Die Ego-Falle

In ihrem Referat am Willow Creek Leitungskongress 2020 machte Evelyne Binsack einen spannenden Unterschied zwischen dem Ich und dem Ego.

Das Ich, also das Selbst, beschreibt sie als Einklang von Körper, Geist und Seele.

Wenn wir, besonders in Grenzsituationen, die Kontrolle über uns selbst verlieren, unser Ich ausser Balance ist, bleibt gemäss Binsack das Ego übrig.

Diese Ego ist eigentlich für den Krisenmodus geschaffen: Das Ego ist der Antrieb zum Überleben.

Gleichzeitig ist das Ego aber der Antrieb für Ruhm und Macht oder führt bei einem ungesunden Ich zum unbedingten Verlangen nach Angenommenheit und Anerkennung. Wenn wir dies jedoch in Dingen und (allen) Menschen suchen, haben wir schon verloren.

Das Reden übers Ich oder vom Selbst hat nichts mit Egoismus zu tun. Im Gegenteil, das Reflektieren über unser Ich soll helfen, dass wir die Selbstkontrolle nicht verlieren und somit nicht unser Ego aufblasen.

Corona und die Ego-Falle

Ist dir das zu viel Psychologie und zu theoretisch? Dann lass uns praktisch werden!

Tatsächlich befindet sich derzeit schier die ganze Welt im Ausnahmezustand, im Krisenmodus.

Und in solchen Situationen kommt schön zum Ausdruck, wie es um unsere Balance, unsere innere Gesundheit und unsere Selbstkontrolle steht.

Ich beobachte zwei Formen von Egoismus:

Erstens: Das Ego, das nach Macht strebt

Es gibt immer noch Menschen, zum Glück werden es immer weniger, die die Weisungen vom Bundesrat nicht ernst nehmen und sich weigern, daheim zu bleiben – und zwar alleine, resp. als Familie.

Natürlich ist es nicht lustig, wenn wir die geliebte Freiheit für einen Moment aufgeben müssen. In unserer freien Gesellschaft, wo jeder tun und lassen kann, was er will (so lange er damit niemand gefährdet), tun wir uns schwer damit, unserer Regierung zu glauben, dass wir unser soziales Leben nun wirklich drastisch reduzieren sollten. Respektive nicht das soziale Leben, sondern die persönlichen Kontakte – Gott sei Dank gibt es heute unzählige andere Möglichkeiten, das soziale Leben weiter zu pflegen.

Es ist eine Form von egoistischem Machtstreben, wenn Jugendliche nun weiterhin Freunde zu Homepartys einladen. Und rüstige Rentner, die nach wie vor ihre Grosskinder betreuen, streben im Grunde genauso nach Macht: „Ihr habt mir nichts zu sagen, ich bin mein eigener ‚Herr und Meister‘!“.

Zweitens: Das Ego, das ums Überleben kämpft

Die aktuelle Unsicherheit bringt so manches Ich aus dem Gleichgewicht und bringt das Ego zum Vorschein, das in panischen Krisenmodus umstellt: Unbegründet werden WC-Papier und Konservenbüchsen gehamstert.

Panik ist genauso wenig angebracht in der aktuellen Situation wie die egoistische Gleichgültigkeit.

Solidarität statt Ego

Das Ego, in welcher Form auch immer, ist in der Coronakrise eine Falle in jeder Hinsicht:

Je mehr Leute sich eigenmächtig die Freiheit nehmen und sich weiterhin in Gruppen treffen, desto stärker wird schlussendlich unsere Freiheit eingeschränkt werden und es wird zu chaotischen Zuständen kommen – nicht nur in unseren Spitäler.

Je mehr Leute panische Hamstereinkäufe tätigen, desto grösser wird die allgemeine Verunsicherung, wenn man die leeren Gestelle sieht. Eine Ego-Falle, die einen unnötigen Negativstrudel auslösen.

Kommt dazu: Corona hin oder her – die Ego-Fall ist ein sicherer Weg ins Unglück. Neurologisch erwiesen ist hingegen, dass Solidarität, Grosszügigkeit und Gemeinsinn wahre Glücksförderer sind!

Die gute Nachricht: Im Grunde war Solidarität noch nie so einfach: Für einmal können wir Gutes tun indem wir einfach zuhause auf dem Sofa sitzen!

Glücksaufgabe

#stayhappy – auch in diesen verrückten Tagen.

Darum gibt es von gms/Happy Kids #stayhappy – die tägliche Ermutigung für dich und deine Familie. Verbinde dich mit uns auf Instagram oder Facebook

Oder whatse #stayhappy an +41 76 652 97 52 und du kriegst die tägliche Ermutigung direkt als WhatsApp Nachricht (keine Gruppe).

Und vielleicht ist genau jetzt dir richtige Zeit um intensiver darüber nachzudenken, wie du mehr Lebenszufriedenheit findest: Glück finden – hier und jetzt!

Glück in der Krise?!

Als mir eine Freundin vor einiger Zeit mitteilte, sie würde heute, am 20. März, heiraten, sagte ich: „So gut, dann heiratet ihr am internationalen Tag des Glücks!“.

Ob die Ziviltrauung wirklich heute stattfinden darf, war vor einigen Tagen ungewiss. Tja, was ist nun mit dem Glückstag?

Auch wenn du heute nicht geplant hast zu heiraten, fragt sich, ob du in diesen chaotischen Zeiten überhaupt Lust auf einen Tag des Glücks hast.

#stayhappy

Die Glücksforschung hat herausgefunden, dass unsere Lebensumstände nur einen kleinen Einfluss auf unser empfundenes Glück haben. Das muss sich nun in diesen Krisenzeiten zeigen.

Natürlich, wenn die Krise uns in existenzielle Nöte – gesundheitlich oder finanziell – bringt, haben die Lebensumstände schon einen grossen Einfluss auf unsere Lebenszufriedenheit.

Doch selbst wenn wir in eine persönliche Krise geraten, gibt es Wege, um unsere innere Stärke aufzubauen. Und gerade in solch beängstigenden Situationen wie der gegenwärtigen, ist es wichtig, dass wir nicht der Panik, dem Leid oder dem Selbstmitleid freien Lauf lassen.

Tu etwas, das dir gut tut! #stayhappy – trotz allem. Und genau dazu möchte der GlücksBlog ermutigen, zusammen mit unserer Kirche gms – z’friede läbe und der sozial-diakonischen Kinder- und Familienanimation Happy Kids werden wir während der Krise täglich eine Ermutigung für dich und deine Familie auf unseren sozialen Kanälen verbreiten.

#stayhappy – beginne heute am Glückstag damit

Im Buch Glück finden – hier und jetzt schreibe ich von 16 Glücksaktivitäten. Bestimmt hat es darunter auch eine für dich und für all deine Familienmitglieder: Mit welcher Aktivität willst du gleich heute beginnen, dein Glücksniveau trotz allgemeiner Krise zu steigern?

☐ Guter Umgang mit sich selbst
☐ Originalität leben
☐ Ziele setzen
☐ Körper und Seele pflegen
☐ Achtsamkeit, bewusstes Denken
☐ Dankbarkeit
☐ Vergebung
☐ Optimistisch in die Zukunft
☐ Genuss
☐ Gemeinschaft: Liebe geben und empfangen
☐ Großzügigkeit
☐ Ehe (Familie) gestalten
☐ Flow-Erfahrungen
☐ Stärken einbringen
☐ Berufung leben / Arbeit gestalten
☐ Spiritualität

Mein persönlicher Geheimtipp für dich: Dankbarkeit ist wahres Glücksdoping! Im allgemeinen Chaos und den von überall auf uns herabprasselnden Bad News können wir die Negativspirale damit durchbrechen, dass wir unseren Blick bewusst auf etwas Lenken, das unser Herz freut.

Für was bist du dankbar mitten in Coronazeiten? Für weniger Termine? Für das wunderbare Wetter der letzten Tage? Das erwachende Leben in der Natur? Die unkonventionellen Familienzeiten mit Homeoffice und Homeschooling?

Nimm doch Block und Schreibzeug und suche für dich oder zusammen mit deiner Familie Gründe, wofür du heute dankbar bist! Wer schafft mehr als 10 Dinge?

Wer will, findet immer einen Grund zur Dankbarkeit! Und wenn du dein Auge darin schulst, Tag für Tag drei Dinge zu finden, wofür du dankbar bist, wird dich das nachhaltig glücklicher machen!

Das GlücksBuch zum GlücksTag

Gerade mehr Zeit zum Lesen? Wie wärs mit dem GlücksBuch für dich oder deine Freunde?

Glück finden – hier und jetzt 
Das praktische GlücksBuch von Stefan Gerber jetzt bestellen.
Adonia Verlag, CHF 19.80, ISBN 978-3-03783-104-5
184 Seiten
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#stayhappy – die tägliche Ermutigung abonnieren

Die „Happiness“ (#Glück/Lebenszufriedenheit) lassen wir uns auch vom #Coronavirus nicht nehmen. Im Gegenteil: In Zeiten wie diesen ist es besonders wichtig zu wissen, was einen wirklich glücklich macht.

Darum gibts ab sofort #stayhappy – die tägliche Ermutigung für dich und deine Familie. Das reicht von der Spielidee über einen GlücksArtikel bis zur Bastelanleitung. Vielleicht gibt es sogar einmal einen Gesundheitstipp oder ein Kochrezept. Einige Überraschungen haben wir auch schon parat.

Du willst dich von uns ermutigen lassen? Oder ihr seid als Familie einfach dankbar für Ideen, die euch die Tage verkürzen?

Dann verbinde dich mit uns auf Instagram oder Facebook

Oder whatse #stayhappy an +41 76 652 97 52 und du kriegst die tägliche Ermutigung direkt als WhatsApp Nachricht (keine Gruppe).

Bleib gesund! Und verliere nicht die Hoffnung!

Geschenkte Zeit

Meine Agenda für den März war ziemlich dicht: Hier eine Schulung, da ein Kongress, dort ein Forum, verschiedene Vereinsversammlung und dazu noch ein Familienfest.

Und plötzlich wird ein Anlass nach dem anderen abgesagt und der Terminkalender wird sympathisch „luftiger“.

Da stellt sich die Frage: „Was tun mit der geschenkten Zeit?“

Per Knopfdruck zur Ruhe kommen?

Derzeit sind etliche meiner Berufskollegen in Quarantäne, resp. in häuslicher Isolation, und haben somit 14 Tage Zeit für „Selbstzeit“, die vermutlich bei manchen dieser engagierten Personen im Alltag eher zu kurz kommt.

Da einer unserer Referenten beim Leitungskongress von letzter Woche in Karlsruhe positiv auf Corona getestet wurde, sind einige weitere Referenten, Vorstände und Mitarbeitende, die mit dem Betroffenen am Abend vor dem Kongress zusammen waren, isoliert worden. Einige von ihnen haben in deutschen Medien über diese spezielle Zeit berichtet, heute hat sogar der Blick eine Story dazu gebracht (Samuel Koch in Corona-Quarantäne).

Wir standen als ganze Familie während dem Kongress im Einsatz. Als dieser am Freitagmittag abgebrochen wurde, musste ich zuerst meine Familienmitglieder suchen. Da meine Frau in der Referentenbetreuung engagiert war, stellte sich sofort die Frage: Ist sie auch von der Quarantäne-Massnahme betroffen?

Das war zum Glück nicht so! Weil sie wie die meisten Mitarbeitenden und die tausenden Teilnehmenden nicht mit dem Betroffenen in Kontakt kam und die sogenannten Kontaktpersonen 1 noch nicht ansteckend waren, bestand zu keiner Zeit Gefahr für die allermeisten Personen.

Wie schnell es hätte gehen können, zeigt jedoch die Tatsache, dass mindestens drei der Kontaktpersonen 1 inzwischen positiv getestet wurden. Noch eindrücklicher und erschreckender die Verbreitung des Virus beim Fastentreffen von «Porte Ouverte».

Aber wie geht es denn den Menschen in Quarantäne? Wie nutzen sie die geschenkte Zeit?

Laut ihren Berichten (z.B. im Der Leiterblog oder bei Craig Groeschel) ist es gar nicht so einfach, per Knopfdruck verordnet vom Gesundheitsamt zur Ruhe zu kommen.

Dank Homeoffice wird einerseits weitergearbeitet und durch den Kongressabbruch und das Umdisponieren wegen Corona gibt es nicht bloss Freiraum, sondern auch eine grosse Menge Zusatzarbeit.

Während Einkehrtage, Zeiten der Stille und Zurückgezogenheit sehr beliebt sind, fällt es verständlicherweise schwer, so unerwartet in Isolation zu leben: Keine Umarmung des Partners, einige verbringen die 14 Tage sogar ganz getrennt von Partner und Kinder.

„Jetzt hättest du doch einmal Zeit für …“

So einfach ist es eben für viele von uns nicht.

Ich hab das neulich erlebt. Völlig andere Situation, total harmlos: Wegen dem Sturm Sabine mussten wir einen Tag unserer Skiferien abseits der Piste – sprich in der Ferienwohnung – verbringen.

Jetzt hätte ich Stunden zum Lesen gehabt. Und genügend Lesestoff hatte ich in weiser Voraussicht sogar eingepackt.

Doch als enthusiastischer Skifahrer fiel es mir total schwer, innerlich zur Ruhe zu kommen, die „geschenkte Zeit“ umzunutzen und einfach den Moment beim Lesen zu geniessen.

Was ich merke: Ich muss eben auch freie Zeit bewusst gestalten, wenn ich sie bewusst erleben will. Während meinem Spitalaufenthalt vor einigen Jahren (ironischerweise nach einem Skiunfall) half mir, wenn ich den viel zu langen Tag durch Rituale in eine Struktur brachte.

Und für die nächsten Woche, wo jetzt plötzlich einige weisse Flecken in der Agenda zu finden sind, will ich nicht einfach zuschauen, wie sich die Tage von selbst füllen – denn das täten sie sich bestimmt. Stattdessen will ich mir bewusst Dinge einplanen, die sonst zu kurz kommen: Gartenarbeit, Menschen treffen, „an der Firma, nicht bloss in der Firma“ arbeiten und ja, Bücher lesen muss auch auf diese Liste.

Ich bin dankbar, hat es niemand aus unserer Familie punkto Quarantäne getroffen. Den Kollegen in Isolation wünsche ich, dass diese Zeit nicht nur Last sondern am Ende auch ein bisschen Lust mit sich bringt.

Glücksaufgabe

Derzeit müssen viele Veranstaltungen abgesagt werden. Wahrscheinlich wird wohl fast jeder dadurch etwas mehr Zeit geschenkt bekommen. Wie willst du diese Zeit gestalten, damit nicht bloss deine Bildschirmzeit erhöht wird?

Schönwetter Leben

Eine solche Skiwoche habe ich noch nie erlebt: Der Wetterbericht und die Sturmwarnungen machten schon im Voraus klar, dass „Schönwetter Skifahrer“ auf wenig Schneestunden kommen würden.

Das schönste Wetter wäre wohl für An- & Abreisetag zu erwarten, ergab unsere kurze Analyse. Und so gab es dann vorletzten Samstag um 5 Uhr Tagwache und um 5.30 Uhr gings mit vollgepackter Familienkutsche los Richtung Lieblingsskigebiet im Montafon.

Nach zwei ganz ordentlichen Skitagen war es Zeit für den Besuch von Sabine – am Montag stand alles still, am zweiten Sturmtag drängten wir uns gefühlt mit dem ganzen Montafon an die zwei geöffneten Skilifte.

Über mangelnde Abwechslung konnte sich keiner beklagen: Jeder Tag anderes Wetter, andere Schneeverhältnisse, Talabfahrt abwechselnd mit oder ohne Wanderintermezzo …

Was sich ziemlich konstant hielt: Die erste Abfahrt am frühen Morgen war die schönste! Ob frisch verschneite Hänge oder perfekt präparierte Pisten – wir waren uns einig: Der Lohn ist gross für den, der bereits um 8.15 Uhr an der Bahn steht.

Wie zu erwarten war: Das schönste Wetter kam zum Schluss. So verbrachten wir auch den Abreisetag auf der Piste und tankten (doch) noch einige Sonnenstunden.

Mehr als Sonnenschein

Ich liebe es, bei besten Bedingungen – sprich: Sonne, gute Sicht, toller Schnee, perfekt präparierte Pisten – mit langezogenen Schwünge  die Hänge herunterzubrettern.

Trotzdem wurde mir an diesem wunderschönen Samstag bewusst: Wären alle sieben Skitage so gewesen, hätte selbst dieses „Perfekte“ etwas Ermüdendes gehabt. Immer nur Sonne – auch das wird irgendeinmal langweilig.

Das Abenteuer war jedenfalls in dieser Skiwoche um einiges höher als im Schönwetter-Urlaub: Wie weit können wir heute die (offiziell gesperrte) Talabfahrt auf den Skis bewältigen? Welche Lifte sind heute geöffnet? Wo ist eigentlich Piste – und wo Nebel? …

Wunderbar waren die Abfahrten im Pulverschnee: Harte Piste mit paar wenigen Zentimeter Neuschnee – ein Gefühl vom Fliegen kam auf.

Natürlich liebe ich auch im Leben, wenn die Sonne scheint! Alle sind happy, die Projekte gehen alle gut von der Hand, die eigenen Kinder machen gerade mehr Freude als Ärger und in der Partnerschaft fliegen die Schmetterlinge.

Auf der anderen Seite ist es so mühsam, wenn man im Nebel herumirrt und nicht weiss, wo einem das Leben als nächstes hinträgt: Beziehungsknatsch, Kündigung, gesundheitliche Einschränkungen, Selbstzweifel, übergrosse Herausforderungen und erdrückende Verantwortung …

Ich ertappe mich hin und wieder beim Gedanken, dass ich mir mehr Zeit zum Geniessen wünsche – mehr Zeit an der Sonne, mehr Gelassenheit, mehr unbekümmerte Momente mit guten Menschen und weniger „unter Strom stehen“, weil schon wieder das nächste Projekt, die nächste Hürde oder auch einfach die nächste auszufüllende Steuererklärung warten.

Möglicherweise geht es vielen von uns ähnlich – und es ist wichtig und gut, wenn wir diese Stimme in uns ernst nehmen.

Und doch: Ich will kein Schönwetter-Leben! Ich wünsche mir ganz viele Schönwetter-Momente in meinem Leben, aber das Leben finden nicht nur an der Sonnseite statt.

Und das ist gut so!

Wer meint, das Leben bestünde nur aus Schönwetter, wird die Sonne eines Tages nicht mehr geniessen können.

Je dichter der Nebel, umso schöner die strahlende Sonne danach.

Nein, ich suche nicht das Leid im Leben und ich wünsche es auch keinem. Tatsache ist aber, dass leidvolle Momente, Stürme, Herausforderungen, Brüche zum Leben dazugehören.

Ich wünsche uns, dass wir an diesen Stürmen nicht zerbrechen, sondern dass sie uns stärken und reifen lassen.

Damit wir dann die Sonne in vollen Zügen wieder geniessen können!

Glücksaufgabe

Welcher Sturm in deinem Leben hat dich zu einer reiferen Persönlichkeit gemacht?

Wie kannst du selbst für eine gesunde Ausgewogenheit zwischen Sturm (Herausforderungen) und Sonnenschein (Genussmomente) in deinem Leben sorgen?

Eindrückliche Liebesgeschichte

Letzten Sommer las ich in einer Zeitschrift eine Porträt über Fritz und Bethli Gugger – und war sofort fasziniert von diesem Paar, das auf über 50 Ehejahre und ein  abenteuerliches (Liebes)Leben zurückblicken kann.

Ich wollte sie kennen lernen und von ihnen erfahren, wie man mit 80 Jahren dankbar und glücklich leben kann. Und wie man es schafft, über 50 Jahre „glücklich verheiratet“ zu sein.

Gestern war es nun soweit: Ich durfte im Rahmen vom Format Chäs, Brot, Wy – und mini Gschicht mit Gott einen Talk mit den beiden führen.

Und sofort wurde bestätigt, was ich erwartet hatte. Das Ehepaar strahlt eine Lebensfreude aus, die ansteckend wirkt. Ihre Achtung voreinander und vor Menschen überhaupt, scheint ein zentraler Schlüssel in ihrem Leben zu sein. Durch kleine Aufmerksamkeiten werden sie zur Ermutigung für andere.

So zum Beispiel für meinen kürzlich verstorbenen Grossvater, was ich erst kurz vor dem Gespräch erfahren hatte: Bei meinem Grossvater wurden zahlreiche Postkarten von Guggers gefunden. Immer wieder, bis zu seinem Tod, durfte er sich an einem Feriengruss von Fritz & Bethli erfreuen.

Für andere da sein

Überhaupt zieht sich das Engagement für Mitmenschen wie ein roter Faden durch das Leben von Guggers: Als Lehrlingsbetreuer in Indien, Adoption von Niklaus Samuel (heutiger Nationalrat Nik Gugger), Heimleiter in einem Altersheim, Leitung einer Missionsstation in Costa Rica.

Sich in den Dienst einer grösseren Sache stellen, aus der Dankbarkeit heraus für andere Menschen zum Segen werden, das ist ganz bestimmt ein Erfolgsfaktor für eine tragfähige Partnerschaft.

„Wir arbeiten gerne zusammen und ergänzen uns gut“, sagen die beiden. Das kenne ich selbst aus meiner Ehe. Wir haben das Privileg, als Paar gemeinsam in ganz viele Projekte involviert zu sein. Wie neulich, als wir an einer Tagung zu zweit ein GlücksReferat halten durften. 

Es ist ein Vergnügen, wenn man als Paar gerne und gut zusammenarbeiten kann, sich ergänzt und dabei immer mal wieder auch einen Flow erleben darf. So ist man nicht „bloss“ eine Ehepaar, sondern auch ein Team mit einer gemeinsamen Vision.

Team mit Vision

Mit gemeinsamen Arbeitsprojekten wird man automatisch zum Team, doch das ist nicht für jedes Paar möglich oder empfehlenswert – vielleicht klappt das mit der Zusammenarbeit und Ergänzung nicht wirklich und führt nur zu Konfliktstoff. Dann lässt man dies besser.

Doch der Paaralltag bietet auch sonst genug Möglichkeiten, sich als Team mit Vision zu verstehen: Was wollen wir gemeinsam erreichen? Was soll über unserem Leben, über unserer Ehe stehen? Welche Träume wollen wir gemeinsam anpacken?

Gemeinsames Fundament

Guggers machen kein Geheimnis daraus, dass ihnen gemeinsame Interessen wie Sport oder Musik zu „gwaggelig“ (zu unstabil) seien. So toll dies auch sei, für sie braucht es für eine glückliche Ehe ein tragfähigeres Fundament: Den Glauben miteinander teilen zu können und auch gemeinsam zu beten, das sei für sie das, was am Ende (durch)trägt.

Das heisst nicht, dass man Meinungsverschiedenheiten aus dem Weg geht. Nein, wer sich achtet, der kann es auch aushalten, wenn der Partner die Welt nicht immer durch die selbe Brille anschaut.

Es war wunderbar, dieses positive Paar kennen zu lernen. Ich habe ein neues Vorbilder für meine Ehe und mein Leben gefunden.

Glücksaufgabe

Bald ist Valentinstag, doch unsere Paarbeziehungen verdienen eine grössere Investition als der jährliche Blumenstrauss am 14. Februar. Wie kannst du dich in deine Partnerschaft einbringen, damit auch ihr Lebensfreude ausstrahlt?

Mit Liebe zum Erfolg

Gestern war ich zu einem Anlass mit dem Titel „Leistung im Fokus“ eingeladen. Leider schaffte ich es nicht, mein Büro frühzeitig zu verlassen, um an dieser Veranstaltung am späten Nachmittag teilzunehmen.

Nun lese ich in der Tageszeitung von dieser Fachtagung und erhalte dank dem Artikel doch noch einige gute Impulse zu diesem spannenden Thema.

Zum Beispiel diese:

Es gibt Leistung ohne Erfolg, aber keinen Erfolg ohne Leistung.

Nichts Neues, könnte man einwenden.

Und doch: Wie oft machen wir die Erfolgreichen zu den Helden und denken insgeheim, die hätten halt mehr geleistet und alles richtig gemacht?

Es gibt übrigens auch noch die religiöse Variante von diesem falschen Denkansatz: Der Erfolgreiche hat halt mehr geglaubt, darum wurden seine Gebete erhört, ist seine Organisation „durch die Decke gegangen“ …

Ja, wir können eine ganze Menge zu unserem persönlichen Glück beitragen. Und auch dem (Miss)Erfolg sind wir nicht einfach machtlos ausgeliefert.

Bezüglich dem Glück muss ich anfügen, dass es auch darum geht, sich mit seinem Scheitern  zu versöhnen und trotz Misserfolg Wege zu finden, persönliches Glück zu erfahren.

Beim Erfolg ist es so, wie Chrstine Beerli an besagter Veranstaltung ausführte: „Leistung ist nicht mit Erfolg gleichzusetzen.“ Und könne daher kaum gemessen werden.

Denn: „Leistung beginnt dort, wo man über sich hinauswächst, seine Komfortzone verlässt.“ Und das sieht beispielsweise am Lauberhorn bei Beat Feuz ganz anders aus als bei mir.

Wenn ich meine Komfortzone verlasse, werde ich trotzdem nicht Lauberhornsieger. Feuz hingegen hat genau dies nicht zum ersten Mal geschafft.

Erfolg ist also von vielen weiteren Faktoren abhängig. Bloss die Leistung reicht nicht. Das Umfeld muss stimmen, die Zeit muss reif sein und ganz oft spielt auch das Zufallsglück (oder je nach Überzeugung die göttliche Fügung) eine nicht unwesentliche Rolle: Wer zum richtigen Zeitpunkt, mit der richtigen Idee, am richtigen Ort, die richtigen Leute kennen lernt, – der kann richtig Erfolg haben …

Gemeinsam zu grösserer Leistung und mehr Erfolg

In Zusammenhang mit Erfolg und Leistung fasziniert mich immer wieder die Teamkurve und die Frage, wie wir vom potentiellen zum echten Team und schliesslich  zum „Hochleistungsteam“ kommen.

Der Unterschied vom guten Team zum „Dreamteam“ liegt nicht etwa im Einsatz von neuster Technologie oder höchsten Bonuszahlungen. Es ist viel simpler und doch so komplizierter: Der Unterschied liegt im Umgang der Teammitglieder untereinander.

Man könnte auch sagen: Nicht Technologie, nicht Finanzen und auch nicht die trendy Arbeitsumgebung zeichnen ein Hochleistungsteam aus, sondern die Liebe.

Natürlich wäre es falsch, alles auf diesen Softfaktor abzustützen. Um überhaupt zu einem guten, arbeitsfähigen Team zu kommen, brauchen wir Technologie, Finanzen, gute Arbeitsumgebung und geklärte Rollen.

Doch der letzte Schritt zu mehr Leistung und Teamerfolg erreichen wir tatsächlich durch mehr Liebe am Arbeitsplatz.

An der gestrigen Fachtagung nannte es Matthias Mölleney (HWZ) mit Blick auf eine Untersuchung bei Google die psychologische Sicherheit.

Wenn ich mich im Team nicht sicher fühle, werde ich nicht meine beste Leistung abrufen können, werde nicht offen meine Gedanken mitteilen und so bleiben wir als Team hinter unseren Möglichkeiten.

Wenn man aber sagen kann, was einem auf der Zunge liegt, weil man im Team respektiert und geschätzt wird, dann ist die psychologische Sicherheit hoch und dann ist die Leistung hoch.

Respekt, Wertschätzung, Liebe – das macht nicht nur unser Miteinander einfacher, das führt auch zu besseren Leistungen als Team. Genau darum habe ich gestern lieber in unser Miteinander als Team investiert, als früher Büroschluss zu machen.

Glücksaufgabe

Fühlst du dich psychisch sicher in deinem Team, an deinem Arbeitsplatz? Gerade gestern hörte ich wieder so eine Geschichte, wie ein Mitarbeiter zum Spielball der Geschäftsleitung gemacht wird. Was nicht sein darf, gibt es leider immer noch viel zu oft.

Was kannst du selbst tun, damit das Teamklima von mehr Respekt, Wertschätzung und Liebe geprägt wird?

Äs guets Nöis!?

Gestern trafen wir uns zum ersten Unihockey-Training im neuen Jahr. Bei der Begrüssung wünschten wir einander natürlich „Äs guets Nöis!“ – „Happy New Year“ – „Bonne Anée“.

Auch wenn es einerseits eine Floskel ist, finde ich diesen Brauch anderseits auch schön: Man wünscht sich gegenseitig gutes Gelingen, Freude und eben einfach ein gutes neues Jahr.

Eine Mitspielerin (genau, auch das gibt es im freestylers-Plauschteam) hingegen stellte lapidar fest: Wenn wir uns jetzt „Äs guets Nöis!“ wünschen, heisst das dann, dass das Alte nicht gut war?

Nein, das will der Neujahrs-Glückwunsch nicht meinen. Natürlich ist jedes neue Jahr auch eine neue Chance, ein ungeschriebenes Buch das ganz frisch vor uns liegt. Eine Schneelandschaft, die noch ohne jegliche Spuren vor uns liegt und darauf wartet, dass wir unsere Spuren darein setzen.

Ich habe Mühe mit den fast-fix Rezepten „So wird 2020 ihr bestes Jahr“ – das suggeriert irgendwie, dass es immer noch besser werden muss.

Aber ein „gutes Jahr“, das wünsche ich mir, dir und allen von ganzem Herzen. Egal wie das letzte war: Vielleicht hast du – wie ich – das letzte Jahr im Flow beendet. Dann wünsche ich dir – und mir -, dass wir dort ansetzen können und die Geschichte weiterschreiben dürfen.

Und wenn das letzte Jahr mehr von Schmerz als von Freude geprägt war für dich, dann wünsch ich dir, dass du diesen Schmerz im neuen Jahr hinter dir lassen kannst und Gutes empfangen darfst.

Die Selbstopitimierungs-Falle

„Äs guets Nöis“ gefällt mir auch darum, weil es eben von „gut“ und nicht von „perfekt“ spricht.

Das gute Leben – das wünsch ich uns. Vollkommenheit ist für den Himmel reserviert, sage ich jeweils. Natürlich kann schon hier und da Himmel auf Erden geschehen. Aber das irdische Leben wir nie vollkommen sein.

Darum: Ein gutes Leben.

Und das heisst: Ich bin mir bewusst, dass neben vielen schönen Momenten im Leben, neben Freude, Erfolg und Erfüllung auch Schwieriges dazu gehört. Körperliche Schmerzen oder Beziehungsschmerzen. Karrierenbrüche oder emotionale Tiefs.

Glücklich ist nicht, wer das perfekte Leben gefunden hat.
Glücklich ist, wer sich mit all dem Schönen und all dem Schwierigen versöhnt hat und sein Leben aktiv gestaltet – in all den unterschiedlichen Lebensbereichen des ShalomLeben-Windrades:

Die Nabe: Bewusste Selbstführung

Glückliche Menschen sind mit sich im Reinen, blicken optimistisch in die Zukunft und pflegen einen dankbaren und achtsamen Lebensstil.

Rotorblatt: Erfülltes Liebes- und Familienleben

Glückliche Menschen verbringen viel Zeit mit Menschen, die ihnen wichtig sind. Sie pflegen Freundschaften und gestalten ihr Liebes- und Familienleben aktiv.

Rotorblatt: Sinnerfüllte Tätigkeit

Glückliche Menschen gehen einer Aufgabe nach, die ihren Talenten und Interessen entspricht und mit der sie einen Unterschied auf dieser Welt machen können.

Rotorblatt: Reiches Sozialleben

Glückliche Menschen bringen sich als aktiven Teil in die Gesellschaft ein – sei dies in Beziehungen oder in freiwilligem Engagement für ihre Mitmenschen.

Der Wind: Gelebte Spiritualität

Ein Windrad ohne Wind ist bedeutlungslos. Wer für sich den Sinn des Lebens nicht gefunden hat, steht in Gefahr, sein Leben als bedeutungslos zu erleben. Darum finden glückliche Menschen Antwort auf die Sinnfrage.

Über diese fünf Lebensbereiche nachzudenken, sie bewusst zu gestalten, das finde ich seit vielen Jahren sehr wertvoll. Gerne reflektiere ich im Coaching oder in Workshops auch mit anderen ihr Erleben darin.

Doch das Ziel soll nicht das „perfekte Leben“ sein, sondern das gute, bewusste Leben.

Diese Woche habe ich in einem Kiosk gleich mehrere Zeitschriften gesehen, die ihre Titelstory der Selbstopitmierungs-Falle widmen.

Das Glück im Leben soll Freude machen – und nicht zusätzlichen Stress auslösen.

Glücksaufgabe

Wie steht es um deine aktuelle Zufriedenheit in den unterschiedlichen Lebensbereichen? Dieser Workshop kann dir dabei helfen (PDF-Download).

Weitere Anregungen findest du in meinem Buch „Glück finden – hier und jetzt“ oder in einem Coaching.

Was feiern wir da eigentlich?

S’gröschte Gschänk vo dr Wiehnacht
liegt nid ungerem Chrischtboum da.
Äs isch nid iipackt i Papier,
kei Bändel und keis Chärtli dra.
Äs het’s niemer gchouft und niemer gmacht.
S’isch gliich s’Gröschte vo dr Wiehnacht,
s’isch gliich s’Gröschte vo dr Wiehnacht.

S’gröschte Gschänk vo dr Wiehnacht
ghört nid öpperem allei.
Äs isch ou nid nur a eim Ort,
äs isch bi aune Lüüt daheim.
Ja, s’gröschte Gschänk het Gott üs gmacht
a dr erschte Wiehnacht,
dr Jesus het är zu üs gla,
dass mir chöi Freud u Friede ha.

Andrew Bond

Gegenwärtig haben Weihnachtsmärkte, Weihnachtsessen, Weihnachtsfeiern und Weihnachtskarten selbstredend wieder Hochkonjunktur.

Die vielen lieben Karten – manchmal kreativ aufwendig, manchmal eher schlicht – die gegenwärtig ins Haus flattern, haben mich zum Nachdenken gebracht: Was wird da eigentlich gefeiert?

Klar, als Theologe sollte ich schon wissen, warum wir eigentlich Weihnachten feiern. Aber mal angenommen, ich hätte kein Vorwissen und bastle mir mein Bild von Weihnachten einfach anhand der Karten, die ich kriege, zusammen – für was steht Weihnachten demnach?

Drei Weihnachtskarten sind besonders aufgefallen und haben Spuren bei mir hinterlassen.

Ungeschminkte Weihnachten

Da wird ein Tannenbaum ohne jeglichen Weihnachtsschmuck gezeigt. Und er steht erst noch in einer grauen Stadt ohne Weihnachtsbeleuchtung.

Passend dazu die Wünsche: ungeschminkte Schönheit, den echten Frieden und die pure Freude für die Festtage.

Message: Weihnacht hat wohl doch weniger mit Glitter, Glanz und Gloria zu tun. Etwas mit Frieden könnte es sein …

Fest der Beziehungen

Eine andere Karte versprach mir den Sinn von Weihnachten mit den Worten:

Wenn uns bewusst wird, dass die Zeit, die wir uns für einen anderen Menschen nehmen, das Kostbarste ist, was wir schenken können, haben wir den Sinn der Weihnacht verstanden.

Das klingt fantastisch: Liebevolle Beziehungen – wer wünscht sich das nicht? Ein Fest der Liebe und Gemeinschaft – statt billigem Kommerz. Genial!

Wüsste ich es nicht besser, diese Bedeutung von Weihnachten hätte mich überzeugt.

Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, einander Zeit zu schenken und selbstverständlich ist das kostbarer als manches Weihnachtspäckli unter dem Weihnachtsbaum.

Der Thron

Die mutigste, kreativste und aussergewöhnlichste Karte habe ich von einem Kongresszentrum erhalten.

Aber das musst du selbst sehen:

Viele Menschen wären gerne Gott, einige benehmen sich auch so, als wären sie Gott.

Das erstaunliche an Weihnachten ist, dass nicht Menschen den Gott-Status erhalten haben, sondern dass der wahre Gott sich aufgemacht hat und Mensch wurde.

Die Umkehrung unserer geheimen Wünsche (wie Gott zu sein) wird an Weihnachten Tatsache: Der Höchste erniedrigt sich selbst.

Die Geburt von Jesus Christus, also die Geburt von Gottes Sohn, bedeutet: Gott wird einer von uns. Gott wird Mensch.

Göttlicher Friede für alle

Wie den Medien zu entnehmen war, hatte eine Schule im Kanton St. Gallen einige Weihnachtslieder aus ihrem Adventsprogramm gestrichen.

Dazu gehört auch das oben angezeigte Lied „s grööschte Gschänk“ von Andrew Bond. Auf die ganze Geschichte mit dem „Liederverbot“ angesprochen, betonte Bond, dass  Weihnachten – wie die ganze Jesus-Botschaft – verbinden will, nicht ausschliessen.

Weihnachten will sagen: Kein Mensch muss alleine bleiben! Jesus ist für alle da, jede und jeder ist eingeladen zum grossen Fest.

Inklusion ist heute ein grosses Wort. Und trotzdem werden Mauern aufgebaut, Grenzen gezogen, Menschen ausgeschlossen, separiert oder höchstens integriert.

Jesus ist gekommen, damit wir Inklusion feiern können, die Hirten zusammen mit den Königen, die Sozialhilfebezüger zusammen mit den CEOs.

Frohe Festtage!

Ist Mitarbeitermotivation wirklich Chefsache?

Kennst du dieses bedrückende, viel zu lange Schweigen in einer Teamsitzung wenn gefragt wird: „Wer übernimmt diese Aufgabe?“?

Es ist so ähnlich, wie wenn an einem Comedy-Event Freiwillige gesucht werden – alle, bis auf diese eine Rampensau, die sich gerne auf jeder Showbühne sieht – blicken unauffällig zu Boden oder müssen gerade jetzt dringend aufs WC.

Heute ist Internationaler Tag der Freiwilligen. Ohne sie würde ganz viel still stehen in unserer Gesellschaft. Selbst wenn immer mehr Aufgaben, die früher durch freiwillig Mitarbeitende ausgeführt wurden, professionalisiert werden – es bleibt dabei: Unsere Gesellschaft mit einem vielfältigen Vereinswesen und einem weitreichenden Milizsystem lebt vom freiwilligen Engagement.

Wie aber motiviert man diese Freiwilligen? Oder auch unsere angestellten Mitarbeitenden?

Kürzlich war ich auf dem Health LeaderSHIP auf dem Bielersee, wo ich einen Teil des World Cafés moderieren durfte. Bei unserem Gespräch ging es genau um diese Frage der Motivation.

Ein Beitrag war sehr spannend: Ist es wirklich meine Aufgabe als Chef meine Mitarbeitenden zu motivieren? Darf ich nicht von ihnen erwarten, dass sie bereits motiviert zur Arbeit erscheinen?

Es ist überhaupt nicht so, dass dieser Chef sich vor seiner Verantwortung drücken wollte. Im Gegenteil: Er tut schon sehr viel, um ein motivierendes Umfeld für seine Mitarbeitenden zu schaffen.

Und genau da liegt sein Punkt: Ich kann meine Mitarbeitenden gar nicht wirklich motivieren – das wäre ja eine Art „Menschen antreiben“. Was aber meine Aufgabe ist, hat damit zu tun, Raum zu schaffen, damit meine Mitarbeitenden ihre Grundmotivation ausleben können.

Anders gesagt: Als Führungsverantwortliche sollten wir vor allem dafür sorgen, dass wir nicht etwa das Feuer, das in den Menschen brennt zum Erlöschen bringen, sondern sie darin unterstützen, dass sich dieses Feuer, diese Energie, weiterentwickeln kann.

Und da sprechen wir dann gerne vom Unterschied der intrinsischen und extrinsischen Motivation: Wirklich nachhaltig motiviert sind wir nur, wenn es von innen kommt, wenn wir Ziele verfolgen, die unsere persönliche Ziele sind.

Motivation von aussen hat eine sehr kurze Halbwertszeit. Aus der Glücksforschung wissen wir, dass materielle Anreize ihren Reiz ziemlich schnell verlieren.

Motivierte Leute im Bus

Jim Collins hat in seinem Bestseller Der Weg zu den Besten eine bemerkenswerte Feststellung gemacht. Er selbst war über dieses Resultat seiner Forschung überrascht: Oft spricht man davon, wie wichtig eine grossartige Vision ist.

Mit einer solchen leuchtenden Vision trommeln wir dann Leute zusammen, die von diesem Feuer, das bereits in uns brennt, angezündet werden sollen.

Collins Studien zeigten aber: Wichtiger ist, zuerst die richtigen Leute „im Bus“ zu haben und zusammen mit ihnen die Richtung festzulegen.

Diese „Reisegruppen“, in der man einfach gerne zusammen ist, gerne zusammen Projekte stemmt und die Zusammenarbeit für alle eine Inspiration ist, kann dann nötigenfalls sogar Kurskorrekturen vornehmen – man ist zusammen, weil man zusammen unterwegs sein will. Und nicht bloss weil einer eine Vision hatte, der man sich angeschlossen hat.

Eine grossartige Vision ohne grossartige Mitarbeiter ist belanglos.
Jim Collins

Und da ist er wieder, dieser Ansatz der Motivation: Wenn ich Leute für eine Vision motivieren muss, hat das etwas Aufgesetztes. Doch wenn Leute zusammen unterwegs sind, die sowieso schon motiviert sind, habe ich als Führungsperson eine ganz andere Aufgabe: Ich unterstütze meine freiwilligen oder angestellten Mitarbeitenden darin, das zum Leuchten zu bringen, was sowieso schon in ihnen brennt.

Gegenwärtig darf ich mit grosser Freude erleben, wie anders Teamsitzungen sind, bei denen sich Mitarbeitende sofort freudig freiwillig melden, um Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen. Kein beklemmendes Schweigen, sondern ein hoher Energielevel: Ja, das wollen wir. Lass es uns gemeinsam anpacken!

Glücksaufgabe

Kennst du deine persönliche intrinsische Motivation? Was ist deine Passion, das was dich beflügelt und du gerne tust – auch ohne Chef, der dich zu motivieren versucht?

Und wie könntest du das innere Feuer der Menschen in deinem Umfeld entdecken?

Veranstaltungs-Tipp: Der Leitungskongress mit Top-Speakern im Bereich Leadership, Ende Februar 2020 in Karlsruhe.

Ernst Kislig – mein Vorbild

Ernst Kislig? Dieser Name sagt dir nichts? Das versteh ich.

Denn zu allgemeiner Bekanntheit hat er es in seinem Leben nicht gebracht. Aber wer ihn kannte, schaute amüsiert bis bewundernd zu ihm hinauf – obwohl er gar nicht so ein grosser Mann war. Dafür umso mehr ein Mann mit Format. Und wie!

Ernst Kislig – das war mein Grossvater. Letzten Monat ist er in seinem 98. Lebensjahr gestorben.

Ich mochte ihn. Ich liebte ihn. Und als ältestes Grosskind hatte ich irgendwie eine spezielle Beziehung zu ihm.

So war es mir eine grosse Ehre, vor einigen Jahren mit ihm zusammen seinen Lebenslauf zu schreiben.

Was für ein Leben! Dankbar staune ich und lass mich von dieser eindrücklichen Lebensgeschichte berühren:

Ernst Kislig wurde am 29. Januar 1922 in Seftigen als Sohn des Steinhauers Friedrich und Rosa Kislig geboren. Er wuchs mit vier Geschwistern auf und erlebte eine bewegte Kindheit: mit 6 Jahren stürzte er vom Tenn, auch ein Sturz ins Güllenfass gehörte zu seinem Erfahrungsschatz.

Man schmunzelt, wenn man diese Anekdoten liest. Zum Schmunzeln brachte er uns immer wieder. Pure Lebensfreude, selbst wenn die Lebensumstände eher einem Güllenfass ähnelten – das zeichnete Grossvati aus.

Egal ob Familie, Bekannte oder Fremde: Niemand war sicher vor den Witzen von Ernst Kislig. Es war nicht immer klar, ob er die humoristischen Geschichten gerade in dem Moment selbst erfand, in dem er sie erzählte oder ob er den Witz nacherzählte.

Eines jedoch ist sicher: Er war ein Original und als dieses hat er so manchen Menschen ein Lachen ins Gesicht gezaubert.

Seine Schulzeit war geprägt von seiner Rechenstärke, seinen Schwierigkeiten mit Aufsätzen und vor allem von den immer wiederkehrenden epileptischen Anfällen: So fiel er beispielsweise  seitwärts aus dem Schulpult heraus und musste erleben, wie er besonders von den Mädchen gemieden wurde. Dies hinterliess genauso wie die Erfahrung, im Sportunterricht immer als Letzter in eine Mannschaft gewählt zu werden, Spuren im Selbstwertgefühl des jungen Ernsts.

Soll man lachen oder weinen, wenn man dies liest? Die Kindheit hinterlässt bei uns allen Spuren, manchmal sind es Wunden, die uns ein ganzes Leben prägen.

Als Jugendlicher durfte Ernst das erleben, was heute wohl Selbstwirksamkeitserfahrung genannt würde. Er durfte in der Blaukreuzmusik mitwirken, wurde bald Vorstandsmitglied, engagierte sich freiwillig in der Jugendarbeit und machte sich beruflich selbständig.

Ich bin mir sicher, dass er da erlebte, wie er mit seinem Beitrag etwas zum Guten bewirken konnte – etwas bewegen und dabei auch sich selbst etwas Gutes tun und neue Erfahrungen den Verletzungen aus der Kindheit entgegensetzen.

Was blieb, waren die epileptischen Anfälle, bis zu 10 Anfälle pro Tag. Durch medizinische Unterstützung wurde es mit der Zeit besser …

Doch die vollständige Heilung war ein Geschenk Gottes: Während einer Evangelisationswoche durfte Ernst durch ein Heilungsgebet erfahren, dass Gott ihn auf der Stelle aus seiner Not befreite. Selbst ein Neurologe bestätigte später, dass keine Spur von Epilepsie mehr vorhanden sei!

Diese Erfahrung war für Grossvati von existenzieller Bedeutung. Sie hat seine Gottesbeziehung nachhaltig beeinflusst. „Egal was kommt, egal in welchem Güllenfass ich lande – mein Gott verlässt mich nicht!“, ich stelle mir vor, wie etwa so sein Gottvertrauen aussah.

Und dies brauchte er auch: Herausforderungen als Grossfamilie, Angestellte entlassen müssen und dann die Schliessung der eigenen Schneiderei, gesundheitliche Probleme, pflegebedürftige Frau.

Doch wie er all das meisterte und neben den persönlichen Herausforderungen sich trotzdem immer auch für die Gesellschaft engagierte, hat allen Respekt verdient!

Voller Bewunderung durfte die inzwischen auf 14 Gross- und 15 Urgrosskinder angewachsene Familie beobachten, wie man trotz Schwierigkeiten selbst nach 70 Jahren noch eine Liebesbeziehung leben kann. Die Fürsorge und Hingabe von Ernst bleibt uns in beispielloser Erinnerung.

Auch das darf nicht unerwähnt bleiben: In einer Zeit, in der Beziehungen leichtfertig weggeworfen werden, können wir nur dankbar sein für solche Vorbilder. Ernst hat sein Vreneli geliebt, immer wieder Wege gefunden, sie noch optimaler zu unterstützen – trotz Einschränkungen liessen sich die beiden nicht einschränken!

An der Abdankungsfeier durfte ich den Lebenslauf von meinem Grossvater vorlesen. Eine grosse Ehre und Freude für mich! Denn: Grossvati war schon immer ein Vorbild für mich.

Manch Schweres hatte Ernst Kislig in seinem Leben zu tragen. Doch weil er seinen Gott und all das Schöne im Leben nie aus dem Blick verlor, überwog bis zu Letzt die Dankbarkeit. Und so blicken wir heute dankbar auf ein reiches und vorbildliches Leben zurück!

Glücksaufgabe

Ein Mann mit Format, aber auch mit Ecken und Kanten, sei er gewesen, dieser Ernst Kislig. So hiess es an der Trauerfeier. Ohne Schönfärberei wurde so viel Gutes über dieses Leben erzählt, dass ich dachte – und sagte: All das möchte ich an meiner eigenen Abdankung auch mal hören.

Und da kam mir diese Coaching-Übung in den Sinn: Schreib mal deine eigene Grabrede? Was möchtest du, dass die Leute über dich sagen, wenn du einmal nicht mehr bist?

Es ist eine wirkungsvolle Glücksaufgabe, sich bewusst zu werden, für was man wirklich leben möchte. Es lohnt sich!