Glücksirrtum Nr. 7: Gott interessiert sich nicht für unser Glück

Die Ahnung vom Vollkommenen ist in uns angelegt und weckt in uns die Sehnsucht nach dem Göttlichen.
Stefan Gerber (in: Glück finden – hier und jetzt)

Glücksirrtum Nr. 7 passt bestens in diese Woche: Einerseits „verführt“ ein weiterer Terroranschlag dazu, zu fragen: Wo ist Gott? Gibt es ihn überhaupt? Wenn ja, wie kann er bei so viel Gewalt, Terror und Unrecht tatenlos zuschauen? Interessiert er sich überhaupt für uns Menschen?

Anderseits feiern wir diese Woche mit Karfreitag und Ostern die zentralen Feste des christlichen Glaubens. Mehr noch: Ohne Ostern wäre der christliche Glaube kaum mehr als eine depressive Verstimmung: Die Ernüchterung nach den grossen Versprechen. Die harte Bauchlandung nach hoffnungsvoller Nachfolge von diesem Wanderprediger und Wundertäter aus Nazareth.

Zurück zur Frage, ob es diesen Gott denn überhaupt gibt oder ob er tatsächlich nichts mehr als eine tröstende Menschheitserfindung ist. Ich will und kann Gottes Existenz nicht beweisen. Und ich vermute, dass es dieser Gott auch gar nicht nötig hat, dass wir ihn beweisen. Jedenfalls ist mir das Lebenskonzept mit einem liebenden Schöpfergott, der ein Ja zu mir hat, und dieser letzten Wirklichkeit, die mich aus einer übersteigerten Verantwortung (alles hängt von mir und meiner Leistungsfähigkeit ab) befreit, lieber, als der Glaube an einen Zufall und/oder die (All)Macht der Menschen. Ich vermute, dass wenn wirklich der Mensch oder dessen Intelligenz die letzte und höchste Instanz wäre, unsere Welt wohl schon längst vollends aus den Fugen geraten wäre.

Und das führt mich zur Frage, wo denn dieser scheinbar liebende Gott war, als in Brüssel, Paris und wo auch immer die Bomben hoch gingen? Und wo ist er in Syrien? Oder in den Slums und den unzähligen persönlichen Bankrotterklärungen all der unschuldigen Menschen?

Ich weiss es nicht. Ich weiss nicht, wie sich ein liebender Gott all das tatenlos anschauen kann. Nur appelliere ich an etwas Fairness in dieser Beschuldigung Gottes: Kann wirklich Gott für alles Schlechte verantwortlich gemacht werden, während wir all das Gute als Selbstverständlich oder gar als verdienter Lohn für unsere Anstrengungen hinnehmen?

Muss der Lohn von Neid, Zank und menschlichen Absolutheitsansprüchen nicht logischerweise Krieg und Terror sein? „Ich richtig – du falsch“, das führt zu Kleinkrieg in Familien, im Büro, in Nachbarschaften. „Wir richtig – ihr falsch“ führt dazu, dass sich Kulturen bekämpfen, sich Menschen in die Luft sprengen, Unschuldige getötet werden.

Können wir dafür wirklich Gott verantwortlich machen?

Nun, Glücksirrtum Nr. 7 lautet: Gott interessiert sich nicht für unser Glück. Natürlich interessiert sich Gott für unser Wohlergehen, natürlich wünscht er uns Lebenszufriedenheit. Die Bibel ist voller nachweislich Glück fördernder Lebensprinzipien: Dankbarkeit, Vergebensbereitschaft, Nächstenliebe, Achtsamkeit, Hoffnung … (All diese Glücksaktivitäten – und noch etliche mehr – werden heute von der Positiven Psychologie propagiert – sind aber schon längst in der alten biblischen Weisheit gelehrt worden.)

Auch wenn diese Welt für viele Menschen ein unsicherer Ort ist, Angst und Schrecken zunehmen, will ich an der Osterbotschaft – für mich ein weiteres Indiz dafür, dass sich Gott für unser Glück interessiert – festhalten: Die Hoffnung ist grösser, das Leben wird über den Tod triumphieren!

 

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