Genug ist genug

Nichts genügt dem, für den genug zu wenig ist.
Epikur (griechischer Philosoph, 341 – 270 v. Chr.)

Aller Augen, oder besser: aller Ohren, werden heute auf den abtretenden Novartis-Präsidenten Daniel Vasella gerichtet sein, wenn er an der Generalversammlung (vielleicht) erklärt, warum er sich fürs Nichtstun hätte 72 Millionen Franken ausbezahlen wollen.

Leider sind die unverhältnismässigen Lohnzahlungen eines Vasellas in der Selbstbedienungsmentalität der Managerbezüge in den letzten Jahren kein Einzelfall. Die NZZ schreibt, dass es sich hier nicht nur um ein Schweizer- oder Vasella-Problem handelt: „Die Cheflohnspirale ist ein internationales Phänomen. In Grossbritannien haben sich die Spitzenlöhne in den grössten Publikumsgesellschaften während der letzten 25 Jahre laut einer Erhebung real mehr als verzehnfacht.“ (Artikel Was hinter der Cheflohnspirale steckt von Hansueli Schöchli)

So kurz vor der Abstimmung zur Abzocker-Initiative sind die Exzesse der Manager in aller Munde und als Normalbürger sind solche Lohnsummen – oder noch schlimmer die Abfindungen fürs Nichtstun – unverständlich.

Nun ist es ja bekanntlich viel einfacher, mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, als sich selbst einigen heiklen Fragen zu stellen. Denn: Der Unersättliche ist nicht einfach der Herr Vasella, das Unersättliche steckt in jedem von uns!

Die Kunst, zu wissen, wann genug ist

Genügsam zu sein, scheint dem Menschen fremd zu sein. Aber wenn wir für uns nicht definieren, wann genug genug ist, werden wir immer vom Stress getrieben, mehr haben zu müssen. Und das betrifft eben nicht nur die Abzocker, die scheinbar nie genug von Bonuszahlungen und Statussymbolen kriegen können. Nein, in jedem von uns steckt ein kleiner (oder grosser) Abzocker, der nicht weiss, wann genug genug ist.

Natürlich wäre es schön, wenn die Elite aus der Wirtschaft ein besseres Vorbild abgeben würde. Doch die Abzockermentalität der Grossen sollte uns nicht daran hindern, selbst über die Bücher zu gehen.

Die Frage nach dem Genug stellt sich nicht nur in finanziellen Aspekten. Der oft uferlosgewordene Lebensstil in unserer Zeit schreit danach, Grenzen – zu unserem eigenen Schutz – einzubauen. Gerade jetzt, in der Fastenzeit, gibt es hierzu verschiedene hilfreiche Aktionen, um sein Leben bewusster und genügsamer zu gestalten.

Wo wir wissen sollten, wann genug genug ist…

  • Finanzen: Dreht sich die Spirale unserer Ansprüche ins Unendliche oder wissen wir, wann genug genug ist?
  • Karriere: Wissen wir, auf welcher Sprosse der Karriereleiter Schluss ist? Oder lassen wir uns befördern, bis wir unser Leben „verkauft“ haben?
  • Überstunden: Kennt unsere berufliche Verfügbarkeit Grenzen oder sind wir rundum da für die Firma – und vernachlässigen dabei uns selbst und unsere Familie?
  • Es gibt noch viele weitere Bereiche, die uns im Grenzen ziehen herausfordern: Essen, Alkohol, Medien, Shopping, Reisen, Ehrenamt…

Abzocker (die kleinen und die grossen) leben gefährlich, weil sie falsche Prioritäten setzen. Wissen wir, was uns im Leben wirklich wichtig ist – und wann genug genug ist?

 

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Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichArbeit“.

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