Strafe Gottes?

Was für ein Kontrast: Zuletzt schaute ich spätabends regelmässig bei CNN rein, um die dramatische Corona-Entwicklung in den USA und das ungeschickte Handeln des mächtigsten Mannes zu verfolgen. Gestern Abend jedoch liess ich mich spätabends nicht von drastisch steigenden Zahlen berieseln, sondern genoss unser traditionelles Sommerfestli in unserem Garten.

Liebend gerne würde ich nun über die Qualität dieser unbekümmerten Stunden zusammen mit anderen Menschen schreiben – doch dies tat ich schon letztes Jahr.

Und so kommen wir halt wieder zurück zu dieser Corona-Krise: Neulich, im Anschluss an einen Gemeindepräsidenten-Anlass, standen wir, soweit möglich mit der nötigen Distanz,  zusammen beim Apéro. Natürlich war das Thema gesetzt – einmal mehr ging es um Corona und wie wir damit umgehen würden.

Irgendwann kamen dabei auch die geschmacklosen Plakate, die suggerieren, Corona wäre die Strafe Gottes für unser Handeln, zur Sprache. Was ich als Pfarrer denn dazu sagen würde? „Ist Corona jetzt eine Strafe Gottes oder nicht; was sagst du dazu, Stef?“

Meine spontane Antwort ging in diese Richtung: „Nein, ich glaube nicht, dass Corona eine Strafe Gottes ist. Vielmehr ist es eine Gelegenheit, unser Leben zu reflektieren.“

Es ist einfach nicht fair, Gott Dinge in die Schuhe zu schieben, die wir im Grunde selber zu verantworten haben. So viele Krisen und Katastrophen auf dieser Welt sind ja tatsächlich hausgemacht oder eben „menschgemacht“.

Dann ist Corona als doch eine Quittung für unser Handeln? Ja, so formuliert stimmt der Satz wohl schon. Aber die Konsequenzen unseres Handelns mit einer Strafe Gottes gleichzusetzen, liegt mir fern.

Von Welt-, Menschen- und Gottesbildern

Ein Lieblingswitz von meiner Frau und mir geht so: „Als wir noch keine Kinder hatten, waren wir auch für eine konsequente Erziehung.“

In der Tat haben wir längst nicht all unsere edeln Vorsätze im hektischen Erziehungsalltag umsetzen können. Doch die Idee einer partnerschaftlichen Erziehung, die die Persönlichkeit des Kindes wahr- und ernstnimmt, dabei auch aushält, dass ein bestimmtes Verhalten auch bestimmte Konsequenzen mitbringt, gefällt uns nach wie vor.

Bin ich nun also ein strafender Vater, wenn ich mein Kind nicht vor den Konsequenzen seines Handelns bewahre?

Wo würde denn mein Kind landen, wenn ich es jedesmal vor den Folgen seines Handelns verschonen würde?

Und jetzt zurück zu Gott und Corona: Wo würde die Menschheit landen, wenn Gott uns vor jeder Katastrophe verschonen würde?

Krisen wie die gegenwärtige machen uns demütig, erinnern uns daran, dass wir nicht alles unter Kontrolle haben und lassen uns über den Wert jedes einzelnen Menschenleben nachdenken. Das ist die gute Seite der schrecklichen Corona-Tragödie.

Ich stelle eine böse Vermutung auf: Wenn wir unsere Kinder vor den Konsequenzen ihres Handelns verschonen, werden sie zu selbstverliebten Zeitgenossen, die tatsächlich meinen, alle anderen existieren nur dazu, sie glücklich zu machen.

Wenn „der liebe Gott“ tatsächlich nur „lieb“ im Sinn von uns vor jedem Leid und jeder Katastrophe zu verschonen wäre, würde auf dieser Welt bald einmal nur noch Narzissten leben, die tatsächlich davon ausgingen, die gesamte Welt dreh sich um sie selbst.

Es ist eine Frage des Menschen- und Gottesbildes. Ich glaube nicht an einen strafenden Gott, der bloss darauf wartet, wann er uns ein nächstes Virus als Strafe für unser Handeln vorbeischicken könnte.

Aber Gott ist auch nicht ein Spielball unserer Laune, der nur dafür da ist, uns ein möglichst bequemes Leben zu ermöglichen. Nein, unser Handeln hat tatsächlich Konsequenzen – viele positive, aber oft auch schmerzhafte.

In einem schwarz-weiss Denken ist alles entweder Strafe oder Bestätigung. In meinem Weltbild gibt es jedoch mehr Farben als bloss schwarz und weiss.

Und: Ich bin gerne ein Kind meines Vaters im Himmel. Die göttliche Liebe ist das grossartige und vollkommene Geschenk des Lebens.

Glücksaufgabe

Wie denkst du über „Strafe Gottes“? Welche Menschen- und Gottesbilder prägen dich? Und was bedeutet es für dich, in Gott einen himmlischen Vater zu haben?

 

Überfordert?

Kennst du das? Man ist so überfordert, dass einem kalter Schweiss runterrinnt?

Ich erinnere mich an zwei Situationen: Als Schüler hatte ich einmal in Naturkunde die Unterlagen über die Bienen gelernt – und der Lehrer fragte uns in der Prüfung über Blumennamen aus. Ich hatte keine Ahnung!

Viele Jahre später erlebte ich Ähnliches, aber um einiges weniger harmlos: Ich wurde für ein branchenspezifisches Training gebucht. Obwohl mir die Branche nicht fremd war, lagen meine Erfahrungen so weit zurück, dass einige Teilnehmenden trotz meiner intensiven Vorbereitungsphase mehr Fachwissen mitbrachten als ihr Trainer. Eine unschöne Erfahrung!

Wenn ich mich überfordert fühle, muss ich das zu allererst wahrnehmen und mir dann eingestehen: „Stef, das fühlt sich jetzt irgendwie nicht gut an.“ Beim darüber Reflektieren versuche ich herauszufinden: „Bin ich dieser Aufgabe nicht gewachsen? Oder ist mir unwohl, weil es meine Komfortzone sprengt?“

Geht es um die Komfortzone, tut ein klein bisschen Überforderung gut: Wie ein Muskel kann auch ich mich nur weiterentwickeln, wenn die Herausforderungen wachsen. Das heisst dann: „Stef, dieser Überforderung musst du dich jetzt stellen, das wird dich weiterbringen!“

Anderseits, wenn ich merke, dass eine Aufgabe oder Situation wirklich nicht zu mir passt, muss ich Konsequenzen ziehen: Beim erwähnten Training war es so, dass ich das unbequeme Telefongespräch führen musste und vom lukrativen Auftrag zurücktrat.

Reicht das Überwinden der Komfortzone alleine nicht oder kann ich die Überforderung nicht hinter mir lassen, suche ich Hilfe: Im Gespräch mit meiner Frau, beim Strategien entwickeln mit meinem Coach oder durchs Beiziehen von Experten.

Und ganz grundsätzlich: Darüber reden! Ich staune, was passiert, wenn ich von meiner Überforderung erzähle. Nicht selten ist die Reaktion: „Ach, du auch? Das zu hören, tut mir gut!“

Überforderungen gehörten zum Leben – in einer verrückten Welt wie der unseren sowieso. Gemeinsam schaffen wir sie besser, wenn wir offen damit umgehen statt vorzugeben, dass genau wir der eine perfekte Mensch sind, der alles im Griff hat.

Dieser Artikel ist zuerst als Kolumne in der Rubrik „Das hilft mir, wenn …“ im Magazin family erschienen.  

Glücksaufgabe

Fühlst du dich hin und wieder überfordert? Sprich darüber – es hilft!

Aber nur, wenn du es richtig tust! Es geht nicht darum, sich über Umstände oder andere Menschen zu beschweren.  Versuche im Gespräch mit einem Freund oder Coach deine persönlichen Grenzen zu entdecken und Wege zu finden, wie du mit deiner Überforderung umgehen kannst.

In Glück finden – hier und jetzt gibt es im Kapitel „Flow erleben“ weitere Gedanken zum Umgang mit Über- und Unterforderung und dazu, was es braucht, um das tolle Gefühl des Flows zu erfahren.

Jeder gegen jede?

Diese Woche beim Frisör (ja, schon zum zweiten Mal in Corona-Uniform) im Gespräch mit der Coiffeuse:

Mein Sohn kam neulich nach Hause, verschwand ohne Worte direkt im Zimmer. Ich so: „Hallo, Mittagessen?“ „Nein!“
Oje, nicht gut. Die liebevolle Mutter: „Was ist denn passiert?“
„Die haben gesagt, ich sei dick!!“
Hey, mein Sohn ist vielleicht vieles, aber sicher nicht dick!
Warum tun sich das Kinder an?

In diesen Tagen blicken wir alle auf Amerika und stellen mit einem gewissen Erstaunen und Schock fest: Die haben aber ein sehr grosses Problem mit Rassismus.

Was Schlagzeilen macht eignet sich natürlich auch für ein Gespräch beim Frisör. Ich mag da aber nicht in die allgemeine Tonlage einstimmen im Sinn von: Oh, schau mal, die im Trump-Land sind schon komische Leute.

Nein, Diskriminierung beginnt hier und jetzt. Und so sind wir dann eben über meine Erzählung aus dem Mini-Chäs mit Dave (siehe Blogartikel „Ich kann nicht atmen!“ von letzter Woche) bei der Erzählung aus der Familie meiner Coiffeuse gelandet.

Warum quälen sich Kinder gegenseitig? Warum hat zu leiden, wer nicht einer bestimmten Norm entspricht? Gerade bei Kindern zeigt sich, dass diese Norm keine allgemeine ist, sondern von Situation zu Situation sehr anpassungsfähig ist. Was zur Frage führt: Wer bestimmt denn eigentlich, was gerade die Norm ist? Sprich: Wer sagt, wer in und wer out ist? Wer geliebt und wer gehasst wird?

Bestimmt gäbe es zahlreiche Studien zu solchen Fragen und es ist hilfreich, wenn man sich wissenschaftlich mit solchen Vorgängen von Mobbing auf dem Pausenhof bis zu Rassenkämpfen auf den Strassen der US-Grossstädte auseinandersetzt.

Hier also mein Beitrag und meine Gedanken ohne Studien konsultiert zu haben:

Jeder ist ein Egoist

Wenn bereits Kleinkinder sich zu kleinen Egoisten entwickeln, hat das Elternhaus bereits versagt oder liegt die besondere Fürsorge für sich selbst in unseren Genen?

Ich würde behaupten: Eine völlige Selbstlosigkeit wäre tödlich.

Das Kleinkind schreit, weil es Hunger hat. Ist das jetzt frecher Egoismus oder gesunder Überlebensdrang?

Die Selbstsorge ist wichtig für eine gesunde Entwicklung – nicht nur als Kleinkind oder Schulkind. Auch wir Erwachsenen sollten gut zu uns selbst sein.

Wenn diese gesunde Pflege des Selbst in puren Egoismus kippt, existieren meine Mitmenschen nur noch, um meine Bedürfnisse zu befriedigen. Während uns das Kleinkind mit einem Lächeln beschenkt, wenn es Nahrung erhalten hat, gibt es beim puren Egoisten kein Wechselspiel mehr zwischen Geben und Nehmen.

Er/sie ist so selbstverliebt, dass er/sie das Leben nur noch als Selbstbedienungsladen betrachtet.

Du klein, ich gross

Das führt mich zu einem aus meiner Sicht wesentlichen Punkt wenn es um Diskriminierung geht: Es geht um reine Machtdemonstration.

Ich bin wichtiger als du!
Du bist kleiner als ich!
Du hast weniger Anerkennung verdient!
Ich bin wertvoller als du!

Diese Dynamik nimmt manchmal sehr skurrile Züge an: So war das Kind, das den Sohn meiner Coiffeuse mit dem Ausspruch „Du bist dick!“ gehänselt hat, tatsächlich selber dick und bringt um einiges mehr Kilos auf die Wage als der, den er damit aufzog.

Das zeigt: Rational ist Diskriminierung nicht. Es geht nur darum mir selber mehr Wert zu geben. Indem ich den anderen klein mache, versuche ich mich selbst gross und wichtig zu machen.

Das bringt das eigentlich Bedürfnis hinter all unserem Streben zum Vorschein: Wir möchten geliebt, gesehen und geschätzt werden!

Und das ist gut so!

Nur unser Weg dahin sollten wir schleunigst hinterfragen: Wir werden nicht gross und wichtig indem wir andere klein machen. Nein, wahre Bedeutung erhalten wir, wenn wir einander gegenseitig gross machen.

Einander mit Liebe und Wertschätzung zu beschenken, das ist ein Weg aus so mancher Sackgasse.

Glücksaufgabe

Wer mein Buch Glück finden – hier und jetzt gelesen hat oder regelmässig beim GlücksBlog dabei ist, weiss, dass nicht Egoismus nachhaltig glücklich macht sondern Grosszügigkeit und Mitmenschlichkeit.

Schön auf den Punkt bringt es jetzt auch Tom Gisler. Schau den Clip und frag dich, was das für deinen Umgang mit deinen Mitmenschen bedeuten könnte:

„Ich kann nicht atmen“

Die Sonne kitzelt mich im Gesicht während ich diesen Artikel auf einer Hotelterrasse in Solothurn schreibe. Freier Blick auf die Aare mit der imposanten St. Ursen-Kathedrale im Hintergrund. Im Park nebenan vergnügen sich Kinder und spielen Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen Pétanque.

Paare flanieren am Aareufer, Senioren geniessen den Einkauf auf dem Wochenmarkt. Später gehe ich mit einem Freund zum Abendessen in ein gemütliches Restaurant in dieser schönen Stadt.

Das Leben ist zurück!
Wir sind wieder frei!
Ein schönes Lebensgefühl!

Ich wünsche mir, dass wir die neu gewonnene Freiheit bewusst geniessen und gestalten. Auch wenn es sich fast schwieriger anfühlt, mit der neuen Normalität zu recht zu kommen, als damals, als der Bundesrat uns von 100 auf 0 ins eigene Heim beordert hatte.

Damals war klar: „Bleiben Sie zu Hause!“
Kein Kontakt, keine Familienfeste, nichts.

Und jetzt? Darf ich euch alle wieder zu mir in den Garten einladen, ein Buffet aufstellen und das Leben feiern? Ja, es scheint wieder möglich zu sein – und trotzdem muss noch etwas Abstand gehalten werden.

Aber wir haben in den vergangenen Wochen ganz andere Probleme gemeinsam alleine gemeistert.

#staytogether

Vielleicht hilft uns der vergangene Lockdown etwas mehr zu schätzen, was uns in unserem Land geschenkt ist – mindestens wenn wir die richtige Hautfarbe und die richtige sexuelle Orientierung, das richtige Geschlecht und ganz grundsätzlich die „richtige Gesinnung“ haben.

Freunde, ich schäme mich dafür, dass Menschen so grausam mit Menschen umgehen können!

Mein Gast im Mini-Chäs (Kurztalk) diese Woche hat es in etwa so gesagt: „Es ist normal, dass wenn du auf irgendeine Art anders bist, du gehänselt wirst.“

Diskriminierung = normal???
Wollen wir das wirklich?
In unserem Land?
„Freie Menschen“, die „andere“ einfach quälen?
Realy?

Schaut selbst, was man in unserem Land erlebt, wenn man nicht die „richtige“ Hautfarbe hat:
(Der ganze Talk könnt ihr hier anschauen.)

Leider ist Dave mit dem, was er erlebt, keine Ausnahme. Gründe, warum jemand ausgegrenzt oder gequält wird, gibt es viele. Eindrücklich haben drei Mitglieder der Bieler Stadtregierung kürzlich im Kontext vom Bieler Tagblatt geschildert, was sie als homosexuell empfindende Menschen erleben.

Wegen Corona werden derzeit Menschen aus dem asiatischen Raum diskriminiert und in Amerika macht gerade wieder ein Fall von brutaler Polizeigewalt gegen einen Schwarzen Schlagzeile.

„Ich kann nicht atmen“, habe George Floyd mehrmals gesagt, als ein weisser Polizist minutenlang sein Knie in den Hals des Afroamerikaners drückte.

Vier Polizisten waren an diesem Einsatz beteiligt!
Der Schwarze stirbt im Spital.
Scheinbar war er ein Sicherheitsbeamter in einem Heilsarmee Obdachlosenheim.
Tod wegen falscher Hautfarbe?
Wirklich?

Ich möchte nicht in einer solchen Welt leben!
„Ich kann nicht atmen!“
Tatsächlich rauben mir solche Geschichten den Atem.

Diese elende Arroganz von Menschen, die meinen, sie sein etwas Besseres nur weil sie – weiss, hetero, einigermassen „gebildet“ und vielleicht sogar männlich sind.
Vor allem aber „ein-gebildet“.

Liebe Freunde, wir sind doch nichts Besseres, nur weil wir so unverschämt viel Glück hatten und am „richtigen“ Ort, mit dem „richtigen“ Geschlecht, der „richtigen“ Hautfarbe, der „richtigen“ sexuellen Orientierung geboren wurden!!

#stayhome war gestern.
Könnten wir uns nun vielleicht für #staytogether engagieren?

Diese schmerzhafte Diskriminierung muss ein Ende haben!
Der Mensch ist wertvoll, weil er Mensch ist!
Der Mensch hat seine Würde, weil die göttliche Liebe jeder und jedem gilt!

Weisst du was? Du bist wunderbar, wertvoll, geliebt!
Aber bitte hör auf, in irgendeinem Winkel deines Herzens zu meinen, du seist etwas Besseres!

Glücksaufgabe

Menschen möchten gesehen, geliebt und geschätzt werden – das macht nachhaltig glücklich. Wie kannst du dazu beitragen, dass genau dies in unserer Welt öfter geschieht?

Leben im Hier und Jetzt – trotz Corona

Meine Glücksdefinition enthält einerseits die Wichtigkeit des Versöhntseins mit allen Aspekten des Lebens (ShalomLeben), anderseits ist da der Dreiklang von Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft:

Glück besteht aus einem dankbaren Blick zurück,
einem genussvollen Leben im Hier und Jetzt sowie
aus einer hoffnungsvollen Perspektive für die Zukunft.
Dazu gehört ein Versöhntsein mit sich,
seinen Mitmenschen und dem Leben ganz allgemein.

Dankbarkeit ist ein so starker Glücksmotor, dass ich dies schon soweit trainiert habe, dass es mir ziemlich leicht fällt, die schönen Dinge im Leben zu sehen und dankbar für meine eigene Geschichte zu sein.

Auch das hoffnungsvolle Vorwärtsgehen, fällt mir als Visionär nicht sonderlich schwer: Ich freu mich schon heute darauf, was in Zukunft alles möglich sein wird.

Der schwierigste Teil ist für mich tatsächlich das genussvolle Leben im Hier und Jetzt. Doch, doch, ich kann geniessen und auch einfach mal sein.

Und trotzdem: Es ist eine ständige Herausforderung, nicht an den missglückten Begegnungen von gestern hängenzubleiben und darüber nachzugrübeln, warum es so gelaufen ist wie es eben ist.

Noch mehr erwische ich mich selbst dabei, Pläne für die Zukunft zu schmieden. Das ist wichtig und gut, eben auch ein Teil des Glücks.

Wer es aber nicht schafft im Hier und Jetzt zu leben, verpasst im Grunde das Leben. Denn (falls du es noch nicht gemerkt haben solltest): Das Leben findet jetzt statt!

Corona zwingt uns, jetzt zu leben

Vorausschauend zu planen, ist natürlich für jedes Unternehmen von zentraler Wichtigkeit. Wer nicht an morgen denkt, bleibt auf der Strecke.

Die letzten acht Wochen zwangen uns jedoch immer wieder, unsere Pläne anzupassen – und einfach mal abzuwarten.

Bist du gut im Warten? Ich eben nicht so sehr. Viel lieber plane ich nächste Schritte, will eine Strategie festlegen, wie wir als Kirche aus dem Lockdown aussteigen wollen. Oder will wissen, wie wir als Familie unsere Sommerferien verbringen.

Die neue Normalität hat in vielen Bereichen begonnen, in anderen gilt es weiter zu warten.

Dieses Warten soll nicht resigniert oder gar depressiv sein, sondern ein bewusstes, gestalterisches Leben im Hier und Jetzt.

Es bringt nichts, dem Gestern nachzutrauern, als noch alles anders war. Und ebenso wenig macht es Sinn, dauernd in sich ständig ändernden Zukunftsszenarien zu denken.

Das Leben findet jetzt statt – mit oder ohne Corona!

  • Was ist jetzt möglich?
  • Wie kann ich jetzt geniessen?
  • An was freue ich mich gerade?
  • Wem könnte ich einen GlücksMoment bescheren?

Warten auf das Paradies

Als wir an der letzten online gms Matinée das Lied „Oh, wie wird das sii“ sangen, wurde mir wieder einmal bewusst: Im Grunde sind wir für die Ewigkeit geschaffen.

Wie passt das zu einem genussvollen Leben im Hier und Jetzt? Im GlücksBuch habe ich dazu folgendes geschrieben:

Während nichtreligiöse Menschen in der Regel so leben, als gäbe es nur das Leben in der Diesseitigkeit, erliegen religiöse Menschen immer wieder der Versuchung, das Glück auf ein jenseitiges Paradies zu vertagen.

Das führt dazu, dass die einen meinen, sie müssten in 70, 80 oder 90 Lebensjahren alles erlebt haben, was diese Welt zu bieten hat – «Schließlich lebt man nur einmal!».

Die anderen wiederum warten ein Leben lang auf das Paradies und vertrösten sich bei allen leidvollen Erfahrungen auf das Glück in der Ewigkeit. Natürlich hilft die christliche Auferstehungshoffnung dem Gläubigen, manch schwere Stunde des Lebens geduldiger zu (er)tragen. Doch wenn dies dazu führt, dass wir uns dem genussvollen Leben verschließen, verpassen wir einen wichtigen Aspekt des Daseins.

Eine Glückskonzeption, die sich auf den christlichen Glauben stützt, bietet hier eine große Chance: Eine einzigartige Verbindung von hoffnungsvoller Jenseitsperspektive (Das irdische Leben ist noch nicht alles!) und genussvoller Diesseitserfahrung (Ich darf bereits jetzt die Freuden des Lebens genießen!).

Lebe jetzt! Freu dich daran, dass das irdische Leben noch nicht alles ist!

Glücksaufgabe

Investiere in dein Glück! Frag dich beispielsweise, welcher Teil des Dreiklangs Vergangenheit- Gegenwart- Zukunft dir am besten gelingt. Und wie könntest du in den anderen Bereichen stärker werden?

Und: Glück finden – hier und jetzt ist während der Corona-Zeit und darüber hinaus möglich. Wertvolle Anregungen dazu findest du in meinem GlücksBuch. Gerne schicke ich es dir während der Corona-Krise portofrei zu und ab 2 Buchbestellungen geb ich dir noch 10 % Rabatt obendrauf.

Vom Klagen zum Loben – oder so …

Diese Woche erhielt ich eine spannende Mail:

Du ziehst dich, soviel ich weiss, wöchentlich zurück, um Tagebuch zu schreiben. Schon länger wünsche ich mir reflektierter durch den Alltag zu gehen. Ich habe ein Tagebuch, das ich eher als Klagebuch beschreiben würde. Mir fehlen irgendwie Fragen, die ich regelmässig bewegen könnte und die Potential hätten mich weiterzubringen.

Die Absenderin wollte nun wissen, ob ich bei meinem Reflektieren immer die gleichen Fragen stelle oder gar einen Fragekatalog hätte. Und: Statt ihr direkt eine Antwort zu schicken, könne ich ja auch in meinem GlücksBlog darüber schreiben. Gute Anregung.

Es stimmt, ich praktiziere dieses Ritual der wöchentlichen Stille mit Reflexion, (Bibel)Lesen, Gebet und Tagebuchschreiben. Als eher aktivistisch veranlagte Person, die konkrete Ziele und Projekte braucht, haben diese 2-3 Stunden Stille ihren Ursprung mehr in einer Überzeugung als in einer kontemplativen Sehnsucht.

Will heissen: Ähnlich wie die Sache mit dem Sport ist die Stille für mich nicht eine besondere Leidenschaft, wo es mich von selbst hinzieht. Da ich aber überzeugt bin, dass es meiner „ganzheitlichen Gesundheit“ (ShalomLeben) förderlich ist, plane ich sowohl Sporteinheiten als auch eben den Stillen Nachmittag in mein Wochenprogramm ein.

Gönne ich mir das Reflektieren in der Stille zu lange nicht, werde ich eine Zumutung für meine Familie, mein Umfeld und für mich selbst. Ohne diese innere Ausrichtung werde ich zum gestressten Getriebenen, der in Gefahr steht, sich von unguten Umständen zu Boden drücken zu lassen und in der Verbitterung zu enden.

Das Klagebuch entdecken

Soviel zu meiner Überzeugung, mich mitten im hektischen Alltag regelmässig für einige Stunden zurückzuziehen.

Aber wie schreibe ich nun also Tagebuch? Leiten mich dabei immer die gleichen Fragen? Wie reflektiere ich?

Früher hatte ich meine Persönlichkeitsentwicklung konkret strukturiert: Visionen, Jahresziele und Massnahmen in allen fünf Lebensbereichen. So konnte ich in der Stille auch konkret mit diesem „PEP“ reflektieren, mich an Erreichtem freuen und mir nächste Schritte vornehmen.

Heute bin ich da mehr intuitiv unterwegs, lasse mich von inneren (unbewussten) Fragen leiten:

  • Stef, wie geht es dir gerade?
  • Was hast du in den letzten Tagen erlebt?
  • Was davon freut dein Herz?
  • Was macht dich traurig?
  • Was hat das Potenzial, dich resignieren zu lassen?
  • Wo stehst du in Gefahr, verbittert zu werden?
  • Wie geht es dir in der Ehe und in der Familie?
  • Welche Erfolge gibt es auf der Arbeit zu feiern?
  • Und welche Misserfolge gilt es zu verdauen?
  • Welche Begegnungen der letzten Woche waren ein Geschenk?
  • Welche eher eine Belastung?
  • Was klingt aus diesen Begegnungen noch nach?
  • Was lernst du für die Zukunft?
  • Wie kannst du die nächsten Schritte bewusst gestalten?

Dabei gleicht mein Tagebuch tatsächlich auch immer wieder einem Klagebuch. Aber ich finde das nicht schlimm, im Gegenteil: Wir sind damit in bester Gesellschaft. In der Bibel gibt es ein ganzes Buch, das sich „Klagelieder“ nennt und denken wir an die Psalmen von König David: Wie oft hat er in seinem „Tagebuch“ geklagt?

Nicht selten gelingt es mir in der Stille, beim Nachdenken, Beten und Tagebuchschreiben, den Weg vom Klagen zum Loben zu gehen. Am besten gelingt es mir dann, wenn ich nach dem Tagebuchschreiben auch ganz konkret physisch noch eine Wegstrecke (vom Wald, von der Aare, vom See) zurück in den „Alltag“ zurücklege.

Und so macht das Klagen für mich viel Sinn: Ich breite vor Gott mein Herz aus, damit ich eben nicht an meinem Unvermögen oder den ungünstigen Umständen zerbreche, sondern mit frischer Kraft und neuer Freude im Herzen aus der Stille zurückkehre.

Glücksaufgabe

Für dich: Was ist deine Erfahrung mit Tagebuchschreiben? Was unternimmst du, dass du „ganzheitlich fit“ bleibst?

Für mich: Ich fand das spannend, eine „LeserInnen-Frage“ als Grundlage für diesen Artikel zu nehmen. Hast du vielleicht auch eine GlücksFrage, die ich hier beantworten könnte?

Das neue Normal

Das hat mich genervt: Es waren kaum drei Wochen vergangen, seit wir zum allgemeinen „auf Distanz Gehen“ verdonnert wurden, da überfluteten schon zig Influencer, Sängerinnen und andere Promis die Social Medias mit dem Aufschrei: „Oh, ich vermisse es so sehr euch zu umarmen!“. Haben wir wirklich keine grösseren Probleme?

Wird das jetzt normal?

Ich meine, ich vermisse die Nähe tatsächlich auch. Ob der Handschlag, die Umarmung oder die kollegiale Berührung – für mich gehört das zum „normalen“ zwischenmenschlichen Umgang. Und ich vermisse es!

Doch sobald im ganzen Land diese roten Plakate hingen und uns der Bundesrat „Hände waschen!“, „Abstand halten!“ eingetrichtert hatte, war für mich klar: Ich muss jetzt niemandem beweisen, dass ich keine Angst habe oder ich dem Gegenüber besonders vertraue und wir uns daher weiterhin umarmen könnten.

Nein, Solidarität hies ab sofort: Physische Distanz wahren. (Dabei hatte ich ende Februar schon ein mulmiges Gefühl, als wir uns beim Gebet während dem Kongress in Karlsruhe noch „mutig“ die Hände gaben.)

Und da hat mich dann eben der Aufschrei der Influencer („Ich kann nicht mehr warten, bis wir uns wieder drücken können!“) genauso genervt wie Menschen, die es als besonderes Zeichen der Freundschaft interpretieren, wenn man sich weiterhin per Handschlag begrüsst.

Unwohl wird es mir aber tatsächlich beim Gedanken daran, dass diese Distanz das neue Normal sein könnte – mind. für die nächsten Monate, eher Jahre:

Dauert das ein paar Monate, vielleicht ein Jahr, lässt sich damit leben. Sollte es aber zu den befürchteten Jo-Jo-Shutdowns kommen, erwarten Forscher bei einer Generation Störungen, mit Intimität umgehen zu können.

So las ich es in der NZZ am Sonntag in einem Artikel über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Jugendlichen.

Ich hab hier schon vor drei Wochen geschrieben, dass ich mich an eine solche neue Normalität mit „Social Distancing“ nicht gewöhnen möchte.

Wahrscheinlich bleibt uns aber nichts anders übrig und das macht mich traurig, unsicher und fragend: Wie könnten wir denn eine solche neue Normalität gestalten, damit wir dabei nicht krank werden?

Zuerst müssen wir wohl einfach trauern und die Tatsache verdauen, dass wir – mindestens wenn wir zu den Menschen gehören, die diese Nähe brauchen (es gibt ja auch solche, tendenziell introvertiert veranlagte Menschen, die gerade aufblühen in der gegenwärtigen Stille) –  mit dem Verlust der physischen Nähe leben müssen.

Chancen entdecken

Dann gilt es herauszufinden, welche Chancen das neue Normal mit sich bringt: Was habe ich in der Corona-Zeit schätzen gelernt, was ich mit in die neue Normalität nehmen will?

Drei Begegnungen dieser Woche haben mir da mögliche Perspektiven aufgezeigt:

Da habe ich bei einer globalen Online-Weiterbildung vom CEO der Southwest Airlines gehört, der sich für jeden seiner 60 wichtigsten Mitarbeitenden je eine halbe Stunde fürs persönliche Zoom-Gespräch genommen hat – mitten in dieser Krise, die alle Airlines hart trifft. Patrick Lencioni, der dieses Beispiel und jenes von Arbeitskollegen, die sich nun nach dem Gesundheitszustand der Grossmutter des einen Kollegen erkundigten, erzählte, fragte: „Wollen wir solche Dinge nach der Krise einfach stoppen und zu ‚Business as usual‘ übergehen?“ Nein, die persönliche Note und gegenseitige Anteilnahme, die durch – oder trotz – Homeoffice im Arbeitsalltag Einzug gehalten haben, soll Teil vom neuen Normal sein.

In einer Zoom-Besprechung mit einem (introvertierten) Arbeitskollegen spürte ich, wie er der aktuellen Situation viel Gutes abgewinnt. Er sieht neue Chancen, hat es genossen, ohne Gerangel in einer grossen Halle und ohne Flugreise aus seinem Büro heraus Teil eines Kongresses zu sein. Wollen wir nach der Krise wieder dem „Megaismus“ verfallen und von einem Event zum nächsten fliegen? Nein, die gerade entdeckten und schätzen gelernten (technischen) Möglichkeiten auch auf Distanz miteinander verbunden zu sein, soll Teil vom neuen Normal sein.

Die oben bereits erwähnte Ausgabe der NZZ am Sonntag enthält auch eine Kolumne vom Kreativkopf Dennis Lück. Er schreibt:

Solche Aktionen verbreiten Energie. Sie inspirieren mit der Willenskraft, die sich dahinter verbirgt. Hinter jedem kleinen Trotzdem steckt ein Mensch mit einem Kämpferherzen, der verstanden hat, dass es nicht um das perfekte, sondern um das schlichte Weitermachen geht. … Es tröstet zwar wenig, aber es scheint ein Fakt, dass die Schweiz noch nie so sehr vor kreativer Energie gestrotzt hat wie jetzt.

Begnügen wir uns wieder mit dem Status quo, wenn wir die Krise überwunden haben? Nein, diese kreative Energie verbunden mit einem Kämpferherzen soll Teil vom neuen Normal sein.

Egal wie weit weg er noch ist, ich freu mich schon auf den Tag, wenn Umarmungen, Handschlag und Küsschen wieder „erlaubt“ sind. Doch selbst, wenn dieser Tag nicht kommen sollte: Das neue Normal soll nicht durch Einschränkungen definiert werden, sondern von Dingen, die wir mit neuem Bewusstsein aktiv gestalten.

Glücksaufgabe

Wenn nächste Woche ein Schritt Richtung neuer Normalität begangen wird, was willst du aus der Lockdown-Zeit in dieses neue Normal „rüber retten“?

Ist MEGA jetzt out?

Nun ist es definitiv: Der mega Festival-Sommer 2020 ist gestrichen. Auch die mega Weltreise ist gerade nicht angesagt und die mega Traumhochzeit mit über 100 Gästen bleibt wohl vorerst ein Traum.

Für mich ist die Corona-Krise seit den ersten Tagen eine kritische Anfrage an unseren mega Lebensstil. Mir kam sogar die biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel in den Sinn: Ein mega Bauwerk als ultimativer Beweis dafür, wie weit es die Menschheit gebracht hat.

„Wir sind unabhängig!“

„Wir haben alles unter Kontrolle!“

Oder wie mein Teenager-Junge sagen würde: „Mir sis haut eifach!“
(„Wir sind’s halt einfach!“).

Zugegeben: Ich liebe mega Projekte. Mega-Events inspirieren mich, Mega-Churches faszinieren mich, Mega-Städte imponieren mir und Mega-Träume lassen mein Herz schneller schlagen.

Ist es nicht erstaunlich, was Menschen schaffen können, wenn sie sich zusammen für eine Sache engagieren? Jeder, der schon mal einen kleineren oder grösseren Event organisiert hat, weiss, was da alles zusammenspielen muss, damit am Ende möglichst alle glücklich sind: Die Besucher, die (freiwillig) Mitarbeitenden, die engagierten Mitwirkenden, der Vermieter der Location und – nicht zu vergessen – der Buchhalter.

Eine Mega-Idee zu haben ist kinderleicht, doch ein Mega-Projekt zu stemmen und erfolgreich „über die Bühne“ zu bringen, was ganz anderes.

Das ist der eine Teil, der mich an „MEGA“ fasziniert. Der andere ist die Stimmung, die entsteht, wenn beispielsweise auf einer christlichen Konferenz tausende Menschen in den gemeinsamen Lobgesang Gottes einstimmen. Oder die Stimmung, wenn an einem Festival wie dem „Stars of Sounds“ am Murtensee einfach alles stimmt: Von der Flug-Show über den Sonnenuntergang und dem Cateringangebot bis zur Musik auf der Bühne.

Das geht nicht in klein, dazu braucht es mega.

Getrieben vom Grössenwahn

Die aktuelle, weltweite Krise ist gerade die Chance zu entdecken, dass gar nicht immer alles was mega daher kommt tatsächlich auch mega ist.

Anders gesagt: Mega hat auch Schattenseiten. Die werden uns derzeit deutlich vor Augen geführt. Und: Wir haben es eben nicht unter Kontrolle!

Klar, einige Experten haben vor einer Pandemie gewarnt. Doch mal ehrlich, wer von uns „Normalos“ hat mit so was, was wir gerade erleben, jemals gerechnet?

Krieg zwischen USA und China, vielleicht. Oder noch mehr Flüchtlinge. Allenfalls eine krasse Klimakatastrophe. Aber eine Pandemie, die weltweit unseren mega Lebensstil in Frage stellt; nö, damit haben wir nicht gerechnet.

Mister Google sagt mir, dass heutzutage unter mega „extrem gut, gross oder erfolgreich“ zu verstehen ist.

Und ich vermute, eigentlich meinen wir: Immer besser, immer grösser, immer erfolgreicher.

Das gilt für die Wirtschaft, für die Hochzeitsfeiern, für die Weltreisen, für die Sportaktivitäten, für die Festivals – und sogar für die Kirchen.

Genau das ist das Gift an mega. Während wir gerade wieder das Kleine schätzen lernen, es geniessen, wenn nicht jeder Abend mit Arbeit oder Freizeitaktivitäten besetzt ist, unsere Sozialkontakte fokussieren, bleiben wir irgendwo gefangen vom Gedanken: Wer was megamässiges aufgebaut hat, der „ist’s halt einfach“.

In meiner Corona-Zeit lasse ich mich vom Geigenbauer Martin Schleske und seinem Buch Der Klang – Vom unerhörten Sinn des Lebens. inspirieren. Da lese ich folgende Zeilen:

Denn der Leitsatz „Ich bin, wenn ich erfolgreich bin“ ist doch eine unerträgliche Verkitschung des Seins und – wenn jener Satz sich in Frömmigkeit kleidet – eine frevelhafte Banalisierung Gottes! Eine Religion, in der Erfolg und Segen deckungsgleiche Grössen sind, hat der Welt nichts zu sagen, denn was solch eine Religion sagen könnte, sagt die Welt sich bereits selbst.

Und wie verletzlich das ist, was uns die Welt sagt, erleben wir gerade.

Ich freu mich schon auf das nächste Festival und die nächste Konferenz. Doch ich will tiefer graben: Es gibt mehr als mega!
Und: Ich bin mehr als mein (Miss)Erfolg!

Glücksaufgabe

Wo vermisst du aktuell „das Mega“? Und auf welches „Mega“ kannst du in Zukunft sogar verzichten?

Vortrags-Empfehlung: Vom erwähnten Martin Schleske gibt es derzeit kostenlos den Vortrag Vom unerhörten Sinn des Lebens aus dem Willow-Archiv zu hören.

Ich darf zum Frisör!!

Die Coronoa-Krise macht ja ganz komische Dinge mit einem: Nachdem ich am Montag auf Anhieb einen Termin beim Coiffeur (für nächsten Donnerstag) vereinbaren konnte, hatte ich das Bedürfnis, diese frohe Botschaft mit der Welt zu teilen.

Also hab ich meinen Freunden auf Facebook geschrieben, ich dürfe schon bald zum Frisör.

Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. Wie schön, dass sich die Leute mit mir freuen, dass es meinen Haaren bald an den Kragen geht.

Jemand schrieb:

In diesen Zeiten freut man sich über Banales.
Und Freude darf man immer teilen.
Bleiben wir fröhlich.

Es gab in den letzten Wochen nur ein Facebook-Post von mir (und gegenwärtig posten wir ja mit stayhappy.blog täglich etwas), der mehr Reaktionen erhielt: Als ich am 3. April, also etwa Woche 3 des Lockdowns, von unserem spontanen Date auf dem Bahnhofsparking in Seftigen schrieb.

Zu zweit mussten wir im Haus meines verstorbenen Grossvaters etwas erledigen. Nach getaner Arbeit hätte alles gestimmt für ein leckeres Eis in einer Gartenwirtschaft. Aber sicher nicht während dem Lockdwon …

Also kauften wir im Dorflädeli ein „Kübeli-Glace“, setzten uns vors geparkte Auto und genossen mit Sonne im Gesicht einige unbeschwerte Momente.

Das sah dann so aus:

Glücksmomente sammeln

Was zu jeder Zeit gilt, ist in besonderen Lagen wie der aktuellen erst recht von grosser Bedeutung: Es sind oftmals die kleinen Dinge, die unser Herz zum Hüpfen bringen.

Und genau diese kleinen Dinge, diese Glücksmomente, gilt es zu entdecken und in unserem inneren Erinnerungsalbum zu sammeln.

Darf ich raten: Wenn du kein zwanghafter Berufs-Optimist bist, der selbst im grössten Gewittersturm noch die Sonne scheinen sieht, geht es dir genauso wie mir und vielen anderen: Die Liste mit Dingen, die nicht so laufen, wie wir es uns vorstellen ist lang.

Zugegeben: Als das obige Bild gerade entstanden ist und ich es im Kreise der Familie rumzeigte (sprich: Familien-Chat), fragte meine Tochter: „Hä, was ist jetzt mit dir passiert, warum bist du jetzt plötzlich so glücklich?“.

Touché! Das spricht nicht gerade für mich. Es gibt 1’000 kleine Dinge, die mich erfreuen. Es gibt aber auch 1’000 kleine und grosse Dinge, die mich nerven.

Manchmal ertappe ich mich beim Gedanken: Wenn ich nur anderswo leben würde, dann hätte ich all diese 1’000 kleine Dinge, die nerven, nicht.

Tatsächlich: Die Umstände wären anders. Diese 1’000 kleinen, nervigen Dinge wären am neuen Ort nicht mehr da.

Doch: Dafür würden im anderen Kanton, Land, „Leben“ schon 1’000 kleine, neue nervige Dinge auf mich warten.

Was ich mit Sicherheit mitnehmen würde, wäre mein Umgang mit den 1’000 kleinen Dingen, die versuchen mir meinen Alltag zu versauen.

Und genau da ist der Punkt, wo ich trotz geschriebenem GlücksBuch, trotz regelmässigem GlücksBlog und etlichen Referaten zum Thema ein Lernender bleibe: Welche 1’000 kleine Dinge sammle ich in meinem Herzensalbum?

Du findest fast bei jedem blauen Himmel ein kleines Wölkchen.
Du findest aber auch bei fast jedem Wolkenhimmel irgendwo ein Sonnenstrahl, der durchschimmert.

Was zählt ist unser Blickwinkel.

Als ich in Seftigen mein „Glace-Kübeli“ öffnete, wurde mir die Verpackung zur Predigt:

Ja, die kleinen Glücksmomente gehen so einfach: Ein Termin beim Frisör nach Corona-Lockdown, ein Eis auf dem Bahnhofsparkplatz, die wärmende Sonne, das Lachen der Kinder …

Ich will die 1’000 kleinen, nervigen Dinge in meinem Leben nicht einfach verdrängen. Sie sind da – und darum brauchen sie auch meinen weisen Umgang damit.

Aber ich will ihnen nicht erlauben, mir die Laune zu verderben.
Lieber freu ich mich jetzt darauf, nächsten Donnerstag einen neuen Haarschnitt zu bekommen.

Glücksaufgabe

Wie könntest du dafür sorgen, dass in deinem inneren Erinnerungsalbum mehr von den 1’000 kleinen Glücksmomenten anstelle der 1’000 kleinen, nervigen Dingen abgespeichert wird?

Eine Möglichkeit: Teile deine kleinen GlücksMomente. Durchs Teilen verstärkst du sie!

Ist das jetzt das Ende? Oder erst der Anfang?

Es wird schon zum Ritual: Gespannt wartet man – daheim natürlich – vor den Bildschirmen auf die Medienkonferenz des Bundesrates, um zu hören, was uns als Nächstes erwartet.

In Zeiten, in der TV-Sendungen längst den Status „Lagerfeuer der Nation“ verloren haben, gelingt es Bundesräten und Chefbeamten zu gern gesehenen Helden des Volkes zu werden. Tatsächlich bin auch ich stolz auf unsere Verantwortungsträger und bin sehr dankbar, nicht der Laune eines notorischen Lügners ausgesetzt zu sein.

Jetzt haben wir also Gewissheit: Der Bundesrat plant den Ausstieg. Ist das der Anfang einer neuen Normalität, wie es einige nennen? An diesen Gedanken möchte ich mich nicht gewöhnen! Es soll normal werden, dass wir auf Nähe, Umarmungen und Gartenfestli verzichten? Nein, eine solche Normalität soll die Ausnahme bleiben und nicht zur Norm werden.

Doch eines wurde auch klar: Ein schnelles Ende gibt es nicht, Corona wird uns noch lange begleiten. Das zeigt schon nur ein Blick in meine Agenda, die bis zum Spätsommer gravierende Veränderungen aufweist.

Hoffnungsvoll unterwegs

„Mir wäre egal, wenn die Kids erst wieder nach den langen Sommerferien in die Schule könnten, Hauptsache wir haben bald eine Perspektive“, meinte diese Woche ein Mami.

Natürlich gibt es auch viele andere Stimmen von Eltern, die nicht verstehen, warum die Kinder nicht schon nächsten Montag wieder zur Schule können. Doch im Grundsatz glaube ich, geht es vielen von uns genau so: Die Ungewissheit nagt sehr stark an uns. Wenn wir eine Perspektive haben, selbst wenn es nur ein langsamer Ausstieg aus der Isolation ist, gibt Hoffnung, macht Mut.

Nun gibt es eine solche Perspektive. Und das ist gut so.

Trotzdem wird uns die Ungewissheit bei diesem fiesen Virus noch lange begleiten. Zu vieles scheint unberechenbar, unkontrollierbar.

Warten ohne Hoffen ist die Hölle.

So lese ich es in der NZZ am Sonntag vom Ostersonntag.

Die Hoffnung ist eine unheimlich starke Kraft. Hoffen, optimistisch in die Zukunft zu blicken, ist sogar eine Glücksaktivität.

Unser Hoffen muss dabei aber immer auch mehr sein als ein zwanghaftes positives Denken. Es geht nicht darum, Dinge schön zu reden, die beim besten Willen nicht schön sind.

Es wird nicht einfach alles gut nach Corona!

Nein, leider nicht. Es hat bereits viel, in einigen Ländern sehr viele, Tote gegeben. Und noch mehr wird es „wirtschaftliche Leichen“ geben. Auch da bin ich dankbar, darf ich in einem Land mit so guten Einrichtungen und Sozialleistungen leben und bin nicht einer von Millionen Amerikanern, die jetzt vor dem Nichts stehen.

Schmerz und Leid werden vermutlich in den nächsten Wochen noch zunehmen. Doch meine Hoffnung geht über diese Zeit hinaus:

Es kommt der Tag, da spielen Kinder wieder fröhlich auf dem Schulhof zusammen!

Es kommt der Tag, da wird in unseren Gärten wieder laut gelacht, Gemeinschaft genossen und das Leben gefeiert.

Es kommt der Tag, da werden unsere Söhne (und Töchter) wieder stolz ihre Teamtrikots tragen und dem runden Leder hinterherjagen.

Es kommt der Tag, da werden wir Sitzungen wieder mit Menschen satt mit Maschinen abhalten.

Eine Hoffnung, die mich trägt

Und selbst wenn ich dies alles nicht mehr erleben dürfte, lebt in mir eine Hoffnung, die grösser ist als all das.

Oder wie es unsere Tochter allen Nachbarn in einem Osterpräsent geschrieben hatte: „Egal was auf unserer Welt gerade los ist – Ostern ist grösser!“.
(By the way: Man fragt sich ja als Eltern immer, ob man in der Erziehung auch etwas richtig gemacht hat. Solche Momente, wenn du merkst, dass deine Tochter in völliger Eigeninitiative eine solche Botschaft weitergibt, macht einem da sehr versöhnt …)

Durch Ostern erscheint alles in einem anderen Licht. Unsere Hoffnung hat einen Namen und ist begründet: Das Leid hat nicht das letzte Wort, das Leben hat über den Tod triumphiert.

Im christlichen Glauben wird das vermeintliche Ende zum Anfang. Und das gibt mir Mut und Hoffnung.

Mit dem Glauben an die leibliche Auferstehung, Höhepunkt von Ostern, behauptet das Christentum: Die Sehnsucht nach wahrer Liebe und Gerechtigkeit ist kein Hirngespinst. So, wie der körperliche Durst darauf hindeutet, dass es Wasser gibt, um diesen Durst zu löschen, so deutet der seelische Durst nach wahrer Liebe und Gerechtigkeit darauf hin, dass diese existieren.

So hast es Giuseppe Gracia in der Osterausgabe der NZZ am Sonntag treffend geschrieben.

Glücksaufgabe

Auf was freust du dich jetzt schon, wenn der Lockdown zu Ende ist? (Wäre es womöglich gut, wenn du dir jetzt schon versprichst, genau dafür dann auch wirklich Zeit und Raum zu schaffen?)

Welche Hoffnung trägt dich durchs Leben?