Flicken oder wegwerfen?

Das Wörtchen Ehe besteht nur aus drei Buchstaben,
von denen zwei sogar noch gleich sind.
Und trotzdem muss manches Ehepaar
Jahrzehnte daran buchstabieren.

Agatha Christie

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Tatsächlich wird es einem oft schwer gemacht, etwas Kaputtes zu flicken. Es kommt einem zum Beispiel oftmals günstiger, einen neuen Drucker anzuschaffen, als den alten reparieren zu lassen…

Diese Mentalität färbt leider auch auf unsere Art, Beziehungen zu leben, ab: Der Aufwand, einer gefährdeten oder gar gescheiterten Beziehung eine zweite Chance zu geben, scheint uns oftmals zu gross.

Kürzlich bin ich an einem Juwelier vorbeigegangen und bin ab der Werbung vor dem Geschäft erschrocken:

Wie geschmacklos ist eine solche Reklame… Als wäre eine Beziehung zu beenden so einfach und selbstverständlich wie die Kleider zu wechseln. Ich beende meine Ehe und verdiene noch Geld damit, oder wie? Ich bringe meinen Ehering zurück zum Juwelier und bin offen für das nächste Abenteuer… Was es (finanziell und emotional) kostet, wenn eine Beziehung in Brüche geht, wird hier selbstverständlich nicht kommuniziert.

Leider sind hier auch die Fernsehvorbilder nicht wirklich hilfreich. Im Film gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten, wie Beziehungen zwischen Mann und Frau ausgehen: Entweder landen die beiden im Bett oder es kommt zum „Türezuschmeissen“. Wo haben wir im Film oder im richtigen Leben die Vorbilder, die die Kraft aufbringen und sich vor der Beziehungsarbeit nicht drücken?

Ein altes Ehepaar wurde an ihrer Goldenen Hochzeit gefragt, was ihr Rezept für ihre lange Ehe sei. Die Frau sagte: „Früher hat man kaputte Dinge noch geflickt“.

Ich glaube, in diesem Satz liegt sehr viel Wahrheit. In unserer Gesellschaft geben Paare viel zu schnell auf und vergessen, dass eine Trennung/Scheidung oftmals mindestens so viel Energie kostet, wie der Entscheid, es nochmals gemeinsam zu versuchen.

Leicht ist es nicht, etwas zu flicken. Gerade in unserer Zeit sind wir nicht mehr Spezialisten im Flicken. Doch der Aufwand lohnt sich – selbst wenn man die „Flickspuren“ sehen wird. Unsere Partnerschaft wird nicht mehr „neu“ aussehen. Aber genau da liegt auch eine Chance: Durchgestandene Krisen „schweissen“ zusammen, sagt man. „Schweissen“ tönt doch auch nach flicken, oder? Durchlebte Stürme werden unsere Beziehung zu etwas ganz Speziellem und zu unserem Eigenen machen.

In dem Sinn: Viel Mut und Ausdauer zum Flicken.

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichLiebe“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.