernten, Erfolge feiern, Berggipfel erklimmen 

Winter – Abschied nehmen, Erschöpfung, innerlich stark werden 

In welcher Jahreszeit befindest du dich gerade? Was ist das Schöne in dieser Phase des Lebens? Was willst zu zelebrieren? Und was ist schmerzhaft? Wo ist Trauer angebracht?

Kleine Träume leben

Aus einer erstklassigen Konferenz mit hervorragenden Referenten einen Speaker besonders hervorzuheben ist wie wenn du Matterhorn gegen Eiger, Mönch und Jungfrau ausspielen würdest.

Ich tu es trotzdem: Beim diesjährigen Global Leadership Summit waren praktisch alle Referenten in der „Matterhorn-Liga“ und doch gab es ein ganz besonders Highlight für mich – und wie sich später herausstellte auch für viele andere Teilnehmende unserer Studienreise.

Liz Bohannon, Gründerin der sozialbewussten Modemarke Sseko Designs, legte so einen frischen Auftritt mit einem überraschenden Spezialeffekt zum Abschluss hin, dass es eine herrlich unterhaltsame Wohltat war, ihr zuzuhören.

Unterhalten können einige, dabei noch eine Message transportieren, ist eine besondere Gabe.

So überraschend ihr Auftritt, so unkonventionell ihre Message.

Wie oft hören wir an Konferenzen von Leadership-Experten oder lesen in Blogs und Büchern von überdrehten Motivationstrainern oder gefeierten Pastoren Sätze wie diese:

Dream big!
Träume gross!

Du bist etwas Besonderes!

Finde deine Passion!

Nun kommt diese freche Social Entrepreneurin, die eine beachtliche Sozial-Firma aufgebaut hat, und dreht all diese bekannten Motivationssprüche um:

Dream small!

Du bist Durchschnitt!

Du kannst deine Passion nicht finden!

Irritation im Auditorium. Was jetzt, sollen wir etwa nicht gross träumen? Sind wir nicht alle berufen, etwas Besonderes zu sein, unsere Passion zu finden und die Welt zu verändern?

Das Problem mit diesen gut klingenden Sätzen in Büchern und auf grossen Bühnen ist, dass sie oft nicht alltagstauglich sind.

Klar komm ich topmotiviert aus Chicago zurück; gerade noch in einer energiegeladenen Konferenz mit 7’000 Personen, die alle die Welt verändern wollen – und sitze nun in meinem 3’000 Seelen Dorf, in einem Büro, das abwechselnd einem Lagerraum oder einem Kinderhort gleicht, und soll gross träumen, daran glauben, dass ich etwas ganz Besonderes bin, meine Passion finden und endlich beginnen, die Welt zu verändern …

Wer es da nicht schafft, die grossen Träume ganz klein werden zu lassen, hat schon verloren. Diese riesigen Konferenzen in einem super inspirierenden Umfeld können ganz schnell mehr Entmutigung als Inspiration sein, wenn man den Transfer in den eigenen Kontext nicht schafft.

Da sitzt man dann, frustriert von der eigenen Situation und möchte möglicherweise all diese kleinkarierten Umstände hinter sich lassen und wartet auf den grossen Moment: Wie damals bei Rudi Carell „Eben noch in der Autowerkstatt, jetzt auf der grossen Show-Bühne!“ …

„Eben noch in dieser kleinen Firma mit zu wenig Ressourcen, jetzt auf der grossen Bühne der Weltveränderer.“

„Eben noch unbeachteter Pfarrer einer kleinen Landgemeinde, jetzt Champion of Change in der Topliga der Trendsetter.“

Dream big!

„Träume gross und es werden noch grössere Dinge, als du sie dir überhaupt vorstellen kannst, geschehen!“

Seit zwanzig Jahren lasse ich mich immer wieder gerne von hervorragenden Leadership-Konferenzen inspirieren. Es gibt da wirklich sehr viel Gutes und wenn ich es in mein Umfeld übersetzen kann, profitiere ich sehr davon.

Aber ganz ehrlich: Was ich in den letzten zwanzig Jahren alles geträumt habe. Ich sage nur so viel: Ich habe ein ziemlich grosses Vorstellungsvermögen …

Dream big!

Nun, das hat eben auch Liz Bohannon gemacht: Als Studentin hat sie sich vom Schreibtisch aus vorgestellt, wie sie die Welt verändern würde. Big Dreams, aber keine Umsetzungsschritte.

Grosse Träume können auch lähmen. Wenn die Träume so gross sind, dass wir nicht mehr wissen, wo wir mit der Umsetzung beginnen können, sind sie wohl doch eher zu gros.

Darum: Lieber kleine Träume, dafür mit konsequenten Umsetzungsschritten. Ein kleiner Schritt nach dem anderen – bis der kleine Traum vielleicht irgendeinmal tatsächlich unsere ganze Vorstellungskraft sprengt.

Wir brauchen nicht grosse Sofa-Träumer, wir brauchen kleine Schritt-für-Schritt-Weltveränderer.

Und wir werden überrascht sein, was wir gemeinsam schaffen können!

Glücksaufgabe

Welchen grossen Traum legst du vielleicht besser mal zur Seite um einen kleinen Traum anzupacken?

Vielleicht inspiriert dich dieser Song zu Dream small:

In diesen Tagen erscheint von  Liz Bohannon  das Buch Beginner’s Pluck: Build Your Life of Purpose and Impact Now

Wertschätzung gegen den Stress

Bei jedem vierten Arbeitnehmer in der Schweiz liegt das Stressniveau im kritischen Bereich:

Die neueste Erhebung des Job-Stress-Index in der Schweiz zeigt, dass der Anteil der Personen mit mehr Belastungen als Ressourcen leicht gestiegen ist; von 25,4% (2016) auf 27,1% (2018).

Quelle: Gesundheitsförderung Schweiz

Stress am Arbeitsplatz hat viele Ursachen. Weniger oft als erwartet, ist es die Arbeitsmenge als solches. Viel öfters liegen die Stressoren im zwischenmenschlichen, emotionalen und psychologischen Bereich.

Wenn ich von meinen Arbeitskollegen geschnitten werde, löst das mindestens so viel Stress aus, wie wenn ein Team mit zu wenig Ressourcen in zu kurzer Zeit zu viel Aufträge zu verarbeiten hat.

In einem sehr lesenswerten Interview der NZZ am Sonntag (26. Mai 2019) gibt Arbeitspsychologe Prof. Norbert Semmer zu diesem zwischenmenschlichen Stressor zu bedenken:

Isolation ist ein wichtiger Stressfaktor. Hat man das Gefühl, man werde übergangen, dann fühlt man sich ausgeschlossen, und das löst Stress aus.

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) im Allgemeinen hat viele Facetten, genauso wie die Stressbekämpfung im Besonderen.

Beim Lesen des besagten Interviews hat mich fasziniert, wie Norbert Semmer Stress und Wertschätzung in Zusammenhang bringt. Jeder will gesehen werden! – wie wir wissen (siehe Blogartikel 16.05.2019). Und das hat sehr viel mit Wertschätzung, Zugehörigkeit und Vertrauen zu tun.

Fehlt die Wertschätzung, steigt der Stress. Fühle ich mich jedoch von meinem Chef und/oder von meinem Kollegen wertgeschätzt, sinkt auch das Stressniveau – selbst wenn die Arbeit als solches dadurch noch nicht kleiner wurde.

Jeder, der schon mal eine wertschätzende Teamkultur erleben durfte, würde bestätigen, dass man mit einem solchen Team bei weitem mehr Leistung erzielt – und sich am Ende sogar noch energiegeladener fühlt als bei weniger Arbeit in einem mittelmässigen Team.

Kreative Wege für echte Wertschätzung

Meinen Mitarbeitenden oder Kollegen Wertschätzung zu schenken, ist im Grunde nicht schwer – man muss es einfach tun. Trotzdem gilt es einige Regeln zu beachten.

Sei konkret!
Das immer gleiche Pauschallob „Toll gemacht!“ lutscht sich sehr schnell ab. Wenn wir eine Person jedoch „auf frischer Tat ertappen“ und sie zeitnah und konkret für ihre Ausstrahlung bei der Präsentation, ihr Feingefühl bei der Verhandlung oder ihr „Out-of-the-Box“-Denken beim Brainstorming loben, wird unsere Anerkennung als Wertschätzung ankommen und positive Spuren hinterlassen.

Schaffe Zugehörigkeit!
Verlieren tun wir als Einzelkämpfer, gewinnen tun wir als Team. Ein Topmitarbeiter falsch eingesetzt, erschwert jede Teamarbeit. Ein mittelmässiger Mitarbeiter richtig eingesetzt, macht aus ihm einen wertvollen Teamplayer. Somit ist eine wichtige Führungsaufgabe, für jede und jeden den richtigen Platz zu finden. Und dabei eine Kultur aufzubauen, in dem sich alle als geschätzter Teil vom grossen Ganzen verstehen.

Gib Verantwortung weiter!
Ich fühle mich wertgeschätzt, wenn mir jemand grosse Aufgaben zutraut.  Durch das Anvertrauen wichtiger Aufgaben, inklusive entsprechende Entscheidungskompetenzen, drücken wir Wertschätzung aus.  Wie Norbert Semmer im Interview sagt, hat das nicht notwendigerweise mit der Abschaffung von Hierarchiestufen zu tun, sondern mit unserem Führungsverständnis.

Lebe Originalität!
Deine Wertschätzung ist anders als die von deiner Vorgängerin. Und das ist gut so! Steh zu deiner Art und versuche nicht jemanden zu imitieren. Aufgesetzte Wertschätzung kommt nicht an – auch nicht, wenn du es in einem teuren Managementkurs gelernt hast. Authentizität ist heute wohl wichtiger denn je.

Sei kreativ!
Nicht jeder spricht auf dasselbe an. Einer fühlt sich durch öffentliches Lob besonders wertgeschätzt, die andere freut sich mehr an einer persönlichen Karte, manchmal darf es ein kleines Geschenk sein. Lass dein Herz sprechen, sei überraschend, behandle nicht jeden gleich, aber lass allen deine Wertschätzung zukommen!

Glücksaufgabe

Langer Schreibe kurzer Sinn: Gib Wertschätzung weiter! Und am besten gleich hier und jetzt: Wen beschenkst du noch heute mit einem besonderen Ausdruck deiner Wertschätzung?

Entscheide dich für den harten Weg

„Dieser Weg wird kein leichter sein!“ singt mir Xavier Naidoo immer mal wieder in Gedanken zu.

In den letzten drei Wochen war ich gleich auf drei Konferenzen. Auch wenn es drei völlig unterschiedliche Settings waren, hier und da drückte an jeder der Tagungen Naidoos „Dieser Weg wird klein leichter sein!“ durch. An der einen Konferenz war sogar sein Keyboarder Florian Sitzmann (Söhne Mannheims) dabei.

Session 4 Josephine Aparo

Vom Berner Bildungstag hab ich hier schon geschrieben (Jeder will gesehen werden!). Unseren Mitmenschen die nötige Aufmerksamkeit zu schenken, ist für viele von uns nicht ein Selbstläufer. Es braucht unsere bewusste Entscheidung dazu – und immer wieder offene Augen für die Welt ausserhalb von uns selbst. Eben, „dieser Weg wird kein leichter sein!“, aber ein lohnenswerter.

Easy Going als Lebensziel?

In aller Deutlichkeit hat es Lee Cockerell, ehem. Vizepräsident Disney World, Florida, beim Youngster-Kongress von Willow Creek in Erfurt auf den Punkt gebracht:

Entscheide dich für den harten Weg – und das Leben wird einfacher.
Lebe den einfachen Weg – und das Leben wird härter.

Session 3 Lee Cockerell

Wie wahr das ist, illustrierte Lee einerseits mit seiner eigenen Geschichte – Lee stammt aus sehr ärmlichen Verhältnissen, hatte keinen Abschluss und schaffte es trotzdem durch harte Arbeit Schritt für Schritt an die Spitze von Disney World. Anderseits führte er uns mit simpeln Beispielen vor Augen, dass Easy Going-Lifestyle das Leben nicht einfacher macht:

Bewege dich heute zu wenig – und dein Körper bestraft dich morgen.

Investiere heute keine Energie in deine Ehe – und deine Beziehung landet morgen in der Sackgassse.

Geh heute den schwierigen Gesprächen aus dem Weg – und das Leben wird morgen komplizierter.

Entscheide dich heute für die einfachen Aufgaben und Projekte – und du wirst morgen möglicherweise gelangweilt sein.

Kurz: Das einfache Leben mag heute gemütlich sein, doch die Folgen davon könnten hart und ungemütlich sein.

Umgekehrt: Wenn wir heute bereit sind, den Preis zu bezahlen, die extra Meile zu gehen, etwas mehr zu tun, als es unserem „inneren Schweinehund“ gerade recht ist, wird sich dies positiv auf unsere Zukunft auswirken.

Und noch ein Rat von Lee Cockerell habe ich mir notiert: Du gibst Geld und Zeit aus. Geld kann man zurückgewinnen. Aber die ausgegebene Zeit kannst du nicht zurückholen. Investierst du deine Zeit in die richtigen Projekte und Leute?

Liebe und Gnade auf dem Weg

Zum Glück waren die Referate von Lee eingebettet in ein vielfältiges Programm mit ergänzenden Inhalten. Denn für sich alleine war diese Botschaft doch sehr geprägt von Selbstoptimierung um jeden Preis und der Leistungsgedanke stand im Vordergrund.

Session 2 Keith Cote

Ja, wir sind gut beraten, wenn wir uns für den harten Weg entscheiden. Doch so manche sind schon daran zerbrochen, weil sie es mit dem harten Weg übertrieben haben.

Darum war beispielsweise das Zeugnis von Blaine Hogen, Creative Director und Regisseur aus Chicago, Balsam für verletzte Seelen: Als angeschlagener Mensch erzählte er sehr authentisch, wie wir trotz dunkeln Punkten in unserer Vergangenheit Freiheit finden können.

Der harte Weg hat manchmal auch mit schmerzvollen Verlusten zu tun. Dafür entscheiden wir uns nicht, doch sie gehören zum Leben einfach dazu. Das dominierte die dritte Konferenz. Während der icf conference fanden die Verantwortlichen einen eindrücklichen Weg, um mit dem Tod einer ihrer Sängerinnen umzugehen.

Neben vielen guten Begegnungen, Inspiration und Motivation nehme ich aus diesen letzten drei Wochen mit der „Konferenz-Infusion“ folgendes mit:

Ich will mich für den harten Weg entscheiden und dabei nicht vergessen, dass das nur in Kombination mit Gottes Liebe und Gnade gesund ist – weil ich ohne göttliche Perspektive dazu neige, egoistisch, verbissen und/oder verbittert zu werden.

Glücksaufgabe

Manchmal fällt uns das Glück einfach zu. Öfter hat es jedoch mit unseren Entscheidungen zu tun.

Welche Entscheidung schiebst du vor dich hin, obwohl du weisst, dass sie dich weiterbringen würde? Welches Gespräch ist dran? Welche Investition (in deinen Ehe, deine Kids, deinen Job) solltest du anpacken?

Und weisst du, wo du Liebe, Hoffnung, Frieden und Freiheit findest, wenn dein Weg im Übermass hart ist?

Jeder will gesehen werden

Gestern durfte ich am Berner Bildungstag teilnehmen. Ein eindrücklicher Weiterbildungsanlass mit 6’000 Lehrpersonen in der Bieler Tissot-Arena.

Da ich noch nie dabei war und die Welt der Lehrpersonen nur von der politischen Behördenseite kenne, war ich sehr gespannt, was mich da unter dem Tagungsmotto „Menschenverstand“ erwarten würde.

Was ich erlebt habe, hat mich überzeugt: inhaltlich top, gute Präsentation, ansprechende musikalische Umrahmung mit dem James Gruntz Trio und drei fantastische Referenten: Prof. Dr. med. Joachim Bauer, Neurowissenschaftler, Arzt und Psychotherapeut; Kathrin Altwegg, Professorin für Weltraumforschung an der Universität Bern sowie Dennis Lück, Chief Creative Officer bei der Kommunikationsagentur Jung von Matt/Limmat und Werber des Jahres 2017.

Was Joachim Bauer aus den Neurowissenschaften erzählte, ist nicht nur für das Klassenzimmer relevant – Führungspersonen sollten sich die Erkenntnisse aus der Forschung unseres Gehirns genauso zu Herzen nehmen wie die Lehrpersonen.

Was der gesunde Menschenverstand schon längst weiss, wird auch durch Studien der Neurologie bewiesen: Jeder Mensch will gesehen werden!

Einerseits wird unser neuronales Motivations-/Belohnungssystem im Gehirn durch Bewegung, Sport und Musik stimuliert. Anderseits geschieht genau dies auch durch Gesehen-Werden, Akzeptanz und Freundlichkeit.

Die körpereigene Botenstoffe – unsere Glückshormone Dopamin, Opioide, Oxytozin – steigern unsere Motivation und Anstrengungsbereitschaft.

„Nimm mich wahr!“

Wir alle wissen, wie es sich anfühlt, wenn man übergangen und übersehen wird. „Das fünfte Rad am Wagen“, sagt man. Irgendwie fühlt man sich unnütz, fehl am Platz, überflüssig. Frust oder gar Sinnkrise können die Folgen sein.

Das wünschen wir uns nicht. Und so soll es weder den Kindern in der Schule noch unseren Mitarbeitenden oder ganz allgemein unseren Mitmenschen gehen.

Was sind nun also die Merkmale von diesem „Gesehen-Werden“, das wir uns für uns selbst wünschen und bei anderen bewirken möchten?

Prof. Joachim Bauer hat in die volle Tissot-Arena folgende einfache Merkpunkte eingeworfen:

Im Blickfeld: Die Person des Kindes/des Jugendlichen

Wir sind nicht nur „Hirn“ oder Leistung – wir wollen als gesamte Person wahrgenommen werden. Und das gilt nicht nur für Kinder!

Sprache und Körpersprache der Lehrkraft

Wir wissen: Wir können nicht nicht kommunizieren (Watzlawick). Was wir sagen, nicht sagen oder tun, resp. nicht tun, erzeugt im Gegenüber Resonanz. Kommuniziert meine Körpersprache, dass dies hier kein guter Ort zum Sein ist, wird die Motivation im Klassenzimmer, am Arbeitsplatz, am Familientreff … nicht gerade einen Steigerungslauf hinlegen. (Bauer brauchte das Beispiel der Lehrperson, die während dem Dozieren ständig zum Fenster rausschaut und damit sagt: Eigentlich wäre da draussen jetzt der bessere Ort zum Sein.)

Angemessene Dosierung von Lob

Lob beflügelt uns – kann aber in Überdosis auch süchtig machen. Wir wollen ja nicht Leute abhängig von uns oder unserem Lob machen.

Beachtung der Gruppendynamik

Ob Arbeitsplatz, Familie, Verein oder eben Klasse – wir sind immer Teil von einem System und stehen vor der Herausforderung, dass in diesem System jeder seinen Platz findet und nicht übergangen wird.

Die Kunst wertschätzender Kritik

Das ist wahrlich eine Kunst. Wahrscheinlich hat sie mit unserem Selbstverständnis als Lehr-/Führungsperson zu tun: Verstehe ich mich als Polizist oder als Förderer?

Verzicht auf Beschämung, Blossstellung oder Lächerlich-Machen 

Wie schnell belustigt man sich – auch als Führungsperson und in einer Vorbildfunktion – auf Kosten anderer?
Geht gar nicht! Wir wissen nicht, hinter welchem Mitlachen eine verwundete Seele weint.
Noch schlimmer als nicht gesehen zu werden, ist es wohl, wenn wir als Mobbingopfer abgestraft und zur allgemeinen Belustigung beschämt, blossgestellt und beschimpft werden.

Glücksaufgabe

Ganz ehrlich: Fühlst du dich im Moment gesehen? Oder übergangen?

Falls du dich übersehen fühlst: Wie kannst du diesen Zustand ändern? Wie bringst du dich selbst zur Wirkung? Wo machst du dich unnötig „unsichtbar“?

Und was tust du, um anderen das Gefühl von „Ich werde gesehen!“ zu verleihen? In welchem der vorgestellten Merkmalen willst du dich konkret verbessern?

Menschenwürdige Unternehmung

Vor zwei Jahren hatte ich am Entrepreneur Forum Seeland das Vergnügen, Bodo Janssen kennen zu lernen. Sein Referat traf ins Schwarze: „Betreiben wir Wertschöpfung durch Ausnutzung oder Wertschöpfung aus Wertschätzung?“

In einer Pause sprachen wir kurz über mein GlücksBuch, das ich ihm kurz davor geschenkt hatte. Er zeigte sich begeistert über die kurzweilige, einfache Form des Buches und sofort war klar, dass wir uns für dieselben Anliegen stark machen: Mehr Erfüllung und Zufriedenheit im Leben – auch im Berufsleben.

Einige Tage später schickte er mir seinen Bestseller Die stille Revolution zu. Mit Faszination habe ich das Buch über seine persönliche und unternehmerische Geschichte gelesen.

Nach dem Tod seines Vaters hatte er die Führung der elterlichen Hotelkette übernommen. – Und ist in Bezug auf die Mitarbeiterführung vorerst gründlich auf die Nase gefallen: Die Mitarbeiterbefragung ergab ein vernichtendes Ergebnis für den Chef.

Dies war jedoch nicht etwa das Ende. Im Gegenteil: Es war der Ausgangspunkt für „eine der beeindruckendsten Wandlungen der deutschen Management Geschichte!“, wie es das Magazin „Harvard Business Manager“ ausdrückte.

Nach Rückzug ins Kloster, Selbstreflexion, einüben einer gesunden Selbstführung war Bodo Janssen bereit für das, was heute Der Upstalsboom Weg bekannt ist.

Entstanden ist eine beeindruckende Unternehmenskultur, in der Mitarbeitende nicht einfach ein Kostenfaktor sind, sondern in erster Linie Menschen, die geachtet und wertgeschätzt werden. Viele von ihnen reden heute von Familie, wenn sie an ihren Arbeitsplatz denken.

„Vom wirtschaftlich geprägten Unternehmen haben wir uns zu einem menschen- und werteorientierten Unternehmen gewandelt“, so nennen sie es selbst und erzählen Interessierten gerne von ihren Erfahrungen.

Inzwischen ist sogar ein Kinofilm zu diesem faszinierenden Kulturwandel entstanden:

Natürlich habe ich nach unserer ersten kurzen Begegnung den Weg von Bodo Janssen aus der Ferne mit grossem Interesse weiterverfolgt. Und mich sehr gefreut, als er zusammen mit Anselm Grün ein weiteres Buch herausgegeben hat: Stark in stürmischen Zeiten.

Ein Buch für Führungskräfte, die begriffen haben, dass sie zuerst die Kunst der Selbstführung beherrschen sollten, bevor sie andere führen wollen.

Zugegeben, dieses Buch fand ich im Vergleich zum ersten Janssen-Buch streckenweise etwas langatmig und ich wurde nicht im selben Mass in Bann gezogen. Doch es gab immer wieder wertvolle Perlen auf dem Weg zu den letzten Seiten.

Und die haben es in sich. Während in der Mitte des Buches das Prinzip Führen durch Fragen vorgestellt wird, sind es genau diese Fragen, mit denen die beiden Leadership-Experten den Leser am Ende auf seinen eigenen Weg schicken:

Was möchtest du mit deinem Unternehmen den Menschen geben?

Gibst du Hoffnung auf ein gutes Leben?

Fühlen sich die Menschen in deinem Unternehmen verstanden?

Was für eine andere Unternehmenskultur hätten wir an manchen Stellen, wenn wir genau mit diesen Fragen unsere Organisationen führen würden? Mit solchen Fragen kommen wir zurück auf den Kern des Problemes: Existieren die Menschen für die Unternehmen? Oder sind die Unternehmen für die Menschen da?

Und das geht uns alle an! Wir brauchen nicht mit dem Finger auf die Grossunternehmen zu zeigen und uns an übertriebenen Bonuszahlungen aufzuregen.

Wir fragen besser, wie wir unser „Unternehmen“ führen, was wir aus unserem Einfluss (Denn: Jeder hat Einfluss!) machen: Gestalten wir unsere Familie, unseren Verein, unsere Kirche, unsere Freundschaften … menschenwürdig? Was geben wir den Menschen? Welche Hoffnung geben wir weiter?

Oder geht es uns am Ende doch bloss um unseren eigenen Profit?

Es folgen weitere tolle Fragen am Ende des Buches Stark in stürmischen Zeiten. Nur so viel sei hier noch „ausgeplaudert“:

Es beginnt mit Stille: Kann ich mich selbst aushalten?

Geht über Klarheit: Weiss ich, was ich will?

Und braucht Verletzlichkeit: Spiele ich Rollen – oder darf ich Menschen (auch meinen Mitarbeitenden) so begegnen, wie ich wirklich bin?

Glücksaufgabe

In diesem Artikel hat es viele gute Fragen. Wenn du es mit dem Glück – dem persönlichen, dem deiner Unternehmung und dem deiner Mitmenschen – ernst meinst, nimm die Frage mit in einen stillen Moment.

Und wenn du weitergraben willst, empfehle ich dir eines der erwähnten Bücher:

Die stille Revolution von Bodo Janssen

Stark in stürmischen Zeiten von Bodo Janssen und Anselm Grün

Glück finden – hier und jetzt von Stefan Gerber

Hast du „Grit“?

Heute ist ein guter Tag! Nein, der EHC Biel hat sich leider (noch) nicht für den Eishockey-Playoff-Final qualifiziert, aber ich bin trotzdem in freudiger Stimmung.

In einem Projekt, das mich als Gemeinderat seit ca. zwei Jahren stark beschäftigt, durften wir heute das Erreichen des zweitletzten Meilensteins feiern und nach intensiver Erarbeitungsphase die konkrete Umsetzung einläuten.

Zusammen mit externen Fachexperten hatten wir in der Projektgruppe eine klare Verlaufsplanung skizziert. Doch die Praxis hält sich bekanntlich selten an die Theorie: Fortlaufende Anpassungen waren nötig, Umwege mussten in Kauf genommen und Überzeugungsarbeit musste geleistet werden.

Es wurden unzählige Dokumente entwickelt, überarbeitet und von den zuständigen Stellen abgesegnet. Die „Papiere“ sind das Eine. Hinter solchen Dokumenten stehen Menschen aus Fleisch und Blut. Das heisst: Auch wenn es im Prinzip um etwas Technisches, um eine Sache, geht, werden ganz viele Emotionen geweckt.

In den letzten Tagen bevor der Souverän über Sein oder Nicht-Sein des Projektes zu entscheiden hatte, kochten die Emotionen besonders hoch: WhatsApp- und Telefon-Aktionen, Zeitungsartikel, Unterstellungen und Falschinformationen …

Am Ende kam es gut – der deutliche Entscheid des Souveräns war eine Genugtuung und darum gab es an der heutigen Projektsitzung nach all der Arbeit Grund zur Freude.

Mit Grit und Ruhe zum Ziel

Alle Verantwortlichen in diesem Projekt waren sehr gefordert – und werden es auch weiterhin sein. In der Reflexion, warum wir diesen alles entscheidenden Meilenstein letztlich sehr souverän erreichen konnten, kann wohl festgehalten werden:

Trotz emotionalen Misstönen und teils scharfer Kritik überzeugten letztendlich bei einer differenzierten Auseinandersetzung die sachlichen Argumente.

Dass dies gelungen ist, lag, so wurde es uns zurückgemeldet, unter anderem auch daran, dass die Projekt-Verantwortlichen Ruhe ausgestrahlt haben, trotz Gegenwind nicht in einen „Hü-Hott-Modus“ gefallen sind und Schritt für Schritt vorwärts (auch über den einen oder anderen Umweg) gegangen sind.

Schön, wenn man solche Rückmeldungen erhält. Ich selbst wollte auf dem gesamten Weg die Ruhe bewahren, was mir innerlich bei weitem nicht immer gelang. Es freut mich sehr, dass es mir jedoch gelang, im entscheidenden Moment Ruhe auszustrahlen und ich mich nicht auf emotionale „Spielchen“ einliess.

In früheren Projekten ist mir das nicht immer nach Wunsch geglückt – vielleicht werde ich tatsächlich nicht nur älter, sondern auch reifer …

Und eben: Grit! Es braucht so was von Grit, wenn man in grossen Projekten bis zum Ende durchhalten will, bis zum Ziel auf dem Weg bleiben will.

Als ich 2015 am Global Leadership Summit erstmals das Wort „Grit“ hörte, brauchte ich eine Weile, bis ich verstand, was gemeint war: Weder meine Sitznachbarn mit besseren Englischkenntnissen, noch der Google Translater konnten helfen.

Wenn ich dort nämlich Grit eingebe, erscheint noch heute das Wort „Streugut“. Naja, was hat jetzt Leadership und Projektarbeit mit Streugut zu tun?

Es gibt aber eben auch die Bedeutung: Rückgrat und Mut. Ich würde sagen, es geht um Durchhaltewille, um die Kraft, trotz Gegenwind nicht aufzugeben.

Und so passt Streugut vielleicht doch ganz gut: Selbst auf dem Glatteis den festen Tritt nicht verlieren, Halt finden und Halt geben.

Glücksaufgabe

Ohne Grit werden wir vieles nicht erreichen, was wir in unserem Leben und Beruf erreichen könnten, wenn wir nur nicht zu früh aufgeben würden.

Darum: Egal welche Projekte du vor dir hast – Gegenwind wird dir eher früher oder später ins Gesicht blasen. Damit du dann standhaft bleibst, brauchst du Grit.

Was kann dir helfen, die Ruhe und diesen Grit nicht zu verlieren?

… ohne müde zu werden

Neulich lachte mich auf einem dieser blauen Plakate in gelber Schrift folgender Satz an: „Werdet nicht müde, Gutes zu tun.“

Es war tatsächlich, als hätte der liebe Gott mit diesem Plakat eine Message für mich bereit. Der Spruch stand in einer Serie von Ereignissen, die mir halfen, mich in einem Entscheidungsfindungsprozess zu orientieren.

Vielleicht ist dir der Gedanke, dass da ein Gott ist, der zu uns Menschen spricht – erst noch von einer Plakatwand – etwas fremd. Wie du zu dieser Idee stehst, spielt jetzt eigentlich auch gar nicht so eine grosse Rolle. Lass uns doch einfach mal über diesen Satz vom Plakat nachdenken.

Meine erste Reaktion auf den Satz ist: Genau, da haben wir sie wieder, die biblische Aufforderung zu einer calvinistischen Arbeitsmoral. „Schaffe, schaffe, Häusle bauen.“

Werdet nicht müde.
Macht keine Pause.
Vergeudet keine Zeit.
Schlaft nicht zu lange.
Gönnt euch keinen Luxus.

Hm, will mir Gott sagen, ich soll mich einfach (noch) mehr anstrengen?

Nein, in meiner Situation heisst es ganz einfach:
Gib nicht auf!
Bleib dran!

Und dann dreh ich den Satz um und frage mich: Wie kann ich dafür sorgen, dass ich beim Guten, das ich tue, nicht müde werde?

Plötzlich komme ich auf ganz andere Folgerungen:

Mach mal Pause.
Vergeude auch mal etwas Zeit.
Schlaf genug.
Gönn dir ab und zu einen Luxus.

Wenn ich nicht müde, ausgelaugt, ausgepowert, erschöpft werden will, bei dem, was ich alles an Gutes tue, muss ich eben das Tun auch mal ruhen lassen.

Ausgewogen leben heisst für mich nicht ein langweiliges, immer gleiches monotones Leben. Nein, es kann für mich heissen: Diese Woche gebe ich Vollgas, ein Termin jagt den nächsten, dafür sind die Tage danach mit viel freiem Gestaltungsraum ausgestattet. Ich habe Zeit für mich, Zeit für liegengebliebene Büroarbeit, Zeit für meine Familie.

Gutes tun

Noch einige Gedanken zum zweiten Teil des Spruches – „Gutes zu tun“. Was ist denn das Gute, das wir tun sollen?

Sich für das Gute, für mehr Mitmenschlichkeit, Nachhaltigkeit, Liebe und Gerechtigkeit einzusetzen, scheint mir allgemeingültig zu sein.

Aber ich glaube auch dran, dass wir – jeder für sich – unser individuelles „Gute“ haben. Ich meine: Ich habe meine persönliche Berufung im Leben und du hast deine eigene.

Und bei Berufung kommt mir unweigerlich die Kategorisierung in den Sinn, die ich bei Martin Seligman von der Positivien Psychologie entdeckt habe:

Tu ich einfach einen Job?
=> Geld verdienen, weil es halt einfach Geld zum Leben braucht.

Bastle ich an meiner Karriere?
=> Erfolg suchen, um möglichst schnell aufzusteigen und mehr Geld zu verdienen.

Lebe ich meine Berufung?
=> Meine Bestimmung – meinen Platz – finden, weil ich mehr von diesem Leben erwarte als Geld, Erfolg und Karriereschritte.

Letzte Woche sass ich in Budapest in einem Meeting, das mit einer Reflexionszeit gestartet wurde. Wie gut tut das, mitten im Betrieb, mitten in strategischem Denken, eine Pause einzulegen und sich übergeordneten (Lebens)Fragen zu stellen.

Und nochmals hatte ich, wie beim Plakat, den Eindruck, als wolle Gott etwas zu mir sagen: Bist du success driven oder calling driven? Orientierst du dich am Erfolg oder an deiner Berufung?

Erfolg gehört für mich in die obige Kategorie von Karriere: Was dient meiner Karriere, meiner erfolgreichen Entwicklung?

Meine Berufung zu leben, kann aber heissen, dass ich mich gegen den (schnellen) Erfolg entscheide, gegen die Karriere.

Und dafür nicht müde werde, das Gute zu tun – an dem Platz, an den ich hingestellt wurde.

Glücksaufgabe

Zwei Dinge zum Weiterdenken:

Was heisst „das Gute tun“ in deinem Leben? Wo ist dein Platz? Was ist deine Berufung?

Das Gute zu tun, seine Berufung zu leben, kann ganz viel Ausdauer erfordern: Wie kannst du dafür sorgen, dass du dabei nicht müde wirst?