Unerwünscht und zurückgewiesen

Alleinsein ist schön, wenn man allein sein will,
nicht, wenn man es muss.

Annette Kolb, dt.-frz. Schriftstellerin, 1870-1967

Beim LebensbereichSelbst“ geht es um einen guten Umgang mit mir selber. Bin ich mir selbst ein guter Erzieher? Treffe ich Entscheidungen, die mir gut tun, die mich fördern? Gerade diese Tage habe ich dazu einen guten Tipp gelesen: Wenn wir vor einer Entscheidung stehen, können wir die 10-10-10 Regel anwenden. Welche Auswirkungen wird die Entscheidung, die ich jetzt treffe in 10 Minuten, 10 Monaten und 10 Jahren haben? Diese Regel kann uns helfen, nicht nur kurzfristig sinnvoll scheinende Entscheidungen zu treffen, sondern auch an die mittel- und langfristigen Auswirkungen zu denken.

Zu einem guten Umgang mit sich selbst gehört es, sein Leben aktiv zu gestalten, Ziele zu setzen und sich mit der persönlichen Entwicklung auseinander zu setzen. Es gehört aber auch die Frage dazu, wie wir mit Rückschlägen, Frustration und Niederlagen umgehen.

Was mach ich also, wenn ich mich unerwünscht und zurückgewiesen fühle? Was, wenn ich alleine bin, obwohl ich nicht alleine sein möchte? Das Gefühlschaos aus solchen Momenten ist jeder und jedem mehr oder weniger bekannt: Da kommt einmal mehr eine Absage auf eine Bewerbung, eine Beziehung endet im Chaos und zerbricht, meine Bereitschaft, mich zu engagieren, wird nicht honoriert, meine Zeichen der Liebe werden nicht erwidert… Ich fühle mich unerwünscht, frustriert, unverstanden und zurückgewiesen.

Mir helfen in solchen Situationen zwei gegensätzliche Dinge: Das reflektierende Alleinsein und die Kraft der Gemeinschaft.

Das reflektierende Alleinsein

Kürzlich, als ich in einer solchen Situation steckte, mich unverstanden und zurückgewiesen fühlte, setzte ich mich auf mein Bike und radelte der Aare entlang. Nach der kurzen Biketour waren nicht all meine Fragezeichen verschwunden und auch mein Gefühlschaos hatte sich nicht in Luft aufgelöst. Doch an der frischen Luft konnte ich neue Kraft tanken, klar denken und bereits erste positve Gedanken trotz der Enttäuschung fassen.

Neben Natur und Sport erlebe ich das Tagebuchschreiben als etwas sehr Hilfreiches für den guten Umgang mit mir selbst. Ich versuche, meinen fest reservierten Termin einmal die Woche auch tatsächlich einzuhalten und einige Gedanken zu meinem aktuellen Erleben zu notieren. Das Aufschreiben der Gedanken hilft, sich nicht einfach im Kreis zu drehen und sich nicht von Enttäuschungen und Frust auffressen zu lassen.

Zum reflektierenden Alleinsein gehört für mich ein Drittes: In der Stille des Alleinseins suche ich die Gemeinschaft mit meinem Schöpfer. Wer kennt mich besser als mein Schöpfer? Und wer kennt die Gefühle des Unerwünschtseins und der Zurückweisung besser als Jesus, der Frieden bringen wollte und dafür gekreuzigt wurde? Diese Woche habe ich gelesen: „Wer überzeugt ist, dass sein Gott es gut mit ihm meint, ist resilienter (widerstandsfähiger).“ (Markus Züger im Artikel „Die seelische Widerstandsfähigkeit„, antenne, September 2012)

Die Kraft der Gemeinschaft

So gut mir das reflektierende Alleinsein tut, bin ich doch sehr dankbar dafür, dass ich gerade in schwierigen Phasen des Lebens, in Momenten der Enttäuschung, auch ein stabiles Netz von guten Menschen um mich habe, die mich stützen und mir Kraft geben.

Die wertvollste Unterstützung sind mir hier das Zusammensein und der Gedankenaustausch mit meiner Frau: Gemeinsam meistern wir die Hürden des Alltags und sind auch dann füreinander da, wenn einer von uns „Schiffbruch“ erlebt hat.

Überhaupt kann die Familie ein kraftvoller Anker sein, wenn sich das Leben gerade von der harten Seite zeigt. Geschwister, Eltern, Kinder – sie alle haben im Normalfall ein natürliches Interesse an uns und darum auch ein offenes Ohr für uns.

Gerade wenn man sich unerwünscht und zurückgewiesen fühlt, gibt es kaum etwas Wohltuenderes als die Ermutigung von echten Freunden. Zu spüren, dass man ja doch nicht alleine auf der Welt ist, nicht von allen im Stich gelassen wird, hat etwas Heilsames. Freunde können einem helfen, wieder aufzustehen und das Leben aktiv zu gestalten.

Es wird offensichtlich, gerade in enttäuschenden Situationen, die uns die Motivation und die Freude am Leben nehmen wollen, ist ein Leben in gesunder Balance von grosser Bedeutung: Der Rückhalt in der Familie, die Ermutigung der Gemeinschaft, die Kraft des guten Umgangs mit sich selbst und eine gelebte Spiritualität. Sind diese Lebensbereiche tragfähig, so kann ich auch nach einer Zurückweisung und einer Niederlage aufstehen, mich neu ausrichten und mein Leben gestalten.

 

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichSelbst“.

2 Antworten auf „Unerwünscht und zurückgewiesen“

  1. Sehr interessanter Bericht / Newsletter. Hat mir sehr gut gefallen. Ich kann Dir in dieser Situation sehr gut nachfühlen. Ich wünsche Dir von Herzen alles Liebe und, dass Du die nötige Kraft bekommst und sich Dir viele Türen öffnen, Du glücklich sein kannst und Du spüren darfst wie wertvoll Du bist!
    Mein lieber Stefan, ich bin stolz auf Dich und hab Dich sehr lieb.
    Be blessed.
    Dein Dadi

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