Familien stärken – aber wie?

Um Kinder zu erziehen, muss man verstehen,
Zeit zu verlieren, um Zeit zu gewinnen.
Jean-Jacques Rousseau

Die Familie als kleinste und wichtigste Zelle unserer Gesellschaft soll gefördert werden. Da sehen viele so. Doch, wie soll das geschehen? Da drifften die Meinungen auseinander.

Anfangs März wird in der Schweiz über einen Verfassungartikel zur Familienpolitik abgestimmt. Bund und Kantone würden damit dazu verpflichtet, die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit zu fördern. Bestimmt ein guter Schritt in die richtige Richtung. Doch wenn dieser Familienartikel bloss bedeutet, dass der Schrei nach Krippenplätzen noch lauter wird, wäre das deutlich zu wenig.

Dies unterstreicht auch eine Studie, die in den letzten Wochen Schlagzeilen gemacht hat. Die Studie von Margrit Stamm (Uni Freiburg) kommt zum Schluss, dass für die Frühförderung der Kinder die Familie entscheidend ist. In ihrem Artikel zur Studie schreibt die NZZ dazu: „Eine intakte, fördernde Familie ist der wichtigste Faktor in der Frühförderung von Kindern.“

Dieses Resultat kommt für mancheinen überraschend. War doch in den letzten Jahren die Meinung vorherrschend, dass die Kinder gerade puncto Sozialkompetenz in Krippen besser gefördert würden als im Kreis der Familien. Mich freut diese Studie und vor allem die Tatsache, dass die Familie vermehrt in den Blickpunkt rückt. Und damit die Frage, wie Familie am besten gefördert werden können.

Im Zusammenhang mit der Studie wurde auch über die Elternlehre berichtet. Mich hat an diesem Bericht gefallen, wie sich junge Eltern die Mühe machen, sich in ihrem Elternsein weiterzubilden. Dabei ist das Wissen, das sich die Eltern aneignen, nur die eine Seite. Die andere, aus meiner Sicht noch viel wichtigere, ist, dass die Paare hier gemeinsam etwas erleben, sich Zeit nehmen, sich über ihr Elternsein Gedanken zu machen und so ganz bestimmt auch für ihre Partnerschaft profitieren.

Zeit verlieren

So wertvoll ich solche Angebote wie Elternlehre und Erziehungskurse finde, glaube ich trotzdem nicht, dass es primär an Erziehungswissen fehlt. Den meisten Familien wird es nicht an Wissen sondern viel eher an gemeinsam erlebter Zeit mangeln.

Auch wenn Jean-Jacques Rousseau als Vater nicht gerade ein Vorbild war, gehe ich mit dem obigen Zitat von ihm überein: Wenn wir unsere Erziehungsaufgabe wahrnehmen wollen, müssen wir lernen, Zeit zu verlieren.

Erziehung ist nicht einfach eine Aufgabe auf unserer To-Do-Liste, die wir zu erledigen haben. Erziehung ist in erster Linie Beziehung. Und Beziehung braucht Zeit, viel Zeit. Manchmal heisst es eben auch, Zeit zu verlieren, um Zeit zu gewinnen. Ich verstehe darunter: Wer später gute Früchte in Form von eigenständigen, mutigen Persönlichkeiten ernten möchte, muss bereit sein, Zeit in die Beziehung zu seinen Kindern zu investieren. Erziehung ist eine Investition in die Zukunft, die mich heute fordert, was meine Zeit und mein Engagement betrifft.

Wollen wir Familien stärken, dann gilt es Zeit und Energie in die Beziehung zu den Kindern, aber auch zum Partner, zu investieren. Nach meiner Meinung brauchen wir nicht zuerst mehr Erziehungswissen oder mehr Krippen, sondern mehr gemeinsame Erlebnisse als Familie.

 

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