Meide die Extreme!

Leider bietet unsere Welt gerade ganz viel Stoff für die härtesten, wenn auch oft „nur“ verbalen Grabenkämpfe: Ob Corona oder Trumpismus – die Meinungen sind üben und drüben gemacht, der Ton ist oft gehässig und die unterschiedlichen Positionen lassen Freundschaften zerbrechen und stellen die Familienbande unter grösste Belastungen.

Ein kühler Kopf wünscht man sich da, der reflektieren, unterscheiden und auch mal Meinungen stehen lassen kann.

Allergisch bin ich auf die schwarz-weiss Brille, auf Verantwortungsträger, die Öl ins Feuer schütten, und auf Menschen, die unreflektiert nachplappern, was ihre Idole von sich geben – mögen es noch so abstruse Verschwörungstheorien sein.

„C’est le ton qui fait la musique“ habe ich einmal als Kind gelernt. Oder: „Wie du in den Wald rufst, so schallt es heraus“. Nun, man kann politisch oder auch in Bezug auf Corona unterschiedliche Positionen einnehmen, aber heiligt der Zweck wirklich die Mittel? Darf man Mitmenschen wirklich aufs Gröbste beleidigen, Lügen verbreiten und gegen alle Regeln des Anstandes verstossen, um für seine Position zu werben?

Offen gesagt: Ich bin erstaunt – und von Herzen dankbar!! – dass, soweit ich es überblicken kann, die Städte in den USA (noch) nicht brennen. Das lässt mich hoffen, dass die Demokratie gewinnt und nicht die „Kriegserklärung“ der Trump-Familie.

Ein kühler Kopf bewahren

Es gibt Themen und vor allem Verhaltensweisen, die bringen mich emotional zum Rasen. Und für starke Überzeugungen ist man schnell bereit zu kämpfen. Doch sobald die Angriffslust einmal geweckt ist, befinden wir uns im Kampf, verteidigen unsere Position und versuchen mit Schlägen (Schlacht der Argumente) unseren Gegner zu schwächen.

Unterschiedliche Meinungen müssen unbedingt Platz haben, ein Ringen nach dem besten Weg, sogar ein hartes Debattieren – das gehört zur freien Gesellschaft.

Aber bitte bewahren wir Haltung dabei!

Mir hilft dabei immer mal wieder diese biblische Weisheit:

Vermeide die Extreme!
(Buch Prediger)

In diesem spannenden Abschnitt wird uns sogar geraten, das mit der Frömmigkeit nicht zu übertreiben. Auf der anderen Seite sollen wir jedoch auch nicht gewissenlos und unvernünftig sein.

„Vermeide die Extreme!“ – ein wahres Wort für eine Zeit, in der sich Menschen zur einen oder anderen Extremposition hingezogen fühlen.

Ich wünsche mir Menschen, die nachdenken, prüfen, verantwortungsvoll handeln und mit Gottvertrauen und dem Mitmenschen gegenüber respektvoll vorwärts gehen.

Dabei kann uns Martin Luthers Umgang mit der Pest ein Vorbild sein:

So will ich zu Gott bitten, daß er uns gnädig sei und es abwehre. Danach will ich auch räuchern, die Luftreinigen helfen, Arznei geben und nehmen, Orte und Personen meiden, wenn man mich nicht braucht, damit ich mich selbst nicht vernachlässige und dazu durch mich vielleicht viele andere vergiftet und angesteckt werden und ihnen so durch meine Nachlässigkeit eine Ursache des Todes entsteht. Will mich allerdings mein Gott haben, so wird er mich wohl finden; so habe ich doch getan, was er mir zu tun gegeben hat, und bin weder an meinem eigenen noch an anderer Leute Tod schuldig. Wenn aber mein Nächster mich braucht, will ich weder Orte noch Personen meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen, wie oben gesagt ist. Sieh, das ist ein rechter, gottfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn oder frech ist und auch Gott nicht versucht.
Martin Luther angesichts der Pest in Wittenberg (1527)

Glücksaufgabe

Welche Themen bringen dich aktuell in Rage? Und wo bist du allenfalls in Gefahr, „extrem“ zu werden?

Versuche dich in den nächsten Tagen in eine Person zu versetzen, die eine ganz andere Position vertritt. Wie könnte es dir gelingen, ihre Position nachzuvollziehen?

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